Archiv der Kategorie: Arbeta och studera

Nebel über Borås


Gut, das ist eigentlich nichts besonderes, immerhin ist Borås in ganz Schweden als Regen- und Nebelloch bekannt. Normalerweise legt sich allerdings eine dicke weiße Suppe über die Stadt. Heute war das anders: Kurz nachdem ich von zu Hause losgefahren war, wurde es diesig und die Sonne bekam einen gelb-bräunlichen Halo. Als ich dann auf die Haupt-Einfallsstraße einbog, konnte ich eine große Rauchsäule sehen und viel weiter kam ich auch nicht auf meiner gewohnten Route. Stattdessen wurde der Verkehr auf zwei kleinen Nebenstraßen um das große Gewerbegebiet Knalleland umgeleitet. Der Grund? Ein Großbrand, der es heute bis zur Schlagzeile in den nationalen Nachrichten gebracht hat.

In einem ehemaligen Industriekomplex, der heute von diversen Firmen und Vereinen genutzt wird, war in einem Stofflager ein Gabelstapler in Brand geraten. Um 9 Uhr ging der Alarm bei der Feuerwehr ein, die nur eine Autominute von dem Gebäude entfernt liegt. Allerdings konnte man lange nicht wirklich löschen, da sich Gasflaschen beim Brandherd befanden, und so stand bald ein Drittel des Komplexes in Flammen. Erst am späten Nachmittag war der Brand unter Kontrolle. Bis dahin hatte man nur versucht zu verhindern, dass das Feuer auf weitere Bereiche überspringt.

Die Fahrt zum Job dauerte doppelt so lange, zumal die Kulturschule nur wenige hundert Meter vom Großeinsatz entfernt liegt. Einige Schüler kamen nicht oder zu spät und als ich um 19 Uhr nach Hause fuhr, gab es immer noch eine großräumige Umleitung. Während ich dies hier um kurz vor Mitternacht schreibe, laufen die Löscharbeiten laut Zeitungsangaben weiter, viele Einsatzkräfte sind vor Ort.

Wer sich ein Bild machen möchte, hier ein kurzes Video:
https://www.svt.se/nyheter/lokalt/vast/svt-s-reporter-rapporterar-fran-storbranden

Erster (richtiger) Arbeitstag


Nachdem ich mich den größten Teil des Dezembers mit Grippeschnupfenfiebermeeeh zur Arbeit geschleppt und mit Paracetamol vollgepumpt hatte, kam’s dann in den Weihnachtsferien so richtig. Verantwortungsvolle Lehrer werden schließlich nur in den Ferien krank. Die erste Januarwoche war ich dann zwar wieder so ein bisschen auf den Beinen, aber selten länger als zwei Stunden am Stück, bevor das Sofa wieder lockender war als alles andere.

Am 7. Januar ging dann eigentlich die Schule wieder los, aber weil ich immer noch so matschig war, habe ich für die ganze erste Woche meinen Schülern abgesagt und bin nur jeden Tag ein paar Stunden hingefahren um leichtere Tätigkeiten zu verrichten. Emails schreiben, Noten kopieren, Unterricht planen. Den Rest der Zeit hab ich Überstunden abgefeiert.

In meiner freien Zeit habe ich dann auch noch zwei Seminararbeiten à 15 Seiten fertiggeschrieben, die ich spätestens heute einreichen musste. Damit ist mein Semester als Teilzeitstudentin (50%) jetzt auch abgeschlossen. Fazit: Joa. Ein Fernstudium ist sicher recht effektiv. Wenn man darauf aus ist, Scheine zu sammeln, ist der absolute Zeitaufwand für ein Fernstudium vermutlich geringer als bei einem Präsenzstudium, wenn mans richtig anstellt und vermeidet, Seminaraufsätze in Gruppenarbeit zu schreiben, was bei mir in einem der beiden Kurse der Fall war. Auch wenn meine Dreiergruppe wirklich sehr engagiert, war, schneller geht es definitiv nicht, eine Hausarbeit durch 3 zu teilen.

Gleichzeitig fällt aber auch alles weg, was ein Studium interessant macht. Und damit meine ich nicht Studentenpartys, sondern die Begegnung und der Austausch mit Kommilitonen, Dozenten und anderen interessanten Menschen. Das kann auch die beste Onlineplattform mit moderierten Forumsdiskussionen nicht ersetzen. Und wieviel man letztlich über gute Personalführung und Organisationsmanagement lernt, wenn man ein paar Bücher dazu liest, sei mal dahingestellt. Aber jetzt habe ich auf jeden Fall einen Zettel, auf dem steht, dass ich das studiert habe. Wer weiß, wofür es irgendwann mal gut ist…

Für das kommende Semester bin ich tatsächlich in allen vier Kursen angenommen worden, für die ich mich beworben habe, d.h. ich könnte jetzt meinen Job an den Nagel hängen und Vollzeit studieren. Ich glaube aber, ich bin gerade erst mal „satt“, was das Schreiben von Hausarbeiten angeht und werde meine Anmeldung zurückziehen und meinen Platz Nachrückern überlassen. Ich hab schon eine andere Fortbildung dieses Semester ins Auge gefasst. Aber dazu wann anders mehr.

Heute also der erste „richtige“ Arbeitstag nach den Ferien und gleich ein 10-Stunden-Tag mit Konferenz, 10 Klavierschülern und Orchesterprobe. Nichts davon wirklich schlimm, aber kann ich jetzt bitte wieder Ferien haben, danke?

19. Dezember: Abgehakt!


Puh, geschafft, das war’s. Der Advent (von lat. advenus: Hauptkonzertsaison – oder so) ist für uns beide vorbei. Jetzt können wir uns endlich noch ein paar Tage auf Weihnachten und die Ferien vorbereiten und freuen. Dafür muss ich allerdings erst einmal den passenden Schalter finden um aus dem Abhak-Modus rauszukommen: Hier noch eine Probe, da noch eine Unterrichtsstunde, Konferenz fertig, Konzert gespielt. Deshalb kommt hier jetzt etwas Selbsttherapie, um die Zeit seit den Herbstferien zu sortieren und zu verarbeiten. Das soll jetzt weder nach Genörgel noch nach Angeberei klingen, ich muss einfach für mich zusammenfassen, was wir alles erlebt haben. Wer bei welchem Konzert eingespannt war, könnt ihr euch wahrscheinlich selbst ausrechnen:

  • Mozart-Requiem an Allerheiligen
  • Konzertreise nach Oldenburg
  • eine Vormittagstourné mit unserem kleinen Streichorchester und zwei Schulkonzerten
  • Schulfest an einer der Schulen, an der die Kinder während der Hortbetreuung Geigenunterricht bekommen können
  • Foyerkonzert mit dem älteren Orchester als Auftakt eines Konzerts von Schwedens einzigem professionellen Streichorchester und Benjamin Schmid
  • Platzkonzert mit Anknipsen der Weihnachtsbeleuchtung in Fristad
  • Bachs Weihnachtsoratorium zum 1. Advent
  • großes Abschlusskonzert aller Streicher
  • feierliches Adventskonzert der Kulturschule in der größten Kirche von Borås
  • großes Weihnachtskonzert der Musikschule in Fristad
  • Abschlussveranstaltung mit Schülern von drei Schulen im Osten der Stadt
  • Lucia
  • Lucia
  • Lucia
  • Händels Messias in der etwas skurrilen Bearbeitung von Mozart
  • mein (Jonas) Debut als Korrepetitor beim Solistenkonzert einer Geigenkollegin
  • festliches Weihnachtskonzert mit Fristads Ungdomsorkester
  • zwei Konzerte mit kleineren und größeren Streichersolisten.

Außerdem:

  • 400 Seiten Kursliteratur lesen
  • 4-Seiten-Aufsatz schreiben
  • kritisches Gegenlesen von zwei 4-Seiten-Aufsätzen von Kurskameraden und Verfassen einer einseitigen Kritik
  • 15-Seiten-Aufsatz schreiben
  • kritisches Gegenlesen eines 15-Seiten-Aufsatzes eines Kurskameraden und Verfassen einer 5-seitigen Kritik
  • 1-seitiges Exposé zu einem 15-Seiten-Aufsatz schreiben, der bis Anfang Januar fertig sein muss

Außerdem:

Zimmermänner, Schreiner, Elektriker, Maler, Kamininstallatöre, Kaminkehrer und kommunale Bauaufsicht miteinander jonglieren.

So, das hat gut getan. Zeit, diesen Advent abzuhaken… Morgen dann nur noch das Unterrichtszimmer aufräumen und schonmal Noten kopieren für das nächste Halbjahr, dann kann man das auch schon wieder abhaken. Und am Freitag julfika mit den Kollegen. Uff.

Oh nein, ich will doch nichts mehr abhaken!

17. Dezember: Instrumente schleppen und proben


Gestern und heute Abend habe wir, d.h. der Lieblingskollege und ich, jeweils drei Stunden mit unserem Orchester geprobt, denn morgen ist Weihnachtskonzert. Der große Nachteil an symphonischem Blasorchester ist der Krempel, den man immer mit sich rumschleppt, wenn man irgendwo ein Konzert gibt: 4 Kesselpauken, Röhrenglocken, Xylophon, Glockenspiel, Marimbaphon, Drumset, Bar Chimes, Gran Cassa mit Gestell, diverse kleine Trommeln, Congas, Woodblocks, 2 Taschen mit Percussionkleinzeug, 40 Notenständer und 2 Waschkörbe voll mit Notenordnern. Und dann hat man trotzdem immer noch irgendwas vergessen.

All das passt gerade so in einen großen Umzugsanhänger und zwei PKW. Um alles einmal komplett von der Musikschule in die 1,5 Kilometer entfernte Kirche zu bringen und dort wieder aufzubauen, ist man zu zweit locker einen halben Tag beschäftigt. Zwar versuchen wir immer, unsere Schüler und deren Eltern zu engagieren, aber manchmal muss das mitten am Tag passieren, wenn alle in der Schule oder bei der Arbeit sind.

Um in unsere Konzerte etwas klangliche Abwechslung reinzubringen und weil die Jüngeren im Orchester noch nicht über ein Stunde pausenlos spielen können, haben wir immer eine Solonummer oder etwas in kleiner Besetzung dabei, wo sich besonders engagierte Schüler präsentieren dürfen. Wegen des Festivals in Oldenburg vor einem Monat war aber die Vorbereitungszeit zu kurz, sodass der Lieblingskollege und ich dieses Jahr selbst einspringen.

Nachdem wir also heute den halben Tag Instrumente geschleppt hatten, saßen wir eine Stunde zusammen und probten zum ersten Mal, weil auch dafür die letzten Wochen keine Zeit war. Und dann war auch schon Probe mit dem Orchester, Zum Glück habe ich diese Woche keine Schüler im Einzelunterricht mehr.

Was wir als Duo spielen? Keine Weihnachtsmusik, sondern ein Ausblick auf unser nächstes Konzert im April:

14. Dezember: Das Klodeckelmysterium


Heute mal ein ganzer Tag ohne Weihnachtskonzerte oder Weihnachtskonzertproben, sondern nur der ganz normale Freitagswahnsinn mit vormittags Kulår und nachmittags APT. APT bedeutet arbetsplatsträff, übersetzen darf sich das jetzt jeder selbst. APT ist einmal im Monat und ist eine etwas formellere Wochenkonferenz mit festen Tagesordnungspunkten, die der Chef abhaken muss, wie z.B. aktuelle Information aus der Lokalpolitik, Personalfragen, Gesundheit am Arbeitsplatz, Budget und Betriebsratsfragen.

Auch das physische und psychosoziale Arbeitsumfeld müssen angesprochen werden. Und diesem TOP wurde heute folgende Frage erörtert: An der Kulturschule wurde ein Klodeckel geklaut. Ein Klodeckel mit zugehöriger Klobrille, um genau zu sein. Neben dem Wo und Wann hätte mich ja besonders das Warum interessiert.

Ist es eine Impulsentsscheidung, einen Klodeckel zu klauen? Vermutlich nicht, denn dafür braucht man zumindest einen Schraubenzieher. Jemand hat also einen Schraubenzieher in der Tasche, geht damit auf eine halböffentliche Toilette, die täglich von zig Schülern frequentiert wird und schraubt den Klodeckel ab. Und dann? Spaziert man mit Klodeckel samt -brille einfach durch die Stadt? Trägt man dabei Gummihandschuhe? Oder steckt man die siffige Klobrille in einen Rucksack? Oder hat man gar vorausgedacht und neben dem Schraubenzieher auch noch eine Plastiktüte für das Diebesgut mitgebracht?

Und was macht man man dann damit? Bei sich zuhause montieren? Freut man sich dann bei jeder Sitzung über seinen schäbigen angesifften Plastikklodeckel aus der Kulturschule? Ist es gar eine mir bislang unbekannte Form von Fetisch? Fragen über Fragen…

Nach dem APT wurden wir von unseren Chefs noch zum Weihnachtsfika eingeladen. Für die tägliche Dosis Weihnachtsgedöns.