Open Water


Der Frühling dieses Jahr fiel auf einen Dienstagnachmittag Anfang Mai. Seitdem ist Sommer. Die Badesaison haben wir dieses Jahr so früh wie nie eröffnet – bereits am 8. Mai! – und seither versuche ich, wenn immer es geht, kleine Badepausen in meinen Alltag einzuschieben. Zum Glück liegt meine Musikschule nur fünf Minuten vom nächsten Badeplatz entfernt, sodass eine Mittagspause oder auch eine halbe Hohlstunde locker reichen für einen kurzen „Dopp“.

Anfang Mai war auch der letzte Termin für mein wöchentliches Schwimmtraining jeden Freitagmorgen um 6:30, das man hier als kommunale Angestellte fast kostenlos belegen kann. Weil ich aber noch nicht genug vom Schwimmtraining hatte, habe ich mich im Schwimmclub angemeldet und trainiere jetzt einmal die Woche in einer Open Water Schwimmgruppe.

Freiwasserschwimmwettbewerbe, bei denen überwiegend längere Distanzen zwischen 500m und 3000m geschwommen werden, sind hier in Schweden ähnlich beliebt wie in Deutschland Volksmarathons – kein Wunder bei den vielen Seen. Einer der größten Wettbewerbe dieser Art findet jährlich in Vansbro in Dalarna statt. Dort schwimmt man zunächst 2000m flussabwärts, um dann in einen anderen Fluss einzubiegen und die letzten 1000m flussaufwärts zu schwimmen.

So weit bin ich allerdings noch nicht. Allerdings liebäugele ich gerade tatsächlich etwas mit „Borås Open Water“ im August, wo man nur 1000m schwimmt und das im See, ohne Strömung.

Heute war unser erstes Freiwassertraining, bis jetzt haben wir nur im (ungeheizten) Freibad trainiert – ohne Wellen, Seerosen und Seeungeheuer. Meine Trainingsgruppe ist heute gut 2000m gekrault und der Unterschied zum Freibad war ungefähr der gleiche wie der zwischen einem Laufband in einem stinkigen Fitnesstudio und einem Waldspaziergang. Einfach herrlich, in der tiefstehenden Abendsonne, ohne Chlorgeruch und schreiende Kinder…

Unser Trainingssee ist mit Bojen markiert, sodass man immer in Ufernähe bleibt und in jeder Trainingsgruppe mit ca. 8-10 Schwimmern schwimmt ein Trainer mit, der auch eine Baywatch-Boje hinter sich herzieht, falls doch mal einen in der Gruppe die Kräfte verlassen sollten.

Außerdem ist das Tragen eines Neoprenanzugs Pflicht, wobei die Anzüge speziell an Schwimmer angepasst und im Vergleich zu Surfanzügen wesentlich enger und bewegungsfreundlicher geschnitten sind. Das Wasser hatte heute knapp über 20°C, und als ich mich nach dem 90minütigen Training noch im Wasser aus meinem Anzug schälte, war ich ernsthaft beeindruckt, wie warm einen diese Gummihaut tatsächlich hält.

Nachdem ich mich in den ersten zwei Kursterminen immer freiwillig in die schwächste der drei Trainingsgruppen einsortiert habe, habe ich mich heute ganz mutig zur mittleren Gruppe gesellt, wo das Tempo merklich höher und damit auch die zurückgelegte Strecke deutlich länger war. Ich war zwar immer die letzte an der nächsten Boje, aber der Abstand war nicht so groß, dass es ernsthaft gestört hätte und auf den letzten 300m habe ich sogar zwei andere aus der Gruppe überholt.

Wenn meine Arme jetzt nicht so entsetzlich lahm herunterhängen würden, ich würde mir glatt selbst auf die Schulter klopfen.

Skärmavbild 2016-06-08 kl. 21.58.35

 

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