Archiv der Kategorie: Byråkrati

Der letzte Abend in Karlsruhe


Die Sonne scheint, leise plätschert das Wasser ans Ufer, eine gelbe Fähre tuckert durchs Bild… es ist Sonntagabend und Inga-Lindström-Zeit! Und – ja, wir haben tatsächlich Zeit, mit einem Auge diese Schmonzette zu schauen. (Natürlich nur wegen der Landschaftsaufnahmen, denn nach den ersten fünf Minuten war ja eh klar, wie’s ausgeht ;-)) Alle Kisten sind gepackt, die Wohnung geputzt, der Sperrmüll entsorgt. Wir sind bereit für den Umzugs-LKW, der morgen früh um neun anrollt.

Die zahlreichen ungeplanten Vorfälle der letzten Tage haben sich zum Teil noch gelöst. Jonas hat seine Pässe wieder und ist krankenversichert und das neue Schloss am Auto ist nach viel Gerenne und einem Kniefall vor dem Werkstattmitarbeiter tatsächlich noch eingebaut worden. Der kurzfristige Rückzug unserer „Beinahe-Nachmieterin“ wird uns jetzt voraussichtlich eine weitere Monatsmiete kosten, aber es gibt bereits wieder einige Interessenten für unsere Wohnung. Vielleicht klappt es ja doch noch rechtzeitig, aber die Chance darauf ist realistisch betrachtet doch eher gering.

Viele Abschiede haben wir in den letzten Tagen hinter uns gebracht und mit jedem wurde ich ein wenig sentimentaler, auch wenn die Umzugsaufregung, die Vorfreude und die Neugier auf unser neues Zuhause überwiegen. Habe ich schon erwähnt, dass wir in der neuen Wohnung eine Spülmaschine haben? Wenn das kein Grund ist, sich zu freuen…

Der große Tag

Morgen, am Tag 0, auf den unser Zähler seit 158 Tagen hinzählt, haben sich für halb neun einige von Jonas‘ Kollegen aus dem Max-Reger-Institut zum Kartons tragen angemeldet. Wahrscheinlich gab es in der Musikgeschichte wenig Umzüge, bei denen der prozentuale Anteil an promovierten Musikwissenschaftlern unter den Umzugshelfern größer war :-) Wir danken Euch jetzt schon dafür!
Um neun will das Umzugsunternehmen kommen und erst mal den Flügel in den LKW packen, dann der Rest hinterher. Auch Jonas‘ Bruder und dessen Freundin werden morgen vormittag in Karlsruhe eintreffen und mit nach Schweden kommen. Der LKW sollte dann gegen 12 abfahren, denn der muss die Nachtfähre um 22.00 ab Travemünde nach Malmö kriegen. Wir saugen nochmal die Wohnung und übergeben dann (hoffentlich komplikationsfrei – haltet uns die Daumen!) unsere Wohnungsschlüssel an den Hausmeister. Mit zwei Autos folgen wir vier dann dem LKW. Mit viel Glück schaffen wir auch die Nachtfähre und gönnen uns acht Stunden Pause, ansonsten gehts via Vogelfluglinie auf dem Landweg durch Dänemark durch bis nach Skepplanda. Finanziell macht das fast wie keinen Unterschied, schlaftechnisch natürlich schon. Aber wir müssen ja irgendwie vor dem LKW in Skepplanda sein, damit wir dort die Wohnung und die Schlüssel in Empfang nehmen können. Man erwartet uns dort schon und das letzte Telefonat am Freitag mit dem dortigen Hausverwalter war sehr nett.

Soweit jedenfalls der Plan, mal sehen, ob wir das alles so einhalten werden oder ob noch wieder neue Katastrophen eintreten. Ich weiß noch nicht, wie schnell wir in Schweden wieder Internet haben, wahrscheinlich werden wir uns übergangsweise erstmal mit einem Internet-Stick behelfen.

Die blonde Frau im Fernsehen hat sich inzwischen – völlig unerwartet natürlich – dafür entschieden, nicht nach Amerika auszuwandern, sondern ihr Leben in einer beschaulichen schwedischen Kleinstadt an der Seite eines Arztes zu verbringen. Ob Jonas nicht doch noch Arzt werden will? Ich frag ihn mal…

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Ja, mach nur einen Plan – Die letzten Tage


Ich bin für die Einführung einer Auswanderungspauschale. Klingt komisch? Ist aber so. Ich wäre liebend gern bereit, einen dreistelligen Fixbetrag an ein höheres Wesen zu bezahlen, das mir im Gegenzug garantiert, dass die Dinge, die man Wochen und Monate vorher vorausschauend geplant, organisiert und eingefädelt hat, dann auch einfach so funktionieren wie angemeldet. Ich will keinen Umzugs- oder Auswanderungsmanager, der mir die Dinge aus der Hand nimmt, im Gegenteil. Nein, ich möchte doch einfach nur, dass nicht in der Woche vor dem Umzug die Katastrophen im Stundentakt zuschlagen, weil Anträge und Papierkram erst monatelang irgendwo in irgendwelchen Büros unbearbeitet herumliegen und dann auf einmal Probleme verursachen, weil der Sachbearbeiter sich nicht darum gekümmert hat. Kleine Auswahl gefällig?

Telefon. Mathe für Anfänger, denn: 37 Monate > 24 Monate

In unserem Vertrag, den wir vor über drei Jahren abgeschlossen haben, steht eine Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten und eine Kündigungsfrist von mindestens 6 Tagen, sofern man in ein Gebiet umzieht, in dem Kabel WB (Firmenname geändert) keinen Service anbietet. Ordentlich wie wir sind, kündigen wir schon drei Wochen im Voraus. Antwort: „Gerne nehmen wir Ihre Kündigung zum 31.8.2012 [sic!] entgegen. Wenn Sie schon früher kündigen möchten, lösen wir den Vertrag gerne gegen eine einmalige Zahlung von 50 €.“ Hä? Was? Davon steht aber nichts in unserem Vertrag. Anruf. Warteschleife. Für Elise. Mitarbeiter: „Ja, die AGB haben wir vor acht Monaten geändert, aber beschweren können Sie sich gerne. Ich kann daran nichts ändern, bin dazu nicht befugt.“ Also Widerspruchsbrief schreiben und warten. Bislang noch keine Antwort.

Arbeitsamt. Wenn die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut.

Pünktlich 3 Monate vor Ende des Arbeitsvertrages bin ich zur Arbeitsagentur gegangen (ich berichtete), um mich in Sachen Arbeitslosengeld zu informieren, zu melden und zu klären, wie das mit Umzug innerhalb der EU ist. Lief ja alles wunderbar, den positiven Antrag hat die Dame ja auch gleich ausgefüllt, ich musste nur noch die Arbeitsbescheinigung nachreichen. Hab ich auch einen Monat vor Ende der Frist gemacht und dann mehrmals angerufen, ob auch alles vollständig und in Ordnung ist. Antwort: „Ja, alles in Ordnung, sie kriegen dann ihr Arbeitslosengeld, während Sie in Schweden nach Arbeit suchen.“ Zwei Tage nach Ende meines Arbeitsvertrages ruft mich ein anderer Sachbearbeiter an und erklärt mir, dass die Dame, die mich seinerzeit beraten und mir den Antrag ausgefüllt hat, ihre Kompetenzen überschritten hat und das gar nicht hätte machen dürfen. Aber nicht nur, dass sie es nicht durfte, nein, offensichtlich konnte sie es auch nicht. Denn wie mir dieser Sachbearbeiter dann erklärte, gibt es eine Sonderklausel, die sich anfühlt, als wäre sie mir persönlich auf den Leib geschrieben und die verhindert, dass ich auch nur einen Cent Arbeitslosengeld bekomme. Wäre schön gewesen, das geringfügig früher zu erfahren, man hätte doch finanziell etwas anders geplant.

Krankenkasse. Ein Perso und ein Reisepass allein auf großer Reise.

Krankenversicherung wäre natürlich kein Problem gewesen, wenn das mit dem Arbeitslosengeld geklappt hätte. Die Kasse war rechtzeitig informiert, alles ganz geschmeidig. Nach dem negativen Bescheid: Endlose Telefonate um freiwillige Versicherung ohne Wohnsitz in Deutschland. Wir brauchen ja übergangsweise noch die deutsche KV, bis wir in Schweden unsere Personnummer haben und das kann ein paar Monate dauern, wie Skatteverk (Finanzamt) und Migrationsverk (Ausländerbehörde) auf ihren Websites schreiben. Mit einem persönlichen Gespräch ließ es sich letztlich doch irgendwie regeln und bis jetzt hat auch noch keiner angerufen und gesagt, dass dieser Mitarbeiter nicht befugt gewesen wäre…

Anders bei Jonas‘ KV: Da schien bis heute morgen alles problemfrei und dann kam der Anruf, dass er einen deutschen Wohnsitz braucht, um seine studentische Versicherung zu behalten. Also mit dem Einwohnermeldeamt im 300 km entfernten Sauerland telefoniert, ob er seinen Wohnsitz dorthin zu seinen Eltern verlegen kann, ohne persönlich zu erscheinen, unser Umzugswagen kommt ja in vier Tagen. Hätten die sich mal ein paar Tage früher um Jonas‘ Schreiben gekümmert, hätten wir das am Montag noch persönlich machen können. Es geht jetzt jedoch anscheinend auch ohne Jonas – aber nur, wenn seine Mutter seinen Personalausweis und Pass vorlegen kann. Beide Dokumente sind nun per Einschreiben unterwegs und kommen hoffentlich rechtzeitig zurück, sonst hat Jonas ein Problem, denn die Dänen machen ja neuerdings wieder fröhlich Grenzkontrollen.

Wohnung. Wenn aus Freunden Nachmieter werden.

Seit zwei Jahren haben wir eine Bekannte als Nachmieterin für unsere Wohnung. Unsere Wohnung haben wir sofort gekündigt, nachdem wir in Schweden was hatten und die Nachmieterin vorgeschlagen. Die Vermietungsgesellschaft hat dann aber leider (angeblich) wochenlang die Wohnungsbesitzerin nicht erreicht und konnte uns deshalb nicht aus dem Vertrag lassen. Schließlich haben wir im Netz die Nummer der älteren Dame recherchiert, obwohl das so von der Vermietungsgesellschaft nicht gedacht ist. Und wer sagts, die ältere Dame war zuhause und auch die letzten Wochen nie länger weg. Schade, dass jetzt erstmal unserer Sachbearbeiter im Urlaub ist und wir deshalb noch sinnlos weiter Miete zahlen, weil keiner da ist, der den Vertrag aufsetzen kann. Zu allem Überfluss hat jetzt die Nachmieterin auf einmal die Lust verloren und wir werden die nächsten Tage noch nebenher neue potentielle Nachmieter durch unsere Wohnung führen. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Auto. Gießen, das kriminelle Pflaster.

Und als ob dieser ganze Bürokratiesch… noch nicht genug wäre: Auf dem Rückweg vom Sauerland 15 Minuten Water-in-Water-out-Pause neben der Autobahn und – schwupps – war das Auto aufgebrochen. Glück im Unglück: das Auto war noch da und es wurde nichts geklaut. Aber das Schloss ist zerstört, der Lack vom Aufhebeln zerkratzt und ob der Ersatzzylinder noch diese Woche kommt, steht in den Sternen. Das war aber noch nicht alles: die Versicherung scheint nun zu glauben, dass es sich um Versicherungsbetrug handelt und hat erst ein Gutachten angefordert. Nach (ungelogen!) Stunden in Telefonwarteschleifen habe ich es aber hingekriegt, noch am Freitag einen Termin beim Gutachter zu bekommen.
Liebe Autodiebe, ein Tipp: wenn ihr in Zukunft auf Tour seid, sucht euch doch bitte nicht die kleinste und älteste Studentenkarre auf dem Parkplatz aus, wenn rechts und links lauter dicke schwarze Geschäftswagen-Limousinen und -SUVs stehen. Vielleicht habt ihr davon mehr.

All diese Dinge sind vor allem deshalb so ärgerlich, weil wir uns seit Wochen bemüht haben, die stressige Schlussphase nicht stressiger als notwendig werden zu lassen und uns um alles so früh wie möglich zu kümmern. Aber wahrscheinlich muss das einfach so sein, damit uns der Abschied aus Karlsruhe leichter fällt. Trotzdem: wenn ich das alles durch eine einmalige Auswanderungspauschale hätte vermeiden können, ich glaube, das wärs mir wert gewesen. Oder um Brecht zu zitieren:

Ja, mach nur einen Plan.
Sei nur ein großes Licht!
Und dann mach noch nen zweiten Plan,
gehn tun sie beide nicht.

So, vermutlich war das heute für die Leser ein wenig ergiebiger oder informativer Artikel. Aber wichtig für meine persönliche Psychohygiene. Verzeiht es mir.

Geschafft!


Endlich ist es geschafft. Am Mittwoch hatte ich tatsächlich meine letzte und abschließende mündliche Prüfung an der Musikhochschule. Danach habe ich erst einmal ausgiebig ausgeschlafen und an diesem Tag gar nichts mehr gemacht, seit gestern bin ich aber wieder unter den Lebenden. Jetzt muss ich nur noch auf die Noten für meine schriftliche Abschlussprüfung und meine Bachelor-Arbeit warten, dann darf ich mich Bachelor of Arts nennen. Zum einen heißt das natürlich, dass ich endgültig meine alte Hochschule hinter mir gelassen habe und nun nichts mehr zwischen mir und meinem Studium in Göteborg steht. Ganz aktuell kann ich mich nun aber auch ganz und gar unserem Umzug widmen, worauf ich mich schon seit Wochen freue – obwohl ich zugeben muss, dass ich das Kisten einpacken nicht so attraktiv finde wie das Einräumen unserer schwedischen Möbel-Neuerwerbungen; oder noch besser das Suchen dieser neuen Möbel auf vielen, vielen loppisar (Flohmärkte).

Datenschutz auf Schwedisch


Seit einer Woche läuft in Deutschland Zensus 2011 – die erste Volkszählung, bei der in der gesamten Europäischen Union gleichzeitig die gleichen Daten über die Bevölkerung gesammelt werden. Die letzte Volkszählung in Deutschland hatte, nach Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht und daraus resultierenden sechs Jahren Verzögerung, zu großen Protesten und Boykottaufrufen geführt. Man fürchtete den gläsernen Bürger, die Entwicklung hin zum Überwachungsstaat und hatte generelle Bedenken bezüglich des Datenschutzes und der Wahrung der menschlichen Grundrechte. Zwar wird die diesjährige Volkszählung nicht von derartig heftiger Kritik begleitet, trotzdem wird auch Zensus 2011 von allgemeiner Skepsis begleitet, was denn der Staat mit all den gesammelten Daten anfangen will.

Zwar weiß ich nicht, wie die Schweden zu dieser Volkszählung stehen. Dass sie aber eine grundsätzlich andere Haltung zum Thema Datenschutz haben, äußert sich beispielsweise in der schwedischen Personennummer: Diese Nummer erhält jeder, der in Schweden gemeldet ist oder war und behält diese ein Leben lang. Ein wenig also wie eine Sozialversicherungsnummer, nur dass man die personnummer bereits bei der Geburt zugeteilt bekommt und dass man sie wesentlich häufiger braucht. Nicht nur wenn man eine Wohnung mieten möchte, sollte man sie parat haben. Auch beim Abschluss eines Handyvertrags, beim Kaufen eines Buches im Internet und sogar beim Pizzaservice wird man danach gefragt – und muss dann unter Umständen nicht einmal mehr Name, Adresse und Telefonnummer angeben: Diese kann der Pizzabote dann beim skatteverk, dem schwedischen Finanzamt, nachschlagen. Und nur wenige Schweden scheinen ein Problem mit dieser freien Verfügbarkeit ihrer persönlichen Daten zu haben.

Bisher sind wir noch nicht besonders mit dieser Offenheit im Umgang mit Daten in Kontakt gekommen, denn noch wohnen wir nicht in Schweden und haben keine personnummer. Als Annika aber neulich egogoogelnd bzw. jonasgoogelnd im Netz unterwegs war, stieß sie auf diese Seite. Hier hat die Musikhochschule Göteborg die Namen sämtlicher Personen veröffentlicht, die in diesem Jahr an der Hochschule angenommen wurden – ohne dass ich mein Einverständnis dazu erklärt hätte oder auch nur darüber informiert worden wäre. Mir selbst macht diese Tatsache zwar nichts aus, ich würde aber gerne einmal den Skandal an einer deutschen Universität erleben, wenn auch nur die Noten einer Klausur ohne Verschlüsselung über die Immatrikulationsnummer in einem Flur am hintersten Ende des Campus ausgehängt würden.

Es wurde entschieden


Zur Feier des Tages gleich noch ein zweites Posting von meinereiner. Es gibt ja ein paar Dinge im Leben, die man ungefähr so gerne mag wie Zahnschmerzen. Dazu zählen bei mir: das Warten auf ungewisse Dinge, die zu einem ungewissen Zeitpunkt in der Zukunft möglicherweise eintreten werden und Entscheidungen treffen.

Jonas hat die Welt ja bereits davon in Kenntnis gesetzt, dass unser Ziel ab sofort Göteborg heißt. Man kann jedoch nicht wirklich behaupten, dass es unsere Entscheidung war, auch wenn es gut so für uns ist. Worst-case-Szenario in diesem elend langen Entscheidungs- und Bewerbungsprozess wären sicherlich drei Studienplatzabsagen gewesen. Allerdings wäre der zweitschlimmste Fall für mich der gewesen, drei Zusagen zu bekommen und dann eine Entscheidung treffen zu müssen. (Jonas‘ Ego wäre dann zwar wahrscheinlich explodiert, aber das nur am Rande…). Zugegebenermaßen hatte ich mich etwas auf Piteå eingeschossen (auch, weil wir uns dort die besten Chancen auf eine Studienplatz für Jonas ausgerechnet hatten), aber es wäre gelogen zu sagen, dass ich jetzt enttäuscht bin – schließlich hatten wir ja von Anfang an nur gute Alternativen im Rennen. Entscheidungsfaule Menschen wie ich freuen sich dann eben darüber, dass sie keine Entscheidung treffen müssen, weil das Schicksal – oho, großes Wort! nennen wir es besser: das Bewerber-Studienplatzverhältnis – ihnen diese abnimmt.

Juhuu!

Und nicht zuletzt bin ich wahnsinnig erleichtert, dass das zermürbende ungewisse Warten endlich vorbei ist und wir wissen, wohin es geht. Das heißt, wir können jetzt endlich konkreter unseren Pfingsttrip organisieren, eine Wohnung suchen, den Arbeitsmarkt checken, den Umzug planen und – uns freuen. So richtig konkret freuen und nicht nur so irgendwie diffus auf etwas freuen, von dem man gar nicht weiß, was es ist.

Aber es gibt noch mehr gute Nachrichten am heutigen Tage: Da es ja jetzt keine drei Monate mehr sind, bis mein aktueller Arbeitsvertrag ausläuft, habe ich mich heute arbeitslos gemeldet. Das an sich ist ja jetzt noch keine gute Nachricht, aber ich hatte eine nette und kompetente Sachbearbeiterin. Dank der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU darf man ja sein Arbeitslosengeld auch in einem anderen als dem Heimatland beziehen. Allerdings ist man normalerweise verpflichtet, zu Beginn der Arbeitslosigkeit erstmal vier Wochen in Deutschland zu bleiben und hier nach Arbeit zu suchen. Für mich hätte das bedeutet, noch bis Ende August hier untätig rumzusitzen (wahrscheinlich hätte ich das nicht gemacht, sondern wäre trotzdem Anfang August mit Jonas umgezogen und hätte dann auf das Geld verzichtet). Aber ich hatte glücklicherweise eine Sachbearbeiterin, der ich nicht lange erklären musste, dass ich als Lehrerin während der Sommerferien hier kaum einen Job finden werde, sondern stattdessen sinnvollerweise bis zum Schuljahresbeginn in Schweden (um den 20. August) bereits umgezogen bin. Und so darf ich mit Sonderrregelung ab dem ersten Tag der Sommerferien Deutschland verlassen und mein Arbeitslosengeld mitnehmen, was es sicherlich die ersten Wochen in Schweden ein wenig leichter machen wird.

Und noch ne gute Nachricht: Ich war (vorerst zum letzten Mal in Deutschland) beim Zahnarzt. Und er hat gar nicht gebohrt.

Ich darf Master…


Das ewige Warten auf Neuigkeiten von den schwedischen Musikhochschulen hat heute unerwartet ein Drittel-Ende genommen. Eigentlich rechne ich seit einigen Tagen mit einer E-Mail aus Piteå. Nachdem es dort schon wieder Probleme mit studera.nu gab und ich eine Absage erhalten hatte, die später telefonisch wieder revidiert wurde, gab es nun Post aus Göteborg: Eine Zusage, (digital) unterschrieben vom Rektor. Offensichtlich also kein Computerfehler, sondern eine echte Bestätigung, dass wir im Sommer nach Schweden umziehen können und dass die Bedenken der letzten Zeit – „was machen wir eigentlich, wenn gar nichts klappt?“ – zum Glück völlig umsonst waren. Bis zum 12. Mai muss ich mich nun entscheiden, ob ich den Studienplatz dort annehmen möchte. Bis dahin sollte ich dann auch Nachrichten aus Piteå und Stockholm erhalten haben.

Der Eingang zu Artisten, der Musikhochschule in Göteborg

Ein riesiger Stein ist uns also schon einmal vom Herzen gefallen, und obwohl wir nach wie vor gerne in den Norden Schwedens ziehen wollen, haben wir doch zumindest eine Option sicher. Und wenn man ehrlich ist, ist Göteborg nicht die schlechteste Alternative… Eigentlich ist ja sowieso keine unserer Alternativen schlecht. Aber endlich wird die Frage der Ortswahl etwas konkreter, es geht vorwärts!

Ich bin Master…


Zu erklären, was ich wie, mit welchen Zusatzprüfungen, Schwerpunkten und Ergänzungsqualifikationen studiert habe, fällt mir ja schon in Deutschland nicht immer leicht – zumindest wenn ich es jemandem erklären soll, der nicht etwas Ähnliches studiert hat.

Im August letzten Jahres habe ich versucht, meine Studienzeit in ein Formular des schwedischen Högskoleverkets („Hochschulwerk“) zu pressen, das für die Anerkennung ausländischer Studienabschlüsse zuständig ist. Vier Monate später, so um die Jahreswende, erhielt ich dann ein ziemlich edel aussehendes Stück Papier mit Prägedruck und allem Drum und Dran, das auch fast alle meine Abschlüsse auf schwedisch auflistete und erklärte, welche schwedischen Studienabschlüsse dazu äquivalent sind. Leider fehlte ein Teilstudium völlig und so habe ich das Högskoleverk gebeten, das Anerkennungsschreiben nochmal zu überarbeiten.

Nach weiteren drei Monaten erhielt ich jetzt ein neues „Utlåtande“, das viel ausführlicher als die erste Version meine Studiengänge auflistet und zudem meinen Studienabschluss (Staatsexamen) nicht mehr als schwedisches Magisterexamen (vierjährig) sondern als schwedisches Masterexamen (fünfjährig) anerkennt. Kurioserweise fehlt dafür jetzt in der Überschrift mein zweites Hauptfach, obwohl es im „Kleingedruckten“ korrekt genannt und beschrieben ist. Ich weiß noch nicht, ob ich jetzt nochmal reklamiere oder es so hinnehme wie es ist; es würde wohl auf jeden Fall wieder weitere 3-4 Monate dauern, wenn es nochmal überarbeitet wird und dann sind wir ja schon vielleicht schon in Schweden…

Sinn dieses Anerkennungsverfahrens ist es, schwedischen Arbeitgebern bei einer Bewerbung etwas in die Hand geben zu können, das von glaubwürdiger Seite bestätigt, dass man ein abgeschlossenes Studium hat und welchem schwedischen Abschluss dieses entspricht. Da ja jetzt der ganz komfortable Einstieg in den schwedischen Arbeitsmarkt über den DAAD voraussichtlich nicht klappt, habe ich mich umso mehr gefreut, dass mein Abschluss jetzt gegenüber der ersten Version „upgegradet“ wurde.