Die Sache mit den Daumen


Vor einiger Zeit erreichte uns folgende Nachricht von „Johanna“ (die nicht wirklich Johanna heißt):

Ich finde die Beiträge teilweise sehr informativ und erfrischend.
Nun bin ich kein Dauer-Blogger-Leser, da käme ich ja zu nix mehr.
Aber eine Frage hätte ich: Ihr habt Euch für Daumen rauf und runter entschieden. Warum? Daumen rauf ist natürlich sehr schön; aber bei Daumen runter wäre es doch interessant zu wissen, warum?? Und das erfährt man doch nicht. Oder liege ich da falsch?
LG

Liebe Johanna,

bitte entschuldige, dass Deine Frage viel zu lange unbeantwortet blieb, aber ich fand sie zu wichtig, als dass ich sie dir in zwei Zeilen beantworten wollte. Deine Beobachtung ist durchaus richtig, der Daumen gibt keinen Aufschluss darüber, warum jemand einen Artikel gut findet oder nicht, ebensowenig wie wir über den Daumen erfahren, wem unser Geschreibsel ge- oder missfällt.
Ursprünglich hatten wir dieses Feature mal eingebaut, weil wir uns erhofften, dadurch ein Meinungsbild zu erhalten, welche Artikel unsere Leser besonders ansprechen – oder eben nicht.

Daumen

Natürlich gibt es auch noch die Kommentarfunktion am Ende jedes Artikels, aber nicht jeder hat Zeit und Lust, einen öffentlichen Kommentar zu einem Artikel oder im Gästebuch zu hinterlassen, obwohl auch das anonym möglich ist.
Lediglich Jonas und ich können dann theoretisch über die Mailadresse des Kommentarschreibers Rückschlüsse auf dessen Identität ziehen – natürlich nicht, wenn die Adresse hasimausi123@web.de ist. Den ersten Kommentar eines Lesers müssen wir aus Spamschutzgründen einzeln freigeben, danach meldet sich der Spamschutz nur noch, wenn ein Kommentar externe Links enthält.

Kommentar

Die dritte Möglichkeit mit uns in Kontakt zu treten ist das Kontaktformular, das ist wie eine Email schicken. Und im Normalfall zerren wir solche Nachrichten auch nicht an die Öffentlichkeit. Heute ist eine Ausnahme.

Zurück zu Deiner Frage. Wie du schon sagst: Daumen rauf ist natürlich schön und auch wir fänden es interessant zu wissen, warum ein Artikel einen Daumen runter bekommt – insbesondere wenn wir selbst glauben, wir hätten über belanglose Alltäglichkeiten geschrieben.

Da können wir nur raten: langweiliger Text? Hässliche Bilder? Unterschiedliche Meinungen in einer Sachfrage? Jemand, der mal ausprobieren wollte, was passiert, wenn man auf „Daumen runter“ klickt?

Nicht jeder Artikel, der hier steht, ist unglaublich geistreich, informativ, unterhaltsam und mit atemberaubenden Fotos garniert. Könnten wir solches in dauerhaft hoher Qualität leisten, würden wir für DIE ZEIT schreiben und für die National Geographic fotografieren. Tun wir aber nicht. Wollen wir auch nicht.

Im Gegenteil: Brevlåda ist – gemessen an den Besucherzahlen – auch nach fast drei Jahren ein relativ kleines Blog und die Menschen, für die wir schreiben, sind nach wie vor in erster Linie Menschen, die wir persönlich kennen und denen es wichtig ist, gelegentlich zu erfahren, was uns so umtreibt, auch wenn es nur Banalitäten wie ein Winterspaziergang sind. (Andere machen das auf Facebook, aber dem verweigern wir uns hartnäckig.)

In zweiter Linie richten wir uns an Menschen, die wir nicht persönlich kennen, die aber gewisse Interessen, Erfahrungen oder Gemeinsamkeiten mit uns teilen: Schweden, In-einem-anderen-Land-leben, Musik, Fotografie… Auch ihr seid hier herzlich willkommen!
Und wenn in der Welt da draußen jemand ist, den unsere Texte oder Bilder so sehr ansprechen, dass er oder sie sich die Zeit nimmt, darauf zu kommentieren, uns eine Nachricht zu schicken oder sich daraus sogar ein Treffen „offline“ ergibt, freut uns das natürlich ganz besonders, denn solche virtuellen oder realen Begegnungen bereichern unser Leben.

Menschen, die mit einer anderen Erwartungshaltung hierher gefunden haben, sind uns ebenso willkommen, werden aber vermutlich enttäuscht, was Inhalt, Stil und Qualität der Blogartikel angeht.

Aus genannten Gründen ist unsere Ambition nicht, unseren Leserkreis um jeden Preis zu erweitern und mit ausgefeilten Methoden die Besucher auf unserer Seite zu halten. Deswegen nehmen wir einen Daumen runter zwar zur Kenntnis, aber – solange die Person sich nicht die Mühe macht, ihr Missfallen auch in Worte zu fassen – auch nicht besonders ernst.

Dann könnten wir uns die Sache mit den Daumen also auch sparen, meinst du? Stimmt! Aber wir wissen von einer Handvoll Leuten da draußen, dass sie ab und zu ganz gerne auf unsere Daumen klicken. Und wir freuen uns jedesmal wie die Schneekönige, wenn wieder irgendwo ein Daumen hochgeht, weil in unserem Kopfkino dann ein kleines Filmchen abläuft: wie der Bruder, die Studienfreundin oder der Chorkollege vor dem Rechner sitzt, unseren Artikel liest, kurz lächelt und dann auf „Daumen hoch“ klickt.

BlogfrequenzDas mit dem „kein Dauer-Blogger-Leser“ sein, kann ich übrigens gut nachvollziehen, wir sind auch keine Dauerblogschreiber. Unsere Blogfrequenz bewegt sich irgendwo zwischen 2 und 29 pro Monat, d.h. sehr unvorhersehbar.

Wen das stört, dem empfehle ich die Abo-Funktion rechts oben. Da kommt keine Werbung und kein Spam, versprochen! Nur eine Benachrichtigung, wenn wir wieder etwas geschrieben haben.

Liebe Johanna, ich hoffe, Deine Frage zu den Daumen wäre damit beantwortet. Wenn Du möchtest, dass ich hier Deinen Klarnamen verwende und einen Link zu Deinem Blog setze, lass es mich gerne wissen.

Viele Grüße, Annika

Advertisements

3 Kommentare zu “Die Sache mit den Daumen”

  1. Liebe Annika,
    was wirst Du nur von mir denken? Jetzt hast Du Dir solche Mühe mit den verschiedenen Erklärungen gemacht und diese Johanna meldet sich nicht. Schäm! Schäm! Die Wochen in Deutschland sind immer so ausgefüllt, sodass auch mein Blog total verwaist ist. Also auf die Schnelle: Herzlichen Dank und ich schreibe demnächst ausführlich.
    LG Gudrun Johanna

  2. So, dafür gibt’s von mir – wieder mal – keinen Daumen hoch (Daumen runter hab ich aber auch noch nie geklickt ;-)!
    Toll, wie detailliert du dich mit einer solchen Frage auseinandersetzt. Ich finde, das hat mehr verdient als einen einsamen Klick. So ganz verstehen tu ich’s auch nicht: ich bin auch ein konsequenter Facebookverweigerer, aber eben auch ein Minimalkonversationsgegner. Und der Daumen ist eben genau das. Beide Arten sind in einer Weise unpersönlich, dass sie nicht zu mir passen

    Aber das Schöne ist ja, dass jeder so kann wie er möchte. Auch für diese Freiheit sollten alle dankbar sein – leider gibt es ja auch andere Methoden in manchen Ländern.

    Ich freu mich übrigens jedes Mal, wenn mal wieder „Brevlada“ im Vorschaufenster meiner mailliste erscheint, ganz egal wie oft oder selten . Macht weiter so. Daumen HOCH! :):):)

    Carsten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s