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Gartenarbeit


Unser Rasen will gemäht werden!

Neben einer Spülmaschine – wir berichteten bereits – haben wir mit unserem Haus auch einen kleinen Garten gemietet, welcher neben einigen Büschen, Blumen und Sträuchern vor allem aus Rasen besteht. Da es hier in Schweden mittlerweile doch sehr deutlich auf den Herbst zugeht, müssen wir uns mit den größeren Gewächsen hoffentlich nicht mehr beschäftigen, lediglich ein kleinerer Einsatz der Heckenschere könnte noch erforderlich werden. Anders sieht es jedoch mit den schnell wachsenden Gräsern aus: Zwar war der hiesige „Platzwart“ Per vor unserer Ankunft freundlicherweise noch einmal mit seinem Rasenmäher-Traktor über unsere Wiese gefahren, dieser eher grobe Schnitt ist aber mittlerweile rausgewachsen und nicht mehr mit unserer Golfrasen-Nachbarschaft kompatibel…

Die neuen Gartenhelfer

Bisher haben wir ja mitten in Karlsruhe gewohnt und die einzigen Außenanlagen, um die wir uns dort kümmern mussten, waren unsere von Tauben gerne als Toilette benutzten Fensterbänke und ein vielleicht zwei Quadratmeter messender Beton-Balkon – Gartenpflege gehörte folglich nicht zu unseren regelmäßigen Mieter-Pflichten, weshalb wir natürlich auch keinen Rasenmäher unser eigen nennen konnten. Unsere neue Grünfläche verlangte nun aber danach, gemäht zu werden, zumal für die nächsten Tage Schauer und Regen angesagt sind. Daher sind wir gestern schon nach Älvängen gefahren, wo wir bereits einen trädgårdsmaskin (Gartenmaschinen)-Händler ausgespäht hatten. Nachdem dieser uns sein Sortiment vorgestellt hatte, haben wir uns zu Hause noch einmal per Internet schlau gemacht und seit heute morgen sind wir nun stolze Besitzer einer Grundausrüstung für die Rasenpflege.

Da unser Budget zur Zeit sowieso schon recht strapaziert ist – so ein Umzug zieht doch immer wieder unerwartete Kosten nach sich – wollten wir nicht unnötig viel Geld ausgeben, denn wie wir mittlerweile wissen kann man auch an kleinen Gartengeräten sehr leicht sehr arm werden. Außerdem ist unser förråd (Schuppen) mit drei Fahrrädern schon recht gut ausgelastet. Zum Glück hatte unser Händler aber die Lösung für uns parat: Einen UFO-ähnlichen Luftkissen-Rasenmäher von einem bekannten schwedischen Gartengerätehersteller, der nicht nur überraschend günstig war, sondern Dank des Fehlens von Rädern sowie eines Auffangkorbs sehr klein gefaltet und an einem Haken platzsparend an der Wand aufgehängt werden kann. Leider bedeutet das Fehlen einer Aufsammelfunktion aber auch, dass man das gemähte Gras je nach Länge nach dem Mähen zusammenharken muss, wobei auf diese Weise wenigstens wir beide etwas von der Gartenarbeit haben; einer mäht, einer harkt…

Jonas und das UFO in Aktion

Nachdem wir uns also mit einem Rasenmäher und zusätzlich mit einer Harke und einem kleinen Trimmer für die Rasenkanten ausgestattet hatten, ging es zurück nach Skepplanda, um unsere Neuerwerbungen auf Herz und Nieren zu testen. Der Umgang mit den Elektrogeräten war zwar zunächst etwas ungewohnt für mich, da meine bisherigen Mäh-Erlebnisse mit der großen Wiese meiner Eltern – und ich sage hier bewusst Wiese und nicht Rasen – und einem schweren Benzin-Rasenmäher zu tun hatten. Unser orangefarbenes UFO erldeigte seine Aufgabe jedoch wunderbar, es wurde auch mit dem Gras fertig, das seit einigen Wochen unter einer umgefallenen Rankhilfe eine beachtliche Höhe erreicht hatte; und die Tatsache, dass man den Mäher nicht nur vor und zurück, sondern auch seitwärts und überhaupt in alle Richtungen bewegen kann, hat sich bei unserem etwas verwinkelten Vorgarten mit Busch, Beet, Hecke und Straßenlaterne als äußerst praktisch erwiesen.

Fertig!

Lediglich meine bisherigen Schätzungen über die Dauer der Gartenpflege musste ich kräftig revidieren: Statt der von mir angesetzten Viertelstunde waren ganze 90 Minuten vergangen, als der letzte von Annika zusammengeharkte Grashaufen aufgesammelt war. Wobei beim nächsten Schnitt das Gras hoffentlich nicht ganz so hoch sein wird und ich auch nicht jedes Mal den Trimmer auspacken werde. Aber selbst so werden wir wohl nicht unter einer Dreiviertelstunde fertig sein. So ein kleiner Elektro-Mäher ist doch wesentlich schmaler als der große Benziner meiner Eltern…

Geschafft!


Endlich ist es geschafft. Am Mittwoch hatte ich tatsächlich meine letzte und abschließende mündliche Prüfung an der Musikhochschule. Danach habe ich erst einmal ausgiebig ausgeschlafen und an diesem Tag gar nichts mehr gemacht, seit gestern bin ich aber wieder unter den Lebenden. Jetzt muss ich nur noch auf die Noten für meine schriftliche Abschlussprüfung und meine Bachelor-Arbeit warten, dann darf ich mich Bachelor of Arts nennen. Zum einen heißt das natürlich, dass ich endgültig meine alte Hochschule hinter mir gelassen habe und nun nichts mehr zwischen mir und meinem Studium in Göteborg steht. Ganz aktuell kann ich mich nun aber auch ganz und gar unserem Umzug widmen, worauf ich mich schon seit Wochen freue – obwohl ich zugeben muss, dass ich das Kisten einpacken nicht so attraktiv finde wie das Einräumen unserer schwedischen Möbel-Neuerwerbungen; oder noch besser das Suchen dieser neuen Möbel auf vielen, vielen loppisar (Flohmärkte).

Datenschutz auf Schwedisch


Seit einer Woche läuft in Deutschland Zensus 2011 – die erste Volkszählung, bei der in der gesamten Europäischen Union gleichzeitig die gleichen Daten über die Bevölkerung gesammelt werden. Die letzte Volkszählung in Deutschland hatte, nach Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht und daraus resultierenden sechs Jahren Verzögerung, zu großen Protesten und Boykottaufrufen geführt. Man fürchtete den gläsernen Bürger, die Entwicklung hin zum Überwachungsstaat und hatte generelle Bedenken bezüglich des Datenschutzes und der Wahrung der menschlichen Grundrechte. Zwar wird die diesjährige Volkszählung nicht von derartig heftiger Kritik begleitet, trotzdem wird auch Zensus 2011 von allgemeiner Skepsis begleitet, was denn der Staat mit all den gesammelten Daten anfangen will.

Zwar weiß ich nicht, wie die Schweden zu dieser Volkszählung stehen. Dass sie aber eine grundsätzlich andere Haltung zum Thema Datenschutz haben, äußert sich beispielsweise in der schwedischen Personennummer: Diese Nummer erhält jeder, der in Schweden gemeldet ist oder war und behält diese ein Leben lang. Ein wenig also wie eine Sozialversicherungsnummer, nur dass man die personnummer bereits bei der Geburt zugeteilt bekommt und dass man sie wesentlich häufiger braucht. Nicht nur wenn man eine Wohnung mieten möchte, sollte man sie parat haben. Auch beim Abschluss eines Handyvertrags, beim Kaufen eines Buches im Internet und sogar beim Pizzaservice wird man danach gefragt – und muss dann unter Umständen nicht einmal mehr Name, Adresse und Telefonnummer angeben: Diese kann der Pizzabote dann beim skatteverk, dem schwedischen Finanzamt, nachschlagen. Und nur wenige Schweden scheinen ein Problem mit dieser freien Verfügbarkeit ihrer persönlichen Daten zu haben.

Bisher sind wir noch nicht besonders mit dieser Offenheit im Umgang mit Daten in Kontakt gekommen, denn noch wohnen wir nicht in Schweden und haben keine personnummer. Als Annika aber neulich egogoogelnd bzw. jonasgoogelnd im Netz unterwegs war, stieß sie auf diese Seite. Hier hat die Musikhochschule Göteborg die Namen sämtlicher Personen veröffentlicht, die in diesem Jahr an der Hochschule angenommen wurden – ohne dass ich mein Einverständnis dazu erklärt hätte oder auch nur darüber informiert worden wäre. Mir selbst macht diese Tatsache zwar nichts aus, ich würde aber gerne einmal den Skandal an einer deutschen Universität erleben, wenn auch nur die Noten einer Klausur ohne Verschlüsselung über die Immatrikulationsnummer in einem Flur am hintersten Ende des Campus ausgehängt würden.

Destination: Göteborg


Das lange (ewige?) Warten hat ein Ende. Heute war der Stichtag, heute kamen die Antworten der Musikhochschulen in Piteå und Stockholm. Und mit diesen wurde uns die große Entscheidung unseres neuen Wohnorts abgenommen: Ich habe zwei Absagen bekommen, leider gibt es für mich weder in Piteå noch in Stockholm keinen Studienplatz. Vor einigen Monaten wäre ich wahrscheinlich ziemlich enttäuscht gewesen, dass wir nicht in den (ganz) hohen Norden können, die letzten Wochen haben aber meine Meinung darüber geändert. Vielleicht ist es der Frühling oder die Tatsache, dass ich in Göteborg wahrscheinlich besser in der schwedischen (Komponisten-)Szene Fuß fassen kann oder aber auch der Gedanke, dass der Umzug einfacher und billiger wird, auf jeden Fall erscheint mir Göteborg mittlerweile sehr attraktiv.

Im Hafen von Göteborg

Annika hat mich daran erinnert, dass mir bei meinem Vorstellungsgespräch im letzten Sommer das Auswahlverfahren erklärt wurde: Ich musste dort nicht nur mit anderen Komponisten, sondern mit Bewerbern aller Studienfächer um insgesamt gerade einmal 25 Master-Plätze kämpfen. Wenn ich darüber nachdenke, dass an den anderen Hochschulen das Auswahlverfahren wohl ähnlich abgelaufen ist, bin ich gleich doppelt glücklich, dass es in Göteborg geklappt hat.

Aus aktuellem Anlass habe ich auch noch auf der Webseite der Hochschule in Göteborg herumgesucht und mir noch einmal den Studiengang und die Professoren angesehen. Die Infos sind zwar etwas dürftig, vor allem was den genauen Studienablauf angeht, in den nächsten Tagen werde ich daher direkt Kontakt aufnehmen, um konkretere Auskünfte zu bekommen. Was ich bisher herausgefunden habe, klingt aber sehr spannend: Es gibt zwar nur wenige Kompositionstudenten an der Hochschule, diese stehen aber sehr in der öffentlichen Präsentation der Hochschule. Außerdem scheint man als Student gleich mehrere Hauptfachlehrer zu haben. Das klingt alles sehr spannend.

Ich darf Master…


Das ewige Warten auf Neuigkeiten von den schwedischen Musikhochschulen hat heute unerwartet ein Drittel-Ende genommen. Eigentlich rechne ich seit einigen Tagen mit einer E-Mail aus Piteå. Nachdem es dort schon wieder Probleme mit studera.nu gab und ich eine Absage erhalten hatte, die später telefonisch wieder revidiert wurde, gab es nun Post aus Göteborg: Eine Zusage, (digital) unterschrieben vom Rektor. Offensichtlich also kein Computerfehler, sondern eine echte Bestätigung, dass wir im Sommer nach Schweden umziehen können und dass die Bedenken der letzten Zeit – „was machen wir eigentlich, wenn gar nichts klappt?“ – zum Glück völlig umsonst waren. Bis zum 12. Mai muss ich mich nun entscheiden, ob ich den Studienplatz dort annehmen möchte. Bis dahin sollte ich dann auch Nachrichten aus Piteå und Stockholm erhalten haben.

Der Eingang zu Artisten, der Musikhochschule in Göteborg

Ein riesiger Stein ist uns also schon einmal vom Herzen gefallen, und obwohl wir nach wie vor gerne in den Norden Schwedens ziehen wollen, haben wir doch zumindest eine Option sicher. Und wenn man ehrlich ist, ist Göteborg nicht die schlechteste Alternative… Eigentlich ist ja sowieso keine unserer Alternativen schlecht. Aber endlich wird die Frage der Ortswahl etwas konkreter, es geht vorwärts!

19-Stunden-Schreck


Gestern kam unerwartet eine E-Mail von studera.nu. Wer jemals mit einer Ausbildung an einer schwedischen Hochschule zu tun hatte, hat oder haben wird, wird dieser Seite begegnen. Hier werden alle Bewerbungen um Studiengänge, Anmeldungen zu Hochschulkursen und Seminaren sowie fristående kurser – Universitätskurse, für die man nicht „ordentlich“ immatrikuliert sein muss – erledigt und verwaltet. Hier musste ich zum Beispiel meine allgemeinen Anmeldeunterlagen wie Zeugnisse und ECTS-Nachweise hinschicken, woraufhin diese auf meine allmänt behörighet (allgemeine Studienberechtigung) geprüft wurden.

Die Mail, die gestern reinflatterte, war mehr als einen Monat zu früh, denn eigentlich haben mir alle Hochschulen gesagt, dass meine Ergebnisse erst Ende April/Anfang Mai kommen werden. Jetzt sollte aber das Ergebnis von Piteå schon online stehen. Dann kam der Schreck, meine Bewerbung hatte nämlich den Status deleted, was entweder bedeutet, dass ich die Aufnahmeprüfung nicht bestanden habe oder aber meine eingereichten Unterlagen nicht vollständig sind. Welche dieser Optionen zutraf, stand dort aber nicht. Die einzige weitergehende Information war, dass ich mich bei Fragen an die Musikhochschule in Piteå wenden solle. Leider war es aber schon Abend, ich konnte weder jemanden bei studera.nu noch an der Musikhochschule erreichen.

Heute morgen habe ich mich dann natürlich gleich ans Telefon gehängt, denn zum einen kam mir die Tatsache komisch vor, dass ich jetzt schon eine Nachricht bekommen hatte, zum anderen wollte ich aber auch unbedingt wissen, warum ich abgelehnt wurde: Wäre es wegen der Aufnahmeprüfung gewesen, hätte ich zwar damit leben müssen, aber falls es formale Probleme gab, so hätten diese auf Grund der zentralen Verwaltung ja auch meine anderen Bewerbungen gefährdet, von denen ich bisher noch keine Nachricht erhalten habe.

Als ich endlich jemanden in Piteå erreicht hatte, gab es dann zum Glück gleich die Entwarnung: Es handele sich um ein Problem, dass die Musikhochschule mit studera.nu habe. Ihre Anmeldungen würden dort nach dem Muster für internationale Studiengänge behandelt, da nur dieses Verfahren genügend Zeit für die Aufnahmeprüfung gebe. Leider bedeute das aber auch, dass die erste Auswahlrunde bereits im März stattfinde, zu dieser Zeit ist die Aufnahmeprüfung in Piteå aber noch gar nicht gelaufen, so dass meine Unterlagen natürlich unvollständig sind – es fehlt das Ergebnis der Hochschule. Die Musikhochschule in Stockholm habe sich für viel Geld extra ein eigenes Verfahren bei studera.nu dafür einrichten lassen, deshalb habe ich das Problem dort nicht.

Die Frau war sehr nett und ich glaube selber etwas genervt von der Tatsache, dass dieses Problem besteht, anscheinend auch schon länger. Sie sagte mir, dass es ihr Leid täte und dass ich die E-Mail einfach wegschmeißen solle. Die endgültigen Ergebnisse gebe es wirklich erst im Mai und ich sei noch im Rennen.