19. Dezember 2012 – Chorfantasie über »O Tannenbaum, du trägst ein‘ grünen Zweig«


Eines der wenigen deutschen Weihnachtslieder, das ich mir auch heute noch gerne anhöre, ist O Tannenbaum, du trägst ein‘ grünen Zweig. Wahrscheinlich liegt das vor allem daran, dass sich dieses Lied mit seinem eher nachdenklichen Tonfall nicht besonders gut als Kaufhausbeschallung eignet. Hinzu kommt, dass ich es mit einem der besten und prägendsten Lehrer in Verbindung bringe, dich ich während meines Studiums hatte: Peter-Michael Riehm. O Tannenbaum, du trägst ein‘ grünen Zweig war eines seiner Lieblingsbeispiele, um uns Studenten den Unterschied zwischen schlecht komponierten pseudo-Volksliedern wie O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter – schneidiger Kommentar eines Kommilitonen: »Das ist halt eine gerrrade, prrreußische Tanne!« – und echter Volksmusik (im besten Sinne!) aufzuzeigen.

Kurz bevor ich dann bei diesem Lehrer mein Hauptfachstudium in Musiktheorie beginnen wollte, verstarb er ganz plötzlich. Nachdem wir dann letztes Jahr in Schweden angekommen waren und mit Göteborgs Vokalensemble ein Weihnachtskonzert vorbereiteten, schrieb ich folgende Chorfantasie in Gedenken an Peter-Michael Riehm.

O Tannenbaum, o Tannenbaum
du trägst ein‘ grünen Zweig.
Den Sommer, den Winter,
das dau’rt die liebe Zeit.

Warum sollt‘ ich nicht grünen,
da ich noch grünen kann.
Ich hab nicht Mutter noch Vater,
die mich versorgen kann.

Doch der mich kann versorgen,
das ist der liebe Gott,
der lässt mich wachsen, grünen,
drum bin ich stark und groß.

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2 Kommentare zu “19. Dezember 2012 – Chorfantasie über »O Tannenbaum, du trägst ein‘ grünen Zweig«”

    1. Hallo Jochen und herzlich willkommen bei Brevlåda!

      Wie schön, dass dich mein Stück interessiert. Natürlich habe ich mich beim Schreiben der Chorfantasie auch mit dem Wortlaut des Textes befasst, denn von diesem gibt es ja einige Varianten, so wie es bei authentischen und ursprünglich mündlich tradierten Volksliedern häufig der Fall ist.
      Das Lied stammt aus Ostwestfalen, so dass man wohl eher eine Fassung wie “O Danneboom, o Danneboom, du drägst ne grönen Twig” als ursprünglich ansehen kann und mir erschien der unprätentiöse Text, der zudem näher an der Überlieferung ist, interessanter als dessen romantische Glättung und Metaphorisierung. Schließlich finder sich auch in der niederdeutschen Version der unreine Reim twig/tid.
      Ein weiterer Grund für die Textwahl liegt in der Widmung des Stücks: Mein leider verstorbener Lehrer, in dessen Gedenken ich das Stück geschrieben habe und durch den ich das Volkslied kennen und schätzen gelernt habe, hat immer die von mir gewählte Textversion zitiert.
      Trotzdem stehe ich einer Aufführung mit der Textvariante “Kleid” offen gegenüber und solltest Du Interesse an den Noten haben, kann ich sie Dir gerne zukommen lassen. Weitere Informationen über das Stück findest Du auch auf meiner Homepage https://jonasmuething.wordpress.com/.

      Noch einmal vielen Dank für Dein Feedback und Interesse und weiterhin viel Spaß auf unserem Blog,

      Jonas

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