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Weltcup im Winterschwimmen, Teil 2


Olaf, unser Gastgeber hier in Skelleftehamn war als offizieller Veranstaltungsfotograf des Winterschwimmweltcups am Samstag morgen schon recht früh gefahren, um die Morgenstimmung vor dem Event einzufangen.

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Die Ruhe vor dem Wettkampf… Bild: Olaf Schneider

Jonas, Annika und ich (bevor Nachfragen kommen: ja, wir sind hier gerade zwei Annikas) kamen etwas später nach, denn meine Startzeit war erst auf 11:30 angesetzt. Für mich war es das erste Mal, dass ich bei einem so großen Sportevent dabei war und einfach alles war neu und aufregend.

Die Umkleideräume waren im Rathaus, ungefähr 150 m vom Eisbecken entfernt, was eine gewisse logistische Herausforderung darstellte, denn irgendwie muss man ja in Schwimmkleidung von der Umkleide zum Becken und zurück kommen – bei zweistelligen Minusgraden. Und das möglichst, ohne bereits auf dem Hinweg zu Eiszapfen zu gefrieren. Ich wählte daher eine stylische Kombi aus Bademantel, Annikas Daunenjacke, Handtuch um die Hüften und Gummilatschen. Die Kopfbedeckung war natürlich essentiell – erstens verlangen die Wettkampfregeln beim Winterschwimmen eine Kopfbedeckung und zweitens fand zeitgleich auch der Wettbewerb um den lustigsten Hut statt. Mit lustigem Hut zu schwimmen war erlaubt, aber nicht vorgeschrieben.

Oben im Rathaus wurde man aufgerufen, wenn man sich zum Becken begeben sollte, um die Wartezeit in der Kälte zu begrenzen. Trotzdem stand ich noch drei oder vier Minuten am Beckenrand, bevor es endlich losging. Gestartet wurde flussaufwärts und man tut gut daran, beim ersten Kommando so schnell wie möglich ins Wasser zu steigen, damit man den ersten Kälteschock schon weggeatmet hat, bevor man losschwimmt. Erfahrenere Schwimmer als ich schwimmen auch direkt beim Startsignal los und gucken nicht erstmal in der Gegend rum, was denn da so trötet… Die ersten 20m liefen ganz gut, dann wurden mir die Arme lahm, und die letzten Meter vor der Wende musste ich richtig kämpfen. Auf Brustschwimmen umzusteigen, um die Atmung in den Griff zu kriegen, war übrigens in dem Moment eine ganz dumme Idee, denn bei der recht starken Strömung war ich im Brustschwimmen exakt so schnell, dass ich nicht zurück getrieben wurde, aber auch keinen Zentimeter vorwärts kam. Irgendwie kam ich aber doch ans andere Ende und nach der Wende war der Rest – dank Strömung – fast kein Problem mehr. Allerdings tat mir das Gesicht vom kalten Wasser so weh, dass ich kurzzeitig auf Rückenschwimmen umsteigen musste. Aber deshalb hieß das ganze ja auch Freistil ;-). Nur auf Schmetterling habe ich verzichtet, das mache ich dann nächstes Mal…

Als ich aus dem Becken stieg, erwartete mich ein Helfer mit Handtuch, der mir auch beim Anziehen half, denn Hände und Füße waren so taub, dass ich dazu kaum selbst imstande war. Das war auch der große Unterschied zu meiner Vorbereitung, da bin ich immer hinterher gleich in die Sauna gegangen. Allerdings: kalt war mir gestern nicht. Die Sonne schien und es war windstill und man ist so voller Endorphine, dass ich es auf dem Rückweg zum Stadthaus deutlich weniger eilig hatte als auf dem Hinweg.

Aber ich war doch sehr froh, meinen Coach Annika hinterher bei mir zu haben, die mir in der Umkleide assistierte und warmen Tee in mich reinschüttete, denn es brauchte eine ganze Weile, bis ich meine Gliedmaßen wieder spürte. Aber wenn man dann erstmal wieder angezogen ist, dann findet man alles nur noch toll.

Annika und ich waren dann rechtzeitig zum Staffelwettbewerb wieder am Becken. Stimmungstechnisch war das der Höhepunkt des Tages, weil die Teams sich sehr viel Mühe mit ihren Hüten gegeben hatten und viele Teams mit eigenem Fanclub angereist waren, die den Schwimmern ordentlich einheizten.

Das konnte dann auch der wegen der starken Strömung von 200m auf 100m verkürzte Langstreckenwettbewerb und der geglückte Weltrekordversuch über 200m Rücken im Eiswasser kaum noch toppen.

Sportlich gesehen habe ich meine Ziele „durchhalten“ und „nicht Letzte werden“ erreicht und war (und bin) mit meiner Platzierung voll zufrieden. In meiner kleinen Hobbysportlerwelt wusste ich anfangs noch nicht, dass die Medaillen nach Altersklassen vergeben werden und da meine Altersklasse recht sparsam besetzt war, ging ich am Ende des Tages sogar noch – absolut unerwartet – mit einer Bronzemedaille nach Hause.

Aber viel wichtiger war ohnehin die grandiose Stimmung bei diesem vergleichsweise kleinen Wettbewerb, bei dem die meisten Teilnehmer – so wie ich – nicht wegen Zeiten und Platzierungen teilnahmen, sondern aus Spaß an der Freude und am Winterbaden. Nächstes Jahr gerne wieder, vielleicht mit Annika im Staffelwettbewerb? Wir suchen noch zwei weitere Annikas für unser Team…

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Mehr Bilder und Eindrücke:
– wie immer fantastische Bilder auf Olafs Blog: Winter Swimming World Cup
– der anderen Annika ihr seine Eindrücke: Winterschwimmen 2017
– ein Videoklipp der Lokalzeitung Norran: Vintersim: Kolla in höjdpunkterna från folkfesten i Skellefteå;
– erwähnenswert auch das Video, in dem ein französischer Fernsehreporter beinahe während des Weltrekordversuchs ins Wasser plumpst

Und zu guter Letzt noch ein Video eines Teilnehmers, das gegen Ende ganz schön zeigt, wie manche im 50m-Wettbewerb (so wie ich) mit der Gegenströmung zu kämpfen hatten:

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Nachtrag: Das Computersystem hat nachträglich nochmal die Ergebnisse korrigiert und mich sogar noch auf einen zweiten Platz (von zwei, höhö…) in meiner Altersklasse upgegradet.

Weltcup im Winterschwimmen 2017, Skellefteå


Den ganzen Tag draußen bei -12 bis -15°C und +0,4°C im Wasser und strahlender Sonne… Ich bin platt. Daher nur ein paar Bilder, morgen oder irgendwann wenn schlechtes Wetter ist, kommen mehr.

Das 25m-Becken im Skellefteälven: gestartet wurde in den Disziplinen 25m Brust (flussabwärts), 50m Freistil und 200m Freistil (Start jeweils flussaufwärts) und 4×25 Staffel. Rettungstaucher und medizinisches Personal sitzen am Beckenrand.

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Volle Konzentration unmittelbar vor dem Start (zwei Disziplinen: 50m Freistil und „Wer hat den lustigsten Hut?“)imgp2651

Bei der Wende nach 25 m:imgp2696

Und hinterher, wieder warm eingepackt, mit meinem Coach Annika beim Aufwärmen:

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Winterurlaub


Dieses Jahr haben wir beschlossen, unsere Winterferien um drei Tage zu verlängern und so haben wir uns am Mittwoch 12 Stunden in den Zug gesetzt und sind gen Norden gerollt.

dsc_0334.jpgErstes Ziel war Annika in Umeå, die wir bereits im letzten Sommer getroffen haben. Nach einem entspannten Tag mit ausschlafen, Stadtbummel und einem Besuch in der Norrlandsoperan – Sinfoniekonzert mit einer Uraufführung mit dem Orchester der Norrlandsoper – sind wir dann heute zusammen mit Annika im Bus weiter nach Skelleftehamn zu Olaf gefahren, wo wir jetzt eine knappe Woche bleiben werden.

In Umeå verpassen wir dieses Wochenende ein Eisskulpturenfestival, aber der typische norrländische Kinderspielplatz ist auch schon beinahe eine Eisskulptur:

imgp2402(man beachte die roten stjärtlappar – „Hinternlappen“ –zum Ausleihen an der Tunnelrutsche ganz rechts!)

Anlass unserer Reise in den Norden ist die Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen… ach, was sag ich, die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen! Oder besser noch: einem Weltcupwettkampf im Winterschwimmen. Für mich das erste Mal und wahrscheinlich die einzige Chance, jemals in irgendeiner Sportart an einem Weltcup teilzunehmen.

Ach, was bin ich aufgeregt auf meinem Zugsitz gehopst, als ich das Zugmagazin der schwedischen Bahn durchblätterte und das hier entdeckte: („Sverigepremiär“ ist natürlich Blödsinn, die Veranstaltung gibt es bereits seit 2012. )

img_20170208_153313.jpgFür die Meisterschaft wurde in den zugefrorenen Skellefteälven ein Becken mit vier Bahnen von 25 m gesägt.

imgp2413Heute Abend war bei mollig warmen -8°C die Einweihungszeremonie und ein Schwimmer aus Lettland durchschwamm die 25 mit der Strömung in nur wenigen Sekunden.

imgp2420Anschließend folgte eine Flaggenparade mit den Flaggen aller 21 teilnehmenden Nationen vom Fluss zum Marktplatz, wo die Organisatoren eine Filmleinwand aus Schnee aufgetürmt hatte.

imgp2437 imgp2443Gezeigt wurden zwei Filme, einer davon von und mit unserem Gastgeber Olaf. Über den Dreh hat Olaf auf seinem Blog im November berichtet: Kayak – is it a boat or a sledge?

imgp2457-1Olaf ist auch der offizielle Fotograf der ganzen Veranstaltung, die nächsten Tage werden sicher auf seinem Blog neue Bilder auftauchen. Hier unser Gastgeber in klassischer Pose bei der Einweihung:imgp2453Für heute Nacht sind -18°C vorausgesagt, was heißt, dass die Organisatoren morgen früh wohl erst mal wieder das Becken freisägen müssen. Wenn ich um 11:30 an den Start gehe, erwarten mich aber laut der Glaskugel des schwedischen Wetterdienstes -10°C und Sonne. Ich schwimme übrigens 50m Freistil, erst 25m flussaufwärts und dann mit der Strömung zurück, Neoprenanzug ist natürlich nicht erlaubt, nur Schwimmbekleidung, Badekappe und Schwimmbrille sind erlaubt. Wie schon im Sommer, als ich bei Borås Open Water 1000m geschwommen bin, sind meine sportlichen Ziele: a) durchhalten und b) wenn möglich, nicht letzte werden.

Wer mehr lesen möchte:

International Winter Swimming Association: Skellefteå awaits
Dark and cold – der Verein der fröhlichen Freunde von Dunkelheit und Kälte, der den Wettkampf initiiert hat
Bilder und Berichte von früheren Meisterschaften auf Olafs Blog: 2012 (bei -30°C!), 2013 („nur“ -14°C), 2014 (viel zu warm).
Startlisten und Liveergebnisse 2017.

Open Water


Der Frühling dieses Jahr fiel auf einen Dienstagnachmittag Anfang Mai. Seitdem ist Sommer. Die Badesaison haben wir dieses Jahr so früh wie nie eröffnet – bereits am 8. Mai! – und seither versuche ich, wenn immer es geht, kleine Badepausen in meinen Alltag einzuschieben. Zum Glück liegt meine Musikschule nur fünf Minuten vom nächsten Badeplatz entfernt, sodass eine Mittagspause oder auch eine halbe Hohlstunde locker reichen für einen kurzen „Dopp“.

Anfang Mai war auch der letzte Termin für mein wöchentliches Schwimmtraining jeden Freitagmorgen um 6:30, das man hier als kommunale Angestellte fast kostenlos belegen kann. Weil ich aber noch nicht genug vom Schwimmtraining hatte, habe ich mich im Schwimmclub angemeldet und trainiere jetzt einmal die Woche in einer Open Water Schwimmgruppe.

Freiwasserschwimmwettbewerbe, bei denen überwiegend längere Distanzen zwischen 500m und 3000m geschwommen werden, sind hier in Schweden ähnlich beliebt wie in Deutschland Volksmarathons – kein Wunder bei den vielen Seen. Einer der größten Wettbewerbe dieser Art findet jährlich in Vansbro in Dalarna statt. Dort schwimmt man zunächst 2000m flussabwärts, um dann in einen anderen Fluss einzubiegen und die letzten 1000m flussaufwärts zu schwimmen.

So weit bin ich allerdings noch nicht. Allerdings liebäugele ich gerade tatsächlich etwas mit „Borås Open Water“ im August, wo man nur 1000m schwimmt und das im See, ohne Strömung.

Heute war unser erstes Freiwassertraining, bis jetzt haben wir nur im (ungeheizten) Freibad trainiert – ohne Wellen, Seerosen und Seeungeheuer. Meine Trainingsgruppe ist heute gut 2000m gekrault und der Unterschied zum Freibad war ungefähr der gleiche wie der zwischen einem Laufband in einem stinkigen Fitnesstudio und einem Waldspaziergang. Einfach herrlich, in der tiefstehenden Abendsonne, ohne Chlorgeruch und schreiende Kinder…

Unser Trainingssee ist mit Bojen markiert, sodass man immer in Ufernähe bleibt und in jeder Trainingsgruppe mit ca. 8-10 Schwimmern schwimmt ein Trainer mit, der auch eine Baywatch-Boje hinter sich herzieht, falls doch mal einen in der Gruppe die Kräfte verlassen sollten.

Außerdem ist das Tragen eines Neoprenanzugs Pflicht, wobei die Anzüge speziell an Schwimmer angepasst und im Vergleich zu Surfanzügen wesentlich enger und bewegungsfreundlicher geschnitten sind. Das Wasser hatte heute knapp über 20°C, und als ich mich nach dem 90minütigen Training noch im Wasser aus meinem Anzug schälte, war ich ernsthaft beeindruckt, wie warm einen diese Gummihaut tatsächlich hält.

Nachdem ich mich in den ersten zwei Kursterminen immer freiwillig in die schwächste der drei Trainingsgruppen einsortiert habe, habe ich mich heute ganz mutig zur mittleren Gruppe gesellt, wo das Tempo merklich höher und damit auch die zurückgelegte Strecke deutlich länger war. Ich war zwar immer die letzte an der nächsten Boje, aber der Abstand war nicht so groß, dass es ernsthaft gestört hätte und auf den letzten 300m habe ich sogar zwei andere aus der Gruppe überholt.

Wenn meine Arme jetzt nicht so entsetzlich lahm herunterhängen würden, ich würde mir glatt selbst auf die Schulter klopfen.

Skärmavbild 2016-06-08 kl. 21.58.35

 

Osterferien


Schon vor einigen Wochen fragten uns unsere Wohnwagenfreunde, was wir denn in den Osterferien machen wollten. Da wir noch nichts vorhatten, beschlossen wir, zusammen einige Tage nach Süden in die Provinz Schonen bzw. Skåne zu fahren. Als ersten Treffpunkt vereinbarten wir Kullaberg nördlich von Helsingborg. Dort schiebt sich eine ziemlich platte Halbinsel in den Kattegatt, die auf den letzten Kilometern plötzlich auf fast 200 Meter ansteigt und dann in alle Richtungen steil ins Meer fällt. Hier liegt ein gut erschlossenes Naturschutzgebiet mit Felswänden, Höhlen, Wäldern, alten Höfen, Cafés und sogar einem Golfclub. Leider war es schon spät als wir ankamen, und so schafften wir es nur, dem Leuchtturm ganz am Ende der Landzunge einen Besuch abzustatten.

Da es sich beim Kullaberg um ein Naturschutzgebiet handelt, konnten wir dort leider nicht übernachten. Dafür fanden wir einen schönen Platz direkt am Wasser an einem Hafen in der Nähe. Hier ließen wir am nächsten Tag Wohnmobil und Wohnwagen stehen, um einen Ausflug zu Nimis und Arx zu machen. Der Hintergrund zu diesen zwei Kunstwerken von Lars Vilks ist recht spannend und ziemlich unterhaltsam, ich verweise da aber ganz faul auf die Wikipedia. Kurzgefasst handelt es sich bei Nimis um ein Bauwerk aus Treibholz und sehr vielen Nägeln, während Arx aus Beton und Steinen besteht und ein Buch verkörpert, komplett mit Seitenzahlen und ein wenig Text. Seit 1996 bilden Arx und Nimis ein eigenes Land mit Namen Ladonien, dass bisher allerdings von keiner Nation anerkannt wird. Beide Kunstwerke können auf eigene Gefahr begangen und -klettert werden.

Da es auf dem Ausflug ziemlich regnerisch war, beschlossen wir, uns im Wohnmobil erst einmal zu trocknen – und dann war dieser Tag auch vorbei.

Der nächste versprach deutlich freundlicher zu werden. Bei strahlendem Sonnenschein besuchten wir das Industriestädtchen Höganäs, wo traditionell Keramik, Ziegel und Fliesen hergestellt werden, das mondäne Touristenörtchen Mölle am Fuße des Kullabergs und am Abend ließen wir am Strand von Råå südlich von Helsingborg unseren Drachen steigen.

In Helsingborg ließen wir dann den Kurzurlaub bei Sonne, gutem Essen und fantastischen Aussichten ausklingen. Unsere Wohnwagenfreunde wollten zwar noch eine oder zwei Nächte bleiben, aber wir mussten nach Hause, um Fliesen der Marke Höganäs zu holen. Das ist allerdings eine andere Geschichte.

Weekend on ice


Letzte Woche haben wir uns ein neues Spielzeug gegönnt: långfärdsskridskor, Langstreckenschlittschuhe. Im Vergleich zu normalen Eishockey- oder Eiskunstlaufschuhen ist die Kufe wesentlich länger und gerade geschliffen, was enge Kurven nahezu unmöglich macht, aber dafür ist man auf dem Eis umso schneller unterwegs. Auf der Kufe sitzt die gleiche Bindung wie auf Langlaufskiern und logischerweise trägt man daher Langlaufschuhe. Ebenfalls zur Grundausstattung gehören isdubbar, ein Paar Eisdorne mit Schnur, die man griffbereit um den Hals trägt (so ähnlich wie Schraubenzieher, aber vorne sehr spitz). Sollte man tatsächlich mal ins Eis einbrechen, dann hackt man mit den isdubbar ins Eis und zieht sich bäuchlings aus dem Eisloch. So jedenfalls die Theorie, glücklicherweise musste ich es noch nie ausprobieren.

Bäuchlings auf dem Eis rumkriechen, das machen wir nur freiwillig für kleine Videospielereien…

Da wir jetzt seit über einer Woche zweistellige Minusgrade haben, sind alle Seen zugefroren und da es nicht viel geschneit hat, sind die Bedingungen nahezu optimal für lange Touren auf dem Eis. Seit Freitag nachmittag war ich quasi jede freie Minute auf dem Eis und mein Muskelkater jetzt am Sonntagabend ist nicht unbeträchtlich. Ebenso wie mein Sonnenbrand im Gesicht.

Gestern war ich mit Jonas hier unterwegs:

Das Wetter war leider nur mäßig, leichter Schneefall, dafür mollig warme -6°C. (Am Freitagmorgen hatten wir -14,5°C, als ich da vom Auto in die Schule ging, fühlte es sich an, als würde der Rotz in der Nase gefrieren…)

So richtig viel Erfahrung haben wir ja noch nicht im Beurteilen der Eisdicke, aber wenn alte Männer mit Angeln mitten auf dem See sitzen, ist das ein gutes Zeichen. Eisangeln heißt auf Schwedisch übrigens pimpelfiske. Ja, PIMPELFISKE! Die Herren Pimpelfischer haben immer einen Eisbohrer dabei und sind eine gute Anlaufstelle, wenn man wissen will wie dick das Eis ist – hier gestern um die 15 cm. Außerdem freuen sie sich meist, wenn sie einem Tipps geben können, wo das Eis eventuell brüchig sein könnte.

Bildschirmfoto 2016-01-17 um 21.43.38Heute, am Sonntag musste der arme Jonas ganzen Tag arbeiten (Probentag mit seinem Streichorchester), während ich mich mit einem Kollegen zum Eislaufen traf.

Unser Haussee ist jetzt nahezu komplett zugefroren und mein Kollege stammt aus Mittelschweden und ist daher schon mit Schlittschuhen an den Füßen auf die Welt gekommen (oder waren es Langlaufskier?) und etwas erfahrener im Beurteilen des Eises. Ich hätte mich sonst nie über die dunklen Eisrisse getraut…

 

Wenn das Eis so wie jetzt noch relativ jung ist und es windstill war, dann gleitet man mit den Schlittschuhen fast lautlos dahin, während das vielbefahrene, ältere Eis in Ufernähe sich jetzt nach fast zwei Wochen im Vergleich beinahe anfühlt wie Rollschuhe auf Kopfsteinplaster.

Direkt an unserem Vogelturm mündet der Viskan in den See und dort ist auch jetzt der See noch offen und daher muss man dort einen großen Bogen schlagen. Aber auch weiter draußen im See verursacht die Strömung noch Risse im Eis, die dann wieder zufrieren oder es entsteht eine Plattenverschiebung, die aussieht wie Bilder aus dem Erdkundebuch: „Wie die Alpen entstanden sind.“

Als die Sonne gegen vier hinter den Bergen verschwand, wurde es schnell deutlich kälter – oder ich war nach vier Stunden auf dem Eis einfach durchgefroren – dennoch wollte ich noch schnell zu Fuß zum Vogelturm, weil ich neugierig war, wie weit die Wasserrinne an der Viskanmündung in den See hineinreicht. Weit ist es nicht mehr, auch der Fluss ist fast zugefroren.

Grillwetter!


Seit Sonntag sind wir nach einem zehntägigen Trip nach Deutschland wieder zuhause – genau richtig, um die Rysskyla, die Russenkälte zu erwarten, die uns während der Heimfahrt per SMS angekündigt wurde. So richtig schlimm kalt ist es allerdings (noch?) nicht; -10°C sind bei Sonnenschein und Windstille gut auszuhalten. Schon die letzten zwei Tage waren wir jeden Tag lange draußen und haben mit Spannung dem Eis auf unserem See beim Wachsen zugesehen, aber heute war definitiv der Höhepunkt, nicht zuletzt, weil wir den Tag mit unseren Freunden zusammen verbracht haben. Am sechsten Januar ist Trettondagen in Schweden, der dreizehnte Tag nach Weihnachten und für viele ein arbeitsfreier Tag.

Als beim Frühstück der Blick aus dem Fenster einen wolkenfreien Tag und der Blick aufs Thermometer Chancen auf frisches Eis versprach (-12°C an der „warmen“ Hauswand), waren Schlittschuhe, Isomatten und eine Thermoskanne schnell zusammengepackt und eine SMS an unsere Freunde verschickt.

Wir trafen uns an einem Badplatz ungefähr 10 km von hier, der eine seichte Bucht mit einem sehr langen Sandstrand hat. Außer uns war noch niemand dort und so war uns bei den ersten Schritten auf dem Eis etwas mulmig. Allerdings kennen wir den See und wissen, dass auch 50 m vom Ufer entfernt das Wasser nur knietief ist; schlimmstenfalls hätten wir mit nassen Hosenbeinen den Ausflug abbrechen müssen. Aber das Eis fühlte sich sehr stabil an und machte keine Geräusche, und so verflog das mulmige Gefühl schnell.

Wie immer, wenn wir Ausflüge mit unserer „Clique“ machen, hinken wir essenstechnisch etwas hinterher. Eine Banane, ein Schokoriegel und eine Flasche Wasser – meist reicht uns das, vielleicht noch ne Scheibe Brot, wenn wir was wirklich langes planen. Nicht so unsere schwedischen Freunde: die rückten heute doch gleich mit Brennholz, Würstchen, Brötchen, Ketchup und Senf und großem Picknickkorb an (und hatten natürlich auch an uns gedacht <3). Zweistellige Minusgrade sind ja auch wirklich kein Grund, nicht am See zu grillen…

Nachdem die anderen nach fast drei Stunden bei strahlendem Sonnenschein und Windstille langsam ans Heimfahren dachten, hatten Jonas und ich noch Lust, die anderen Badeplätze der Umgebung auszukundschaften und die Eislage zu checken:

Spannend waren die Eisverhältnisse an „unserem“ Badplatz: bis ungefähr 100m vom Ufer hatte das Eis weiße Frostnadeln, dahinter verlief eine scharfe Grenze und dort war das Eis blitzblank und dunkel. Das klare Eis ist noch nicht so alt, da haben wir uns auch (fast) nicht drauf gewagt.

Die letzte Station heute war „unser“ Vogelturm an der Viskanmündung. Die Aussicht über den See zeigt, dass bisher nur die Buchten zugefroren sind, aber der Wetterbericht für die nächsten Tage gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich das noch ändern könnte…

18. Dezember 2015 – Schwedische Weihnachtstraditionen


Die äußere Sicht auf die eigenen Weihnachtstraditionen hatten wir ja schon, aber was passiert eigentlich, wenn man dann wirklich Weihanchten in einem anderen Land feiern soll/darf/muss… ? Der Schauspieler Will Ferrell ist mit der schwedischen Schauspielerin Viveca Paulin verheiratet und hat wahrscheinlich schon so manchen 24. Dezember in Schweden verbracht. Dabei hat er den Kern des hiesigen Weihnachtsfests durchaus verstanden (Schnapslieder singen und Aquavit trinken), andere Traditionen sind ihm aber offenbar noch nicht so vertraut. Wobei die den Fragen zugrunde liegende Recherche wirklich nicht die beste war: Nein, Schweden stellen keine Kerzen in die Fenster sondern ljusstakar, denn Kerzen könnten ja brennen; ja, in Schweden findet die Bescherung wie in Deutschland am Heiligabend statt; nein, in Lauge gewässerter Stockfisch ist nicht das typsiche Weihnachtsessen, das ist eine norwegische Tradition, Schweden halten sich lieber an Gegrillten Schinken und Janssons (auch wenn im Supermarkt im Moment durchaus einige wenige Pakete lutfisk rumliegen); nein, Gänseblutsuppe (svartsoppa) gehört nicht zu Weihnachten, sondern zu Sankt Martin und ist die logische Vorspeise zu einem Gänsebraten.

14. Dezember 2015 – Behave like a Swede


Seit wir in Schweden leben, passen wir uns immer mehr den lokalen Bräuchen an. Irgendwann fing es ganz harmlos an, zum Beispiel damit, dass wir statt eines Butterbrotes eine matlåda mit Resten vom Essen vom Vortag mit zur Arbeit nahmen. Oder dass wir nie Bargeld dabei hatten und deshalb auch jeden Kaffee oder Schokoriegel mit Karte zahlen mussten. Neulich sind wir wieder einen Schritt weiter gegangen: Seit neuestem habe ich eine Kundenkarte von unserem lokalen Supermarkt. Nicht etwa, um Rabatte zu kassieren – die sind nämlich eher lächerlich –, sondern um die Waren selber zu scannen und so die Kassenschlange zu umgehen. Dafür ziehe ich vorm Einkauf meine Karte durch ein Terminal, welches dann einen Scanner freigibt, den ich mit durch den Supermarkt nehme. Damit scanne ich dann alle Waren, die ich haben will und am Ende muss ich nur wieder den Scanner zurückbringen, bezahlen und kann dann mit fertig gepackten Einkaufstaschen einfach gehen.

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Wem dieser Schritt jetzt zu radikal ist, aber trotzdem den Schweden in sich entdecken will, der kann es auch zunächst mit diesen einfachen, zehn ersten Schritten versuchen: