5. Dezember 2012 – Der Wichtel im Schaufenster (1)


Kapitel 1

Es waren einmal zwei nette alte Damen, die wohnten in einem kleinen weißen Haus auf dem Lande und nähten Puppen, die sie an einen Spielzeugladen in der Stadt verkauften. Sie waren sehr geschickt und erfanden immerzu neue Puppen: Feine Damen aus Seide und Babypuppen und Matrosen und Schornsteinfeger und Tänzerinnen und Harlekins und Neger. Ständig hatten sie neue Ideen. In den Wochen vor Weihnachten hatten sie am meisten zu tun. Dann saßen sie manchmal und arbeiteten bis spät in die Nacht.

Doch das gefiel ihrem alten Hauswichtel nicht. Er hatte die beiden Damen aufwachsen sehen und fand, dass sie immer noch fast Kinder waren und er wollte, dass sie abends rechtzeitig ins Bett gingen. Deswegen schlich er sich manchmal unbemerkt in die Nähstube der beiden Damen und pustete die Öllampen aus, denn im Haus der beiden Damen gab es kein elektrisches Licht. Dann merkten sie plötzlich, dass es schon spät war und dass sie eigentlich zu müde waren, um noch weiterzuarbeiten. Auf diese Weise gelang es dem Wichtel, sie ins Bett zu schicken. Nachdem er dann auf seinem abendlichen Rundgang durchs Haus geprüft hatte, ob alle Türen verschlossen und alles Feuer niedergebrannt war, kroch er schließlich in sein eigenes Bett in der Wichtelstube unter dem Küchenboden.

Aber in mondhellen Nächten passierte manchmal etwas, wovon der Wichtelvater nichts wusste. Dann schlichen sich die beiden Wichteljungen Nisse und Nusse durch die Klappe im Küchenfußboden und verschwanden in der Nähstube. Dort spielten sie mit den Puppen und hatten einen Heidenspaß, solange der Mond das Zimmer erhellte.

In einer solchen Nacht, ein paar Wochen vor Weihnachten, merkten Nisse und Nusse, dass sie die Kleider der Puppen selbst anziehen konnten und das bereitete ihnen großes Vergnügen. Zufällig lagen dort gerade auch ein paar Wichtelpuppen in schönen roten Gewändern, die Nisse und Nusse passten wie angegossen. Nusse fand seine Puppenkleider so schön, dass er sie gar nicht mehr ausziehen wollte. Die alten abgetragenen grauen Sachen, die die Wichtelmutter schon so oft geflickt hatte, mochte er nicht mehr ansehen. Er schnallte sich sein Messer um, denn ein Wichtel hat immer sein Messer bei sich. Er sprang auf den Nähtisch, bewunderte sich im Spiegel und fand, dass er der hübscheste Wichtel auf der ganzen Welt war. Deswegen hörte er auch nicht, wie ihn Nisse ermahnte, die Puppenkleider auszuziehen, alles wieder an seinen Platz zu stellen und zurück ins Wichtelbett zu gehen, bevor der Wichtelvater erwachte. Stattdessen drehte und wendete sich Nusse weiter vor dem Spiegel.

Doch gerade in dieser Nacht schlief Fräulein Therèse, die ältere der beiden Damen, nicht besonders gut…

Kapitel 2

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Übersetzung von Brevlåda nach Elsa Beskows Erzählung Tomten i leksaksfönstret, die unseres Wissens bisher nicht auf Deutsch veröffentlicht wurde.

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7 Kommentare zu “5. Dezember 2012 – Der Wichtel im Schaufenster (1)”

    1. Det finns ju ett helt litteratur-universum att upptäcka när man har lärt sig ett nytt språk. Elsa Beskow hade jag inte riktigt på min personliga kartan tills jag hittade den här historian i en julbok.

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