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Eine Schnitzeljagd kreuz und quer durch Göteborg


Unsere vier besten Freunde hier im Ort haben uns zur Hochzeit eine Reise ins Blaue geschenkt. Der Tag begann ziemlich früh und endete sehr spät, das Wetter war traumhaft und die Kamera saß lose… Eine kleine Fotostory:

Der Tag endete schließlich feuchtfröhlich mit einem gemütlichen Grillabend im Wonnwaggen (das Wort hat C. bei der Hochzeit gelernt und es klingt so süß mit ihrem schwedischen Akzent :-) ) und dem Gewürrstrrraminerr (noch so ein Wort…), den wir bei unserer Hochzeit hatten.

J., C., U., I. stäng av Google translate nu och läs det här på riktigt: Tack för den här fantastiska dagen som vi aldrig kommer att glömma. Så mycket tid och energi och kärlek ni har lagt ner för att planera denna dag in i minsta detaljerna, helt otrolig…! Tack, ni är underbara.

Jonas‘ Hochzeitsreise


Während Annika nach unserer Hochzeit lieber mit ihrem Lieblingskollegen als mit mir verreist – und das gleich zwei Mal – wurden wir Mitarbeiter der Kulturschule von unserem Chef auf eine kleine Reise eingeladen; und damit meine ich nicht den Tagesausflug mit 120 Zweit- bis Viertklässlern im Schlepptau nach Göteborg, wo wir das naturhistorische Museum bestaunt, für Cafébesucher gespielt und danach noch einen großen Spielplatz besucht haben, denn das war dann doch eher anstrengend als lustig, erholend, anregend oder was eine Reise sonst noch alles sein soll.

Wie auch im Vorjahr, als der Betriebsausflug nach Eksjö ging, wussten wir auch dieses Mal bei der Abfahrt nicht, wohin die Reise gehen sollte; unserem Chef bereitet es nämlich immer wieder eine diebische Freude, uns das Reiseziel während der Fahrt erraten zu lassen. Dieses Jahr war ich tatsächlich der erste, der richtig lag: Als der Bus in Richtung Göteborg auf die Autobahn einbog, schlug ich gleich Marstrand vor. Daraufhin meinten dann zwar alle abwehrend, dass man dort doch erst vor drei Jahren war, aber am Ende sollte ich Recht behalten.

Auf Marstrand waren Annika und ich zwar schon öfter, denn als wir noch in Skepplanda wohnten, war die Insel immer die nächste Gelegenheit, um ans Meer zu kommen, aber unser letzter Besuch lag seit dem Umzug nach Borås ziemlich lange zurück und so freute ich mich riesig, als wir auf die kleine blaue Fähre gingen, die uns von der mit dem Bus zu erreichenden „Kuhinsel“ Koön nach Marstrandsön übersetzte. Dort angekommen ging es in die alte Küstenbatterie Strandverket, die ursprünglich Göteborg und Bohuslän gegen die Dänen verteidigen sollte und in der sich heute ein Museum mit Skulpturenpark befindet. Dieses wurde vom Verleger und Nachbar des Strandverket Peter Hjörn gegründet, den die dort vorher ansässige Disco genervt hatte und der fand, dass Marstrand statt noch einer Bar doch dringend einen ordentlichen Ort für hochkarätige Ausstellungen brauchte. Als Kurator konnte er dann den ehemaligen Chef des Boråser Kunstmuseums Hasse Persson gewinnen, was wiederum erklärte, warum unser Chef gerade das Strandverket als Ziel unseres Ausflugs gewählt hatte – immerhin kennen sich die beiden schon ziemlich lange.

Somit ließ es sich Hasse dann auch nicht nehmen, uns persönlich durch die Skulpturen sowie die beiden aktuellen Ausstellungen zu führen – eine über Ingrid Bergmann zum 100.Geburtstag und eine mit Werken der Fotografin Denise Grünstein. Ich muss zugeben, dass mich Ingrid Bergmann tatsächlich nicht sehr interessiert und ich wahrscheinlich erst einmal einen Haufen Hintergrundinformationen benötigt hätte, um die ganzen Einblicke in ihr professionelles und privates Leben zu würdigen. Was mich allerdings wirklich fasziniert hat, waren die Räume der Kunsthalle: weiß gemalte Gewölbe mit Metallstangen an der Decke, auf denen ursprünglich die Betten der Soldaten befestigt waren, damit unten genug Platz für die Kanonen war. Im Obergeschoss war dann sogar noch die Originalfarbe aus den 1850er Jahren erhalten, was den Bildern von Denise Grünstein, die unter anderem berühmte Kunstwerke von hinten abbildet oder Menschen in seltsam verfremdende Kostüme steckt, eine spannende Dramatik verlieh.

Nach dieser heftigen Dosis Kultur konnten wir auf eigene Faust über die Insel streunen. Mich zog es natürlich hoch zu Carlstens fästning, der großen Festungsanlage oben auf der Insel, denn von dort hat man einen tollen Blick über Meer und Schären. Danach ging es dann zum Essen und dann wieder nach Hause. So soll ein letzter Arbeitstag vor den Ferien sein!

Knusper, knusper, knäuschen


Ein häufig genannter Kritikpunkt vieler Deutscher gegenüber Schweden ist die Sache mit dem Brot – „Schweden können kein Brot backen“, „schwedisches Brot ist zu weich/zu süß/zu labberig/zu fad/zu weiß“, „das einzig essbare Brot in Schweden ist Knäckebrot“.

Nun ja, in der Tat gibt es in schwedischen Supermärkten eine bemerkenswerte Auswahl an krustenfreiem, mit Sirup gesüßtem Weizenbrot, aber es gibt definitiv auch „osötat rågbröd“, ungesüßtes Roggenbrot, und ist so unheimlich gesund, dass es beispielsweise unter dem Namen „Kneipp“ verkauft wird. Viele Supermärkte haben inzwischen auch integrierte Bäckereien, in denen fertige Teiglinge frisch aufgebacken werden. Ich weiß, echte Brotfetischisten rümpfen bei dem Wort Teigling schon die Nase, aber dieses Brot ist ganz okej.

Nicht zu toppen allerdings ist es, wenn man dann doch mal eine echte Bäckerei hat, die auch Brot und nicht nur süße Teilchen (auch sehr lecker und in vielen Varianten) backt. Eine solche Minibäckerei hat vor kurzem in unserem Nachbarort eröffnet:

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Der Laden besteht nur aus der Backstube und hat im Moment auch nur von Donnerstag bis Samstag geöffnet. Dort einzukaufen fühlt sich ein bisschen an wie in einem Delikatessengeschäft. Sehr lecker!

Das knusprige Sauerteigbaguette von heute morgen hat den Heimweg dann auch nur zur Hälfte überlebt.

(Bitte entschuldigt die Bildqualität – Handybilder. Aber die beste Kamera ist immer noch die, die man dabei hat.)

Im 23. Himmel und ein blühender Baum


Nach nur vier Wochen Schule seit den Weihnachtsferien hatten wir jetzt eine Woche Sportlov, Sportferien, die viele Schweden dazu nutzen, um irgendwo auf zwei Brettern rumzurutschen. Da es hier inzwischen auch flächendeckend weiß war, sahen wir dieses Jahr keinen Grund länger wegzufahren, auch weil wir ja die ganzen Weihnachtsferien weg waren und gerne mal ein paar Tage zuhause vergammeln wollten.

Den ersten Tag der Ferien verbrachten wir jedoch in Göteborg, im Gegensatz zu Borås schneefrei. Jonas mag gutes Essen, ich mag Orte mit Aussicht. Daher hatte Jonas uns zu Weihnachten ein Mittagessen im 23. Himmel geschenkt. Das Heaven 23 liegt im obersten Stockwerk des linken der drei Gothia Towers, die zum Messe- und Kongresszentrum Göteborgs gehören.

Die drei Gothia-Towers. Das Heaven 23 liegt im obersten Stockwerk des linken der Trei Glastürme.
Die drei Gothia-Towers neben dem Vergnügungspark Liseberg.

Den Tisch hatte Jonas schon im Dezember bestellt, und bereits da war es wohl schwierig gewesen noch einen Tisch im Februar zu bekommen. Während wir mit dem gläsernen Fahrstuhl an der Außenwand des Turmes hochgebeamt wurden, war meine Sorge noch, dass wir keinen Tisch am Fenster bekommen könnten, aber in dem Bereich des Restaurants, der für die gebuchten Gäste reserviert ist, liegen alle Tische am Fenster. Und das war die Aussicht zum Drei-Gänge-Menü:

Schwedens längste Weinkarte mit österreichischen Weinen ließen wir jedoch unbeachtet, die fantastische Aussicht war berauschend genug. Das Restaurant ist außerdem berühmt für seine riesigen Krabbenbrötchen und von unserem Tisch aus konnten wir zusehen, wie diese in Fließbandmanier für die Gäste im Drop-In-Bereich zubereitet wurden.

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Wer mal in Göteborg ist und gerne den Überblick hat, kann auch einfach nur mit dem Fahrstuhl hochfahren und die Aussicht über den Vergnügungspark Liseberg genießen. Wendet man den Blick etwas nach links, so sieht man den mittleren der drei Türme mit „freischwebendem“ gläsernem Swimmingpool im 19. Stock und gläserner Sauna (schwedische Saunen sind Textilsaunen, bevor uns jemand Voyeurismus unterstellt :-)).

Im Gegensatz zur Aussicht auf den Spabereich, die gratis zu haben ist, ist der Eintritt jedoch mit rund 90 Euro pro Person an Samstagen deutlich jenseits dessen, was uns ein Schwimmbadbesuch wert ist. Stattdessen hatte Jonas für den Abend Opernkarten besorgt, ein erheblich günstigeres Vergnügen. Eigentlich eine Schande, dass wir da nach dreieinhalb Jahren in Schweden noch nie waren. Wir sahen A flowering tree von John Adams (UA 2006), nach einem indischen Märchen. Eine wunderschöne Inszenierung mit fantastischen Farb- und Lichtspielen und toller Musik:

Öland


In der Woche vor Ostern hatten wir Osterferien, und natürlich mussten wir die Gelegnheit nutzen, um unseren VW-Bus zum zweiten Mal in diesem Jahr auf einen Kurzurlaub auszuführen. Die Wahl des Reiseziels fiel auf die Insel Öland im Südwesten Schwedens, da diese für ihr mildes Klima bekannt ist. Außerdem wollten wir sowieso schon länger mal dahin, aber im Sommer ist es dort so voll von Touristen, dass wir die Reise in den großen Ferien gescheut haben. Jetzt vor Ostern waren aber nur ein paar Vogelnerds dort, die die unglaubliche Vielfalt an durchziehenden und brütenden Vögeln beobachten.

Leider hatte ich am Samstag noch ein Konzert mit der Musikschule, so dass wir erst am Samstagabend losfahren konnten. So schafften wir es zunächst nur die halbe Strecke bis Nässjö im tiefsten Småland, wo wir für die Nacht Halt machten. Als wir dann am nächsten Tag losgefahren sind, hatten wir es noch nicht einmal bis zurück auf die Hauptstraße geschafft, als sich der Keilriemen unseres treuen WoMos mit einem leisen, aber deutlich hörbaren *pang* verabschiedete…

ADAC angerufen, nach einer Stunde kam der Abschleppwagen, „Nein, ich kann da nichts machen, so einen Keilriemen habe ich nicht dabei.“ So wurden wir dann zur nächsten VW-Werkstatt geschleppt, wo natürlich niemand arbeitete, es war ja Sonntag.

 

Wir werden abgeschleppt.
Wir werden abgeschleppt.

Also haben wir notgedrungen den Tag in der Metropole Nässjö verbracht, die vor allem als Eisenbahnknotenpunkt bekannt ist und neben einem riesigen Bahnhof eigentlich gar nichts zu bieten hat. Zum Glück konnte dann aber unser sehr freundlicher und kompetenter Mechaniker den Keilriemen gleich Montag früh wechseln und schon um halb neun rollten wir weiter Richtung Öland.

Das erste Wahrzeichen von Öland sahen wir dann noch bevor wir auf der Insel waren. Die 1972 eröffnete Brücke über den Kalmarsund war immerhin einmal die längste Brücke Europas und bis heute ist sie mit gut sechs Kilometern die längste Brücke Schwedens.

Ölandsbron
Ölandsbron

Auf Öland bogen wir zunächst nach Süden ab. Dort ist vor Ostern noch mehr los als im touristischeren Norden, wo die meisten Sehenswürdigkeiten, Cafés und Geschäfte erst an Gründonnerstag oder Karfreitag aufmachen sollten. Der Süden hingegen ist vor allem für die ungewöhnliche Natur bekannt, und die interessiert sich zum Glück nur bedingt für Ferien und Feiertage, an denen sich das Geschäft lohnt.

Wichtigster Landschaftstyp auf Öland ist das sogenannte Alvar, eine karge Heidefläche, deren Untergrund aus nur wenigen Zentimetern Erde besteht, die auf hartem Kalkstein liegt. Hierher haben die Bauern früher ihr Vieh getrieben, heute fühlen sich vor allem Vögel wohl. Damit das Gebiet nicht übermäßig verbuscht, wird aber auch heute noch Vieh zum Weiden insbesondere auf Stora alvaret, die größte Alvarfläche Ölands, getrieben.

Stora Alvaret
Stora Alvaret

An Ölands südlichstem Zipfel stößt das Alvar dann auf das Meer. Hier tummeln sich Unmengen seltener Vögel, Ziel aller nach Öland pilgender Vogelnerds. Für diese und für alle Naturinteressierte hat man aus der kleinen Häuseransammlung rund um den Leuchtturm Långe Jan ein Vogelbeobachtungs- und Informationszentrum gemacht. Die gesamte Umgebung ist wunderschön und bietet nicht nur Vögel, sondern vor allem Linie viel Ruhe und eine fantastische Weitsicht in alle Richtungen.

Nicht nur an der Südspitze, überall ist das Meer gegenwärtig, wenn man auf Öland ist, denn die Insel misst an ihrer breitesten Stelle gerade einmal 16 km. Und nicht nur das Meer, sondern vor allem der unglaublich weite Himmel mit allen seinen Wolkenformationen und Farben (wenn auch das Blau dominierend war) hatte es der Fotografin an meiner Seite angetan.

Noch vor Ölandsbron und Stora alvaret ist Öland wegen seiner vielen Windmühlen bekannt, von denen es einmal an die 2.000 gab. Heute sind immerhin noch gute 400 erhalten, die sorgsam gepflegt und vor dem Verfall bewahrt werden. Wo immer man in Öland hinfährt, an ein paar Mühlen kommt man immer vorbei.

Windmühle in Mörbylånga.
Windmühle in Mörbylånga.

Ein wenig Kultur und Zivilisation stand natürlich auch auf dem Programm: Ein Bummel durch das „mondäne“ Borgholm, in dessen Nähe die königliche Familie ihren Sommerurlaub verbringt; ein Spaziergang durch Mörbylånga, wo der schwedische Maler Per Ekström gewirkt hat; ein sehr leckeres Abendessen in Sandviks kvarn, Nordeuropas größter WIndmühle; ein Besuch bei den alten Kalksteinbrüchen an der nördlichen Westküste, die eine tragende Rolle im Roman Öland von Johan Theorin spielen, den Annika während des Urlaubs gelesen hat. So richtig wohl war ihr daher beim kraxeln durch den Steinmännchenwald nicht, wer weiß, ob nicht irgendwo dort eine Leiche rumliegen würde…

Bis zur Nordspitze haben wir es dann nicht mehr geschafft, denn am Ostersonntag musste Annika im Gottesdienst Daher bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als in naher Zukunft wieder nach Öland zurückzukehren, um auch wirklich alles gesehen zu haben. Was ein schlimmes Schicksal…

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Frühlingstag in Ulricehamn


Und plötzlich war alles anders. Freitag abend war noch alles beim Alten. Und dann kam der Samstagmorgen. Als könnte ich nicht endlich mal ausschlafen, war ich um halb acht hellwach. Und was sehen meine müden Augen? Einen riesigen Feuerball! (Danke Olaf für den Link!)

Mindestens seit Weihnachten, aber eigentlich schon seit Oktober hatten wir keinen Sonnentag mehr. Wir hatten auch nur selten Schnee und wenn doch, dann war er pappig und nach drei Tagen wieder weg. Stattdessen hatten wir Regen. Viel. Regen. Und jetzt einfach so: blauer Himmel. Also nicht: „Guck mal Jonas, heute ist es draußen hellgrau statt dunkelgrau“ sondern so richtig blau. Unfassbar.

Und wie ich noch so im Schlafanzug am Fenster stand und fasziniert den blauen Himmel anstarrte, tummelte sich in unserer Eiche das Geflügel:

Wir hoffen, dass sich einer der kleinen Gesellen in unserem neuen Vogelhäuschen niederlassen möchte, mit meinem ebenfalls neuen Teleobjektiv kann man so wunderbar aus unserem Schlafzimmerfenster fotografieren…
Die drei Bilder sind aus der Hand geschossen und nochmal stark ausschnittsvergrößert, aber ich bin trotzdem ganz zufrieden mit meinen ersten Gehversuchen in Sachen Kleinvogelfotografie…

An Weiterschlafen war trotz der einigermaßen frühen Stunde nicht zu denken – wer weiß, wann das nächste Tiefdruckgebiet heranrollt. Stattdessen machten wir uns auf den Weg nach Ulricehamn, etwa eine halbe Stunde von uns entfernt. Dort gibt es ein „kallbadhus“, ein Kaltbadehaus, das wir schon länger mal ausprobieren wollten. Das ist eine Sauna, die von einem Verein in den See gebaut wurde und nach der Sauna springt man direkt in den See – auch bei Eis, denn rund um den Steg wird das Wasser durch eine Sprudelanlage eisfrei gehalten (was dieses Jahr aber nicht vonnöten war – grummel…).

Kallbadet in Ulricehamn
Links im See: Das Kallbadet in Ulricehamn

Zum Vergleich: letztes Jahr waren wir einen ganzen Monat später in Ulricehamn und da sah der See noch so aus: Klick.

Dort angekommen, wollten wir aber erstmal durch Ulricehamn bummeln. Borås meiden wir inzwischen an Samstagen, weil einer von uns immer irgendwelche Schüler samt deren Eltern trifft und wir nicht so viel Lust auf Elterngespräche in der Fußgängerzone hatten. (Hat aber nicht geklappt, Ulricehamn ist noch zu nah.)
Ulricehamn ist ein richtiges Bilderbuchstädtchen mit vielen bunten Holzhäuschen, kleinen Künstlerlädchen und Hinterhof-Second-Hand-Läden.

Ulricehamn
Ulricehamn

Und gemütlichen Cafés. Und Günthers brödstuga.
Günther ist so deutsch wie das tysk ü in seinem Namen vermuten lässt und er hat schon Silvias und Carl Gustavs als auch Victorias und Daniels Hochzeitstorte gebacken (öööh… „backt“ man Torten?) und hat – deutsche Brotjunkies aufgepasst! – eine große Auswahl an „ordentlichem“ Brot. Nicht, dass wir uns nicht längst an gesüßtes Gummibrot gewöhnt hätten, aber ab und zu darfs dann auch mal ein Roggenvollkornbrot für den Feinschmecker sein. Oder auch eine rosa Marzipantorte zum Weltfrauentag…

Auf der Suche nach einem Lunch stießen wir auf die Pizzeria Jamaica, die heute Schnitzel med Pommes och stor stark öl  im Angebot hatte. Wir entschieden uns dann doch für den Torgstallet, ein sehr gemütliches Café mit schwedischer Hausmannskost.

Nach einem deftigen Lunch stellten wir fest, dass uns bei Sonnenschein und zweistelligen Plusgraden der Sinn so gar nicht mehr nach Sauna stand. Stattdessen juckelten wir von der Sonne beseelt die Uferstraße entlang, einmal um den halben See herum zu einem Aussichtspunkt, wo wir stilecht mit Wollmütze und Winterjacke die Eis-am-Stil-Saison eröffneten.

Der Schwede an sich begrüßt den Frühling jedoch mit einem anderen Ritual, das uns auf der Rückfahrt auffiel: in nahezu jedem Garten brannte ein Feuer. Also nicht so ein bisschen Lagerfeuer oder zum Grillen, neenee – da werden ganze Bäume, Gartenmöbel, alte Reifen und was sich sonst noch so das Jahr über angesammelt hat, auf einen Haufen geworfen, ein bisschen Benzin dran gekippt und schon hat man das Osterfeuer Marke Eigenbau. Und aus jedem Garten steigt eine im besten Falle weiße, ansonsten auch eine gelbe, braune oder schwarze Rauchsäule auf.

När det lider mot jul


När det lider mot jul – wenn man sich auf Weihnachten zuquält – ist eines der beliebtsten Adventslieder in Schweden. Der Titel beschreibt ziemlich gut meinen aktuellen Gemütszustand: Seit den Herbstferien hieß es: raus mit den Weihnachtsliedern und mit den Kindern üben, üben, üben, denn das erste große Weihnachtskonzert stand schon am 23. November an.

Neben sechs großen Weihnachtskonzerten mit Musikschule, Kulturschule und Chören stehen noch diverse andere Auftritte in unserem Kalender: eine Feier zum ersten Advent, zwei Luciafeiern, drei Schulabschlussfeiern, die musikalische Umrahmung eines Weihnachtsmarktes, das erste Anknipsen der Lichterkette an Fristads Weihnachtsbaum, die Weihnachtsshow eines Boråser Eiskunstlaufvereins und außerdem fünf Gigs mit Borås Vokalensemble im First Grand Hotel für die Gäste des julbords (ein großes Weihnachtsbuffet, zu dem viele Firmen ihre Angestellten einladen).

Irgendwas habe ich bestimmt noch vergessen, aber auf jeden Fall bleibt da wenig Zeit für Ruhe und Besinnung. Manchmal haben die vielen Aktivitäten haben aber auch ihre Vorteile. So konnten wir beispielsweise bei dem Weihnachtsmarktgig kostenlos einen Weihnachtsbaum abstauben, weil der Baumhändler seine letzten Tannen und Fichten loswerden werden wollte, anstatt sie wieder mit nach Hause nehmen.

Obwohl ich Jingle Bells schon lange nicht mehr hören kann und mir Nu tändas tusen juleljus mittlerweile ziemlich auf den Wecker geht, kommt mit WeihnachtsAdventsbaum und neuem Ljusstake, den ich spontan gekauft habe, als ein Schüler nicht kam und ich eine ungeplante Pause hatte, trotzdem ein wenig Weihnachtsvorfreude auf.

Dementsprechend gilt für uns natürlich auch der eigentliche Sinn des Liedes När det lider mot jul: Att lida heißt nämlich nicht nur leiden, in diesem Fall bedeutet es ungefähr verfließen von Zeit. Die Übersetzung muss daher eher Wenn es auf Weihnachten zugeht lauten. Es handelt ja auch nicht von gestressten Musiklehrern, sondern von der sich langsam aufbauenden Vorfreude, wenn die Nächte lang und kalt sind, der erste Schnee fällt und die Sterne besonders hell leuchten. Zum Glück ist das Lied etwas zu schwer für meine Kontrabassschüler und daher höre ich es immer noch gerne:

Ofenfrisch


Am Freitag war kanelbullens dag, der Tag der Zimtschnecke. Damit hat dieser Artikel aber überhaupt nichts zu tun. Trotzdem habe ich gestern kanelbullar gebacken, aber nur, weil ich im Internet durch Zufall ein unheimlich appetitliches Bild von Schweizer Wecken gesehen hatte. Ich backe eigentlich nicht so sehr gerne und die riesigen Mengen Gebäck müssen dann ja auch noch verputzt werden, aber manchmal packt es mich dann doch.

Kurzentschlossen flog dieses Mal also ein Würfel Hefe in den Einkaufswagen und zu Hause habe ich dann überlegt, was ich damit machen könnte. Die kanelbullar-Flut der letzten Tage in Radio, Zeitung, Werbung und bei den Blogkollegen scheint dann doch auch bei mir gewirkt zu haben, denn gute eineinhalb Stunden später holte ich die ersten Hefeschnecken mit Zimtfüllung aus dem Ofen.

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Ein paar kanelbullar sind schon in unseren Bäuchen verschwunden, zwei sind zum Nachmittagstee fällig und der Rest wartet jetzt in der Truhe auf seinen Auf (und Ab-)tritt.

oh, oh-oh, oh-oh-oh


Gerade sind wir aus Helsingborg zurück gekommen. Annika war auf einer Klavierlehrerkonferenz und da im Wohnmobil noch ein Gratis-Bett frei war, bin ich kurzerhand mitgefahren.

Der Campingplatz von Helsingborg liegt nur wenige Kilometer südlich des Stadtzentrums in der Nähe des Fischerdorfes Råå (sprich Roh) – mit zwei å. Das ist selten. Ich kenne sowieso nur ein einziges Wort im schwedischen, dass einen Doppelvokal enthält, nämlich friidrott (Leichtathletik, von fri=frei und idrott=Sport). Vielleicht gibt es auch noch andere zusammengesetzte Wörter, bei denen Vokal auf Vokal trifft, aber innerhalb eines eigenständigen Wortes kennt das Schwedische eigentlich keine Vokalverdopplung. Außerdem stand å ursprünglich für aa, als es diese Buchstabenkombination noch gab – der Kreis über dem a deutet ein weiteres a an. Damit würde aus Råå Raaaa

In Råå mündet ein Fluss in den Öresund, der Råå-Fluss. Fluss heißt auf Schwedisch å und dieser Fluss somit Rååån (sprich Roh-ohn – das n am Schluss kennzeichnet den bestimmten Artikel, der darf bei keinem schwedischen Flussnamen fehlen).

Früher gab es auch reichlich Aal im Rååån – oder besser: ål. Also: råååål (Roh-oh-ohl); das einzige Wort der schwedischen Sprache mit gleich vier å am Stück! Oder doch gleich raaaaaaaal?

Der Rååån in Råå in dem ich leider keinen råååål entdeckt habe
Der Rååå in Råå in dem ich leider keinen råååål entdeckt habe – wie auch, bei so vielen Schiffen?

Leider fand Språkrådet, so etwas wie der schwedische Duden, diese Schreibweise zu kompliziert und verkürzte den Flussnamen offiziell zu Råån und den Aal damit zum rååål. Warum man dieser Vereinfachung aber nicht folgen sollte, kann man hier nachlesen.