Kettensägenmassaker


Dies ist ist die Fortsetzung von „Morgens um halb acht in Schweden

…die drei Kerle standen also morgens um halb acht mit ihren Motorsägen in unserem Garten. Der baumfällende Schülervater hatte zwar versprochen, ein paar zu groß geratene Kiefern in unserem Garten zu fällen, aber an einen Teil der Bäume wollte er sich nicht heranwagen, weil die zu nah an der Bahnlinie und deren Oberleitungen standen und riet uns, mit dem Trafikverket Kontakt aufzunehmen, das für den Unterhalt der Bahnlinien zuständig ist. Gesagt getan, wenige Tage standen wir wieder mit einem Baumfäller in unserem Garten. Der war hocherfreut, das wir ihn wegen der hohen Bäume kontaktiert hatten, weil herabfallende Äste bei Sturm an der Bahnlinie immer für großes Chaos sorgen.

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Im Früh-Frühling ohne Laub kein Problem, aber später im Jahr ein Sonnenlicht-Schlucker

Mit gierigem Blick sah er sich um und fragte ob das alles weg solle. Wir hatten – mit Blick auf unseren Geldbeutel, denn so eine professionelle Baumfällaktion ist nicht ganz billig – eigentlich nur an die größten Bäume (ca. 25 Meter hohe Espen und Kiefern) gedacht, die uns nachmittags die Sonne von unserem Wohnzimmer und der Terrasse fernhalten. Daher wollten wir uns abschnittsweise vorarbeiten und nicht alles auf einmal fällen lassen. Nun befürchteten wir, der Mensch wittere bei uns eine sprudelnde Geldquelle und zögerten etwas. „Für uns macht das keinen Unterschied – wenn wir eh da sind können wir gleich alles fällen, was weg soll. Und das steht ja alles dicht an den Gleisen, das heißt die Bahn hat ein eigenes Interesse daran, dass da keine hohen Bäume wachsen. Die ganze Aktion bezahlt sowieso die Bahn, wir brauchen nur eure Zustimmung, weil das auf eurem Grundstück steht.“ Die Bäume von denen er sprach, waren kleinere Birken um die 10 Meter, die nicht besonders schön gewachsen waren, ohnehin weder Blick- noch Lärmschutz gewährten und uns in ein paar Jahren auch wieder zu hoch werden würden, von daher fiel es uns nicht schwer, sein Angebot anzunehmen. Er schicke dann demnächst seine Jungs vorbei, verabschiedete er sich. Über eine Woche verging, ohne dass wir von ihm oder seinen Jungs etwas hörten, doch dann wurden wir am Donnerstag vom Geräusch von Motorsägen geweckt. Drei Kerle in voller Baumfällermontur standen in unserem Garten und machten sich über alles her, was angewachsen war. Die hässliche große Lärche fiel als erstes:

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Maßarbeit: Bäume fällen direkt an der Bahnlinie

Während wir frühstückten, machten sie sich über die Birken her und als wir abends nach Hause kamen, glich unser Rasen einem gigantischen Scheiterhaufen. Eine Lärche mit knapp 20m, sieben Espen um die 25 m, diverse Kiefern und unzählige kleinere Birken lagen kreuz und quer auf unserem Rasen. Dass das ganze nicht willkürlich passiert war, sah man daran, dass sie sehr akkurat darauf geachtet hatten, dass keiner der Bäume auf unsere Neupflanzungen der letzten zwei Jahre gefallen war.

Ja, es sieht jetzt gerade hässlich aus und der Ausblick auf die Bahnlinie ist ohne die Bäume erstmal nicht schöner geworden – aber wir haben Sonne und Licht im Garten, auf der Terrasse und im Wohnzimmer! Und wir haben schon genügend Ideen, was wir da stattdessen neu pflanzen möchten, was auch tatsächlich Sichtschutz bietet, aber nicht höher als 3-5 Meter wird. Die einzelnen dicken Bäumstämme boten ja auch keinen ernstzunehmenden Sichtschutz, sondern allenfalls Sonnenschutz – das letzte was wir hier brauchen.

Jetzt ist da nur noch das unbedeutende Detail, dass wir die Bäume noch zerlegen und abfahren müssen, aber ein anderer Schülervater hat da bereits Interesse, Hilfsbereitschaft und einen großen Anhänger signalisiert. Aber falls irgendwer aus der Gegend das hier liest und Interesse an gutem Holz hat – gerne melden!

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Ein Kommentar zu “Kettensägenmassaker”

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