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Landesteile, Läns und Landschaften


So wie manche Menschen sich stundenlang Bildbände mit italienischen Malern anschauen oder sich in einen Krimi vertiefen können, so kann ich mir Landkarten angucken. Ich finde es spannend, Städte, Flussläufe und Gebirge auf topografischen Karten zu entdecken und mir fiktive Wanderrouten zurechtzulegen, aus thematischen Karten Bevölkerungsdichte und Bodenschätze herauszulesen oder anhand historischer Karten Veränderungen von Landesgrenzen und Küstenlinien nachzuvollziehen. Deshalb habe ich seit gestern eine neue Lieblingswebsite: Sveriges Nationalatlas. Dort gibt es gut 4800 verschiedene thematische Karten von ganz Schweden sowie einzelnen Regionen. Natürlich finden sich hier Klassiker wie Wahlergebnisse nach Regionen oder Arbeitslosigkeitsverteilung, aber auch die Dichte von Amateurorchestern oder die Verteilung finnischer Touristen im Jahr 1990 kann man sich hier anzeigen lassen.

Nutzen wir also die Gelegenheit, um uns Schweden mal etwas genauer anzuschauen: Von der Südspitze Schwedens, Smygehuk, bis zum nördlichsten Punkt, dem Dreiländereck Schweden/Norwegen/Finnland (Treriksröset)  sind es rund 1570 km. Damit würde Schweden, klappte man es an der Südspitze um, nicht wie häufig kolportiert, bis Sizilien reichen, sondern nur bis knapp hinter Rom. (Dieser Irrtum resultiert aus der Mercatorprojektion, auf die viele von uns während langweiliger Erkundestunden gestarrt haben und die die Flächen zu den Polen hin vergrößert. Aber genug kluggesch…).

Wenn man Schweden ganz grob unterteilen möchte, so gibt es drei Landesteile (landsdelar): Norrland, Svealand und Götaland. Diese Unterteilung hat keinerlei politische Bedeutung, auffällig ist jedoch, dass weit mehr als die Hälfte der Fläche Schwedens Norrland zugerechnet wird. Gleichzeitig wohnt hier nur rund ein neuntel aller Schweden. Damit hat Norrland eine Bevölkerungsdichte von rund 4,5 Einwohnern pro km². Das ist jedoch nur ein Durchschnittswert, denn natürlich konzentriert sich die Bevölkerung an der Küste und den wenigen größeren Städten. Je weiter man nach Süden und/oder an die Küsten kommt, desto dichter besiedelt ist Schweden; allerdings ist es mit einer Einwohnerdichte von ca 21 Einw./km² auf ganz Schweden gerechnet immer noch ein relativ leeres Land (vgl. Deutschland: 229/km²).

Die nächstkleinere Gliederungsebene Schwedens sind die Läns, ein Begriff der mit dem deutschen Wort Lehen verwandt ist. Die 21 Läns sind politisch relevant und ansatzweise vergleichbar mit den deutschen Bundesländern.

Nicht zu verwechseln mit den Läns sind die Landschaften (landskap), die zwar keine politische Relevanz (mehr) haben, die einem aber häufig im Alltag begegnen. Vielleicht hat sich ja beim Betrachten der zweiten Karte schon der eine oder andere gefragt, wo denn die bei vielen Deutschen so bekannten und beliebten Regionen wie Småland, Bohuslän, Dalsland oder Lappland liegen.

Die heutigen Läns sind in Namen und Grenzen den 25 historischen Provinzen zwar nicht unähnlich, aber etwas prosaischer, zumindest was die Namen angeht. Kein Kleines Land mehr (Småland), kein Land der Täler (Dalsland) und kein Land der Lappen (die korrekterweise Sami heißen). Stattdessen flächendeckender Nordboden (Norrbotten). Südlich davon liegt der Westboden Västerbotten, dessen östlicher Bruder Österbotten in seiner historischen Ausdehnung große Teile des heutigen Finnlands umfasste. Die heutige Verwaltungseinheit in Finnland (ja, wirklich: lääni) gleichen Namens ist weitaus kleiner. Aber ich schweife ab. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass jede Landskap jeweils ein eigenes Landschaftstier, einen Landschaftsfisch (jaja, die Schweden sind ein Volk von Anglern), einen Landschaftsvogel und eine Landschaftspflanze hat. Außerdem ein Landschaftsgericht, -insekt, – moos, -pilz, -sternbild, -gestein, -chemisches Element und einen Landschaftsapfel.

In unserem Fall Västergötland wären dies:

Landschaftstier: Kranich
Landschaftsfisch: Quappe (hat nichts mit Fröschen zu tun)
Landschaftsvogel: Kranich (sehr ökonomisch: Tier = Vogel)
Landschaftspflanze: Besenheide
Landschaftsgericht: Schweinefilet mit Pfifferling- und Kohlrabisauce (alternativ auch: Grynkorv, eine Art Kartoffelwurst oder Elchfilet mit Zimt und schwarzer Johannisbeersauce)
Landschaftsinsekt: Lungenenzian-Ameisenbläuling
Landschaftsmoos: Abietinella abietina (übrigens auch Moos des Jahres 2011! oha…)
Landschaftspilz: Granatroter Saftling
Landschaftssternbild: Schlangenträger
Landschaftsgestein: Plateaudiabas (den gibt’s übrigens auch bei Jonas im Sauerland)
Landschaftselement: Uran
Landschaftsapfel: Kavlås (benannt nach dem Herrenhaus Kavlås).

(Quelle: Wikipedia… was auch sonst)

Puh…! Was das alles miteinander zu tun hat? Keine Ahnung. Aber vielleicht weiß es ja eine/r unserer Leser(innen)… Wir können ja ein Preisausschreiben daraus machen: Wer aus dieser Liste eine spannende oder lustige Geschichte bastelt und sie uns schickt, dessen Œuvre wird hier veröffentlicht. Wir sind gespannt! (Einsendeschluss ist, wenn unser Countdown auf Null steht.)

Mammas Mat


Beharrlich hält sich unter vielen Deutschen das Gerücht, man könne in Schweden nicht gut essen gehen. Entweder viiiiel zu teuer oder aber nur Billig-Pizza, Hotdog oder Burger. Diese Behauptung möchten wir heute widerlegen. Man muss nur seine deutschen Ausgeh-Gewohnheiten etwas anpassen. Ja, ein À la Carte-Menü am Abend reißt tatsächlich ein Loch in den Geldbeutel. (Wenn man kein Convenience-Food haben will, tut es das in Deutschland aber auch.) Wenn man jedoch zur Mittagszeit mit einer kleinen, aber oftmals feinen Auswahl an Gerichten Vorlieb nimmt, und sich nicht zu schade dafür ist, sein Essen selbst vom Buffet zu holen, kann man oftmals sogar günstiger und besser wegkommen als in Deutschland. Dagens Lunch bieten die meisten Restaurants für Preise zwischen sechs und zwölf Euro an. Wasser, Kaffee und Gebäck zum Nachtisch sind dann auch schon inklusive.

Mammas Mat

Sicherlich nicht verallgemeinerbar, weil nämlich herausragend lecker – und Anlass für diesen Artikel – ist Mammas Mat in der Nähe von Mellerud. Von unserem zukünftigen Zuhause etwa anderthalb Autostunden entfernt, bietet Agneta zwei- bis dreimal die Woche hemlagat mat med kärlek och omsorg (Hausgemachtes mit Liebe und Fürsorge). Für gerade einmal 100 Kronen (ca. 11 Euro) bekommt man ein reichhaltiges Buffet mit Suppe, mehreren Hauptgerichten, exquisiten Saucen und Nachtisch zum Sich-Reinlegen. Als wir dort waren, gab es z.B. Lachs-Lauch-Suppe, Schweineragout, Brokkoligratin, diverse Salate, Chutney, „irgendwas Leckeres aus sauren Gurken“ und als Krönung die unanständigste Erdbeer-Sahne-Biskuittorte der Welt. Es gibt keine feste Karte und es jeden Tag etwas Anderes.

Mammas Haus

Doch nicht nur das Essen ist einmalig, auch die „Location“ lässt keine Wünsche mehr offen. Stilecht speist man entweder im kleinen Bauernhaus – eingerichtet mit einem Sammelsurium an antiken Möbeln und Geschirr – oder im Vorgarten auf der Wiese. Gerade wird auch noch ein Wintergarten angebaut, um auch bei Kälte sonnig sitzen zu können.

Mammas Mat ist tatsächlich so hausgemacht, dass es nicht im Internet zu finden ist. Das Restaurant gehört zwar der Vereinigung Dalslandsmat an, ein Zusammenschluss von Produzenten und Restaurants, die lokale Spezialitäten anbieten, aber deren Homepage scheint zuletzt 2006 aktualisiert worden zu sein. Mammas Mat gibt es jedoch erst seit zwei Jahren.

Mammas Erdbeertorte

Wir finden aber, Agneta hat ein wenig mehr Werbung verdient, daher hier die Adresse: Tillhagen 6, Mellerud. Wir mussten auch ziemlich lange danach suchen, weil unser Navi die Adresse nicht kannte. Gelohnt hat es sich aber unbedingt. Google Earth ist glücklicherweise schlauer und kennt die Adresse.

Wir sind schon auf das nächste Mal gespannt, es gibt dort nämlich auch julbord

Noch 99 Tage…


Seit Tagen (Wochen) habe ich mich darauf gefreut, ja, regelrecht darauf hingefiebert, den „Kistenpacken-minus-100-Tage-Artikel“ zu schreiben. Der wäre am gestrigen Karfreitag fällig gewesen. Durch netten Familienbesuch hatten wir aber tatsächlich gestern Besseres zu tun als hier zu posten und ärgerten uns stattdessen, dass wir bei sommerlichen 27° C (hallo?! Am 22. April?!) am vollen Baggersee keine Badesachen dabei hatten. Wird Zeit, dass wir nach Schweden kommen – wenn ich dran denke, dass wir (immer)noch 99 Tage lang dieses schwülwarme und stickige Karlsruher Klima ertragen müssen, nehme ich gerne in Kauf, dass wir uns nächstes Jahr um diese Zeit gerade erst darüber freuen werden, dass die Schneedecke langsam abtaut und die Flüsse nicht mehr begehbar sind (zumindest wenn es mit Piteå klappt).

Wir versüßen uns das Warten

Meine Runde durch die Blogs von Gleichgesinnten hat uns heute dazu inspiriert, dammsugare (Staubsauger) zu „backen“. Das Rezept dazu kam von Lussekatts Blogg. Backen ist allerdings das falsche Wort, da das wichtigste Utensil während der Zubereitung der Kühlschrank bzw. das Eisfach ist, weil sonst grün gefärbte Marzipanmasse und unappetitlich-appetitlich braune Schoko-Keks-Pampe schwer zu verarbeiten sind. Nichtsdestotrotz hatten wir unglaublich viel Spaß bei der Sache… :-)

Hier ein paar Impressionen:

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Da wir schon während der ganzen Aktion immer wieder genascht haben unsere Finger von Marzipan und Schokopampe befreit haben, war uns am Schluss leider nicht mehr danach, auch nur eines der appetitlichen Dinger am Stück zu essen. Aber morgen dann, am Ostersonntag…

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Nachtrag:

Der Ostersonntagsfrühstückstest: lecker!