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Weltcup im Winterschwimmen 2017, Skellefteå


Den ganzen Tag draußen bei -12 bis -15°C und +0,4°C im Wasser und strahlender Sonne… Ich bin platt. Daher nur ein paar Bilder, morgen oder irgendwann wenn schlechtes Wetter ist, kommen mehr.

Das 25m-Becken im Skellefteälven: gestartet wurde in den Disziplinen 25m Brust (flussabwärts), 50m Freistil und 200m Freistil (Start jeweils flussaufwärts) und 4×25 Staffel. Rettungstaucher und medizinisches Personal sitzen am Beckenrand.

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Volle Konzentration unmittelbar vor dem Start (zwei Disziplinen: 50m Freistil und „Wer hat den lustigsten Hut?“)imgp2651

Bei der Wende nach 25 m:imgp2696

Und hinterher, wieder warm eingepackt, mit meinem Coach Annika beim Aufwärmen:

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Winterurlaub


Dieses Jahr haben wir beschlossen, unsere Winterferien um drei Tage zu verlängern und so haben wir uns am Mittwoch 12 Stunden in den Zug gesetzt und sind gen Norden gerollt.

dsc_0334.jpgErstes Ziel war Annika in Umeå, die wir bereits im letzten Sommer getroffen haben. Nach einem entspannten Tag mit ausschlafen, Stadtbummel und einem Besuch in der Norrlandsoperan – Sinfoniekonzert mit einer Uraufführung mit dem Orchester der Norrlandsoper – sind wir dann heute zusammen mit Annika im Bus weiter nach Skelleftehamn zu Olaf gefahren, wo wir jetzt eine knappe Woche bleiben werden.

In Umeå verpassen wir dieses Wochenende ein Eisskulpturenfestival, aber der typische norrländische Kinderspielplatz ist auch schon beinahe eine Eisskulptur:

imgp2402(man beachte die roten stjärtlappar – „Hinternlappen“ –zum Ausleihen an der Tunnelrutsche ganz rechts!)

Anlass unserer Reise in den Norden ist die Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen… ach, was sag ich, die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen! Oder besser noch: einem Weltcupwettkampf im Winterschwimmen. Für mich das erste Mal und wahrscheinlich die einzige Chance, jemals in irgendeiner Sportart an einem Weltcup teilzunehmen.

Ach, was bin ich aufgeregt auf meinem Zugsitz gehopst, als ich das Zugmagazin der schwedischen Bahn durchblätterte und das hier entdeckte: („Sverigepremiär“ ist natürlich Blödsinn, die Veranstaltung gibt es bereits seit 2012. )

img_20170208_153313.jpgFür die Meisterschaft wurde in den zugefrorenen Skellefteälven ein Becken mit vier Bahnen von 25 m gesägt.

imgp2413Heute Abend war bei mollig warmen -8°C die Einweihungszeremonie und ein Schwimmer aus Lettland durchschwamm die 25 mit der Strömung in nur wenigen Sekunden.

imgp2420Anschließend folgte eine Flaggenparade mit den Flaggen aller 21 teilnehmenden Nationen vom Fluss zum Marktplatz, wo die Organisatoren eine Filmleinwand aus Schnee aufgetürmt hatte.

imgp2437 imgp2443Gezeigt wurden zwei Filme, einer davon von und mit unserem Gastgeber Olaf. Über den Dreh hat Olaf auf seinem Blog im November berichtet: Kayak – is it a boat or a sledge?

imgp2457-1Olaf ist auch der offizielle Fotograf der ganzen Veranstaltung, die nächsten Tage werden sicher auf seinem Blog neue Bilder auftauchen. Hier unser Gastgeber in klassischer Pose bei der Einweihung:imgp2453Für heute Nacht sind -18°C vorausgesagt, was heißt, dass die Organisatoren morgen früh wohl erst mal wieder das Becken freisägen müssen. Wenn ich um 11:30 an den Start gehe, erwarten mich aber laut der Glaskugel des schwedischen Wetterdienstes -10°C und Sonne. Ich schwimme übrigens 50m Freistil, erst 25m flussaufwärts und dann mit der Strömung zurück, Neoprenanzug ist natürlich nicht erlaubt, nur Schwimmbekleidung, Badekappe und Schwimmbrille sind erlaubt. Wie schon im Sommer, als ich bei Borås Open Water 1000m geschwommen bin, sind meine sportlichen Ziele: a) durchhalten und b) wenn möglich, nicht letzte werden.

Wer mehr lesen möchte:

International Winter Swimming Association: Skellefteå awaits
Dark and cold – der Verein der fröhlichen Freunde von Dunkelheit und Kälte, der den Wettkampf initiiert hat
Bilder und Berichte von früheren Meisterschaften auf Olafs Blog: 2012 (bei -30°C!), 2013 („nur“ -14°C), 2014 (viel zu warm).
Startlisten und Liveergebnisse 2017.

Sommerloch.


Wie immer, wenn es hier im Blog stiller wird, liegt das entweder daran, dass in unserem Leben sehr viel oder sehr wenig passiert. Die letzten Schulwochen Anfang, Mitte Juni waren sehr intensiv, wie jedes Jahr. Dieses Jahr stand keine Orchesterreise auf dem Programm, stattdessen bekamen wir Besuch vom Kammerorchester meiner alten Musikschule, das hier zusammen mit unserem Streicherensemble gemeinsam proben und konzertieren und so die schwäbisch-schwedischen Beziehungen, die hier seit gut drei Jahren bestehen, vertiefen sollte.

Der Lieblingskollege und ich hatten – gemeinsam mit unseren Jugendlichen – neben den Proben und Konzerten für die Gäste außerdem ein recht umfangreiches Begleitprogramm organisiert: von Nyckelharpa-Workshop über Kulturwanderung über Sightseeing in Göteborg, ein vorgezogenes Mittsommerfestchen und dem obligatorischen Besuch im Vergnügungspark Liseberg war so ziemlich alles dabei, was man in fünf Tage so reinpacken kann,

Auch wenn man am Ende einer solchen Woche dann auf dem Zahnfleisch geht, weil man mehr oder weniger rund um die Uhr Reiseleiter, Konzertmanager, Ansprechpartner und Problemlöser ist, so gehören solche Events doch zu den Highlights in meinem Job – erst recht, wenn die Zusammenarbeit mit den beteiligten Kollegen so wunderbar funktioniert wie in dieser Woche. Und den Jugendlichen – schwedischen wie deutschen – hat’s super gefallen, die können den Gegenbesuch kaum erwarten. Ein großes Danke an alle, die dabei waren, auch wenns schon wieder drei Wochen her ist!

Nach dieser superintensiven Woche begannen dann offiziell auch unsere Sommerferien. Die Schüler hatten ihren letzten Schultag bereits am 10. Juni, aber die Lehrer arbeiten hier immer noch ein Paar Tage länger, auch wenn für die meisten Lehrer die letzte Arbeitswoche nur noch so locker dahinplätschert mit Abschlusskonferenzen, Schreibtisch aufräumen etc.

Es fiel mir dieses Jahr ziemlich schwer, von Arbeitsmodus auf Ferienmodus umzuschalten, sodass ich die ersten Ferientage aus Gewohnheit weiter in meine Musikschule gegangen bin, um wie ein Junkie langsam die Dosis zu reduzieren und so die schlimmsten Entzugserscheinungen zu vermeiden. Arbetsnarkomani nennt das der Schwede.

Mittsommer war dieses Jahr eines der wärmsten und trockensten, die wir bisher erlebt haben. Nachdem wir die letzten drei Jahre immer beim Lieblingskollegen zuhause eingeladen waren, haben wir dieses Jahr einen weiteren Schritt in Richtung Schwedifizierung gemacht und unsere Freunde zu uns nach Hause eingeladen. Mit eingelegtem Hering und Schnaps und allem Pipapo. Und nicht ein einziges Foto habe ich dieses Jahr an Mittsommer gemacht, so normal hat sich das alles angefühlt…

Nach Mittsommer kam dann erstmal lieber Besuch aus Deutschland, (kein Orchester, „nur“ Freunde), und dann war das Wetter zu blöd zum Wegfahren, sodass wir lieber weitermachen wollten, Türen und Wände zu streichen, um so Stück für Stück den dunkelbraunen 60er-Jahre-Charme Muff aus unserem Haus zu vertreiben. Seit Februar, als wir das Haus gekauft haben, haben wir bereits fünf Zimmer renoviert, aber fertig sind wir noch lange nicht. Die nächsten Projekte sind bereits bestellt: alle Fenster und die Haustür tauschen, aber das lassen wir Profis machen.

Natürlich hätte man aus all diesen Renovierungsarbeiten einen wunderschönen Vorher-Nachher-Blog machen können, mit unendlich vielen Bildern von hässlichen Abwasserrohren und wunderschön hellen, frisch gekachelten oder gestrichenen Räumen, aber ganz ehrlich: das hier ist kein Bastel- und Heimwerkerblog und nach fünf Monaten Baustelle an wechselnden Stellen im Haus isses auch gar nicht mehr soooo cool. Also doch, jede dunkelbraune/dunkelgrüne/beige Wand weniger ist schon sehr cool, aber nicht jeder vermalte Eimer Farbe verdient einen enthusiastisch bebilderten Platz in unserem Blog.

Vor wenigen Tagen haben wir dann aber unsere aktuellstes Projekt abgeschlossen und machen uns seitdem vorsichtig mit dem Gedanken vertraut, dass wir dieses Jahr auch noch Urlaub machen wollen, also richtig Urlaub, so mit wegfahren und so, nicht nur schülerfreie Zeit zum Renovieren. Unser VW-Bus scharrt schon ganz ungeduldig mit den Füßen…

Wettertechnisch war der Sommer dieses Jahr bislang eher im Mai zu verorten und der Druck, wegzufahren daher auch nicht all zu groß – zumal wir ja dorthin gezogen sind, wo wir früher immer Urlaub gemacht haben. Nach wie vor wissen wir sehr zu schätzen, dass ein wunderbarer Badesee und ein Blaubeerwald buchstäblich vor unserer Haustür liegen. Vor fünf Jahren haben wir dafür noch über 1000 km Anfahrt von Süddeutschland in Kauf nehmen müssen, jetzt machen wir die Terrassentür auf…

Trotzdem, man muss auch mal was anderes sehen als die eigenen vier Wände, auch wenn sie gerade so schön neu gestrichen sind. Daher wird die Blogpause hier noch eine Weile andauern, wenn auch aus anderen Gründen. Denn wie ich uns kenne, wird sich die Lust, von unterwegs zu bloggen, eher in überschaubarem Rahmen halten.

Wo es hingeht? Das wissen wir selbst auch noch nicht genau. Kann sein, dass wir aus alter Gewohnheit erst mal 1000 km Richtung Norden fahren…

Osterferien


Schon vor einigen Wochen fragten uns unsere Wohnwagenfreunde, was wir denn in den Osterferien machen wollten. Da wir noch nichts vorhatten, beschlossen wir, zusammen einige Tage nach Süden in die Provinz Schonen bzw. Skåne zu fahren. Als ersten Treffpunkt vereinbarten wir Kullaberg nördlich von Helsingborg. Dort schiebt sich eine ziemlich platte Halbinsel in den Kattegatt, die auf den letzten Kilometern plötzlich auf fast 200 Meter ansteigt und dann in alle Richtungen steil ins Meer fällt. Hier liegt ein gut erschlossenes Naturschutzgebiet mit Felswänden, Höhlen, Wäldern, alten Höfen, Cafés und sogar einem Golfclub. Leider war es schon spät als wir ankamen, und so schafften wir es nur, dem Leuchtturm ganz am Ende der Landzunge einen Besuch abzustatten.

Da es sich beim Kullaberg um ein Naturschutzgebiet handelt, konnten wir dort leider nicht übernachten. Dafür fanden wir einen schönen Platz direkt am Wasser an einem Hafen in der Nähe. Hier ließen wir am nächsten Tag Wohnmobil und Wohnwagen stehen, um einen Ausflug zu Nimis und Arx zu machen. Der Hintergrund zu diesen zwei Kunstwerken von Lars Vilks ist recht spannend und ziemlich unterhaltsam, ich verweise da aber ganz faul auf die Wikipedia. Kurzgefasst handelt es sich bei Nimis um ein Bauwerk aus Treibholz und sehr vielen Nägeln, während Arx aus Beton und Steinen besteht und ein Buch verkörpert, komplett mit Seitenzahlen und ein wenig Text. Seit 1996 bilden Arx und Nimis ein eigenes Land mit Namen Ladonien, dass bisher allerdings von keiner Nation anerkannt wird. Beide Kunstwerke können auf eigene Gefahr begangen und -klettert werden.

Da es auf dem Ausflug ziemlich regnerisch war, beschlossen wir, uns im Wohnmobil erst einmal zu trocknen – und dann war dieser Tag auch vorbei.

Der nächste versprach deutlich freundlicher zu werden. Bei strahlendem Sonnenschein besuchten wir das Industriestädtchen Höganäs, wo traditionell Keramik, Ziegel und Fliesen hergestellt werden, das mondäne Touristenörtchen Mölle am Fuße des Kullabergs und am Abend ließen wir am Strand von Råå südlich von Helsingborg unseren Drachen steigen.

In Helsingborg ließen wir dann den Kurzurlaub bei Sonne, gutem Essen und fantastischen Aussichten ausklingen. Unsere Wohnwagenfreunde wollten zwar noch eine oder zwei Nächte bleiben, aber wir mussten nach Hause, um Fliesen der Marke Höganäs zu holen. Das ist allerdings eine andere Geschichte.

Weekend on ice


Letzte Woche haben wir uns ein neues Spielzeug gegönnt: långfärdsskridskor, Langstreckenschlittschuhe. Im Vergleich zu normalen Eishockey- oder Eiskunstlaufschuhen ist die Kufe wesentlich länger und gerade geschliffen, was enge Kurven nahezu unmöglich macht, aber dafür ist man auf dem Eis umso schneller unterwegs. Auf der Kufe sitzt die gleiche Bindung wie auf Langlaufskiern und logischerweise trägt man daher Langlaufschuhe. Ebenfalls zur Grundausstattung gehören isdubbar, ein Paar Eisdorne mit Schnur, die man griffbereit um den Hals trägt (so ähnlich wie Schraubenzieher, aber vorne sehr spitz). Sollte man tatsächlich mal ins Eis einbrechen, dann hackt man mit den isdubbar ins Eis und zieht sich bäuchlings aus dem Eisloch. So jedenfalls die Theorie, glücklicherweise musste ich es noch nie ausprobieren.

Bäuchlings auf dem Eis rumkriechen, das machen wir nur freiwillig für kleine Videospielereien…

Da wir jetzt seit über einer Woche zweistellige Minusgrade haben, sind alle Seen zugefroren und da es nicht viel geschneit hat, sind die Bedingungen nahezu optimal für lange Touren auf dem Eis. Seit Freitag nachmittag war ich quasi jede freie Minute auf dem Eis und mein Muskelkater jetzt am Sonntagabend ist nicht unbeträchtlich. Ebenso wie mein Sonnenbrand im Gesicht.

Gestern war ich mit Jonas hier unterwegs:

Das Wetter war leider nur mäßig, leichter Schneefall, dafür mollig warme -6°C. (Am Freitagmorgen hatten wir -14,5°C, als ich da vom Auto in die Schule ging, fühlte es sich an, als würde der Rotz in der Nase gefrieren…)

So richtig viel Erfahrung haben wir ja noch nicht im Beurteilen der Eisdicke, aber wenn alte Männer mit Angeln mitten auf dem See sitzen, ist das ein gutes Zeichen. Eisangeln heißt auf Schwedisch übrigens pimpelfiske. Ja, PIMPELFISKE! Die Herren Pimpelfischer haben immer einen Eisbohrer dabei und sind eine gute Anlaufstelle, wenn man wissen will wie dick das Eis ist – hier gestern um die 15 cm. Außerdem freuen sie sich meist, wenn sie einem Tipps geben können, wo das Eis eventuell brüchig sein könnte.

Bildschirmfoto 2016-01-17 um 21.43.38Heute, am Sonntag musste der arme Jonas ganzen Tag arbeiten (Probentag mit seinem Streichorchester), während ich mich mit einem Kollegen zum Eislaufen traf.

Unser Haussee ist jetzt nahezu komplett zugefroren und mein Kollege stammt aus Mittelschweden und ist daher schon mit Schlittschuhen an den Füßen auf die Welt gekommen (oder waren es Langlaufskier?) und etwas erfahrener im Beurteilen des Eises. Ich hätte mich sonst nie über die dunklen Eisrisse getraut…

 

Wenn das Eis so wie jetzt noch relativ jung ist und es windstill war, dann gleitet man mit den Schlittschuhen fast lautlos dahin, während das vielbefahrene, ältere Eis in Ufernähe sich jetzt nach fast zwei Wochen im Vergleich beinahe anfühlt wie Rollschuhe auf Kopfsteinplaster.

Direkt an unserem Vogelturm mündet der Viskan in den See und dort ist auch jetzt der See noch offen und daher muss man dort einen großen Bogen schlagen. Aber auch weiter draußen im See verursacht die Strömung noch Risse im Eis, die dann wieder zufrieren oder es entsteht eine Plattenverschiebung, die aussieht wie Bilder aus dem Erdkundebuch: „Wie die Alpen entstanden sind.“

Als die Sonne gegen vier hinter den Bergen verschwand, wurde es schnell deutlich kälter – oder ich war nach vier Stunden auf dem Eis einfach durchgefroren – dennoch wollte ich noch schnell zu Fuß zum Vogelturm, weil ich neugierig war, wie weit die Wasserrinne an der Viskanmündung in den See hineinreicht. Weit ist es nicht mehr, auch der Fluss ist fast zugefroren.

Unsortierte Gedanken


Je länger die Pause, desto schwieriger der Neuanfang. So ging es mir letzte Woche mit dem Schulstart und so geht geht es mir gerade auch mit unserem Blog. Aber wenn man dann mal wieder drin ist, isses ja meist gar nicht so schlimm. Also los!

Beginnen wir mit was Aktuellem: Wir hatten gerade vierjähriges Schwedenjubiläum. Vor vier Jahren hatten wir weder Job, noch Ehering, noch Katze, noch Freunde, die man abends mal eben schnell besuchen konnte. Ein Dach über dem Kopf hatten wir zwar, aber der Gedanke ein selbiges zu kaufen, lag uns damals mehr als fern. Noch ist es nicht ganz so weit, aber wer weiß…

Wenn wir uns jetzt noch einen Volvo kaufen, erfüllen wir nächstes Jahr wahrscheinlich die drei Grundqualifikationen für die schwedische Staatsbürgerschaft – Villa, Volvo, Vovve. (Wuffe darf man durch Mieze ersetzen, oder?) Puuuh… ich glaube, wir werden spießig (wenn wir es nicht schon längst sind…).

Gedankensprung.

Unser Sommer war dieses Jahr aus verschiedenen Gründen etwas zerpflückt. 16 Stunden in Norwegen, Orchesterreise in die alte Heimat nach Süddeutschland, Kurztrip nach Göteborg, Kurztrip nach Lübeck und Hamburg, ein Kajaktrip vor der Haustür und eine etwas längere, völlig ungeplante Reise, auf der wir uns einfach haben treiben lassen und beim Aufwachen selten wussten, wo wir abends einschlafen würden.

Auf der Festplatte warten ungezählte Bilder auf ihre Veröffentlichung, aber das hat noch Zeit – der nächste Winter kommt bestimmt. Nachdem der Sommer dieses Jahr bis Anfang August auf sich hat warten lassen, haben wir jetzt – pünktlich zum Schulanfang! – endlich Sommer. Nicht, dass ich diesen Mördersommer in Deutschland hätte verbringen wollen, aber es hätte hier im Juli wirklich nicht täglich regnen müssen.

Stellvertretend für die anderen Bilder und Geschichten, die gerade noch halbfertig in meinem Kopf und auf der Festplatte herumgeistern, hier einer der schönsten Augenblicke unseres Sommers:

Gipfel Åreskutan
Dem Himmel so nah: bei 5°C und Windstärke 6 (11 m/s) in viel zu dünnen Klamotten auf dem Gipfel des Åreskutan.

Bis auf Weiteres verbringen wir jetzt unsere Mittagspausen und Feierabende lieber am See statt am Rechner…

Eine Schnitzeljagd kreuz und quer durch Göteborg


Unsere vier besten Freunde hier im Ort haben uns zur Hochzeit eine Reise ins Blaue geschenkt. Der Tag begann ziemlich früh und endete sehr spät, das Wetter war traumhaft und die Kamera saß lose… Eine kleine Fotostory:

Der Tag endete schließlich feuchtfröhlich mit einem gemütlichen Grillabend im Wonnwaggen (das Wort hat C. bei der Hochzeit gelernt und es klingt so süß mit ihrem schwedischen Akzent :-) ) und dem Gewürrstrrraminerr (noch so ein Wort…), den wir bei unserer Hochzeit hatten.

J., C., U., I. stäng av Google translate nu och läs det här på riktigt: Tack för den här fantastiska dagen som vi aldrig kommer att glömma. Så mycket tid och energi och kärlek ni har lagt ner för att planera denna dag in i minsta detaljerna, helt otrolig…! Tack, ni är underbara.

Reise ins Blaue


„Habt ihr im Sommer mal irgendwann einen Tag lang Zeit, wir bräuchten eure Hilfe beim Renovieren“ fragte mich unser guter Freund J. vor fast drei Monaten. Fand ich seltsam, weil just J. ganz und gar nicht der Typ dafür ist, private Termine monatelang im Voraus zu planen. Im Gegenteil: wenn jemand – ganz unschwedisch – unangekündigt vor unserer Tür steht und je nach Tageszeit nach Kaffee oder Bier fragt, dann er und seine Frau C. (umgekehrt inzwischen auch). Aber gut, wir einigten uns auf ein Datum Ende Juni, ich schrieb es in den Kalender und vergaß die Sache schnell wieder. Als wir nach unserer Hochzeit in Ruhe alle Glückwunschkarten lasen, bekamen wir die Erklärung für sein seltsames Gebahren, denn (natürlich) waren die Renovierungsarbeiten nur ein Vorwand gewesen:

Hochzeitskarte

„Kommt am 26. Juni spätestens um 8:00 zum Bahnhof. Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und drückt auf „+“. Zieht euch wettertauglich an.“

Anbei liegt noch eine Guthabenkarte für den Verkehrsverbund Västtrafik, mit der man mit allen Zügen und Bussen in ganz Västra Götaland fahren kann. Wir wissen allerdings nicht, wieviel Guthaben auf der Karte ist, was die Sache nur noch spannender macht…

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Die Regionalzuglinien von Västtrafik in Västra Götaland (Quelle: Wikipedia: Västtågen)

Nachträglich wurden wir noch gebeten, uns auf eine Übernachtung einzustellen und ein geladenes Handy dabeizuhaben. Das Vier-Sterne-Hotel, das uns bereits an Himmelfahrt beherbergt hat, hat inzwischen einen Annex bekommen und bietet jetzt Platz für sechs Personen, denn auch unser Toastmaster U. und seine Frau I. sind mit von der Partie. Das ist dann aber auch alles, was wir wissen…

Neugierig wie wir sind, haben wir etwas recherchiert, welche Züge morgens nach acht hier abfahren. Um 8:10 begegnen sich an unserem Bahnhof zwei Züge: einer fährt Richtung Norden via Herrljunga und Vänersborg nach Uddevalla, der andere Richtung Süden via Borås und Kinna nach Varberg. Mit Umsteigen könnte man aber auch auch jeden anderen Ort zwischen der norwegischen Grenze, dem Vätternsee und den Sandstränden in Halland erreichen. Es wird also spannend, wo die Reise morgen hingeht…

Jonas‘ Hochzeitsreise


Während Annika nach unserer Hochzeit lieber mit ihrem Lieblingskollegen als mit mir verreist – und das gleich zwei Mal – wurden wir Mitarbeiter der Kulturschule von unserem Chef auf eine kleine Reise eingeladen; und damit meine ich nicht den Tagesausflug mit 120 Zweit- bis Viertklässlern im Schlepptau nach Göteborg, wo wir das naturhistorische Museum bestaunt, für Cafébesucher gespielt und danach noch einen großen Spielplatz besucht haben, denn das war dann doch eher anstrengend als lustig, erholend, anregend oder was eine Reise sonst noch alles sein soll.

Wie auch im Vorjahr, als der Betriebsausflug nach Eksjö ging, wussten wir auch dieses Mal bei der Abfahrt nicht, wohin die Reise gehen sollte; unserem Chef bereitet es nämlich immer wieder eine diebische Freude, uns das Reiseziel während der Fahrt erraten zu lassen. Dieses Jahr war ich tatsächlich der erste, der richtig lag: Als der Bus in Richtung Göteborg auf die Autobahn einbog, schlug ich gleich Marstrand vor. Daraufhin meinten dann zwar alle abwehrend, dass man dort doch erst vor drei Jahren war, aber am Ende sollte ich Recht behalten.

Auf Marstrand waren Annika und ich zwar schon öfter, denn als wir noch in Skepplanda wohnten, war die Insel immer die nächste Gelegenheit, um ans Meer zu kommen, aber unser letzter Besuch lag seit dem Umzug nach Borås ziemlich lange zurück und so freute ich mich riesig, als wir auf die kleine blaue Fähre gingen, die uns von der mit dem Bus zu erreichenden „Kuhinsel“ Koön nach Marstrandsön übersetzte. Dort angekommen ging es in die alte Küstenbatterie Strandverket, die ursprünglich Göteborg und Bohuslän gegen die Dänen verteidigen sollte und in der sich heute ein Museum mit Skulpturenpark befindet. Dieses wurde vom Verleger und Nachbar des Strandverket Peter Hjörn gegründet, den die dort vorher ansässige Disco genervt hatte und der fand, dass Marstrand statt noch einer Bar doch dringend einen ordentlichen Ort für hochkarätige Ausstellungen brauchte. Als Kurator konnte er dann den ehemaligen Chef des Boråser Kunstmuseums Hasse Persson gewinnen, was wiederum erklärte, warum unser Chef gerade das Strandverket als Ziel unseres Ausflugs gewählt hatte – immerhin kennen sich die beiden schon ziemlich lange.

Somit ließ es sich Hasse dann auch nicht nehmen, uns persönlich durch die Skulpturen sowie die beiden aktuellen Ausstellungen zu führen – eine über Ingrid Bergmann zum 100.Geburtstag und eine mit Werken der Fotografin Denise Grünstein. Ich muss zugeben, dass mich Ingrid Bergmann tatsächlich nicht sehr interessiert und ich wahrscheinlich erst einmal einen Haufen Hintergrundinformationen benötigt hätte, um die ganzen Einblicke in ihr professionelles und privates Leben zu würdigen. Was mich allerdings wirklich fasziniert hat, waren die Räume der Kunsthalle: weiß gemalte Gewölbe mit Metallstangen an der Decke, auf denen ursprünglich die Betten der Soldaten befestigt waren, damit unten genug Platz für die Kanonen war. Im Obergeschoss war dann sogar noch die Originalfarbe aus den 1850er Jahren erhalten, was den Bildern von Denise Grünstein, die unter anderem berühmte Kunstwerke von hinten abbildet oder Menschen in seltsam verfremdende Kostüme steckt, eine spannende Dramatik verlieh.

Nach dieser heftigen Dosis Kultur konnten wir auf eigene Faust über die Insel streunen. Mich zog es natürlich hoch zu Carlstens fästning, der großen Festungsanlage oben auf der Insel, denn von dort hat man einen tollen Blick über Meer und Schären. Danach ging es dann zum Essen und dann wieder nach Hause. So soll ein letzter Arbeitstag vor den Ferien sein!

Einmal Oslo und zurück in 16 Stunden


Nachdem wir am Dienstag und am Mittwoch noch schnell alle unsere Schulabschlussfeiern durchgezockt hatten, machten der Kollege und ich uns mit zwei aufgeregten Teenagern auf der Rückbank auf den Weg nach Oslo. Geheimtipp: Wer mal ein ganzes schwedisches Möbelhaus zum Kaffetrinken für sich allein haben will, dem empfehle ich den letzten Schultag vor den Sommerferien bei strahlendem Sonnenschein.

Nachdem wir uns einmal quer durch den Osloer Feierabendverkehr und gefühlte 500 Baustellen gekämpft und seinen Sohn und dessen Freund vor der Telenor-Arena mit den Foo Fighters abgesetzt hatten, machten wir uns direkt auf den Weg zum Holmenkollen, der großen Skisprungschanze etwas außerhalb von Oslo. Vom Stadtzentrum fährt eine Tunnelbane direkt zum Holmenkollen, wobei die U-Bahn genau drei Stationen lang unterirdisch fuhr und sich dann in eine Bergbahn verwandelte, die sich durchaus mit Schweizer Alpenpanoramen messen kann. Nur mit Meerblick.

Wäre ich allein gewesen, hätte ich vermutlich die ganze Fahrt durch fotografiert, aber man will ja nicht asozial sein…

Kurz bevor die Skisprungschanze zumachte, kamen wir dort an und durften noch zehn Minuten die Aussicht vom höchsten Punkt der Schanze Oslos genießen:

(Zum Vergrößern aufs Bild klicken.)

Erfreulicherweise war es aber nur der eigentliche Sprungturm, der um acht Uhr schloss, die restliche Anlage war weiterhin zugänglich. Der Landebereich unterhalb des Schanzentisches war nämlich mindestens ebenso beeindruckend, ebenso wie die Unmenge an Biathleten auf Rollskiern und Mountainbikern, die sich in den Sportanlagen rund um den Turm tummelten:

Nach der langen Fahrt war uns nach etwas Bewegung und so gingen wir drei Haltestellen weit den Berg hinab durch Osloer Edelwohngebiete. Keine Bilder hiervon, ich war ja nicht allein. Aber natürlich spekulierten wir, welchen Beruf man haben muss, um sich in dieser Lage eine Villa leisten zu können… Schmieriger Politiker? Hart arbeitender Zuhälter? Erfolgreicher Skispringer? Der Kollege befand jedenfalls nur lakonisch, dass schwedische Gärten besser gepflegt seien…

Wieder in der Innenstadt angekommen, kamen wir genau rechtzeitig, um den Sonnenuntergang vom Dach des Opernhauses zu erleben, das wie ein Eisberg aus weißem Marmor direkt am Fjord liegt. Gegen viertel nach zehn verschwand die Sonne hinter dem Holmenkollen, aber dunkel würde es in dieser Nacht ohnehin nicht mehr werden.

 

Auf Karl Johan, der Paradestraße zum Schloss, tummelten sich zur fortgeschrittenen Stunde die Menschenmassen in Straßencafés, Straßenkünstler unterhielten an jeder Ecke und es hätte genauso gut vier Uhr nachmittags statt elf Uhr abends sein können. (Ich glaube, ich habe mich inzwischen sehr an unser Kleinstadtleben gewöhnt, denn wenn ich mal kurz nachdenke, war es an lauen Sommerabenden in Karlsruhe nicht anders… oder doch – dunkel.)

Gegen Mitternacht holten wir dann die Jungs von der Telenor-Arena ab und während es auf der Rückbank leise zu schnarchen begann, noch bevor wir Oslo verlassen hatten, hielten wir uns gegenseitig am Steuer wach. Ab zwei Uhr wurde es wieder richtig hell und als wir gegen halb fünf morgens wieder an unserer Schule vorbeifuhren, wäre ich beinahe routinemäßig auf den Schulparkplatz gefahren, gefühlt war es mitten am Tag.

Mit Blick auf unsere Orchesterreise nach Süddeutschland, die wir am morgigen Freitag antreten, haben wir uns dann doch noch für ein paar Stunden Schlaf entschieden.

Tack U. för den härliga resan!