Archiv der Kategorie: Resor

Reisekatze


Früher hieß „Auslaufen aus dem Göteborger Hafen“ immer: Der Urlaub ist zu Ende…

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Nu isser wech…


Campingplatz in Hjo

Fast ein halbes Jahr lang hatten wir die Annonce im größten schwedischen Kleinanzeigenmarkt Blocket drin und in Deutschland bei Mobile.de und heute Abend ist er das letzte Mal vom Hof gerollt. Jetzt fühlt es sich an, als ob er in die richtigen Hände gekommen ist, ein alleinerziehender Vater, der bei einem großen schwedischen Autohersteller arbeitet.

Wenn ich eines niemals im Leben werden möchte, dann Gebrauchtwagenverkäufer. Für uns war es das erste Mal, dass wir ein Auto privat verkauft haben, ja, eigentlich das erste Mal überhaupt, dass wir was bei Blocket verkauft haben. Wir hatten die Hoffnung ja schon fast aufgegeben, dass sich noch ein Käufer finden würde, der das Auto und dessen Wert zu schätzen weiß und uns selbst eine Frist bis Anfang Oktober gegeben, wo wir das Auto beim Wohnmobilhändler Borås in Kommission gegeben hätten, natürlich weit unter dem Preis, den wir eigentlich dafür haben wollten.

Unglaublich, was wir in der Zeit für Leute kennengelernt haben… Anfangs waren wir noch sehr enthusiastisch und haben uns für jeden Interessenten fast zwei Stunden Zeit genommen, um das Wohnmobil in all seinen Details zu präsentieren, hatten alle Unterlagen parat, haben eine lange Probefahrt unternommen… Mit der Zeit wurden wir dann etwas weniger kundenorientiert, als wir langsam einsahen, dass eine Wohnmobilbesichtigung für viele eine ganz normale Wochenendbeschäftigung zu sein scheint, ohne auch nur im Entferntesten eine Kaufabsicht zu haben. Wenn man sich über eine Stunde lang den Mund fusselig geredet hat und am Ende sagt der Interessent „ja, ist ja ganz nett, aber eigentlich suchen wir ja was mit fest eingebautem Längsbett, Alkoven, nicht älter als drei Jahre und bitte für die Hälfte des Preises“, dann fragt man sich schon, warum man man eigentlich eine Annonce mit 6 Bildern und langer Ausrüstungsliste für einen 22 Jahre alten VW-Bus Carthago geschaltet hat. Und warum man sich von solchen Idioten Touristen den halben Sonntag kaputtmachen lässt.

Zeiten… auch so ein Thema. Es gibt Leute, die Mitte der Woche anrufen, sich erkundigen und dann einen Besichtigungstermin fürs Wochenende ausmachen. Dann fragt man Freitagabend nochmal nach ob es bei der Zeit am Samstagvormittag bleibt, Antwort: jein, man würde lieber am Nachmittag kommen. Na gut, plant man halt seinen Tag etwas um, steht am Nachmittag bereit. Eine halbe Stunde nach vereinbarter Uhrzeit: keiner kommt. Anruf: „ja, wir sind schon fast unterwegs, es wird ein bisschen später“. Hmpf. Nagut, also weiter warten, man möchte das Auto ja gerne verkaufen. Ein Stunde später immer noch nix, erneuter Anruf. Keiner geht ran. SMS. Keine Antwort. Eine halbe Stunde später: Erneuter Anruf. Antwort: „Ja, nee, wir habens uns jetzt doch anders überlegt und sind stattdessen nach Ullared gefahren.“ Achso, ja danke auch, und wann wolltet ihr uns das mitteilen? Das denkt man natürlich nur, man pöbelt ja nicht wildfremde Leute an, Karma und so. Aber der Samstag ist dann trotzdem irgendwie am Arsch gelaufen.

Leider mussten wir diese Erfahrung häufiger machen, manche Leute sind da echt völlig schmerzbefreit, was das Verschwenden anderer Leute Wochenende angeht. Aus der Annonce und den Bildern ging natürlich sehr klar hervor, dass wir das Auto privat verkaufen.

Eine dritte Sorte Interessent haben wir zum Glück immer direkt per Mail abwimmeln können: unseriöse Idioten Leute, die uns ein „schnelles Geschäft“ anbieten und dann einen Preis nennen, der nicht mal die Hälfte unseres erhofften Zielpreises betrug. Auf schwedisch gibt es dafür das schöne Wort skambud, Schamgebot. Und natürlich Leute, die uns anbieten, dass sie das Auto kostenlos bei uns abholen und dann in Stockholm verkaufen. Das Geld würden wir dann kriegen, sobald das Auto verkauft sei. Ja, nee, is klar ne?!

Nun gut, Ende gut, alles gut. Schließlich kam dann doch der richtige Interessent und wir wurden uns auch recht schnell über einen Preis einig, mit dem wir gut leben können. Und jetzt? Machen wir nur noch Flugreisen nach Mallorca statt Womo-Urlaub?

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Kaum. Im Gegenteil. Die Jungfernreise mit unserem Neuen im Sommer ging nach Norwegen. Mit uns war auch… nein, leider nicht Tschaikowski. Das war eine andere Geschichte, die so traurig war, dass ich sie nicht hier im Blog erzählen will. Aber frei nach Loriot: Ein Leben ohne Katze ist ist möglich, aber sinnlos lebt seit Mai Pulcinella bei und mit uns. Eine vornehme kleine Dame mit starkem eigenem Willen, die sich sehr schnell im Wohnmobil heimisch gefühlt hat.

 

Winter? Frühling? Sommer!


Vor zwei Wochen hat es das letzte Mal geschneit, gestern hatten wir bei unserem jährlichem Musikschul-Großkampftag „Musikens Dag“ – Tag der Musik mit 6 Stunden Non-stop Konzert auf der Freilichtbühne – um die 28°C und wir mussten zusehen, dass uns die kleinen Bläser nicht reihenweise in der prallen Mittagssonne umkippten. Als wir abends abbauten, war das E-piano auf der Bühne gelb von Blütenstaub. Und heute entdecken wir, dass der Steg an unserem Hausbadeplatz wieder draußen ist, damit ist jetzt offiziell Sommer!

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Gebadet habe ich noch nicht, dafür war einfach noch keine Zeit. Entweder ist Tag der offenen Tür in der Musikschule oder Jugendmusikfestival in Västerås oder Nationalfeiertag in Norwegen oder Projektwoche oder Konzert hier oder Pipapo dort…

Das Wetter spielt dieses Jahr echt verrückt, erst diese Woche sind die Bäume wirklich grün geworden, sonst passiert das immer um den 1. Mai herum…

Kleine Anekdote am Rande: Erstmalig haben wir dieses Jahr zu unserem jährlichen Engagement zum norwegischen Nationalfeiertag am 17. Mai nicht nur unser Jugendorchester (ab 7. Klasse) mitgenommen, sondern auch noch unser Juniororchester (4.-6. Klasse) mit schwarzer Uniform, grüner Baskenmütze und weißen Handschuhen ausgestattet und nach Norwegen mitgenommen. Für die Kleinen war es das erste Mal, sowohl in Uniform, als auch marschierend aufzutreten. Auf die Packliste hatten wir daher zusätzlich noch geschrieben, dass es sich empfiehlt, unter der Uniform – je nach Wetterlage – lange Funktionsskiunterwäsche zu tragen, weil Marschieren und Musizieren einerseits eine schweißtreibende Sache sein kann und man andererseits beim Absingen der Hymne und Redengeschwinge und Fahnengedöns schon mal eine Weile regungslos in eiskaltem norwegischem Wind rumstehen muss. Und ne dicke Jacke unter der steifen Uniformjacke, das geht auch nicht.. Hat in Norwegen auch alles wunderbar funktioniert, 12-15°C, bewölkt, etwas Wind, da war die leichte Skiunterwäsche unter der Uniform perfekt.

Nun war gestern also unser „Tag der Musik“ und wieder großes Marschorchester und Tamtam und Trara, aber diesmal morgens um 8 schon an die 20°C. Große Parade um 10 Uhr, ca. 15 Minuten Marsch auf Asphalt in der prallen Sonne, anschließend den ganzen Tag Programm auf der Freilichtbühne im Park, kaum Schatten. Und tatsächlich kam eines der Kinder aus dem Juniororchester mit kompletter langer Skiunterwäsche unter der Uniform…

Kann schonmal passieren im schwedischen Winterfrühlingssommer, dass man den Wechsel der Jahreszeiten einfach so… pardon… verschwitzt.

PS: Auf der Facebookseite meiner Musikschule gibt es ein paar Bilder und ein Video aus Norwegen: Klick.

Weltcup im Winterschwimmen, Teil 2


Olaf, unser Gastgeber hier in Skelleftehamn war als offizieller Veranstaltungsfotograf des Winterschwimmweltcups am Samstag morgen schon recht früh gefahren, um die Morgenstimmung vor dem Event einzufangen.

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Die Ruhe vor dem Wettkampf… Bild: Olaf Schneider

Jonas, Annika und ich (bevor Nachfragen kommen: ja, wir sind hier gerade zwei Annikas) kamen etwas später nach, denn meine Startzeit war erst auf 11:30 angesetzt. Für mich war es das erste Mal, dass ich bei einem so großen Sportevent dabei war und einfach alles war neu und aufregend.

Die Umkleideräume waren im Rathaus, ungefähr 150 m vom Eisbecken entfernt, was eine gewisse logistische Herausforderung darstellte, denn irgendwie muss man ja in Schwimmkleidung von der Umkleide zum Becken und zurück kommen – bei zweistelligen Minusgraden. Und das möglichst, ohne bereits auf dem Hinweg zu Eiszapfen zu gefrieren. Ich wählte daher eine stylische Kombi aus Bademantel, Annikas Daunenjacke, Handtuch um die Hüften und Gummilatschen. Die Kopfbedeckung war natürlich essentiell – erstens verlangen die Wettkampfregeln beim Winterschwimmen eine Kopfbedeckung und zweitens fand zeitgleich auch der Wettbewerb um den lustigsten Hut statt. Mit lustigem Hut zu schwimmen war erlaubt, aber nicht vorgeschrieben.

Oben im Rathaus wurde man aufgerufen, wenn man sich zum Becken begeben sollte, um die Wartezeit in der Kälte zu begrenzen. Trotzdem stand ich noch drei oder vier Minuten am Beckenrand, bevor es endlich losging. Gestartet wurde flussaufwärts und man tut gut daran, beim ersten Kommando so schnell wie möglich ins Wasser zu steigen, damit man den ersten Kälteschock schon weggeatmet hat, bevor man losschwimmt. Erfahrenere Schwimmer als ich schwimmen auch direkt beim Startsignal los und gucken nicht erstmal in der Gegend rum, was denn da so trötet… Die ersten 20m liefen ganz gut, dann wurden mir die Arme lahm, und die letzten Meter vor der Wende musste ich richtig kämpfen. Auf Brustschwimmen umzusteigen, um die Atmung in den Griff zu kriegen, war übrigens in dem Moment eine ganz dumme Idee, denn bei der recht starken Strömung war ich im Brustschwimmen exakt so schnell, dass ich nicht zurück getrieben wurde, aber auch keinen Zentimeter vorwärts kam. Irgendwie kam ich aber doch ans andere Ende und nach der Wende war der Rest – dank Strömung – fast kein Problem mehr. Allerdings tat mir das Gesicht vom kalten Wasser so weh, dass ich kurzzeitig auf Rückenschwimmen umsteigen musste. Aber deshalb hieß das ganze ja auch Freistil ;-). Nur auf Schmetterling habe ich verzichtet, das mache ich dann nächstes Mal…

Als ich aus dem Becken stieg, erwartete mich ein Helfer mit Handtuch, der mir auch beim Anziehen half, denn Hände und Füße waren so taub, dass ich dazu kaum selbst imstande war. Das war auch der große Unterschied zu meiner Vorbereitung, da bin ich immer hinterher gleich in die Sauna gegangen. Allerdings: kalt war mir gestern nicht. Die Sonne schien und es war windstill und man ist so voller Endorphine, dass ich es auf dem Rückweg zum Stadthaus deutlich weniger eilig hatte als auf dem Hinweg.

Aber ich war doch sehr froh, meinen Coach Annika hinterher bei mir zu haben, die mir in der Umkleide assistierte und warmen Tee in mich reinschüttete, denn es brauchte eine ganze Weile, bis ich meine Gliedmaßen wieder spürte. Aber wenn man dann erstmal wieder angezogen ist, dann findet man alles nur noch toll.

Annika und ich waren dann rechtzeitig zum Staffelwettbewerb wieder am Becken. Stimmungstechnisch war das der Höhepunkt des Tages, weil die Teams sich sehr viel Mühe mit ihren Hüten gegeben hatten und viele Teams mit eigenem Fanclub angereist waren, die den Schwimmern ordentlich einheizten.

Das konnte dann auch der wegen der starken Strömung von 200m auf 100m verkürzte Langstreckenwettbewerb und der geglückte Weltrekordversuch über 200m Rücken im Eiswasser kaum noch toppen.

Sportlich gesehen habe ich meine Ziele „durchhalten“ und „nicht Letzte werden“ erreicht und war (und bin) mit meiner Platzierung voll zufrieden. In meiner kleinen Hobbysportlerwelt wusste ich anfangs noch nicht, dass die Medaillen nach Altersklassen vergeben werden und da meine Altersklasse recht sparsam besetzt war, ging ich am Ende des Tages sogar noch – absolut unerwartet – mit einer Bronzemedaille nach Hause.

Aber viel wichtiger war ohnehin die grandiose Stimmung bei diesem vergleichsweise kleinen Wettbewerb, bei dem die meisten Teilnehmer – so wie ich – nicht wegen Zeiten und Platzierungen teilnahmen, sondern aus Spaß an der Freude und am Winterbaden. Nächstes Jahr gerne wieder, vielleicht mit Annika im Staffelwettbewerb? Wir suchen noch zwei weitere Annikas für unser Team…

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Mehr Bilder und Eindrücke:
– wie immer fantastische Bilder auf Olafs Blog: Winter Swimming World Cup
– der anderen Annika ihr seine Eindrücke: Winterschwimmen 2017
– ein Videoklipp der Lokalzeitung Norran: Vintersim: Kolla in höjdpunkterna från folkfesten i Skellefteå;
– erwähnenswert auch das Video, in dem ein französischer Fernsehreporter beinahe während des Weltrekordversuchs ins Wasser plumpst

Und zu guter Letzt noch ein Video eines Teilnehmers, das gegen Ende ganz schön zeigt, wie manche im 50m-Wettbewerb (so wie ich) mit der Gegenströmung zu kämpfen hatten:

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Nachtrag: Das Computersystem hat nachträglich nochmal die Ergebnisse korrigiert und mich sogar noch auf einen zweiten Platz (von zwei, höhö…) in meiner Altersklasse upgegradet.

Weltcup im Winterschwimmen 2017, Skellefteå


Den ganzen Tag draußen bei -12 bis -15°C und +0,4°C im Wasser und strahlender Sonne… Ich bin platt. Daher nur ein paar Bilder, morgen oder irgendwann wenn schlechtes Wetter ist, kommen mehr.

Das 25m-Becken im Skellefteälven: gestartet wurde in den Disziplinen 25m Brust (flussabwärts), 50m Freistil und 200m Freistil (Start jeweils flussaufwärts) und 4×25 Staffel. Rettungstaucher und medizinisches Personal sitzen am Beckenrand.

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Volle Konzentration unmittelbar vor dem Start (zwei Disziplinen: 50m Freistil und „Wer hat den lustigsten Hut?“)imgp2651

Bei der Wende nach 25 m:imgp2696

Und hinterher, wieder warm eingepackt, mit meinem Coach Annika beim Aufwärmen:

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Winterurlaub


Dieses Jahr haben wir beschlossen, unsere Winterferien um drei Tage zu verlängern und so haben wir uns am Mittwoch 12 Stunden in den Zug gesetzt und sind gen Norden gerollt.

dsc_0334.jpgErstes Ziel war Annika in Umeå, die wir bereits im letzten Sommer getroffen haben. Nach einem entspannten Tag mit ausschlafen, Stadtbummel und einem Besuch in der Norrlandsoperan – Sinfoniekonzert mit einer Uraufführung mit dem Orchester der Norrlandsoper – sind wir dann heute zusammen mit Annika im Bus weiter nach Skelleftehamn zu Olaf gefahren, wo wir jetzt eine knappe Woche bleiben werden.

In Umeå verpassen wir dieses Wochenende ein Eisskulpturenfestival, aber der typische norrländische Kinderspielplatz ist auch schon beinahe eine Eisskulptur:

imgp2402(man beachte die roten stjärtlappar – „Hinternlappen“ –zum Ausleihen an der Tunnelrutsche ganz rechts!)

Anlass unserer Reise in den Norden ist die Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen… ach, was sag ich, die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen! Oder besser noch: einem Weltcupwettkampf im Winterschwimmen. Für mich das erste Mal und wahrscheinlich die einzige Chance, jemals in irgendeiner Sportart an einem Weltcup teilzunehmen.

Ach, was bin ich aufgeregt auf meinem Zugsitz gehopst, als ich das Zugmagazin der schwedischen Bahn durchblätterte und das hier entdeckte: („Sverigepremiär“ ist natürlich Blödsinn, die Veranstaltung gibt es bereits seit 2012. )

img_20170208_153313.jpgFür die Meisterschaft wurde in den zugefrorenen Skellefteälven ein Becken mit vier Bahnen von 25 m gesägt.

imgp2413Heute Abend war bei mollig warmen -8°C die Einweihungszeremonie und ein Schwimmer aus Lettland durchschwamm die 25 mit der Strömung in nur wenigen Sekunden.

imgp2420Anschließend folgte eine Flaggenparade mit den Flaggen aller 21 teilnehmenden Nationen vom Fluss zum Marktplatz, wo die Organisatoren eine Filmleinwand aus Schnee aufgetürmt hatte.

imgp2437 imgp2443Gezeigt wurden zwei Filme, einer davon von und mit unserem Gastgeber Olaf. Über den Dreh hat Olaf auf seinem Blog im November berichtet: Kayak – is it a boat or a sledge?

imgp2457-1Olaf ist auch der offizielle Fotograf der ganzen Veranstaltung, die nächsten Tage werden sicher auf seinem Blog neue Bilder auftauchen. Hier unser Gastgeber in klassischer Pose bei der Einweihung:imgp2453Für heute Nacht sind -18°C vorausgesagt, was heißt, dass die Organisatoren morgen früh wohl erst mal wieder das Becken freisägen müssen. Wenn ich um 11:30 an den Start gehe, erwarten mich aber laut der Glaskugel des schwedischen Wetterdienstes -10°C und Sonne. Ich schwimme übrigens 50m Freistil, erst 25m flussaufwärts und dann mit der Strömung zurück, Neoprenanzug ist natürlich nicht erlaubt, nur Schwimmbekleidung, Badekappe und Schwimmbrille sind erlaubt. Wie schon im Sommer, als ich bei Borås Open Water 1000m geschwommen bin, sind meine sportlichen Ziele: a) durchhalten und b) wenn möglich, nicht letzte werden.

Wer mehr lesen möchte:

International Winter Swimming Association: Skellefteå awaits
Dark and cold – der Verein der fröhlichen Freunde von Dunkelheit und Kälte, der den Wettkampf initiiert hat
Bilder und Berichte von früheren Meisterschaften auf Olafs Blog: 2012 (bei -30°C!), 2013 („nur“ -14°C), 2014 (viel zu warm).
Startlisten und Liveergebnisse 2017.

Sommerloch.


Wie immer, wenn es hier im Blog stiller wird, liegt das entweder daran, dass in unserem Leben sehr viel oder sehr wenig passiert. Die letzten Schulwochen Anfang, Mitte Juni waren sehr intensiv, wie jedes Jahr. Dieses Jahr stand keine Orchesterreise auf dem Programm, stattdessen bekamen wir Besuch vom Kammerorchester meiner alten Musikschule, das hier zusammen mit unserem Streicherensemble gemeinsam proben und konzertieren und so die schwäbisch-schwedischen Beziehungen, die hier seit gut drei Jahren bestehen, vertiefen sollte.

Der Lieblingskollege und ich hatten – gemeinsam mit unseren Jugendlichen – neben den Proben und Konzerten für die Gäste außerdem ein recht umfangreiches Begleitprogramm organisiert: von Nyckelharpa-Workshop über Kulturwanderung über Sightseeing in Göteborg, ein vorgezogenes Mittsommerfestchen und dem obligatorischen Besuch im Vergnügungspark Liseberg war so ziemlich alles dabei, was man in fünf Tage so reinpacken kann,

Auch wenn man am Ende einer solchen Woche dann auf dem Zahnfleisch geht, weil man mehr oder weniger rund um die Uhr Reiseleiter, Konzertmanager, Ansprechpartner und Problemlöser ist, so gehören solche Events doch zu den Highlights in meinem Job – erst recht, wenn die Zusammenarbeit mit den beteiligten Kollegen so wunderbar funktioniert wie in dieser Woche. Und den Jugendlichen – schwedischen wie deutschen – hat’s super gefallen, die können den Gegenbesuch kaum erwarten. Ein großes Danke an alle, die dabei waren, auch wenns schon wieder drei Wochen her ist!

Nach dieser superintensiven Woche begannen dann offiziell auch unsere Sommerferien. Die Schüler hatten ihren letzten Schultag bereits am 10. Juni, aber die Lehrer arbeiten hier immer noch ein Paar Tage länger, auch wenn für die meisten Lehrer die letzte Arbeitswoche nur noch so locker dahinplätschert mit Abschlusskonferenzen, Schreibtisch aufräumen etc.

Es fiel mir dieses Jahr ziemlich schwer, von Arbeitsmodus auf Ferienmodus umzuschalten, sodass ich die ersten Ferientage aus Gewohnheit weiter in meine Musikschule gegangen bin, um wie ein Junkie langsam die Dosis zu reduzieren und so die schlimmsten Entzugserscheinungen zu vermeiden. Arbetsnarkomani nennt das der Schwede.

Mittsommer war dieses Jahr eines der wärmsten und trockensten, die wir bisher erlebt haben. Nachdem wir die letzten drei Jahre immer beim Lieblingskollegen zuhause eingeladen waren, haben wir dieses Jahr einen weiteren Schritt in Richtung Schwedifizierung gemacht und unsere Freunde zu uns nach Hause eingeladen. Mit eingelegtem Hering und Schnaps und allem Pipapo. Und nicht ein einziges Foto habe ich dieses Jahr an Mittsommer gemacht, so normal hat sich das alles angefühlt…

Nach Mittsommer kam dann erstmal lieber Besuch aus Deutschland, (kein Orchester, „nur“ Freunde), und dann war das Wetter zu blöd zum Wegfahren, sodass wir lieber weitermachen wollten, Türen und Wände zu streichen, um so Stück für Stück den dunkelbraunen 60er-Jahre-Charme Muff aus unserem Haus zu vertreiben. Seit Februar, als wir das Haus gekauft haben, haben wir bereits fünf Zimmer renoviert, aber fertig sind wir noch lange nicht. Die nächsten Projekte sind bereits bestellt: alle Fenster und die Haustür tauschen, aber das lassen wir Profis machen.

Natürlich hätte man aus all diesen Renovierungsarbeiten einen wunderschönen Vorher-Nachher-Blog machen können, mit unendlich vielen Bildern von hässlichen Abwasserrohren und wunderschön hellen, frisch gekachelten oder gestrichenen Räumen, aber ganz ehrlich: das hier ist kein Bastel- und Heimwerkerblog und nach fünf Monaten Baustelle an wechselnden Stellen im Haus isses auch gar nicht mehr soooo cool. Also doch, jede dunkelbraune/dunkelgrüne/beige Wand weniger ist schon sehr cool, aber nicht jeder vermalte Eimer Farbe verdient einen enthusiastisch bebilderten Platz in unserem Blog.

Vor wenigen Tagen haben wir dann aber unsere aktuellstes Projekt abgeschlossen und machen uns seitdem vorsichtig mit dem Gedanken vertraut, dass wir dieses Jahr auch noch Urlaub machen wollen, also richtig Urlaub, so mit wegfahren und so, nicht nur schülerfreie Zeit zum Renovieren. Unser VW-Bus scharrt schon ganz ungeduldig mit den Füßen…

Wettertechnisch war der Sommer dieses Jahr bislang eher im Mai zu verorten und der Druck, wegzufahren daher auch nicht all zu groß – zumal wir ja dorthin gezogen sind, wo wir früher immer Urlaub gemacht haben. Nach wie vor wissen wir sehr zu schätzen, dass ein wunderbarer Badesee und ein Blaubeerwald buchstäblich vor unserer Haustür liegen. Vor fünf Jahren haben wir dafür noch über 1000 km Anfahrt von Süddeutschland in Kauf nehmen müssen, jetzt machen wir die Terrassentür auf…

Trotzdem, man muss auch mal was anderes sehen als die eigenen vier Wände, auch wenn sie gerade so schön neu gestrichen sind. Daher wird die Blogpause hier noch eine Weile andauern, wenn auch aus anderen Gründen. Denn wie ich uns kenne, wird sich die Lust, von unterwegs zu bloggen, eher in überschaubarem Rahmen halten.

Wo es hingeht? Das wissen wir selbst auch noch nicht genau. Kann sein, dass wir aus alter Gewohnheit erst mal 1000 km Richtung Norden fahren…