Alle Beiträge von Jonas

Kletterkatze


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In diesen heil’gen Hallen…


So fühle ich mich gerade jeden Morgen, wenn ich in aus dem Auto steige und meinen temporären Arbeitsplatz betrete. Wie es zu so hochtrabenden Gefühlen kommt?

Ihren Anfang nimmt die Geschichte am Montag: Ich komme halb abgehetzt aus dem kulår (Instrumentenkarussell im Klassenverbund für Erstklässler) und will ein paar Dinge in der Verwaltung erledigen. Im Korridor höre ich, wie eine unserer Sekretärinnen am Telefon spricht: „Braucht ihr einen Kontrabasslehrer, oder was?“ Ich werde natürlich sofort hellhörig und habe einige Augenblicke später selber das Telefon in der Hand. Am anderen Ende spricht die Tochter ebenjener Sekretärin, Kontrabassistin bei den Göteborger Symfonikern, mit etwas heiserer Stimme: „Wir haben hier im Orchester ein Riesenproblem, die ganze Woche über kommen Schulklassen für Kinderkonzerte und um uns Musiker zu treffen. Aber das halbe Kontrabassregister ist krank und wir brauchen dringend jemanden, der den Kindern den Kontrabass zeigen kann.“

Die Gelegenheit, bei den Göteborger Symfonikern einspringen zu dürfen, lasse ich mir natürlich nicht nehmen. Und so fahre ich seit Dienstag und bis Samstag jeden Morgen zum Konzerthaus in Göteborg, nehme dort in einem Übungsraum zwei bis vier Gruppen à 8 Kinder in Empfang und entführe sie in die faszinierende Welt der tiefen Töne.

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Das Kontrabasszimmer

Bei den Konzerten darf ich leider nicht mitspielen, noch nicht einmal orchesterintern darf man bei Produktionen aushelfen, für die man nicht geprobt hat. Aber allein die Tatsache, im Konzerthaus arbeiten zu können und sich frei hinter den Kulissen unter Musikerkollegen zu bewegen, ist eine fantastische Abwechslung zum Musikschulalltag. Ein wenig wie Höhenluft schnuppern, schließlich führt das Orchester Namen wie Gustavo Dudamel, Kent Nagano oder Neeme Järvi in der Liste seiner Chefdirigenten.

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Das Konzert beginnt – im wunderschönen und akustisch traumhaften Großen Saal des Göteborger Konzerthauses,

Morgen muss ich die einstündige Fahrt nach Göteborg nicht einmal alleine auf mich nehmen: Die Krankheitsfälle im Orchester nehmen zu und es wird noch mehr Verstärkung gebraucht. Als ich mich heute in meinem Zimmerchen eingerichtet hatte, kam der Orchesterchef herein und begrüßte mich mit den Worten: „Es geht das Gerücht, dass du eine Frau hast…“ Morgen fährt also Annika mit und weiht einige glückliche Kinder in die Geheimnisse von Klaviermusik und -mechanik ein.

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Der Probensaal des Orchesters

Osterferien


Schon vor einigen Wochen fragten uns unsere Wohnwagenfreunde, was wir denn in den Osterferien machen wollten. Da wir noch nichts vorhatten, beschlossen wir, zusammen einige Tage nach Süden in die Provinz Schonen bzw. Skåne zu fahren. Als ersten Treffpunkt vereinbarten wir Kullaberg nördlich von Helsingborg. Dort schiebt sich eine ziemlich platte Halbinsel in den Kattegatt, die auf den letzten Kilometern plötzlich auf fast 200 Meter ansteigt und dann in alle Richtungen steil ins Meer fällt. Hier liegt ein gut erschlossenes Naturschutzgebiet mit Felswänden, Höhlen, Wäldern, alten Höfen, Cafés und sogar einem Golfclub. Leider war es schon spät als wir ankamen, und so schafften wir es nur, dem Leuchtturm ganz am Ende der Landzunge einen Besuch abzustatten.

Da es sich beim Kullaberg um ein Naturschutzgebiet handelt, konnten wir dort leider nicht übernachten. Dafür fanden wir einen schönen Platz direkt am Wasser an einem Hafen in der Nähe. Hier ließen wir am nächsten Tag Wohnmobil und Wohnwagen stehen, um einen Ausflug zu Nimis und Arx zu machen. Der Hintergrund zu diesen zwei Kunstwerken von Lars Vilks ist recht spannend und ziemlich unterhaltsam, ich verweise da aber ganz faul auf die Wikipedia. Kurzgefasst handelt es sich bei Nimis um ein Bauwerk aus Treibholz und sehr vielen Nägeln, während Arx aus Beton und Steinen besteht und ein Buch verkörpert, komplett mit Seitenzahlen und ein wenig Text. Seit 1996 bilden Arx und Nimis ein eigenes Land mit Namen Ladonien, dass bisher allerdings von keiner Nation anerkannt wird. Beide Kunstwerke können auf eigene Gefahr begangen und -klettert werden.

Da es auf dem Ausflug ziemlich regnerisch war, beschlossen wir, uns im Wohnmobil erst einmal zu trocknen – und dann war dieser Tag auch vorbei.

Der nächste versprach deutlich freundlicher zu werden. Bei strahlendem Sonnenschein besuchten wir das Industriestädtchen Höganäs, wo traditionell Keramik, Ziegel und Fliesen hergestellt werden, das mondäne Touristenörtchen Mölle am Fuße des Kullabergs und am Abend ließen wir am Strand von Råå südlich von Helsingborg unseren Drachen steigen.

In Helsingborg ließen wir dann den Kurzurlaub bei Sonne, gutem Essen und fantastischen Aussichten ausklingen. Unsere Wohnwagenfreunde wollten zwar noch eine oder zwei Nächte bleiben, aber wir mussten nach Hause, um Fliesen der Marke Höganäs zu holen. Das ist allerdings eine andere Geschichte.

Frühlingsgefühle


Pünktlich zur Tag- und Nachtgleiche und damit zum Frühlingsanfang lud das Wetter endlich mal wieder zu einem Spaziergang ein. Weiter als bis zum Vogelturm haben wir es aber nicht geschafft, denn einen Tag zuvor lag ich noch mit Fieber im Bett und Annika war auch nicht ganz fit. Stattdessen haben wir uns im Windschatten in die Sonne gelegt und einfach nur das Licht genossen.

Die Sonne wärmt jetzt schon wieder richtig, es herrscht auch nicht die ganze Zeit Sonnenauf-/-untergangsstimmung und selbst um sieben Uhr abends ist es nicht mehr stockfinster. Der See ist, bis auf in einigen Buchten, wieder komplett offen und überhaupt sieht man Eis und Schnee nur noch selten. In der Stadt hat man sogar schon angefangen, den Split zusammenzukehren.

Seit einigen Wochen hört man immer öfter Gänse, die aus dem Süden heimkehren, am Hornborgasjön haben sich schon wieder mehrere tausend Kraniche versammelt und an den Bäumen fangen die Knospen an, dicker zu werden. Jedes Jahr ist es wieder schön, die Natur beim langsamen Erwachen aus dem Winterschlaf zu beobachten.

Und da die Natur bekanntermaßen gezähmt werden muss, konnten wir es uns dann nicht verkneifen, eine erste Spritztour mit unserem neuesten Gartenspielzeug zu machen, das wir vor ein paar Tagen abgeholt haben. Über den Winter liegengebliebenes Laub kann man ja auch einfach zerhäckseln, statt es einzusammeln…

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