Nachholbedarf I: Zwei Schlangen in Mauritzberg


Eigentlich war ja gerade Mittsommer und wir haben einiges über unseren kleinen Ausflug nach Schloss Läckö zu schreiben. Seit unserem letzten Artikel ist aber zwischenzeitlich noch mehr passiert, weshalb es heute erst einmal etwas anderes gibt:

Schon lange, noch bevor wir in Schweden ankamen, hat sich bei uns ein Spinnerei eingenistet: Irgendwann, wenn wir gaaaanz viel Geld haben und wir beide von meinen Tantiemen aus der GEMA leben können – hust hust –, wollen wir uns irgendwo an einem See ein schönes Haus kaufen. Aber nicht nur eins, sondern gleich ein ganzes Gehöft oder torp, mit Haupthaus, Gesindehaus, Werkstatt, Scheune und mehr. So etwas wie bei Michel aus Lönneberga, nur bitte direkt am Wasser. Im Haus würden wir dann wohnen, im Gesindehaus unsere Gäste und in der beheizten und klimatisierten Scheune: Unser Flügel. Denn dort würden wir einen Konzertsaal einrichten, in dem wir mit feinen Kammerkonzerten Kultur aufs Land holen würden.

So weit unser Plan. Vor einiger Zeit mussten wir nun entdecken, dass wir nicht die ersten sind, die auf diese Idee gekommen sind. Gerade einmal zwölf Kilometer von uns, schnurstracks in Richtung Pampas, liegt ein alter Gutshof mit wechselvoller Geschichte, von Pension über Dorfladen bis Telegrafenamt hat er viel gesehen. Heute wohnen eine Cellolehrerin und ein Flötenbauer in Mauritzberg. Im Haus, also eigentlich ihrem Wohnzimmer, und in der dazugehörigen Wassermühle organisieren die beiden zusammen mit ihren Kindern, einem eigens gegründeten Verein sowie Fördergelden aus allen möglichen Quellen regelmäßig Konzerte. Dabei wird ein breites Spektrum von Jazz über klassische bis hin zu neuer Musik geboten.

Vorne die Mühle mit Mühlteich, hinten das Haupthaus

Am vorletzten Wochenende lud die Familie zum Sommerfestival ein, dem alljährlichen Höhepunkt der Saison. Ein ganzes Wochenende lang gab es Konzerte: geboten wurden Jazz und Pop, Kammermusik und Barock, ein Kindermusical und sogar eine Oper, die Zauberflöte. Wie man sich sicher vorstellen kann, bietet eine Mühle nicht gerade Platz für eine große Operninszenierung und die finanziellen Mittel eines kleinen Vereins reichen auch nicht, um 18 Solisten zu bezahlen. Daher gab es eine extrem komprimierte, aber sehr stimmige 90-Minuten-Version der Oper, die mit lediglich drei Hauptrollen (Pamina, Tamino und Papageno) auskam. Hinzu kam ein von Tamino aus dem Off gesungener Monostatos und eine gesprochene Papagena; per Videokonferenz wurden die Königin der Nacht und Sarastro zugeschaltet. Dies führte zu recht spannenden Änderungen in der Handlung: So waren die Königin der Nacht und Sarastro ein und dieselbe Person und die erste Dame war in Wirklichkeit Pamina, die Pamino also auf sich selbst ansetzte. Das Orchester war auf ungefähr 15 Musiker reduziert und das Nya MotettEnsemble – also wir – stellten mit  zehn Sängern den Opernchor.

Obwohl die Probenarbeit etwas chaotisch war, wir die Noten erst wenige Wochen vor der Aufführung bekamen und fast keine Proben vorher organisieren konnten, wurde das Ganze am Schluss sehr schön und stimmig – woran mit Sicherheit auch die vielen Helfer und das leckere Essen ihren Anteil hatten. Und natürlich die wunderschöne Kulisse. Und ich meine jetzt nicht die auf der Bühne, sondern die um die Mühle herum; die, in der Annika gerade noch eine Ringelnatter fotografieren konnte, bevor sich die Schlange den alten Mühlgraben herunterstürzte – zu Hülfe, zu Hülfe!

Kurz vor dem Sprung in…
…den Abgrund.

Von der anderen Schlange des Wochenendes – nämlich der aus der Zauberflöte – gibt es leider kein Beweisfoto. Ich kann aber versichern, dass die lange Wurst aus aneinandergeknoteten Müllsäcken einen hohen Unterhaltungswert hatte.

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