Arbeitsmoral


An meiner Musikschule arbeiten wir sehr eng mit den umliegenden Grundschulen zusammen, was unter anderem bedeutet, dass die Kinder bis zur 6. Klasse ihren Instrumentalunterricht während der normalen Unterrichtszeit nehmen dürfen. Natürlich gibt es Stunden, wo es besser passt und welche, wo es weniger gut passt und das ist bei jedem Schüler individuell verschieden.
Das führt mit sich, dass wir an der Musikschule erst unsere Stundenpläne legen können, wenn wir alle Stundenpläne der Grundschulen bekommen haben und das war bis jetzt nicht der Fall. Daher beginnt der Musikschulunterricht traditionell immer erst in der dritten Schulwoche.

Nun ist es nicht so, dass wir in den ersten zwei Schulwochen Däumchen drehen, aber trotzdem fällt es mir schwer, mich dem Arbeitstempo meiner Kollegen anzupassen. Heute zum Beispiel war so ein Tag, an dem ich nach Hause kam und mich ernsthaft fragen musste: war das jetzt ein Arbeitstag?

Nach der Orchesterfreizeit am letzten Wochenende waren wir mit dem Ergebnis zwar höchst zufrieden, aber leider konnte die Fahrt nicht von unserem Regionalbüro des „Riksförbundet Unga Musikanter“ bezuschusst werden, weil die Tagungsstätte ein paar Kilometer hinter der Distriktsgrenze lag (blöde Byråkraten!). Also müssen wir uns für die nächste Freizeit eine andere Unterbringung suchen. Und so kam es, dass ich heute mit drei Kollegen knapp eineinhalb Stunden durch den Wald gefahren bin, um mir eine halbe Stunde die Schlafzimmer und Proberäume einer Tagungsstätte anzusehen und anschließend eine kleine Wanderung am See gemacht habe die Möglichkeiten für Begleitaktivitäten im Freien ausgelotet habe. Hätte es nicht angefangen zu regnen, hätten wir wahrscheinlich auch noch den angrenzenden Badplatz einer intensiven Begutachtung unterzogen.

Dann war Mittagszeit und das nahegelegene Alingsås trägt nicht zufällig den Beinamen Caféstaden. Das Lunchbuffet in dem kleinen Ecklokal in der malerischen Innenstadt war sensationell.

Anschließend fuhren wir wieder heim. Feierabend. Gefühlte Arbeitszeit an diesem Tag: 30 Minuten.

Als ich auf der Heimfahrt meinte, dass dieser Tag sich jetzt nicht ernsthaft wie ein Arbeitstag anfühle, erntete ich verwundert-belustigte Blicke meiner Kollegen.

– Willst du vielleicht lieber an einem Samstag fahren und Deine Freizeit opfern?

– Ja… nein… aber…

– Wir können doch nicht mit den Kindern irgendwo hinfahren, wo wir selbst noch nicht waren. Wie sollen wir das denn den Eltern erklären? Und außerdem: wenn wir vier hier einen netten Tag verbringen, dann ist das gleichzeitig auch noch personalutveckling [„Personalentwicklung“… mir fehlt gerade ein passendes deutsches Wort]. Wir müssen doch als Team gut funktionieren, da sind solche Tage wichtig. Nur weil es Spaß macht, bedeutet das doch nicht, dass es keine Arbeit ist!

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5 Kommentare zu „Arbeitsmoral“

      1. Hallo Sabina und willkommen auf Brevlåda!
        Bestimmt nicht. Aber in meinem deutschen Schulalltag wurde das definitiv anders gehandhabt, da wäre das Inspizieren eines Tagungshauses unter den Begriff „Zusammenhangstätigkeit“ gefallen (mit anderen Worten: unbezahlte Überstunden).

      2. Ich meinte eigentlich, dass das Wort „Teambuilding“ nicht deutsch ist. ;-)
        Und klar gibt es das überall… aber unter der Arbeitszeit und so wie im Beitrag beschrieben wohl eher nur in Schweden. :-)
        LG Claudia

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