Herzlichen Glückvunsch, Dubbel-We!


Am 3. März 2005 beschloss die Schwedische Akademie, die unter anderem jedes Jahr den Literaturnobelpreisträger vorschlägt, das schwedische Alphabet um einen Buchstaben zu erweitern. Bis dahin bestand dieses aus 28 Buchstaben, denn Å, Ä und Ö folgen ganz selbstverständlich auf XYZ. Mal kurz nachrechnen… und? Vergleicht man es mit dem deutschen Alphabet, dann fehlt da was.

Zwischen Whisky und Wigwam

Seit der 13. und damit aktuellen Auflage der SAOL (Svenska Akademiens Ordlista), dem schwedischen Duden, emanzipierte sich nämlich der Buchstabe W („dübbl-we“) von seinem Halbbruder, dem V („we“). Bis dahin wurden beide Buchstaben wie ein und derselbe Buchstabe behandelt und das wienerbröd, eine schwedische Leckerei aus Blätterteig, Vanillepudding und Zuckerguss, stand damit bis 2006 zwischen vidvinkelobjektiv und vietnam, während es sich heute zwischen whisky und wigwam bewegt.

Das W hatte sich eigentlich schon länger aus der Sprache verabschiedet – auf alten Landkarten findet man manchmal noch Ortsnamen wie Wenersborg oder Wästergötland – und war bzw. ist nur noch in alten (Adels-)Familiennamen wie Löwenhielm, Wachtmeister oder Reuterswärd vorhanden, von denen die meisten wahrscheinlich auf die Hansezeit und reiche deutsche Kaufleute zurückgehen.

Der kleine Unterschied

Erst in neuerer Zeit wanderten wieder vermehrt Wörter mit W nach Schweden ein: neben whisky und wigwam zum beispiel auch wok, webb, workout, wasabi, wellpapp oder das Verb att wallraffa was soviel bedeutet wie: unter falscher Identität investigativen Journalismus betreiben. Auch wenn es lautlich fast keinen Unterschied macht, so kann der Unterschied zwischen w und v manchmal doch bedeutungstragend werden, wie zum Beispiel bei den Wörten tvist (Streit, Zwist) und twist. Let’s tvist again…

Unterdrückten Minderheiten zu ihrem Recht zu verhelfen und Einwanderer zu integrieren ist in Schweden ja durchaus eine wichtige Sache und so begründete der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie Horace Engdahl die Neuerung damals, 2006, mit den Worten:

„Aber die eigentliche Sensation der neuen Auflage ist, dass ein schwedischer Buchstabe nach Jahrhunderten aus der Sklaverei seines Halbbruders befreit wurde.(…) Endlich wurde also anerkannt, dass das W einen eigenständigen Wert als Buchstabe hat und mehr ist, als nur ein Werkzeug um Nachnamen zu versnobben. Und damit besteht unser Alphabet zukünftig aus 29 Buchstaben. Wir gratulieren dem W zur Volljährigkeit!“

Liebhaber der schwedischen Sprache feiern daher heute den 7. Jahrestag der Befreiung des W mit dem W-Tag.

Der Radiosender P1 widmete dem Thema in der Sendung Vetenskapsradion Språket ebenfalls einen Beitrag (ab 00:03:30).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s