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Valborgsmässoafton im Netz


Normalerweise feiert man in Schweden am Abend des 30. April Valborgsmässoafton, Walpurgisnacht. Bei uns sieht das in Nicht-Corona-Zeiten so aus, dass im Park ein paar Zelte aufgestellt werden, wo lokale Vereine ihre Vereinkassen aufputzen durch Würstchen- und Popcornverkauf usw., mein Orchester wechselt sich auf der Bühne mit dem Kirchenchor ab, zwischendurch hält die Lokalprominenz die sogenannte Vårtal, (Frühlingsrede) und die Pfadfinder kümmern sich darum, gesammelte Gartenabfälle in ein großes OsterWalpurgisfeuer zu verwandeln. Zur Tradition gehört auch, dass es vorher wochenlang warm und sonnig ist, aber just an diesem Tag Regen, Wind und einstellige Temperaturen herrschen.

Da sogar in Schweden zur Zeit keine Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern stattfinden dürfen, wird unsere diesjährige Valborgsmässoaftonfeier ins Netz verlegt.

Dafür standen der Lieblingskollege und ich gestern vormittag einige Stunden vor der Kamera. Da der Kirchenchor aufgrund seiner Altersstruktur gerade gar nicht probt, sprangen wir als Duo Clariano kurzfristig ein und nahmen ein paar Stücke auf. Das klingt jetzt so locker fluffig, aber wir haben dafür kein Tonstudio zur Verfügung, sondern die Aufnahmen fanden in der Kirche statt. Woran weder wir noch der Tontechniker-Kameramann-Pastor vorher gedacht hatten, war, dass im Vorraum der Kirche gerade die Toiletten renoviert und umgebaut werden, so mit Wände einreißen und so. Und bevorzugt, wenn wir gerade den Schlussakkord oder leise Passagen spielten, fiel draußen wieder ein Stück Wand dem Vorschlaghammer zum Opfer und wir konnten wieder von vorne beginnen. Vor der Mittagspause hatten wir dann aber doch knapp dreißig Minuten Programm im Kasten. Ich bin so mittelmäßig zufrieden mit der (musikalischen) Qualität, aber in Anbetracht der kurzen Vorbereitungszeit war das eben das, was gerade drin war.

Abends hatten wir Probe mit unserem Orchester (draußen, wegen Abstand und so) und auch hier war der Plan, ein paar Stücke aufzunehmen. Natürlich begann es pünktlich zu Probenbeginn an zu regnen, auch online wird diese Tradition nicht vernachlässigt. Wir haben aber ganz tolle Jugendliche, die das ohne Murren und Klagen mitgemacht haben. Herzchenaugensmiley.

Die ganze Sendung mit Frühlingsrede, Musik und Musikquiz zum Mitmachen wird am Donnerstag nachmittag/abend auf den Youtubekanälen der Kirchen bei uns im Ort online gestellt: Klick.

Hoj!


Jedes Jahr im Frühjahr stelle ich mir die gleiche Frage: Wäre es nicht ökonomisch, ökologisch und gesundheitlich sinnvoll, statt mit Bus und manchmal Auto mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren? Fürs kulår, wo ich mehrere Kontrabässe brauche, gibt es kommunale Dienstwagen, die man sich an einigen zentralen Sammelstellen leihen kann und alle Schulen, an denen ich regelmäßig unterrichte – im Moment ist das sowieso nur eine –, kann man ohne Probleme auch mit dem Fahrrad oder sogar zu Fuß erreichen. Eigentlich der Umstieg aufs Rad also kein Problem. Wenn nicht:HöhenprofilZwölf Kilometer sind ja eigentlich eine ganz angenehme Distanz mit dem Fahrrad, in einer guten halben Stunde könnte man am Ziel sein. Wenn da nicht diese zwei Steigungen wären. Hundert Höhenmeter sind natürlich zu schaffen, aber die beiden „Berge“ sind ganz schön steil und bringen einen schon ins Schwitzen. Und dann sind da  noch die eigentlich wunderschönen Passagen direkt am See: wenn da der Wind gerade aus der falschen Richtung übers Wasser bläst, macht das radeln überhaupt keine Spaß mehr. Und überhaupt: mimimi. Extra früh aufzustehen, um dann beim Job zu duschen, geht übrigens definitiv zu weit…

Vor einigen Jahren habe ich es dann trotzdem mal probiert, nach den Sommerferien bin ich auf das Fahrrad umgestiegen. Zwei Wochen habe ich durchgehalten, dann kamen die Schüler, der Alltag, der Regen, und das war’s.

Die Lösung: Ein E-Bike. Bisher habe ich mich davor gedrückt. Teuer, brauche ich nicht, zu stolz, nur was für Rentner. Dann doch lieber Bus. Aber den möchte ich zur Zeit gar nicht so gerne nehmen, zu bestimmten Zeiten ist er völlig überfüllt (heißt: man hat keinen Doppelsitz für sich alleine). Abstand halten ist da schwierig, weshalb die hiesigen Verkehrsbetriebe darum bitten, dass nur diejenigen den Bus nehmen, die keine andere Alternative haben. Als sich die Osterferien dem Ende näherten, sind wir dann kurzentschlossen in die Stadt gefahren, haben drei Fahrradläden abgeklappert und seit Ostersonntag (alle Geschäfte auf, auch an Ostern, nix Shutdown…) bin ich nun Besitzer eines Fahrrads mit Hilfsmotor.

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Vor einer Schule, an der ich einmal die Woche Geige unterrichte. Die Schule liegt auch auf einem fiesen Berg.

Zweimal bin ich damit bis jezt zur Kulturschule gefahren und es fühlt sich so an, als ob das mit dem E-Bike-Pendeln ein dauerhaftes Konzept sein kann. Irgendwie habe ich ja auch keine Wahl, denn ansonsten haben wir einen Haufen Geld aus dem Fenster geworfen. Der Härtetest kommt aber natürlich erst, wenn das Wetter nicht mehr so wunderbar frühlingshaft ist – am besten suche ich jetzt schon nach meiner Regenhose.

Ein neues Wort habe ich übrigens auch gelernt. Hoj: heißt: Fahrrad.

Post von Notposten


Diese Woche kam ein langersehntes Päckchen. Dass es irgendwann kommen würde, wusste ich eigentlich schon seit über einem Jahr, aber der Weg dorthin war ziemlich lang.

Die Geschichte beginnt 2016, als die Kulturschule einen Ausflug mit ungefähr 150 Schülern der zweiten bis vierten Klasse nach Varberg plante. Mitfahren sollten Kinder, die auf eine der acht Schulen gehen, an denen wir nachmittags kostenlosen Tanz-, Zirkus-, Kinderchor- und Orchester-Instrumentalunterricht anbieten. Geplanter Höhepunkt der Reise war ein Open-Air-Konzert mit allen Teilnehmern. Und als Höhepunkt des Konzerts wünschte sich unser Chef ein Orchester aus allen gut einhundert Instrumentalisten.

Die Musiker unter unseren Lesern wissen sicherlich, wie schwierig es ist, Neuanfänger auf Streich- und Blasinstrumenten unter einen Hut zu bringen. Tonarten, Tonräume, Rhythmen… jedes Instrument benötigt seinen ganz eigenen allerersten Anfang. Die Begeisterung über die Idee unseres Chefs, alle Schüler gleichzeitig auf die Bühne zu bringen, hielt sich im Kollegium daher eher in Grenzen.

Nach einigem Überlegen begann jedoch mein Komponisten-Gehirn zu rattern. Einschränkung ist ja bekanntlich einer der größten Motoren für Kreativität. Ich unterhielt mich mit meinen Kollegen; fragte, wie sie den Unterricht im ersten Jahr gestalten, was man den Schülern so zutrauen könnte, was im Orchester funktionieren würde. Und dann machte ich mich an die Arbeit. Nach ein paar Stunden standen die ersten Skizzen, nach einigen Tagen waren ganze zehn Stücke fertig. Mit einigen musikalischen Kniffen im kompositorischen Werkzeugkasten war es letzten Endes gar nicht so schwierig, musikalisch sinnvolle Orchestersätze zu schreiben, die Rücksicht auf die methodischen Anforderungen der einzelnen Instrumente nehmen.

Drei Stücke wurden ausgewählt und alle übten fleißig mit ihren Schülern. Dann kam die Reise, das Projekt glückte (halbwegs, denn auch das beste Material scheitert an mangelnder gemeinsamer Probezeit…) und die Noten verschwanden in einer dunklen Ecke meiner Festplatte…

…bis Anfang 2019, als ich auf einem Kongress für Streichinstrumentlehrer war. Neben Workshops, Kursen und vielen Gesprächen mit Kollegen gab es dort auch einige Instrumentenbauer und Verlage, die ihr Angebot der versammelten Streicherpädagogenschar Schwedens präsentierten. Ich kam mit einem Verleger ins Gespräch und fragte ihn, ob er an meinem Material für Anfänger-Sinfonieorchester interessiert wäre.

Er war. Sehr sogar.

Wieder zu Hause machte ich mich direkt an die Arbeit, die Noten verlagsfertig aufzubereiten. Zunächst einmal fehlten viele Blasinstrumente; am ursprünglichen Projekt waren nur Klarinetten, Flöten, Trompeten und Posaunen beteiligt. Es fehlten Horn, Oboe, Fagott, Quintfagott (eine Art Mini-Fagott für Kinder) und Saxofon, außerdem eine Klavierstimme, Mallets (auch Stabspiele genannt), Percussionstimmen, E-Bass (für alle unterpriviligierten Kulturschulen, die keine Kontrabassisten ausbilden) und, wie sich später heraustellen sollte, auch noch einige Blechbläserstimmen für Kinder in Brass-Bands, da diese ihre Instrumente speziell notieren.

Nachdem mir dann eine ganze Stunde wertvoller Lehrerkonferenzzeit gewährt wurde, um das komplette Material mit meinen Kollegen durchzuspielen, zu diskutieren und Korrektur zu lesen, mussten noch einige Änderungen eingearbeitet sowie ein Stück quasi komplett neu geschrieben werden.

Danach ging es ans Layout, was am Ende wahrscheinlich mehr Zeit in Anspruch nahm als alle anderen Arbeiten zusammen; schließlich muss nicht nur die Partitur, sondern auch sämtliche Einzelstimmen zurechtgerückt und leserlich gestaltet werden. Insbesondere pädagogisches Material erfordert hier höchste Sorgfalt, damit die Schüler nicht von schlecht platzierten Zeilenumbrüchen, überflüssigen Seitenwechseln oder einem unnötig überladenen Notenbild völlig überfordert werden.

Gleichzeitig wollte der Verlag Druckkosten sparen. Zehn Stücke waren zu viel, sonst hätte jede Stimme zwei A3-Bögen gebraucht. Wir einigten uns auf sieben Stücke, das ließ sich auf einen A3-Bogen pro Instrument drucken, ohne auf ein pädagogisch geeignetes Notenbild zu verzichten. Die Seitenränder mussten dem Verlagsstandart angepasst werden, ebenso der Abstand zwischen den Notensystemen, Überschriften, Stücken, Fußzeilen, Kopfzeilen… Hätte ich all diese Informationen von Anfang an gehabt, hätte ich mir einiges an doppelter Arbeit sparen können. Aber für den zweiten Band weiß ich es jetzt. Denn das war dem Verleger auch noch wichtig, dass auf der Titelseite Teil 1 stehen sollte… Drei Stücke für Teil zwei habe ich ja schon.

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Verlagsreklame

Am Donnerstag kamen nun endlich meine zwei Referenzexemplare. Der Verlag (Notposten) macht immer im April eine große Werbekampagne mit den Neuheiten des Jahres, daher dauerte es so lange von den ersten Gesprächen bis zur Herausgabe. Von meiner Seite hätten die Noten auch schon im Sommer 2019 fertig sein können, aber gedruckt wird nur im März, damit alles gleichzeitig und mit viel Aufmerksamkeit auf den Markt kommen kann.

Jetzt heißt es wieder warten und Daumen drücken. Mal schauen, wie viele Exemplare am Ende verkauft werden. Bestellen kann man die Noten übrigens hier.

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Erkenntnisse und Widersprüche


Ich lerne gerade viel. Über Schweden und die Welt. Über mich selbst. Wie tief es in meiner Erziehung sitzt, dem Staat ein gesundes Misstrauen entgegenzubringen (und ich bin ein vertrauensseliger Mensch…). Darüber, was es heißt, diametral anders zu denken, als die Menschen um einen herum.

Ich versuche, ein paar zugängliche Kollegen mit Argumenten zu erreichen, warum das Agieren unserer Regierung und der Folkhälsomyndighet problematisch ist: Dass hier Risiken eingegangen werden, die völlig unverantwortlich sind; dass es Experten gibt, die schon seit Wochen und Monaten vor Untätigkeit warnen; dass andere Länder uns warnen; dass es einen Unterschied gibt zwischen Facebook-Gerüchten und seriösen Wissenschaftlern, die in der Presse eine öffentliche Debatte zu führen versuchen. Die meisten gucken mich schief an, als ob ich ein Flat Earther wäre. Andere stimmen mir sofort zu und regen sich mit mir zusammen auf. Dabei mache ich immer wieder die gleiche Beobachtung: Fast alle, die das schwedische Agieren mit Sorge betrachten, haben irgendeinen familären Kontakt ins Ausland, sind dort geboren, haben Eltern oder Partner aus anderen Ländern, sind gut darüber informiert, wie man außerhalb Schwedens die Pandemie bewertet. Die „reinen“ Schweden vertrauen auf ihre Folkhälsomyndighet. Was soll man denn sonst machen?

Seit gestern abonniere ich das Svenska Dagbladet, eine der größten und seriösesten schwedischen Tageszeitungen. Ich glaube, dass diese zu mir ungefähr so gut passt wie die FAZ, aber im Moment bietet sie Forschern ein großartiges Forum für eine öffentliche Debatte. Beide Seiten werden gehört und publizieren Kommentare, Aufrufe und öffentliche Briefe. Das unterstütze ich. Gerade diese Debatte wird hier nämlich von Seiten der Folkhälsomyndighet unterdrückt, indem man andere Stimmen diskreditiert und vor allem die eigenen Daten nicht öffentlich macht – in Schweden, dem Land des Öffentlichkeitsprinzips. Daher fordert eine Gruppe von Forschern, die gerade gegen das Informationsmonopol der Folkhälsomyndighet ankämpft, dass eine Expertengruppe eingesetzt werden muss, die als zweite Stimme die Regierung berät, zusammen mit der öffentlichen Behörde.

Gerade habe ich diesen Artikel gelesen, der eine Beobachtung analysiert, die ich bisher nur in Teilen begriffen habe. Denn es ist faszinierend, wie weit ein guter Teil der Bevölkerung geht, um den Empfehlungen der Fölkhälsomyndighet zu folgen: Kratzen im Hals? Dann bleibe ich mal lieber zu Hause. Am morgen gehustet? Drei Tage nicht zur Schule gehen. Hände waschen? Bis die Haut weg ist. Vielleicht braucht es in Schweden keine ganz so drastischen Maßnahmen, weil man sich wirklich an die Vorgaben hält; weil man ja der Behörde vertraut. Zu einhundert Prozent.

Oder?

Die Folkhälsomyndighet rät bisher von kaum einer Einschränkung des öffentlichen Lebens ab. Trotzdem sind die Innenstädte deutlich leerer als sonst, die Kinos geschlossen, in den Restaurants sitzt fast niemand. Man geht kaum noch ins Fitnesstudio, arbeitet schon seit letzter Woche von zu Hause, obwohl die Empfehlung erst vor einigen Tagen kam. Manche Freischulen machen dicht. Natürlich gibt es auch die anderen, die nicht auf ihr Après-Ski halt nicht verzichten oder es als ältere Mitbürger alleine zu Hause einfach nicht aushalten.

Warum gehen nun trotz aller Vertrauensbekundungen so viele Schweden viel weiter in ihren Taten, als es die Folkhälsomyndghet ihnen empfiehlt? Weil man mehr Rücksicht auf die Schwachen in der Gesellschaft nimmt als anderswo? Oder hat man vielleicht doch mehr Angst vor der Krankheit, als man es zugeben möchte? Auf jeden Fall spricht das Verhalten vieler Schweden nicht gerade dafür, dass man der Folkhälsomyndighet wirklich zu einhundert Prozent vertraut. Es klingt eher so, als ob man durchaus auch auf andere Stimmen aus den In- und Ausland hört, die zu größerer Vorsicht mahnen. Aber warum fällt dann wiederum kaum jemandem dieser Widerspruch auf?

Ich weiß nicht, was ich mit diesen Erkenntnissen machen soll und welche Bedeutung sie haben. Wie gesagt, ich lerne. Und was ich auch lerne, ist dass das viele Lernen unglaublich müde macht. Zum Glück ist jetzt erst einmal Wochenende und die Osterferien sind nicht mehr weit. Ich brauche jetzt schon eine Coronapause und denke an die Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern, die wohl noch einige Monate auf die nächste Auszeit warten müssen.

Bevor wir die Schulen schließen, entscheiden wir, wen wir sterben lassen.


Stand 19. März:

11 Tote in Schweden, 35 Coronafälle auf den Intensivstationen, davon der/die Jüngste 27 Jahre alt. Über 1400 bestätigte Fälle, aber man testet ja auch nur noch neue Patienten im Krankenhaus und das Pflegepersonal – in Stockholm und weiteren 4 Regionen nicht mal mehr das.

Neues Gesetz ermöglicht Schulschließungen

Heute wurde ein neues Gesetz erlassen, das der Regierung die Möglichkeit gibt, bei Bedarf alle Schulen des Landets zu schließen. Man betont gleichzeitig, dass Schulschließungen bis Klasse 9 im Moment keine aktuelle Frage sei. Gleichzeitig arbeitet man an Triageregeln: Alter, Geschlecht und soziale Stellung sollen keine Rolle spielen, wenn man entscheiden muss, wenn man an die zu knappen Beatmungsmaschinen legt. Ausschlaggebend sollen sein das biologische Alter und der allgemeine Gesundheitszustand. Man entscheidet schonmal, wen man sterben lässt, bevor man die Schulen schließt.

Ansonsten das übliche: Keine Schutzausrüstung in den Krankenhäusern, das was es noch gibt, wird im Narkotikaschrank weggeschlossen, hoher Krankenstand in allen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, die Krankenhausleitungen warnen, dass es katastrophal werden wird und holt pensioniertes Personal aus dem Ruhestand zurück. Oh the irony.

Schweden und der Chefideologeepidemiologe Anders Tegnell setzen weiter auf die Strategie Herdenimmunität. Er lehnte sich heute sogar so weit aus dem Fenster zu behaupten, in Schweden seien bereits über 100.000 Menschen infiziert – woher der alte weiße Mann diese Zahl hat, wenn doch kaum noch getestet wird, ist schwer nachzuvollziehen. Nur die Alten, bestätigte Fälle und wer sonstwie krank ist, sollen zuhause bleiben. Wir anderen sollen unsere Hände waschen und in die Armbeuge husten. Immerhin rät man jetzt auch von Reisen innerhalb Schwedens ab, insbesondere in und aus den Großstadtregionen.

Herdenimmunität, ich kanns nicht mehr hören

Anders Tegnell wird zwar immer lauter von anderen Wissenschaftlern kritisiert (SVT, Svenska Dagbladet), aber dieser Mann ist solch ein Narzisst, der ist vollkommen immun (höhö) gegen jede Form von Kritik. Stattdessen nutzt er die Aufmerksamkeit, die ihm die Kritik einbringt, um weiter seine Parolen zu verbreiten: Kinder würden nicht erkranken und seien keine ernstzunehmende Ansteckungsquelle, wir flachen die Kurve durch Händewaschen ab, niemand wisse, ob die krassen Maßnahmen im Rest von Europa überhaupt etwas bringen würden, blablabla. Es ist UN. ER. TRÄG. LICH.

Im Spiegel lese ich, dass sowohl Großbritannien und die Niederlande von ihrer Herdenimmunität-Strategie ablassen, nur Schweden führt dieses Experiment weiter. Ein Hochrisikoexperiment mit 10 Millionen Versuchskaninchen.

Jetzt kommen die Rechten…

Am ekelhaftesten ist, dass jetzt Jimmie Åkesson, Parteivorsitzender der rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) vor die Presse geht und das Vorgehen der schwedischen Gesundheitsbehörden kritisiert und Schulschließungen fordert. Es ist einfach nur bizarr.

Ein ganz normaler Arbeitstag, irgendwie.

An meinem Arbeitsplats waren wir heute nach wie vor zu zweit. Morgens hatten wir unsere normale Donnerstagskonferenz mit einem unserer Chefs, da waren wir noch drei. Der eine Kollege war aber – nach eigenen Angaben wegen Heuschnupfen – dermaßen am rumschniefen und -rotzen, dass der Chef ihn heimschickte. (Soviel zu: wer irgedwelche Symptome hat, bleibt bitte daheim…) 7 von 10 Schülern kamen heute zum Klavierunterricht, viele erzählen, dass man sich in den Schulen darauf vorbereitet auf Distanzunterricht umzusteigen. Ich hatte heute meine erste Unterrichtsstunde per Videokonferenz mit einer Zweitklässlerin. Es war so naja, wir müssen da alle noch viel lernen, was geht und was nicht.

Ein kurzes Gespräch mit einer Kollegin von der Kulturschule, die es ganz fantastisch findet, dass Schweden so mutig ist, einen anderen Weg zu gehen als der Rest der Welt. Herdenimmunität sei ja sowas tolles, das hätte die Natur ja so vorgesehen. Ich entgegnete, dass die Natur auch vorgesehen hätte, dass jetzt mal ein paar Tausend oder Zehntausend Menschen an diesem Virus sterben werden und der Mensch und die Wissenschaft seit Jahrhunderten daran arbeiten, dass genau das nicht passiert. Beliebt macht man sich so auch nicht bei seinen Kollegen.

Abends ging ich noch bei unserer 86jährigen Nachbarin vorbei und fragte – mit 2 Metern Sicherheitsabstand – ob sie noch was aus dem Supermarkt brauche. Brauchte sie. Klopapier. Wenns geht, gerne das mit den Eichhörnchen drauf. Ich war zunächst besorgt, dass ich ihr diesen Wunsch nicht erfüllen konnte, aber es gab alle Sorten Klopapier: 2lagig, 3lagig, 4er-Pack, 10er-Pack, 20er-Pack, mit Bären, mit Lämmern, mit Eichhörnchen und Unmengen von Schmirgelpapier.

Es gibt wieder Klopapier

Im gleichen Takt wie das Klopapier wieder zunimmt, nimmt die Berichterstattung ab. Die Nachrichtenseiten und Fernsehnachrichten sind nicht mehr ausschließlich monothematisch Corona, sondern nach drei, vier, fünf Corona-Nachrichten kommen wieder Nicht-Corona-Nachrichten. Der Einzelhandel verlegt jetzt mit dem einziehenden Frühling seine Geschäfte auf die Straße, um mehr Leute in die Innenstädte zu locken. Hurra.

What. The. Fuck.

Und was macht Schweden?


Grob zusammengefasst: nichts. Oder besser gesagt: alles. Wir haben – Stand Dienstagmorgen 17. März – quasi überhaupt keine Einschränkungen durch das Corona-Virus, wenn man es mit anderen Ländern vergleicht. Ja, wir haben Plakate aufgehängt, dass man Händewaschen soll, Veranstaltungen über 500 Personen sind verboten, ebenso Besuche in Altenheimen und Krankenhäusern. Schweden fährt eine komplett andere Strategie als der Rest Europas, der Rest der Welt. Wenn man es denn Strategie nennen will.

Mein besonderes Hassobjekt in diesem Zusammenhang ist Anders Tegnell, Schwedens Staatsepidemiologe, angestellt bei der schwedischen Gesundheitsbehörde folkhälsomyndigheten. Der Mann ist in den schwedischen Medien omnipräsent und ganz Schweden folgt seinem Wort.

(Link zu einer Unterschriftenliste, die Tegnells Rücktritt fordert: https://www.skrivunder.com/avga_anders_tegnell)

Ich fühle mich gerade nicht kompetent, die komplette Nachrichtenlage in Schweden wiederzugeben, aber ein wenig möchte ich zusammenfassen, wie ich die letzten dreei Wochen erlebt habe.

25. Februar: zum ersten Mal darüber geredet.

Das erste Mal, dass in meiner Umgebung überhaupt von Corona geredet wurde, war auf einem Treffen mit dem Elternverein am 25. Februar. Da planten wir ausführlich unsere Orchesterreise im Juni an den Gardasee. Am Ende des Treffens dachte ich, ich stelle mal die Frage, ob jemand schon von dem Virus in Italien gehört habe, und äußerte leichte Bedenken, dass das eventuell unsere Reise beeinflussen könnte. Viele hatten noch nichts davon gehört. Allgemeines Achselzucken, mal abwarten, wird schon nicht so schlimm sein ist die Devise. In der Öffentlichkeit: nichts.

2. März: Wir planen eine Orchesterreise nach Italien

Am Dienstag 2. März hatten wir großen Elternabend wegen der Reise. Aufgaben werden verteilt, wer verkauft bei welchem Konzert im Frühjahr Kuchen, wer steht am Tag der Offenen Tür am Grill, etc pp. Ja, Corona taucht unter sonstigen Fragen auf, aber mehr als Kuriosum, der allgemeine Tenor ist: ist doch nur Panikmache. Wir fahren im Juni nach Norditalien!

In den folgenden Tagen beginnt man in den Medien die Berichterstattung über Italien. Es waren gerade Ferien, viele Schweden waren in Italien im Urlaub. Irgendwann da tauchen die ersten Fälle in Schweden auf, glaube ich. (Ich kann es gerade nicht recherchieren, die Seite der folkhälsomyndigheten scheint kollabiert zu sein.)

6. März: Mund-zu-Mund-Beatmung üben

Am Freitag, 6. März haben wir beim Job eine Fortbildung: ein Vormittag lang Herz-Lungen-Rettung (viele schwedische Arbeitgeber schicken ihre Angestellten im 2-Jahrestakt auf solche Fortbildungen). Die Beatmungspuppen reichen nicht für alle, zwei bis drei Leute üben an derselben Puppe Mund-zu-Mund-Beatmung. Der Kursleiter stellt eine Flasche Desinfektionsmittel und Klopapier bereit, viele benutzen es, aber nicht alle. Beim Mittagessen mit dem Lieblingskollegen erreicht uns die Nachricht von schwedischen Auswärtigen Amt (UD – utrikesdepartement), dass von nicht notwendigen Reisen nach Norditalien bis auf Weiteres abgeraten wird. Am Nachmittag läuft die SMS-Gruppe des Vorstandes des Elternvereines heiß, ob wir die Italienreise absagen oder nicht. Wir einigen uns darauf, am Montag mal beim Reisebüro anzufragen, was für den Reiserücktritt gilt.

Am selben Tag erscheint in Dagens Nyheter, einer der großen Tageszeitungen Schwedens, ein Artikel, in dem Anders Tegnell verkündet, dass Schweden nun mit 96 Fällen den Peak erreicht habe, ab nun werden die Zahlen nicht mehr steigen. https://www.dn.se/nyheter/sverige/antalet-coronafall-i-sverige-kan-ha-natt-toppen-kommer-snart-att-klinga-av/

9. März: Wir hängen ein Plakat übers Händewaschen auf

Am Montag lautet die Antwort des Reisebüros: wartet mal ab mit dem Absagen der Reise, wir wissen ja nicht, ob das im Juni überhaupt noch aktuell ist und dann wäre es ja schade, wenn wir abgesagt hätten. Die Gesundheitsbehörde stuft das Risiko von 2 auf 3 auf einer Skala bis 5 hoch.
Unsere Chefin schickt eine Mail raus, wir sollen Plakate aufhängen über gute Handhygiene.

Am Dienstagabend ruft mein großer Bruder aus Deutschland an und füttert mich zwei Stunden lang mit Zahlen, Statistiken, Exponentialkurven, Logarithmuskurven und den neuesten Nachrichten aus Italien. Mein Kopf schwirrt und mir ist ein bisschen schlecht. Ich frage mich, ob wir in verschiedenen Welten leben, weil hier in Schweden nach wie vor wenig darüber geredet wird.

Am Mittwoch 11. März haben wir ein Konzert mit rund 80 Zuhörern. Als die Mitwirkenden am Schluss Blümchen kriegen, witzelt man darüber, dass es vielleicht nicht so gut wäre einander jetzt zu umarmen. Die meisten tun es trotzdem. Auf dem Heimweg höre ich im Auto in den Nachrichten, dass es den ersten Todesfall in Schweden gab und das Ansteckungsrisiko nun auf 5 erhöht wurde und frage mich kurz, ob ich jemanden umarmt habe. (Antwort: nein, ich bin introvertiert.) Veranstaltungen werden auf 500 Menschen begrenzt. Der erste bestätigte Fall in Borås.

12. März: „Bitte weiterarbeiten, trotz Erkältung“

Am Donnerstag 12. März wird der Karenztag bei Krankheit von staatlicher Seite aufgehoben. In Schweden kriegt man normalerweise am ersten Tag einer Krankschreibung kein Krankengehalt, erst ab Tag 2. Jetzt also Krankengehalt ab Tag 1., damit man auch bei leichter Krankheit zuhause bleibt.

In einer Mail informiert unsere Chefin:

„Det som är viktigt är att de som har hosta, feber eller andningssvårigheter stannar hemma och inte kommer till arbetet. Det är de tre faktorerna som gäller, inte om man känner sig lite förkyld. Denna information gäller tillsvidare inom Borås Stad.“ (Mail (Auszug) vom 12. März an alle Angestellten der Kulturschule)

Es ist wichtig, dass man bei Husten, Fieber und Atembeschwerden zuhause bleibt und nicht zur Arbeit kommt. Es sind diese drei Faktoren, die gelten, nicht, wenn man sich etwas erkältet fühlt. Diese Information gilt bis auf weiteres in Borås Stad. (Borås Stad = Stadtverwaltung)

Hallo?! Erkältung gilt nicht??! Mein erster What-The-Fuck?!?-Moment. Weitere werden folgen.

12. März: Blasinstrumente ausprobieren und rumreichen ist schon ok

In einer Konferenz mit Chefs und 7 Kollegen kommt am Rande die Frage auf, ob wir eigentlich nach wie vor Kulår wie gewohnt machen soll. Kulår heißt, man besucht eine erste Klasse, hat 3-4 Instrumente dabei und lässt die Kinder ausprobieren. Nach langem Hin und Her einigen wir uns schließlich darauf, dass die Lehrer, die ein Blasinstrument unterrichten und sich nicht dabei wohlfühlen, mehrere Kinder nacheinander in dasselbe Instrument blasen zu lassen, andere Sachen im Unterricht machen dürfen. Einige (Bläser!)Kollegen regen sich tierisch darüber auf, dass manche so übervorsichtig sind und damit nur Panik verbreiten würden. Ich denke: gut, dass ich kein Blasinstrument unterrichte. Für den Abend ist eine Pressekonferenz mit unter anderem dem Schulministerium anberaumt, die mit Spannung erwartet wird. Während des Nachmittags scheint sich die Stimmung im Kollegium etwas zu wandeln, manche erhoffen sich jetzt eine Schulschließung.
Das Ergebnis der Pressekonferenz: „Wir machen gar nichts, die Schule geht ganz normal weiter. Wir hören darauf was die Gesundheitsbehörde (Anders Tegnell) sagt und der sagt, Schulschließungen seien kontraproduktiv.“ Außerdem: es werden ab sofort nur noch ältere Menschen und Angestellte in den Krankenhäusern getestet.

Weiterhin verkündet die folkhälsomyndigheten (Anders Tegnell) in völligem Widerspruch zu dem, was zu diesem Zeitpunkt im Rest der Welt passiert:

„In der Inkubationszeit sei man nicht ansteckend. Nur Menschen mit Symptomen seien ansteckend. Kinder kriegen fast keine Symptome und würden daher kein Risiko darstellen. Ein Krankheitsfall in der Familie ist kein Grund, zuhause zu bleiben.“

(Link zu einer Unterschriftenliste, die Tegnells Rücktritt fordert: https://www.skrivunder.com/avga_anders_tegnell)

(Ich weiß gar nicht, wieviel Konjunktive ich hier schreiben soll, damit ich nicht bei Google Treffer zu diesen Fakenews produziere.) Ich würde es screenshotten, aber die Seite der folkhälsomyndigheten liegt immer noch brach. Wahrscheinlich ein Virus.

Freitag bis Sonntag: Eigentlich sollte ich übers Wochenende für eine Fortbildung nach Arvika fahren (4 Stunden Autofahrt von hier). Die eine Dozentin, sowie die Hälfte der Teilnehmer, die aus Norwegen kommen, haben jedoch Reiseverbot. Morgens kommt die Nachricht, das Seminar werde ins Netz verlegt. Das ganze Wochenende sitze ich am Rechner und videokonferiere mit meinen 7 Kurskollegen und 2 Dozenten. Ohne Ironie: Es war großartig! Ich würde sagen, 90% des Unterrichtsstoffes kam unbeeinflusst an, auch die Kaffeepausen dazwischen. Lediglich das gemeinsame Musizieren war so naja, was vor allem daran lag, dass zwei Kursteilnehmer eine langsamare Internetverbindung hatten als der Rest. Ansonsten hätte das vielleicht auch funktioniert.

13. März: Es gibt noch Klopapier

Freitag der 13. März. Vormittags machen Jonas und ich unseren normalen Wocheneinkauf. Es gibt noch Klopapier. Freitagnachmittag Gesamtlehrerkonferenz beim Job (wie jede Woche): Eine ganz normale Konferenz, wir planen Konzerte, Tag der offenen Tür etc. 15 Minuten widmen wir Corona. Die Parole ist: „Wir folgen den Anweisungen der Behörden. Wascht euch die Hände.“

WTF.

Der Lieblingskollege fragt, was für die Blasorchesterproben gelte, da fliegen schon mal Speicheltropfen durch die Luft, wir sitzen auf engem Raum, schlechte Ventilation. Chefin: „Ich komme später auf die Frage zurück.“

Sonntagabend, Pressekonferenz. Man verkündet, dass ab Mitte der Woche Triageregeln „von ethischer Dimension“ veröffentlicht werden. Schluck.

16. Januar: „Wenn jeder in seine eigene Trompete sabbert, ist das kein Problem“

Montag 16. Januar. Das Wort des Tages in den Medien ist: Herdenimmunität. Anders Tegnell sagt, Schweden strebe eine Herdenimmunität an, deswegen solle das öffentliche Leben weiterhin so gut es geht aufrecht erhalten werden. Nur die Alten sollten isoliert werden, dann sei das alles gar nicht so schlimm.

(Link zu einer Unterschriftenliste, die Tegnells Rücktritt fordert: https://www.skrivunder.com/avga_anders_tegnell)

Die Krankenhäuser warnen vor fehlender Schutzausrüstung.
Die Ansteckungszahlen gehen zurück (klar, es wird kaum noch getestet.)
Wir sagen eigenmächtig unsere Orchesterprobe für den Abend ein, weil wir immer noch keine Antwort von der Chefin haben. Später am Tag eine Email von ihr:

„Fråga: Hur gör vi med våra orkestrar, eleverna sitter tätt tillsammans samt att det läcker luft och saliv från blåsinstrumenten? Föräldrar hör av sig och undrar om eleverna skall komma på orkestern?
Svar: Vi fick till oss att om eleverna har egna instrument med sig så borde det inte vara någon fara. Och samma gäller ju här, är jag sjuk så kommer jag inte till orkestern.“ (Mail (Auszug) vom 16. März an alle Angestellten der Kulturschule)

Frage: Wie machen wir das mit den Orchestern? Die Schüler sitzen eng zusammen, aus den Instrumenten strömt Luft und Speicheltropfen. Die Eltern rufen an und fragen, ob die Kinder zum Orchester kommen sollen.
Antwort: Wir gehen davon aus, dass wenn die Schüler eigene Instrumente haben, das keine Gefahr darstellen sollte. Das gleiche gilt auch hier: Bin ich krank, komme ich nicht zum Orchester.

Außerdem in dieser Mail: Wir halten uns streng an die Vorgaben der Behörden.

WTF.

Die Folkhälsomyndigheten revidiert ihren Bullshit immer noch nicht, Anders Tegnell hält nach wie vor seine Nase in jede Kamera und erzählt seinen Bullshit, dass wenn wir nur Menschen über 70 ordentlich isolieren, dann können alle anderen mit leichten Einschränkungen normal weitermachen. Leute in Stockholm könnten ja mal überlegen, ob sie Homeoffice machen.

(Link zu einer Unterschriftenliste, die Tegnells Rücktritt fordert: https://www.skrivunder.com/avga_anders_tegnell)

Eine Freundin, Ärztin im Krankenhaus in Borås, ruft an und sagt, im Krankenhaus mache man sich auf das Schlimmste gefasst, OP-Säle werden zu Intensivstationen umgewidmet.

Abends nach Mitternacht kommt auf SVT eine Talkshow mit Anders Tegnell und Joacim Rocklöv, Epidemiologe an der Uni Umeå, der diametral andere Ansichten vertritt als Tegnell und dazu rät, wie der Rest der Weltbevölkerung auch, seine sozialen Kontakte drastisch einzuschränken. Eine Ärztin aus Stockholm verkündet stolz, dass man die Intensivplätze in der Region Stockholm leicht von 100 auf 150 erweitern könne. Rocklöv entgegnet, dass man Mitte Mai voraussichtlich 500-1000 Plätze in Stockholm brauchen werde. Tegnell sagt: „das wissen wir alles noch nicht.“

WTF.

17. März: „Eine Verbreitung in den Schulen ist nicht gefährlich“

Heute morgen, 17. März, die Schlagzeile: „Tegnell sagt: Eine Verbreitung in den Schulen ist nicht gefährlich“.

WTF! WTF!! WTF!!!

(Link zu einer Unterschriftenliste, die Tegnells Rücktritt fordert: https://www.skrivunder.com/avga_anders_tegnell)

Jetzt habe ich hier zwei Stunden geschrieben, und versucht, mich nur darauf zu konzentrieren, keine Nachrichten, keine Mails, keine SMS, kein Whatsapp nebenher. Währenddessen hat sich die Welt draußen bestimmt ein paar Umdrehungen weiter gedreht. Ich muss jetzt aufhören, obwohl ich noch lange nicht fertig bin. Ich hab nämlich gleich Unterricht… Yay.

Bei Gelegenheit mehr.

(Ach ja, hier ein Link zu einer Unterschriftenliste, die Tegnells Rücktritt fordert: https://www.skrivunder.com/avga_anders_tegnell)