Fredagsmys und Ljusstake


– „Hast du das Ansökan schon an die Kulturförvaltning geskickat?“
– „Nein, das mach ich nach dem Lunch, ich will jetzt erst Mat lagan.“
– „Was gibt’s denn?“
– „Heimgemachte pannkakor.“

Jonas und ich sind zwar weit davon entfernt, miteinander schwedisch zu sprechen, aber deutsch kann man das Kauderwelsch, das hier manchmal erklingt, auch fast nicht mehr nennen. Eher Schweutsch. Das liegt zum einen daran, dass viele Begriffe, die wir hier im Alltag brauchen, in Deutschland seltener gebraucht haben, (z.B. Dubbdäck), zum anderen dass wir manche Dinge hier erst kennengelernt haben und es keine deutsche Entsprechung gibt oder es irgendwie zu anstengend ist, nach einem deutschen Äquivalent zu suchen.

Ganz schlimm wird die Sprachverwirrung, wenn wir uns in internationaler Gesellschaft befinden. Da bin ich gerade im Gespräch mit einem Schweden (auf schwedisch) und es stößt ein Schweizer Austauschstudent hinzu, der nur wenig Schwedisch kann. Natürlich switchen wir dann auf englisch um, aber eigentlich ist mein Hirn noch im Schwedisch-Modus. Dann geht der Schwede weg, aber irgendwie bleibe ich mit dem Schweizer auf englisch, obwohl wir beide deutsch als Muttersprache haben. Dann kommt eine belgische Austauschstudentin hinzu und quatscht den Schweizer auf französisch an. Aus einem versteckten Winkel meines Hirns melden sich die sterblichen Reste aus meinem Französisch-Leistungskurs und sieben Jahren Schulfranzösisch. O là là! Und wenn dann noch im Vorbeigehen die nette Chinesin grüßt, die weiß, dass ich auch ein paar Brocken ihrer Muttersprache spreche…

Wenn das einen ganzen Abend lang so geht, weiß man irgendwann nicht mehr, welche Sprache man eigentlich gerade hört, geschweige denn in welcher Sprache man selbst antworten oder auch nur denken soll. Irgendwie ist das aber auch sehr lustig, weil es natürlich allen mehr oder weniger genauso geht. Nur Alkohol sollte man an einem solchen Abend nicht trinken, sonst stehen bereits nach einem halben Glas Wein alle Sprachzentren im Hirn gleichzeitig auf und fangen an zu tanzen.

Heute ist Freitag und damit Zeit für fredagsmys, „Freitagsgemütlichkeit“. Aber irgendwie klingt das auf deutsch so gemütlich wie German Gemutlichkeit in the beergarden und Weihnachten bei Familie Hoppenstedt. Fredagsmys hingegen klingt irgendwie… mysigare.
Fredagsmys ist eigentlich eine vergleichsweise neue Erscheinung, die als Begriff erst 2006 Eingang in das schwedische Äquivalent zum Duden gefunden hat. Es markiert das Ende der Arbeitswoche und den Beginn des Wochenendes und in Familien mit arbeitenden Eltern und vielbeschäftigten Kindern ist der Freitagabend eine heilige Zeit, zu der man sich tunlichst nicht verabeden oder jemanden anrufen sollte. So gemütlich die Idee klingt, so sehr scheinen die modernen Rituale sich jedoch hauptsächlich auf einen gemeinsamen Fernsehabend mit viel Chips, Pizza und Cola zu beschränken, zumindest wenn man der furchtbaren Werbung glaubt.

Unser "neuer" Adventsljusstake

Wir haben heute auch Fredagsmys gemacht (ganz ohne Fernsehen und Chips): nachmittags ein Besuch im Second-Hand-Weihnachtsmarkt und anschließende die Wohnung umdekoriert. Endlich haben wir auch einen Adventsljusstake oder kurz Ljusstake für die Fensterbank wie alle unsere Nachbarn! Was das ist? Nun ja, bab.la nennt es ganz prosaisch Kerzenhalter, die Wikipedia gar Armleuchter. Auch Adventskranz trifft die Sache nicht wirklich. Ein Adventsljusstake eben. Und für alle, die beim Lesen dieses Wortes über ihre Zunge stolpern, hier eine kleine Hilfe: „Advents-jüs-stake.“

Und was gabs danach? Hemlagade pannkakor mit Lingonsylt.

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5 Kommentare zu “Fredagsmys und Ljusstake”

  1. Regarding Sprachverwirrung: das hat hier jetzt auch angefangen. Man hatte mich gewarnt: „Du wirst auch kein englisch mehr können“–meine griechische Kollegin und ich versuchen schwedisch miteinander zu reden, aber wenn es kompliziert wird, wechseln wir nach englisch–allerdings kennen wir tatsächlich ein paar Wörter auf schwedisch, die wir auf englisch nicht kennen, und so mixen wir fröhlich. Mit den Schweden passiert mir das auch. Mein Hirn raucht…

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