Sommerpausen


Jeder deutsche Arbeitnehmer in einem halbwegs vernünftigen Arbeitsverhältnis hat ein Recht auf Urlaub, mindestens vier Wochen. Das gleiche gilt auch für Schweden, mit einer kleinen Erweiterung: Jeder Schwede in einem halbwegs vernünftigen Arbeitsverhältnis hat ein Recht auf vier Wochen zusammenhängenden Urlaub zwischen dem 1. Juni und dem 31. August. Und viele scheinen diesen Urlaub auch zu nutzen, Stichtag ist häufig Mittsommer oder auch der 1. Juli.

Früher wurden deshalb die Fabriken einfach heruntergefahren und es gab Werksferien für so gut wie alle Arbeitnehmer. Dass das Land heutzutage nicht mehr in einen ganz so tiefen Sommerschlaf fällt wie vor vielleicht zwanzig oder dreißig Jahren liegt an einem riesigen Studentenheer, dass auf massenhaft (anscheinend) gut organisierte Sommerjobs verteilt wird. In den letzten Monaten war die Suchbörse der arbetsförmedlingen voll von Ferienvertretungen, vor allem in Fabrik- und Pflegeberufen. Aber trotz dieser Ersatzarbeiter wird so manches auf das Nötigste reduziert: Die Busfahrpläne sind ausgedünnt, vor allem in den arbeitsbedingten Stoßzeiten, in Ale kommun hat nur noch eine von vier Bibliotheken geöffnet und das Ärztehaus in Skepplanda hat geschlossen, alle Kräfte werden im Nachbarort gesammelt, um eine gute Versorgung zu gewährleisten.

Das ganze Leben verlagert sich aus den Städten in die Sommeridylle. Sehenswürdigkeiten haben wieder geöffnet, kleine Cafés im Nirgendwo öffnen ihre Pforten, die Campingplätze füllen sich und in den Ferienhaussiedlungen wehen wieder die Wimpel. Dabei fahren aber weniger Schweden in den Urlaub, als ich dachte: Ich habe mittlerweile von einigen Bekannten gehört, dass sie einfach den ganzen Sommer zu Hause bleiben. Eigentlich auch verständlich, denn nun ist ja auch die Zeit, in der sich das Haus am See von seiner schönsten Seite zeigt.

Neben der Arbeit ruhen auch noch andere Aktivitäten: Unsere beiden Chöre haben sich in die Sommerpause verabschiedet, erst Ende August geht es weiter. Nach unserem Wochenende in Mauritzberg hatten wir am letzten Mittwoch noch ein Konzert mit Göteborgs Vokalensemble auf der Insel Björkö. Es war ein sehr schöner Abend mit leckerem fika und guter Musik in der örtlichen missionskyrka; und wir waren seit langem mal wieder am Meer, wenn auch nur kurz.

Das Licht war so, das ist nicht unsere Schuld!
Ganz touristisch: Unser Chor auf der Fähre – eigentlich steigen Schweden während der Überfahrt nicht aus dem Auo.
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