Shoppingtrip


Gestern waren Jonas und ich shoppen. Was haben wir gekauft?

Ok, das war einfach.

Seit geraumer Zeit hat Jonas regelmäßig auf Blocket, Schwedens größtem Kleinanzeigenportal nach einer Geige gesucht, weil er ja inzwischen auch oft Geige unterrichtet, nicht mehr ausschließlich Kontrabass. Bisher hat er immer auf einer Leihgeige der Schule gespielt, aber vorgestern Abend entdeckte er diese Geige bei einem privaten Verkäufer in Herrljunga auf Blocket und jetzt hat er auch „was eigenes“. Die Geige hat eine lange Familiengeschichte hinter sich, die sich zumindest bis 1900 zurückverfolgen lässt, als sie der Urgroßvater des Verkäufers gebraucht kaufte. Der Verkäufer hing sichtlich an dem Instrument, sagte aber, dass sie bei ihm nur herumliege, weil niemand in der Familie darauf spiele.

Jonas war beim ersten Probespielen sehr zufrieden mit dem Instrument und dem Klang – was sie wirklich kann, wird sich zeigen, wenn neue Saiten aufgezogen sind. Aber der Preis war lächerlich für eine handgefertigte Geige aus Deutschland ohne Risse und intaktem Steg.

Doch unsere Shoppingtour war noch nicht zu Ende, hier kommt Teil 2 des Bilderrätsels…

1

Von Herrljunga, wo wir die Geige gekauft hatten, fuhren wir weiter nach Skepplanda, wo wir früher gewohnt haben. Unser ehemaliger Chorleiter hatte kürzlich gesmst dass er da was hätte, was uns vielleicht interessieren könnte.

2

– Er habe sich ein neues Instrument gekauft und wolle daher das alte loswerden.

3

– Das Instrument wurde die letzten Jahre ausschließlich von ihm gespielt und gewartet und er sei immer sehr zufrieden damit gewesen, aber jetzt reiche der Platz eben nicht mehr.

5

Diese Information reichte mir als Qualitätsurteil, denn so erfahren bin ich im Beurteilen solcher Instrumente dann doch nicht.
– Was er denn dafür haben wolle?

4

– Das Instrument gehöre offiziell der Kirchengemeinde, sagte er, aber es gebe keine Rechnung dazu. Und die Kirche dürfe nichts verkaufen, was sie nicht auch auf dem Papier besitze.

6

– Ob wir nicht eine Spende in der Größenordnung einer Tankfüllung in die Kollekte…? Dann hätte er die Transportkosten für sein neues Instrument wieder drin.
– Eine Tankfüllung??? Es fehlte nicht viel und ich wäre aus den Latschen gekippt.

7

Von einem Freund hatten wir uns einen Volvo Kombi ausgeliehen, um das Instrument von Skepplanda hierher zu transportieren. Tja, und hier steht es jetzt, neben seinem großen Bruder (oder ist es sein Urenkel? Oder andersrum – der Opa? Egal.)

8

Gestern abend habe ich mich dann in die Geheimnisse von Kirnberger, Werckmeister und Co. eingelesen und mich heute ans Stimmen gemacht. Fürs Achtfuß-Register habe ich etwa zwei Stunden gebraucht, das Vierfuß dauerte etwas länger, ich war am Schluss „ohrenmüde“ und habe überall und nirgendwo mehr Schwebungen gehört.

Das Ergebnis ist noch weit entfernt von „schön“, aber fürs erste Mal stimmen bin ich schon ganz zufrieden mit mir und dem Instrument.
Neben dem Achtfuß- und dem Vierfußregister hat das Cembalo hat auch noch ein sogenanntes Lautenregister mit dem alle Saiten abgedämpft werden. Waaaaah, klingt das schön…

Ich habe den ganzen Abend gespielt und eine spannende Entdeckung gemacht: auf einmal fallen mir barocke Stilimprovisationen viel leichter. Hätte ich nicht damals meine Zwischenprüfung in Generalbasspiel auch auf einem Cembalo machen können?

Wenn Jonas von seiner Konzertreise aus Deutschland zurück ist, drehen wir vielleicht mal ein kleines Homevideo mit den Beutestücken von unserem gestrigen Shoppingtrip…

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2 Kommentare zu “Shoppingtrip”

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