Du und ich…


Als ich Deine Kontaktanzeige las, war ich sofort fasziniert von Dir und wollte Dich unbedingt kennenlernen. Als wir uns dann das erste Mal trafen, war es Liebe auf den ersten Blick. Es schien, als wären wir wie füreinander geschaffen. Du warst mein erster „Richtiger“ und Du warst vor mir lange einsam gewesen und brauchtest dringend wieder jemanden, der Ordnung in Dein Leben brachte. Obwohl wir wussten, dass es erst mal eine Fernbeziehung werden würde, waren wir doch beide gewillt, es miteinander zu versuchen.

Die erste Zeit war anstrengend. Wir wollten soviel Zeit wie möglich miteinander verbringen und das taten wir auch. Doch je näher ich Dich und Dein Umfeld kennenlernte, desto mehr Zweifel stiegen in mir auf. Passten wir wirklich so gut zueinander, wie wir anfangs dachten? Deine Welt war mir so unglaublich fremd und unsere Interessen lagen so himmelweit auseinander. Und doch fordertest Du täglich aufs Neue von mir, dass ich mich auf Dich einließ. Was ich auch tat, so gut ich es vermochte.

Doch irgendwann reichte meine Kraft einfach nicht mehr und die tägliche Fahrerei zu Dir fraß mich auf. Wir haben lange miteinander geredet und ließen uns schließlich darauf ein, uns nur noch zweimal die Woche zu sehen. Als wir uns zu dieser Lösung durchgerungen hatten, merkte ich, wie ich langsam neue Kraft schöpfte und sogar anfing, ein paar aus Deiner Familie zu mögen, auch wenn mir Deine Welt nach wie vor suspekt blieb.

Ich hatte den Eindruck, die Distanz tat uns beiden gut. Unsere Beziehung funktionierte fortan reibungslos, weil ich endlich wieder Luft zum Atmen hatte. Ich weiß nicht, ob es die ewige Treue gewesen wäre, aber an manchen Tagen, wenn Du mir wieder eine Liebeserklärung gemacht hattest und mir erklärtest, wie unersetzlich ich für Dich geworden sei, dachte ich schon, dass es mit uns schon eine Weile gut gehen könnte, wenn wir nur die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz finden würden.

Doch eines Morgens kam sie. Sie stand einfach da und wollte Dich zurück. Sie war ein Jahr auf Weltreise gewesen, doch vor ihrer Abreise hattet ihr euch gegenseitig hoch und heilig versprochen, dass sie zu Dir zurückkehren würde und dass Du auf sie warten würdest. Du aber hast uns beide hintergangen!

Du hast mir vorgelogen, dass Du an einer langfristigen Beziehung interessiert seist, dabei war ich für Dich nur ein billiger Lückenfüller! Und ich habe Dir abgekauft, was Du mir vorgegaukelt hast. Doch kaum stand sie wieder auf der Matte, trenntest Du Dich von mir. Dabei hätte ich es ahnen müssen, so wie Du Deine Familie immer behandelt hast. Ausgenutzt hast Du sie, jeden Tag aufs Neue, nach Strich und Faden! Auch Deine Freunde waren nie sicher vor Deinen Launen – heute sagtest Du Hü, morgen Hott, nie wussten Deine Freunde, woran sie bei Dir gerade waren. Und ich sollte Dir auch noch dabei helfen, Dein Image zu verbessern, weil Dir ja immer so furchtbar wichtig war, was Fremde über Dich denken. Gleichzeitig behandeltest Du Deine Familie wie den letzten Dreck!

Doch auch die andere war zutiefst enttäuscht von Dir und verließ Dich drei Tage nach ihrer Rückkehr wieder – mit den Worten: „werd glücklich mit Deiner Neuen!“ Reumütig kamst Du daraufhin zu mir zurück. Ich hatte inzwischen Rat bei einem Beziehungstherapeuten gesucht und hätte Dir sogar die Chance gegeben, „alles auf Anfang“ zu drehen. Doch jetzt wolltest Du auf einmal nur noch eine offene Beziehung, gleichzeitig sollte ich aber wieder jeden Tag zu Dir kommen. Als ich das so nicht akzeptieren wollte und schließlich sogar meinen Therapeuten zu Dir schickte, um Dich wieder zur Vernunft zu bringen, verleugnetest Du auf einmal alles, was jemals zwischen uns gewesen war. Angeblich seist Du nie an etwas Ernstem interessiert gewesen. An diesem Punkt riet mir der Beziehungstherapeut dringend, Dich zu verlassen – er mache sich ernsthaft Sorgen um Deine geistige Gesundheit so wie Du mich behandeltest.

Doch ich musste Dich gar nicht mehr verlassen, denn Deine Reaktion auf die Äußerung meiner Bedürfnisse und das Einschalten eines Beziehungsexperten war eindeutig: Hinter meinem Rücken hattest Du bereits eine neue Kontaktanzeige geschaltet, die ich zufällig im Internet fand. Doch das war mir dann fast schon egal, denn nach allen vorhergehenden Enttäuschungen war unsere Beziehung zu diesem Zeitpunkt bereits so zerrüttet, dass die heimliche Kontaktanzeige auch nur noch das Sahnehäubchen auf einer viel zu bitteren Torte war.

Inzwischen hast Du wieder jemand neues gefunden, mit dem Du Deine miesen Spielchen treiben kannst, und ich bin erst mal wieder Single. Aber ich bin heilfroh, dass ich Dich los bin, denn eigentlich haben wir nie zueinander gepasst.

Lebwohl, Übersetzerjob in der internationalen Modebranche!
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Update und Fortsetzung: Frisch verliebt

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5 Kommentare zu „Du und ich…“

  1. Hi Annika,

    anfangs habe ich ja wirklich geglaubt, du hättest dich tatsächlich verliebt….in diesen urwüchsigen, schwedischen, unkomplizierten, immer freundlich blickenden, leider etwas trägen, aber absolut zuverlässigen, ein bisschen in die Jahre gekommenen Typen namens PV544… :-)

    Viel Erfolg bei der Arbeitssuche, hoffentlich mit besserem Vorzeichen.

    Gruß aus Buxtehude

    Carsten

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