Archiv der Kategorie: Flytta och anlända

Geschützt: Neue Herausforderungen (1/2)


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Svenskifiering


Ganz unspektakulär ist unser 5. Jahrestag in Schweden Mitte August an uns vorbeigezogen, denn er fiel gerade in die Woche vor dem Schulanfang, die bei uns traditionell mit Konferenzen und einem ersten Auftaktorchesterlager gefüllt ist. Nach viel zu vielen Telefonaten mit Schülern und Eltern stehen unsere Stundenpläne inzwischen zu 99%  (die alte 80:20-Regel hat sich auch dieses Jahr wieder bewahrheitet) und es ist schon fast wieder Alltag eingekehrt.
(Und irgendwann erzähl ich dann auch noch ein bisschen von unserem Sommer. Vielleicht.)

Aber zurück zu unserem 5. Jahrestag in Schweden: Dieser ist insofern besonders, als da man nach fünf Jahren die Mindestaufenthaltsdauer für die schwedische Staatsbürgerschaft erreicht hat. Weitere Voraussetzung für eine Einbürgerung ist „tadelloses Benehmen“ (skötsamhet), mit anderen Worten: keine Strafverfahren oder Schuldverfahren, auch diese Bedingung erfüllen wir. Da wir uns außerdem als EU-Bürger ausweisen können, steht einem Antrag auf Einbürgerung also nichts mehr im Wege.

Die vielen informellen Voraussetzungen, die an die Svenskifiering, Schwedifizierung, geknüpft sind, wie z.B. ein Mittsommerfest ausrichten, im Advent Lichterbögen ins Fenster stellen, in den Sommerferien am Haus renovieren oder Sonntags Rasen mähen, Bäume fällen und Terrasse kärchern, haben der Lieblingskollege und andere schwedische Freunde die letzten Jahre gut abgeprüft. Nur einen Volvo haben wir immer noch nicht…

Dass wir hier in Sachen Bürokratie echt verwöhnt sind, merkten wir heute an der Tatsache, dass wir nach dreieinhalb Jahren an unserem jetzigen Wohnort noch keinen neuen Briefkopf mit der aktuellen Adresse erstellt hatten…

Das Antragsformular für die schwedische Staatsbürgerschaft war dann auch eher easy auszufüllen (online natürlich) und die Anlagen hielten sich in überschaubaren Grenzen: Beschäftigungsnachweise für die letzten 5 Jahre (Jonas: 1 Zettel, Annika: 3 Zettel) und unsere deutschen Pässe.
Ganz billig war der Spaß übrigens nicht, 1500 Kronen Bearbeitungsgebühr nimmt die Einwanderungsbehörde migrationsverket für einen Einbürgerungsantrag, egal ob dieser am Ende positiv oder negativ ausfällt.

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Jetzt hoffen wir einfach mal, dass wir alles wirklich vollständig ausgefüllt und eingeschickt haben, dann sind wir laut aktuellen Angaben des migrationsverket in 2-6 Monaten schwedische Staatsbürger. Ansonsten kann es über ein Jahr dauern, wenn sie weitere Auskünfte von uns brauchen, das hoffen wir aber nicht.

Und wieder sind wir froh über die EU, denn wir werden dann die doppelte Staatsbürgerschaft haben, was – allen aktuellen Diskussionen zum Trotz – ein Privileg von EU-Bürgern ist, egal, was AfD, CSU und Konsorten dazu sagen.

Wenn es nach uns ginge, würden wir ohnehin am liebsten nur einen einzigen Pass haben: nämlich einen, der uns als EU-Bürger ausweist.

Sommerloch.


Wie immer, wenn es hier im Blog stiller wird, liegt das entweder daran, dass in unserem Leben sehr viel oder sehr wenig passiert. Die letzten Schulwochen Anfang, Mitte Juni waren sehr intensiv, wie jedes Jahr. Dieses Jahr stand keine Orchesterreise auf dem Programm, stattdessen bekamen wir Besuch vom Kammerorchester meiner alten Musikschule, das hier zusammen mit unserem Streicherensemble gemeinsam proben und konzertieren und so die schwäbisch-schwedischen Beziehungen, die hier seit gut drei Jahren bestehen, vertiefen sollte.

Der Lieblingskollege und ich hatten – gemeinsam mit unseren Jugendlichen – neben den Proben und Konzerten für die Gäste außerdem ein recht umfangreiches Begleitprogramm organisiert: von Nyckelharpa-Workshop über Kulturwanderung über Sightseeing in Göteborg, ein vorgezogenes Mittsommerfestchen und dem obligatorischen Besuch im Vergnügungspark Liseberg war so ziemlich alles dabei, was man in fünf Tage so reinpacken kann,

Auch wenn man am Ende einer solchen Woche dann auf dem Zahnfleisch geht, weil man mehr oder weniger rund um die Uhr Reiseleiter, Konzertmanager, Ansprechpartner und Problemlöser ist, so gehören solche Events doch zu den Highlights in meinem Job – erst recht, wenn die Zusammenarbeit mit den beteiligten Kollegen so wunderbar funktioniert wie in dieser Woche. Und den Jugendlichen – schwedischen wie deutschen – hat’s super gefallen, die können den Gegenbesuch kaum erwarten. Ein großes Danke an alle, die dabei waren, auch wenns schon wieder drei Wochen her ist!

Nach dieser superintensiven Woche begannen dann offiziell auch unsere Sommerferien. Die Schüler hatten ihren letzten Schultag bereits am 10. Juni, aber die Lehrer arbeiten hier immer noch ein Paar Tage länger, auch wenn für die meisten Lehrer die letzte Arbeitswoche nur noch so locker dahinplätschert mit Abschlusskonferenzen, Schreibtisch aufräumen etc.

Es fiel mir dieses Jahr ziemlich schwer, von Arbeitsmodus auf Ferienmodus umzuschalten, sodass ich die ersten Ferientage aus Gewohnheit weiter in meine Musikschule gegangen bin, um wie ein Junkie langsam die Dosis zu reduzieren und so die schlimmsten Entzugserscheinungen zu vermeiden. Arbetsnarkomani nennt das der Schwede.

Mittsommer war dieses Jahr eines der wärmsten und trockensten, die wir bisher erlebt haben. Nachdem wir die letzten drei Jahre immer beim Lieblingskollegen zuhause eingeladen waren, haben wir dieses Jahr einen weiteren Schritt in Richtung Schwedifizierung gemacht und unsere Freunde zu uns nach Hause eingeladen. Mit eingelegtem Hering und Schnaps und allem Pipapo. Und nicht ein einziges Foto habe ich dieses Jahr an Mittsommer gemacht, so normal hat sich das alles angefühlt…

Nach Mittsommer kam dann erstmal lieber Besuch aus Deutschland, (kein Orchester, „nur“ Freunde), und dann war das Wetter zu blöd zum Wegfahren, sodass wir lieber weitermachen wollten, Türen und Wände zu streichen, um so Stück für Stück den dunkelbraunen 60er-Jahre-Charme Muff aus unserem Haus zu vertreiben. Seit Februar, als wir das Haus gekauft haben, haben wir bereits fünf Zimmer renoviert, aber fertig sind wir noch lange nicht. Die nächsten Projekte sind bereits bestellt: alle Fenster und die Haustür tauschen, aber das lassen wir Profis machen.

Natürlich hätte man aus all diesen Renovierungsarbeiten einen wunderschönen Vorher-Nachher-Blog machen können, mit unendlich vielen Bildern von hässlichen Abwasserrohren und wunderschön hellen, frisch gekachelten oder gestrichenen Räumen, aber ganz ehrlich: das hier ist kein Bastel- und Heimwerkerblog und nach fünf Monaten Baustelle an wechselnden Stellen im Haus isses auch gar nicht mehr soooo cool. Also doch, jede dunkelbraune/dunkelgrüne/beige Wand weniger ist schon sehr cool, aber nicht jeder vermalte Eimer Farbe verdient einen enthusiastisch bebilderten Platz in unserem Blog.

Vor wenigen Tagen haben wir dann aber unsere aktuellstes Projekt abgeschlossen und machen uns seitdem vorsichtig mit dem Gedanken vertraut, dass wir dieses Jahr auch noch Urlaub machen wollen, also richtig Urlaub, so mit wegfahren und so, nicht nur schülerfreie Zeit zum Renovieren. Unser VW-Bus scharrt schon ganz ungeduldig mit den Füßen…

Wettertechnisch war der Sommer dieses Jahr bislang eher im Mai zu verorten und der Druck, wegzufahren daher auch nicht all zu groß – zumal wir ja dorthin gezogen sind, wo wir früher immer Urlaub gemacht haben. Nach wie vor wissen wir sehr zu schätzen, dass ein wunderbarer Badesee und ein Blaubeerwald buchstäblich vor unserer Haustür liegen. Vor fünf Jahren haben wir dafür noch über 1000 km Anfahrt von Süddeutschland in Kauf nehmen müssen, jetzt machen wir die Terrassentür auf…

Trotzdem, man muss auch mal was anderes sehen als die eigenen vier Wände, auch wenn sie gerade so schön neu gestrichen sind. Daher wird die Blogpause hier noch eine Weile andauern, wenn auch aus anderen Gründen. Denn wie ich uns kenne, wird sich die Lust, von unterwegs zu bloggen, eher in überschaubarem Rahmen halten.

Wo es hingeht? Das wissen wir selbst auch noch nicht genau. Kann sein, dass wir aus alter Gewohnheit erst mal 1000 km Richtung Norden fahren…

Morgenstimmung


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5:15: Noch ist alles ruhig da draußen auf dem norwegischen Schulhof, aber in einer Dreiviertelstunde wird die Flagge gehisst und wir werden mit unserem Orchester die norwegische Nationalhymne spielen.
Anschließend wird mehrere Stunden lang marschiert und paradiert…

Die Sonne scheint, der Wetterbericht verspricht angenehmes Marschwetter.
Und zum ersten Mal seit 2003 werde ich heute in der Öffentlichkeit Klarinette spielen, und das auch noch auf einem für mich neuen System denn in Schweden, wie im Rest der Welt außer Deutschland und Österreich auch, spielt man Boehmklarinette.

Was wäre das Leben ohne neue Herausforderungen?

Wie ich einmal den norwegischen Nationalfeiertag rettete


Tagesaktuell ein Reblog von 2013…

Brevlåda

Hätte mich vor zwei Jahren, wenige Monate vor unserem Umzug nach Schweden bei der Europa-Arbeitsberatung jemand gefragt, wo ich mich in zwei Jahren sehe, hätte ich wohl eine Sache niemals geantwortet: Ich marschiere in Uniform einer Fahne hinterher und spiele eine Nationalhymne. Doch manchmal geht das Leben eben krumme Wege und dann marschiert man eben auch mal hinterher. Dem Leben. Oder auch einer Flagge.


Die Vorgeschichte

Aber von vorne. Meine Musikschule verfügt über ein gut gebuchtes sinfonisches Blasorchester, das bei Bedarf auch paradiert. Als Klavierlehrer hatte ich bisher mit dem Orchester nur marginal zu tun, aber mein Kollege, der das Orchester leitet, hat mich im Hinblick auf die bevorstehende Deutschlandreise des Orchesters überredet mitzuspielen. Eingeweihte wissen vielleicht, dass ich vor vielen Jahren mal Klarinette gespielt habe, aber leider leidet unser Orchester nicht an Klarinettenmangel, im Gegenteil. Wie also einen Pianisten sinnvoll in ein Blasorchester integrieren? Als Fahnenträger? Notenständer? Nein. Mein…

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Happy birthday, Brevlåda!


Heute genau vor fünf Jahren (es ist schon spät abends, daher: vor fünf Jahren und einem Tag) haben wir diesen kleinen Blog gestartet. Damals wohnten wir noch in Karlsruhe und steckten mitten in den Vorbereitungen für unseren Umzug nach Schweden und dachten, dass es vielleicht ganz nett sein könnte, unsere Erfahrungen und Erlebnisse in dieser Form festzuhalten – auch, um mit unseren Freunden in Deutschland in unaufdringlichem Kontakt zu bleiben. Viel ist seither passiert, und da war es langsam an der Zeit für ein neues Layout. Es wird die nächsten Tage sicherlich noch die eine oder andere Kleinigkeit im Layout passieren, aber falls ihr irgendetwas vermisst oder etwas gar nicht funktioniert, freuen wir uns über einen Hinweis in den Kommentaren.

Das Badezimmer. Ein Drama in 3 Akten.


Ich stelle mir gerne vor, wie Mitte der 60er Jahre ein frisch vermähltes Paar durch die Badezimmerkataloge blätterte und die Badezimmereinrichtung für seinen Neubau auswählte. Wir sind in Schweden und man gibt sich modern und gleichberechtigt.

1. Akt:

Er: „Schatz, wollen wir lieber eine Dusche oder ein Bidet? Für beides zusammen ist kein Platz.“

Sie: „Was wollen wir denn mit einer Dusche? Wir baden doch jeden Samstag! Ein Bidet ist viel wichtiger, außerdem hat deine Schwester jetzt auch ein Bidet. Eine Dusche braucht doch kein Mensch. Wenn ich Regen will, gehe ich raus – wozu wohnen wir denn in Borås, Schwedens regenreichster Stadt?!“

Er: „Dachte ich mir schon, mit einem Bidet kann man sich ja dann auch unter der Woche mal schnell die Füße waschen, dann ist das nicht so eine Wasserverschwendung wie beim Baden. Und es sind ja eh nur 5 Minuten von unserem neuen Haus bis zum Badplatz, da können wir im Sommer richtig viel Geld sparen… Was findest du besser: die Badewanne längs oder quer einbauen?“

Sie: „Längs, unters Fenster. Dann kann man beim Baden rausgucken.“

Er: „Stimmt, das ist gut. Der Wasserdampf macht den Holzfensterrahmen auch bestimmt nichts aus, da kommt ja so moderne wasserabweisende Farbe drauf. ‚Hält ewig‘ schreiben die hier im Katalog. Außer beim Duschen, da würden die Fensterrahmen zuviel Wasser abbekommen. Aber wir baden ja nur. Und das bisschen Kondenswasser kann dann ja an den Wänden runterlaufen, schließlich ist rund um die Badewanne ein zwei Zentimeter breiter Spalt, das ist genug zum Ablaufen, aber klein genug, dass man nicht dahinter kommt zum Putzen. Dann hast du schon weniger Arbeit.“ Sieht seine Frau liebevoll an.

Sie: „Aber man muss doch unter der Wanne putzen können!“

Er: „Ja, kann man ja auch. Unter der Wanne ist ein Spalt von 7 cm, das reicht doch für deine kleinen Hände.“

Sie guckt skeptisch.

Er: „Und zur Not lassen wir das die Katze machen, die passt auf jeden Fall unter die Wanne und kann dort die Staubmäuse fangen.“ Lacht über seinen eigenen Witz.

2. Akt:

Er: „Du brauchst doch morgens immer so lange im Bad… Was hältst du davon, wenn wir eine Extrawand zwischen Toilette und Badezimmer einziehen, dann kann man Badezimmer und Toilette gleichzeitig benutzen.“

Sie: „Aber wir haben doch noch die Gästetoilette.“

Er: „Ja, aber… das ist so weit weg vom Schlafzimmer.“

Sie: „Aber das Bad ist doch nur 5 m2 groß; meinst du nicht, dass eine extra Trennwand das Ganze ein bisschen sehr eng macht?“

Er: „Nein, glaub mir, das ist eine echt knorke Idee!“

Sie: „Aber dann sitzt man doch völlig im Dunkeln!“

Er: „Kein Problem, dann machen wir halt noch ne extra Lampe rein. So eine hübsche, die so gemütliches gelbliches Licht macht, du weißt schon, so wie bei meiner Schwester…“

Sie: „Also ich weiß nicht… da bei der Toilette sind doch auch schon die beiden riesen Einbauschränke, das wird glaub ich wirklich sehr eng.“

Er: „Man könnte die Wand zu einer tragenden Wand machen, wenn dann die Russen kommen und ganz Schweden bombardieren, dann bleibt auf jeden Fall unser Badezimmer ganz.“

Sie: „Hm, das klingt natürlich vernünftig. Aber trotzdem, wird das nicht sehr eng und dunkel…? “

Er: „Also gut, wie wäre es mit einem Kompromiss: wir ziehen die extra Wand zwischen Toilette und Badezimmer ein und überlegen uns dann später, ob wir da eine Tür einsetzen oder ob wir die Tür weglassen.“

Sie: „Na gut, aber die Lampe mit dem gelblichen Licht will ich in jedem Fall!“

3. Akt

Sie: „Liebling, wir haben noch gar nicht über die Wände und den Boden gesprochen. Da gibt es jetzt dieses ganz moderne Zeug, plastmatta heißt das, das ist viel besser als diese ollen Kacheln. Das dichtet ganz toll ab und man kann es ganz einfach verlegen, wie Teppichboden. Und hält ewig, schreiben die hier. Gibts auch für die Wände.“

Er: „Das klingt gut. Wenn das ewig hält, dann sollten wir aber auch was nehmen, was wirklich zeitlos modern ist. Gibt es diese schicke Plastikmatte nicht sogar in verschiedenen Farben?“

Er nimmt den Katalog, blättert zu den Farbkarten und studiert die daumennagelgroßen Farbproben.

„Die Bodenplastikmatte gibt es in vier Farben: senfgelb, moosgrün, kotzbeige und kackbraun.“

Sie: „Und die Wände?“

Er: „Das sind so Plastikpanele, 2×1 m, die werden dann mit andersfarbigen Plastikleisten zusammengesteckt. Blättert. Gibts in matschschneeweiß, kotzbeige, schlachthofrosa und seekrankgrün. Optional auch mit eingearbeiteten Zahnpastaspritzern.“

Sie: „Moosgrüne Plastikmatte am Boden find ich schick, das ist modern, aber trotzdem noch so naturnah. Und an den Wänden was helles…“

Er: „Auf keinen Fall weiß, das hatten meine Eltern, das sah furchtbar aus. So steril. Wie wärs mit schlachthofrosa? Das hat sowas deftiges.“

Sie sieht unentschlossen aus. „Meinst du nicht, das beißt sich? Was hältst du denn von kotzbeige? Beige ist jetzt supermodern!“

Er: „Nein, beige ist doch keine Farbe, beige wirds von allein.“

Sie: „Dann doch dieses Matschweiß, das sieht dann trotzdem ganz anders aus als bei deinen Eltern, schon allein durch dieses moderne Plastik und die eingearbeiteten Zahnpastaspritzer. Das wird dufte, glaub mir!“

Er: „Stimmt, dann brauchen wir nur noch die Plastikleisten für die Panele. Gibts in nachtschwarz und reinweiß.“

Sie: „Schwarz ist jetzt total in, das gibt so eine schöne Struktur.“

Er: „Nee, das sieht doch aus wie Gitterstäbe, ich will mir doch nicht im Gefängnis die Zähne putzen. Neinnein, wir nehmen die reinweißen Leisten, das fällt auch bestimmt gar nicht auf zwischen den schneematschweißen Panelen.“

Sie: „Ok, Liebling, da hast du bestimmt recht! Zu sich selbst: Und beige wirds dann ja von ganz allein…“

Vorhang.

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Nachspiel:

IMGP988550 Jahre später:

Badezimmer und Haus haben den Kalten Krieg nicht zuletzt dank der zusätzlichen tragenden Trennwand im Bad überstanden, das Badezimmer ist nahezu unverändert, das Bidet unbenutzt und quasi wie neu. Wie der Katalog versprochen hatte, hält die Plastikmatte ewig und die Hoffnung auf beige Wände hat sich mehr als erfüllt, auch dank der gelben Lampen. Die eingearbeiteten Zahnpastaspritzer verbergen notdürftig, dass die Plastikpanele nicht sauber zu kriegen sind. Unter der Badewanne ist putzen quasi unmöglich, die neuen Besitzer nehmen dazu die Katze.

Das (fast noch) frisch vermählte Paar, das das Haus gerade gekauft hat, wälzt Onlinekataloge mit Badezimmermöbeln, kämpft sich durch Badezimmerausstellungen und Fliesenstudios. Die Geschichte wiederholt sich…