Kein Witz.


Das Diensttelefon der Kollegin klingelt.

„Hallo, hier ist Eva-Lotta, die Mutter von Linus. Linus hat ja morgen seine erste Cellostunde nachmittags um halb fünf, ich wollte nur kurz nachfragen, wann da das Taxi kommt und ihn abholt.“

Das. Ist. Kein. Witz.

So absurd es klingen mag, die Nachfrage hat einen berechtigten Hintergrund: In Schweden sind die Schulbusse gratis und jedes Kind hat ein Anrecht darauf, nicht weiter als ein paar hundert Meter zur Schule bzw. zur Bushaltestelle zu laufen. Wohnt man aber einsam im tiefen Wald, wo ein Bus nicht hinkommt und sich auch gar nicht lohnen würde, dann kommt anstelle des Busses eben morgens ein Taxi und holt das Kind ab und bringt es nach der Schule auch wieder nach Hause.

Nicht allen Eltern ist jedoch bewusst, dass Instrumentalunterricht nicht von der Schulbehörde vorgeschrieben ist, und sie daher auch kein Anrecht auf einen kostenlosen Taxichauffeur zum (freiwilligen) Cellounterricht haben.

Auch nach inzwischen vier Jahren in Schweden finde ich solche Anfragen im ersten Moment immer noch befremdlich – dieses selbstverständliche Vertrauen in den allumsorgenden Vater Staat… schon krass.

(Nicht, dass ich nicht auch schonmal Schüler nach der letzten Stunde abends nach Hause gefahren hätte, aber das nur, weil das Kind meinetwegen den letzten Bus verpasst hat.)

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