121212-1212 oder: Die Geschichte von Tolvan Tolvansson


Tolvan Tolvansson wird heute 100. Oder er wird heute geboren, so genau weiß man das nicht. Der ständig kranke Kerl ist aber auch ein Pechvogel: er war schon schwanger und hatte Prostatakrebs (gleichzeitig, wohlbemerkt!) und wurde bereits unzählige Male für tot erklärt. Und jetzt hat das Skatteverket (Finanzamt) ihm endgültig seine Identität genommen.

Das ist aber auch nur mäßig dramatisch, denn Tolvan Tolvansson ist eine fiktive Person, die in Deutschland vielleicht Zwölfo Zwölfiger heißen würde. Er wurde am 12.12.12 geboren wurde und seine Personennummer lautet daher logischerweise 121212-1212.
In Schweden ist man ja ein Niemand, wenn man keine Personennummer hat, denn ohne Personennummer kann man hier weder ein Bibliothekskonto eröffnen, noch einen Umzugswagen mieten, geschweige denn zum Arzt gehen (keine Sorge, das mit dem Arzt gilt natürlich nicht für Touristen).
[Mehr zum Thema Personennummer hier und hier.]

Während das Geburtsdatum von Tolvans „Cousin“ Max Mustermann weniger wichtig ist (und deshalb auch öfter mal geändert wird), ist Tolvans Geburtsdatum von existenzieller Bedeutung für das schwedische Gesundheitssystem. Denn wann immer medizinisches Personal in der Anwendung einschlägiger Software geschult wird, so ist es immer Tolvan, der seine Personennummer dafür hergeben muss, denn ohne Personennummer keine Krankenakte.

Da es sich hierbei um eine interne „Versuchsperson“ des Pflegesystems handelte, wusste bis vor kurzem niemand im Skatteverket, welches die Personennummern zuteilt, von Tolvan. Nun hätte ja heute ein Junge geboren werden können, dem das Skatteverket besagte Nummer zugeteilt hätte. Dieses bemitleidenswerte Kind wäre dann laut Akte mit einer erdrückenden Krankengeschichte zur Welt gekommen.

Wohl nur durch Zufall hat das Skatteverket vorige Woche – sozusagen um 5 vor 12, höhö – von Tolvan Tolvansson erfahren und seine Personennummer gerade noch rechtzeitig gesperrt, um diesen Fall zu verhindern.

Soweit die ganz unterhaltsamen Fakten, wie sie dieser Tage durchs Netz geisterten (z.B. bei Sveriges Radio).

Was mich an der Geschichte allerdings etwas verwundert, ist, dass die Nummer 121212-1212 so niemals hätte vergeben werden können, weil die letzte Ziffer eine Prüfziffer ist, die sich in einem mittelkomplizierten Verfahren aus den vorhergehenden Ziffern errechnet und in diesem Fall eine 3 gewesen wäre, wenn ich ich nicht verrechnet habe.
[Wen’s genauer interessiert: Seite 10 in diesem Dokument.]

Aber es ist doch beruhigend zu wissen, dass das Skatteverket jetzt eine Personennummer gesperrt hat, die es nie hätte geben können und damit einem Kind, das nie diese Nummer hätte erhalten können, eine Menge Erbkrankheiten erspart hat, die es nie gegeben hat. Alles Hypochonder…?

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