Archiv der Kategorie: Arbeta och studera

Vier hässliche Lieschen und eine Kopfschmerztablette, bitte!


Schüler, 3. Klasse, erste Klavierstunde nach den Sommerferien:
„Ich hab ein neues Lied gelernt, von meiner Cousine! Es heißt „Lis Fyra“!“*

 

Anderer Tag, andere Schülerin, 7. Klasse. Erste Klavierstunde nach den Sommerferien:
„Ich habe ein neues Lied gelernt, von meiner Freundin! Es heißt „Ful Elise“!“**

 

Gleicher Tag, später am Nachmittag, Schüler, 5. Klasse. Wir machen Fingerübungen zum Aufwärmen und Anknüpfen an früher bereits Gelerntes. Kind spielt D-Fis-A, Daumen, Mittelfinger, kleiner Finger.

Ich: „Wie nennt man denn das, was du da gerade spielst?“
Kind: …?
Ich: „Also wenn man drei Töne spielt, die dann gleichzeitig klingen…“
Kind: …?
Ich: Könnte das vielleicht was mit Drei…. zu tun haben, wenn da drei Töne klingen?
[Auf Schwedisch: …när det klingar tre toner?]
Kind: …?
Ich: „T…“
Kind: „T…“
Ich: „Tr…“
Kind: „Tr…“
Ich: „Treee…“
Kind: „Tre… Tree… Treee…“
Kind (strahlt): „Treo!“***

Treo 500mg/50mg 60st (1/1)


*fyra = vier
** ful = hässlich
*** Treo: Handelsname für Kopfschmerzbrausetabletten mit Acetylsalicylsäure und Koffein. Die richtige Antwort wäre treklang, also Dreiklang gewesen.

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Sommer 2018: Mit Katze im Wohnmobil nach Ostfriesland


Siebeneinhalb Wochen Sommerferien neigen sich dem Ende zu, morgen ist unser erster Arbeitstag. Die Schulkinder hier haben sogar noch zwei Wochen länger frei, da wir Lehrer im Juni und im August jeweils eine Woche Planungs- und Konferenzzeit haben.

Orchesterreise nach Heidenheim

Die Planungswoche im Juni (will heißen: die erste Ferienwoche der Schüler) habe ich auf Orchesterreise in meine alte Heimat Heidenheim auf der Ostalb verbracht. Bereits zum 5. Mal hat dieses Jahr die Jugendbegegnung zwischen den beiden Musikschulen stattgefunden. Und es wird nicht langweilig, weder den Erwachsenen noch den Jugendlichen. Zum einen, weil ja in einem Jugendorchester immer eine natürliche Fluktuation herrscht, zum anderen, weil für die Älteren, die schon ein paar Mal dabei waren, die Vorfreude fast noch größer ist, alte Bekannte wiederzutreffen.

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Drei Dirigenten, zwei Orchester beim Konzert in meinem ehemaligen Gymnasium.

Weil wir seit 2011 alle Sommer bis auf einen in Skandinavien verbracht haben, war uns dieses Jahr mal danach, mal wieder etwas Neues zu entdecken. Zusammen mit dem Lieblingskollegen und seiner Frau war der Plan, gemeinsam mit Wohnmobil und Zelt nach Holland und Amsterdam – was wegen eines vollgelaufenen Kellers leider kurzfristig nicht zustande kam. Aber Jonas und ich hatten uns schon so auf Holland gefreut, dass wir nach langem Hin und Her schließlich alleine fuhren.

Bei Orchesterkollegen in Rendsburg und Schleswig-Holstein Musikfestival

Nach einer Nacht am menschenleeren Strand von Ängelholm

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5 Kilometer Sand – (fast) ganz für uns alleine

war die erste Station in Deutschland Rendsburg, wo Jonas im Juni mit seinem Orchester zu Besuch gewesen war – und dem Schleswig-Holstein Musikfestival. Großartig das Festivalorchester unter Christoph Eschenbach mit Mahlers „Erster“ – die Konzerte waren schon seit Monaten ausverkauft, aber dank Jonas‘ Kontakten kamen wir in den Genuss einer dreistündigen Probe mit Partitur im Schoß, das war eigentlich noch besser als Konzert.

Weiter via Ratzeburg, Glückstadt (beides sehr hübsche Städtchen) und Bremerhaven (Auswandererhaus unbedingt lohnenswert) und Cuxhaven (urx…) Richtung (Ost)friesland.

Zwei Nächte in den Dünen bei Hooksiel, sich über skurrile deutsche Campingplätze wundern:

Hübsch wars trotzdem, vor allem deshalb:

Nach einer Nacht auf dem grausigen Wohnmobilstellplatz von Cuxhaven (zu unserer Entschuldigung: es war spät und wir waren sehr müde, aber nie wieder im Sommer nach Cuxhaven. Ich wollte das betonierte Elend – auch „die Platte“ genannt – noch nicht mal fotografieren. Googelt selber.) fühlte sich Hooksiel beinahe leer an.

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„Hunde sind an der Leine zu führen“ – wenn sie das Rätsel Sphinx lösen können…

Pulcinella war natürlich auch mit. Wir sind uns inzwischen nicht mehr sicher, ob sie wirklich eine Katze ist, oder nicht doch ein Hund, so brav, wie sie an der Leine mit uns überall hintapst und unser Wohnmobil bewacht – wir haben uns schließlich auf Hutze geeinigt.

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Lieblingsplatz mit Katzenfernseher (aka Fenster)
Im Herzen des Deutschland-Tourismus: Ostfriesland

Weiter über Norddeich (die Seehunde waren niedlich und die Drachen am Strand beeindruckend, aber auch wieder viiiiel zu viele Menschen),

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Drachen am Strand von Norddeich

Aurich (hübsch!), Greetsiel (auch ganz nett), die Knock (herrlich, weil fast keine Sau)

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Camperidyll: Komponist und Katze auf Kuhweide an der Knock

in die Heimatstadt meiner Mutter, Emden. Konnte ja keiner ahnen, dass ausgerechnet, wenn wir da sind, Otto dort seinen 70. feiern muss und die halbe Bundesrepublik vor dem Ottohaus für ein Selfie Schlange steht. Dafür hatten wir die Duckomenta quasi für uns allein.

Jetzt waren wir also endlich an der holländischen Grenze angelangt. Wegen der Hitze waren wir träger als geplant und wir hatten von anderen Wohnmobilisten Horrorstories von überfüllten holländischen Campingplätzen und drakonischen Strafen fürs Freistehen gehört, dass uns irgendwie die Lust auf Holland vergangen war. Und eigentlich wollten wir nichts lieber als an einen ruhigen, kalten, schwedischen Süßwassersee.

Der Rückweg

Also traten wir die Heimreise an, ohne auch nur einen Fuß auf holländischen Boden gesetzt zu haben. Via Leer, wo wir beinahe in einem Secondhandladen ein ostfriesisches Teeservice erstanden hätten, Bremen (nur durchgefahren, dafür brauchen wir mehr Zeit und einen ortskundigen Führer…), das Teufelsmoor bei Worpswede und Hamburg

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Familienfoto mit Katze

(Gruß an meine liebe Tante I. und Onkel W., die ich dort zum ersten mal seit 15 Jahren wieder besucht habe!) gings nach Plön. Nicht Schweden, dafür wenigstens ein See. Und das Schleswig-Holsteinische Binnenland war zwar auch voll, aber nicht so schlimm wie die niedersächsische Nordseeküste. Dass wir uns im Plöner See Zerkarien einfangen würden, konnte man ja auch nicht ahnen. Wieder was gelernt. Es juckt mich schon, wenn ich das Wort Zerkarien nur schreibe.

Via Kiel (ein Gewitterschauer! Herrlich! Und ein Teeservice!) fuhren wir weiter nach Dänemark, wo wir dachten, wir würden am Ar* Ende der Welt ein wenig ruhiger als in Deutschland stehen,

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Eine Stunde südlich von Grenå am Strand

aber prompt in ein Oldtimertreffen hinein stolperten,

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Zum Glück nur am Abend mit Oldtimern, nach Sonnenuntergang wurde es schnell ruhig.

ging es dann zügig wieder Richtung Heimat. Die Fähre Grenå-Varberg hätte ohne den grölenden Junggesellenabschied auch ganz nett sein können.

Wieder daheim…

Endlich wieder in Schweden, steuerten wir schnurstrax den erstbesten abgelegensten Badeplatz an, der sich zwischen Varberg und Borås anbot. In Schweden war der Sommer ja auch keinen Deut kühler als in Deutschland und obwohl wir die heißesten Tage immer am Wasser mit ein wenig Wind verbracht haben, so half an diesem Tag nur noch baden. Und wer nicht baden mochte, verbrachte den Tag unter einem nassen Handtuch.

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Wegen Hitze: Hutze mit Handtuch (nass!)

Ich glaube, ich bin echt nicht mehr kompatibel mit Deutschland und seinen Menschenmassen. Wobei… Nordseeküste im Juli ist ja eigentlich auch ein bisschen behämmert, wenn man mal drüber nachdenkt.

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Seis drum. Wir haben auch viel Schönes erlebt, Neues gesehen, nette Menschen getroffen, alte Bekanntschaften aufgefrischt, neue Bekanntschaften geschlossen, gut gegessen, exzellente (und bezahlbare!) Cocktails geschlüft, ein echtes ostfriesisches Teeservice erstanden, uns durch deutsche Konditoreien gefuttert, uns über vieles gewundert,

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In Bremerhaven am Hafen

eine Gratisgarantiereparatur an unserem Wohnmobil machen lassen, einen Vormittag lang Mahler live gehört, uns viele hübsche norddeutsche Städtchen erlaufen, zwei große Brücken überfahren,

riesige Eisbecher gelöffelt, wie es sie in Schweden nicht gibt, und viele Menschen durch den Anblick unserer Wohnmobilhutze erfreut.

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Im Rucksack nehmen wir Pulcinella nur ausnahmsweise mit – wie hier, als unser Wohnmobil gerade in der Werkstatt steht.

Das waren also unsere Sommerreisen 2018: dreimal nach Deutschland. Jeweils eine Dienstreise mit Orchester und einmal mit Katze statt Kindern.

Die letzten zwei Ferienwochen waren wir zuhause und haben mit lieben Gästen aus Deutschland hier mit sportlichem Ehrgeiz mindestens einmal täglich in den Seen der Umgebung geplanscht. Das war fast noch schöner.

Ein Klavier, ein Klavier!


 

Seit ich an meiner Musikschule arbeite, störte mich das Klavier, auf dem meine Schüler spielen. Trotz halbjährlicher Stimmung war nach 2 Monaten jedesmal das e“ so verstimmt, dass mein Stimmgerät immer behauptete, mein es“ sei zu hoch. Der Klavierstimmer meinte immer nur, dass es halt ein altes Instrument sei, das die Stimmung nicht mehr halten könnte und alles, was man machen könnte, sei alle 8 Wochen stimmen oder eine Generalüberholung, die im Zweifelsfall teurer sei, als eine Neuanschaffung und das sei die alte Mühle einfach nicht mehr wert.

Und die schlechte Stimmung war nur der Punkt, den ich objektiv mit Stimmgerät nachweisen konnte. Dass das Instrument an sich in Bezug auf Anschlag und und Klang eher ein Xylophon als ein Klavier war, wurde immer als Geschmacksfrage abgebürstet. Und dass das Instrument seit den 70er Jahren ohne Unterlass und ohne Renovierung als Schulinstrument in Gebrauch war und dementsprechend abgespielt war, taugte offensichtlich auch nicht als Argument für ein neues, bzw. ein neues gebrauchtes Instrument.

In den letzten vier Jahren habe ich daher regelmäßig um ein neues – oder wenigstens ein neues gebrauchtes – Instrument gebettelt. Als ich meine ehemalige Chefin endlich soweit hatte, dass sie fürs nächste Budget ein Neuanschaffung ins Auge fasste, beorderten die Lokalpolitiker eine große kommunale Umstrukturierung, in deren Verlauf wir einen anderen Chef bekamen, der noch viel uninteressierter an der Anschaffung neuer Tasteninstrumente war.

Nach langem Quengeln hatte ich es dann immerhin zu einem neuen Klavierhocker gebracht, nachdem ich mit gewerkschaftlicher Hilfe erklären konnte, dass täglich mehrere Stunden auf einem nicht höhenverstellbaren Stuhl in sitzender Tätigkeit früher oder später unweigerlich zu bleibenden Rückenschmerzen und Krankschreibung führen würden.

(Nur am Rande: für die bildschirmarbeitenden Menschen in der Stadtverwaltung schafft man selbstverständlich hydraulisch höhenverstellbare Tische und superergonomische Bürostühle im Wert von über 1000 Euro pro Arbeitsplatz an, an denen wechselweise stehend oder sitzend gearbeitet werden kann und macht ganze Fortbildungen, um auf die Wichtigkeit von wechselnder Körperhaltung hinzuweisen. Aber ein ordentlicher Klavierhocker für 150 Euro ist zu teuer.)

Nun tauchte kürzlich auf Blocket, dem großen schwedischen Kleinanzeigenportal eine Perle von Instrument auf: Ein Ibach Klavier aus deutscher Herstellung, Baujahr 1988, regelmäßig gestimmt, kaum gespielt, nur gestreichelt, schwarz lackiert, optisch quasi neuwertig. Für unter 1000 Euro!!! Auf den einschlägigen Seiten im Netz findet man vergleichbare Instrumente in Deutschland für das 5-10fache, je nachdem, ob man bei einem Händler oder von privat kauft.

Jonas und ich fuhren gemeinsam an einem Samstag nach Falkenberg, um das Instrument probezuspielen und es war Liebe auf den ersten… Ton.

Nun musste ich nur noch meinen Chef davon überzeugen, dass die Kulturschule ein solches Instrument zu diesem Preis so schnell nicht wieder sehen würde…

Ich mach es kurz und spare mir viele Zeilen unflätiger Sprache: die Antwort war nein.
Nun habe ich das Klavier selbst gekauft, eine Umzugsfirma beauftragt und es in meinen Unterrichtsraum gestellt stellen lassen. Am Freitag wurde es angeliefert und ich habe es noch keine Minute bereut.

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Mit dem Klavier kam auch noch ein Klavierhocker, Marke: Antik, samt handbesticktem Sitzpölsterchen. Hier zu Anschauungszwecken – ich denke, der Hocker wird eine neue Bestimmung als Blumenkübeluntersatz finden…

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(Man entschuldige die Bildqualität – ich war offenbar so aufgeregt, dass ich die Handykamera nicht ruhighalten konnte.)

Der erste Donnerstag im März


Donnerstags haben wir beim Job immer Möte, Konferenz also. Die gute Sitte gebietet, dass jede Woche jemand anders fürs Fika zuständig ist, also Kanelbullar (Zimtschnecken), Kladdkaka (klebrigen Schokoladenkuchen), Semlor (Riesenwindbeutel) oder sonstige Leckereien mitbringt. Ob selbstgebacken oder gekauft ist dabei zweitrangig. Wenn jemand Geburtstag hat oder es irgendwas anderes zu feiern gibt, bringt man üblicherweise eine Prinsesstårta mit – Sahnetorte mit giftgrünem Marzipanüberzug.

Heute kam – für mich sehr überraschend, da eigentlich ein ganz normaler Donnerstag – der Lieblingskollege mit dieser Marzipantorte an:

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Fössta Tossdan i mass stand da auf der Torte. Aha. Bedeutet frei aus dem Småländischen übersetzt soviel wie: Easta Donnastag im Meaz.

Auch wenn mich das jetzt sprachlich nicht überforderte… ich war raus. Warum muss man jetzt den ersten Donnerstag im März feiern?? (Also… nicht, dass ich was gegen Marzipantorte hätte.) Was dann folgte, war eine Lektion in Landeskunde vom Lieblingskollegen:

Der Smålänning an sich hat ein dialektal bedingtes Problem mit dem Buchstaben r. Noch schlimmer wird dieses Problem, wenn dem r ein s folgt. Im restlichen Schweden wird die Lautkombination rs meist wie (r)sch ausgesprochen. Första torsdagen i mars klingt also wie [förschta turschdagen i marsch] oder auch [föschta tuschdan i masch].

Nun sind die Bewohner Smålands im restlichen Schweden nicht besonders angesehen – in Deutschland wären sie eine Mischung aus Schwaben und Ostfriesen, was Geiz und Geist angeht – und man lässt keine Gelegenheit aus, sich liebevoll über sie lustig zu machen. Vielleicht steckt auch ein bisschen Neid dahinter, den Smålänning Ingvar Kamprad verehrt man jedenfalls in ganz Schweden.

Die Anhäufung von rs-Lauten in Första torsdagen i mars hat jedenfalls dazu geführt, dass der erste Donnerstag im März zum inoffiziellen småländischen Nationaltag deklariert wurde, angeblich von einem Smålänning. Und wie feiert man den am besten? Natürlich, mit Massipaantåååta. Der nichtsmåländische Schwede spricht dieses Wort mit einem leicht grenzdebilen Grinsen aus.

Böse Zungen behaupten, der Tag sei eine Erfindung der Konditoren. Nicht ganz auszuschließen in einem Land, das auch einen Kanelbullens dag (4. Oktober), einen Semladag (Faschingsdienstag), einen Tag der Punschrolle, einen Tag der Mazarine und einen Waffeltag hat. Um nur die Wichtigsten zu nennen. Die drei letztgenannten liegen übrigens alle im März. Irgendwie muss man ja die Fastenzeit überleben.

Wieder in Göteborg


Während unseres Engagements bei den Göteborger Symfonikern hatten wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt und uns gleich für ein weiteres Projekt buchen lassen. Diese Aktion unter dem Titel „Kreatives Zusammenspiel“ ist deutlich kleiner angelegt als „Komm herein„. Nur ungefähr dreißig bis vierzig Kinder im Grundschulalter kommen gleichzeitig ins Konzerthaus, um an zwei Workshops teilzunehmen. Ein Teil der Gruppe bewegt sich angeleitet von einer Rythmik-Pädagogin und begleitet von einem Holzbläserquintett zu Musik; unsere Aufgabe ist es, einen einen Kompositions-Crashkurs zu betreuen, in dem jede Klasse mit Hilfe einfacher grafischer Notation ein eigenes Stück schreibt, dass dann von einem Trompeter, einer Cellistin und einem Schlagwerker aufgeführt wird. Danach dürfen die Gruppen natürlich tauschen und auch den jeweils anderen Workshop erleben.

Eigentlich hätte Annika schon vorige Woche zwei Vormittage übernehmen sollen, aber auf Grund des EU-Gipfels in Göteborg am letzten Freitag (hat man davon eigentlich irgendetwas mitbekommen neben Jamaika-Verhandlungen und Klima-Konferenz?) war die gesamte Stadt seit Mittwoch wie eingefroren – wichtige Durchgangsstraßen waren gesperrt, Busse fuhren nur sporadisch und ganze Innenstadtbereiche schienen hermetisch abgeriegelt worden zu sein – und deshalb musste das Projekt für vorige Woche abgesagt werden. Diese Woche, in der ich Dienst habe, findet aber alles wie geplant statt (abgesehen von extremen Verspätungen von Schülern, Musikern und auch mir, verursacht durch einen Schneesturm heute Nacht).

Neben meinem Workshop habe ich auch die Verantwortung für die erste Begrüßung der Klassen. Dabei muss man natürlich erklären, in was für einem Haus sie sich eigentlich befinden. Vom Projektleiter, der diesen ganzen Tag konzeptioniert hat, hatte ich den Tipp bekommen, vom alten Göteborger Konzerthaus von 1905 zu erzählen, dass 1928 fast vollständig abbrannte. Eigentlich fand ich die Geschichte gar nicht so interessant für Kinder dieser Altersgruppe, aber auf diese Weise ergibt sich ein schöner Ausgangspunkt, um später im Kompositionsworkshop ein paar ganz besondere Noten herzuzeigen: Während der Südflügel des alten Gebäudes schon lichterloh brannte, waren ganze Menschenmassen damit beschäftigt, Noten und Instrumente zu retten. Einige der Noten hatten allerdings schon Brandschäden wie Rauchflecken und angesengte Ecken erlitten, und eine solche Partitur mit dazugehörigen Stimmen konnte ich heute den Kindern präsentieren, sozusagen als Beweis, dass das mit dem Brand wirklich passiert ist. Dass die Stimmen alle wunderschön von Hand kopiert waren, das erfreute allerdings vor allem mich.

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Angesengte und von Rauch beschädigte Noten von Haydns „Die [sieben letzten] Worte des Erlösers am Kreuze“ aus der Bibliothek der Göteborger Symfoniker.
P.s.: Wer mehr über das alte Konzerthaus und dessen Brand erfahren möchte, findet auf dieser Seite einige Informationen und Bilder (auf Schwedisch), unter anderem einen Augenzeugenbericht (auf veraltetem Schwedisch).

Duo Clariano


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Seit gut zwei Jahren spiele ich mit dem Lieblingskollegen Kammermusik. Anfangs nur gelegentlich, hier mal ein Musikgottesdienst, da mal ein bisschen Cafémusik. Ein Stück, das aber bereits seit unserer Anfangszeit im Hintergrund mitlief, ist Claude Debussys Première Rhapsodie für Klarinette und Klavier; ein musikalischer Brocken, den man nicht mal eben irgendwo nebenher spielt. Und so wuchs über die Zeit der Gedanke, dass wir eigentlich mal ein Konzert zusammen machen sollten.

Nun habe ich seit meinem Examen durchaus das eine oder andere Konzert gespielt, allerdings meist als Korrepetitor für fortgeschrittene Schüler oder bei Konzerten mit meinen Kollegen. Das Konzept mit dem Lieblingskollegen war und ist aber ganz dezidiert ein ganz anderes: keine Solokonzerte mit Orchesterersatz, keine Bravourstücke für Solist und Klaviergedudel, sondern echte, gleichberechtigte Kammermusik.

Dass 2018 sich der Todestag von Debussy zum 100. Mal jährt, war ein willkommener Anlass, sich jetzt mal einen Ruck zu geben und die Sache ernsthaft in Angriff zu nehmen. Und so ist daraus ein ganz hübsches einstündiges Programm geworden, mit Debussy, Saint-Saëns, Brahms, Gade und einem zeitgenössischen Komponisten, der mir ganz besonders am Herzen liegt. Nein, nicht Jonas. Sondern der allerbeste Klavierlehrer.

Noch eine Woche… Noch lässt das Lampenfieber auf sich warten. Dafür ist aber auch eigentlich keine Zeit, denn im Moment besteht mein Leben im Wesentlichen aus unterrichten, üben, proben und schlafen. Der Lieblingskollege ist da erfreulicherweise ähnlich ehrgeizig wie ich und hat ebenso hohe Ansprüche an ein gelungenes Konzert.

Abendliche Begegnung


Abends, auf dem Weg zum Bus. An der Ampel steht ein Jugendlicher, vielleicht siebte Klasse, zusammen mit seinem kleinen Bruder. Ich glaube zunächst, einen ehemaligen Schüler zu erkennen, bin mir unsicher, schaue noch ein zweites Mal. Er bemerkt meinen Blick, schaut zurück, und scheint mich zu erkennen – ich ihn aber nicht.

„Ey, Alda, hast du uns nicht damals dieses fette Instrument beigebracht, wie heißt das nochmal, Kontrabass?“

Das werde wohl ich gewesen sein; es entspinnt sich ein kurzer Dialog, an welcher Schule das war, dass er mittlerweile an eine andere geht. Die Ampel wird grün, er eilt mit seinem Bruder los, aber vorher höre ich ihn noch sagen: „Das war cool!“