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Skepplanda und Umgebung


Die letzten Monate hatte ich zu viel Zeit zum Schreiben, aber es hat sich viel zu wenig ereignet, was bloggenswert gewesen wäre. Die vergangenen zwei Wochen war es gerade umgekehrt, eigentlich hätten wir jeden Tag einen Artikel loswerden können, hatten aber meistens kein Internet oder saßen dann doch lieber in der endlosen Abendsonne. Jetzt sind wir aber wieder in Karlsruhe und ich versuche mal, ein wenig aufzuarbeiten.

Chronologisch am Anfang unserer Reise stand ja unsere Wohnungssuche, die erfreulich kurz und unkompliziert verlief. Doch wo werden wir wir jetzt eigentlich genau wohnen?

Skepplanda

Skepplanda ist ein Dorf mit knapp 2000 Einwohnern und liegt in der Gemeinde Ale (Ale kommun), die wiederum zu großen Teilen im Tal des Göta älv liegt. Der Göta älv fließt vom südlichsten Zipfel des Vänerns Richtung Göteborg und zählt zu den wichtigsten Wasserstraßen Schwedens.
Der erste Laut in Skepplanda klingt, als würde man mit einer heißen Kartoffel im Mund geräuschintensiv ausatmen, den Rest kann man getrost deutsch aussprechen: Chepplanda. Skepp heißt übrigens Schiff, ein Hinweis auf frühere Einnahmequellen der Bewohner.

Skepplanda kyrka, um 1700 erbaut

In Skepplanda gibt es einen kleinen Supermarkt, eine Bibliothek, ein Schwimmbad, einen Kindergarten, ein Ärztehaus, einen Frisör, eine Pizzeria, eine Grundschule bis zur 6. Klasse (die schwedische Grundschule geht bis zur 9. Klasse, danach folgt ein dreijähriges Gymnasium, aber das ist ein anderes Thema), einen Tischtennisklub, der auch Fußball, Gymnastik und Handball anbietet, 4 (!) Fußballplätze, ein Gasthaus, ein Heimatmuseum (dazu bei Gelegenheit mehr) und eine Kirche.

Verkehr

Von Skepplanda aus sind es nur etwa fünf Kilometer nach Älvängen. Älvängen ist nicht schön, aber praktisch. Dort gibt es alles, was man so im Alltag braucht: einen Baumarkt, einen größeren Supermarkt, einen Optiker, einen Second-Hand-Laden, ein Seilereimuseum (für die Schiffe!) usw. Und einen Bahnhof, der an der großen Bahnlinie Göteborg – Trollhättan liegt, die gerade zweispurig ausgebaut wird und ab September freigegeben werden soll. Von dort ist man mit der Bahn in jeweils 23 Minuten entweder in Göteborg oder in Trollhättan. Außerdem liegt Älvängen an der E45, der Autobahn Göteborg-Trollhättan, die aber im Moment zumindest in Richtung Göteborg eine einzige Baustelle ist. Wenn die irgendwann fertig ist, sind es mit dem Auto rund 40 Minuten bis GTBG Zentrum.
Für uns heißt das, dass wir verkehrstechnisch zwar prima angebunden sind, aber trotzdem nicht direkt an der Autobahn und der großen Bahnlinie wohnen, sondern ziemlich ruhig in unserem „Käffchen“. Im Übrigen erschließt sich mir dadurch nahezu der komplette Arbeitsmarkt zwischen Göteborg und Trollhättan.

Auf dem Weg nach Göteborg passiert man den Doppelort Nödinge-Nol, mit rund 8000 Menschen der Hauptort der Kommune Ale, denn einen Ort Ale gibt es nicht. Dort gibt es dann ein riesiges Einkaufszentrum auf der grünen Wiese, ein Gymnasium mit Musikprofil (was in Schweden wohl eher selten ist), eine Musikschule, eine Volkshochschule, ein Wikingermuseum (Abnehmer der Schiffe und Seile) und bestimmt noch mehr, von dem wir später mal berichten werden.

Freizeit

Nur 10 Autominuten von unserem Haus entfernt ist der nächste See. Muss ich noch genauer werden…?

Was man sonst noch wissen sollte

– Berühmte Personen aus Skepplanda sind laut der schwedischen Wiki ein Fußball- und ein Handballspieler. Naja, bei vier Fußballplätzen…
– Alexander Samuelson
, der Mann, der der Coca-Cola-Flasche ihre Form gab, erlernte sein Handwerk in der Glasfabrik in Surte, das ebenfalls zur Ale kommun zählt.
– Das Gymnasium Ale war eine Zeitlang überregional dafür bekannt, dass es einen Schulvorstand mit Schülermehrheit (Lokal styrelse med elevmajoritet) hatte. 2007 setzte die bürgerliche Regierung das Projekt aber ab.

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Mammas Mat


Beharrlich hält sich unter vielen Deutschen das Gerücht, man könne in Schweden nicht gut essen gehen. Entweder viiiiel zu teuer oder aber nur Billig-Pizza, Hotdog oder Burger. Diese Behauptung möchten wir heute widerlegen. Man muss nur seine deutschen Ausgeh-Gewohnheiten etwas anpassen. Ja, ein À la Carte-Menü am Abend reißt tatsächlich ein Loch in den Geldbeutel. (Wenn man kein Convenience-Food haben will, tut es das in Deutschland aber auch.) Wenn man jedoch zur Mittagszeit mit einer kleinen, aber oftmals feinen Auswahl an Gerichten Vorlieb nimmt, und sich nicht zu schade dafür ist, sein Essen selbst vom Buffet zu holen, kann man oftmals sogar günstiger und besser wegkommen als in Deutschland. Dagens Lunch bieten die meisten Restaurants für Preise zwischen sechs und zwölf Euro an. Wasser, Kaffee und Gebäck zum Nachtisch sind dann auch schon inklusive.

Mammas Mat

Sicherlich nicht verallgemeinerbar, weil nämlich herausragend lecker – und Anlass für diesen Artikel – ist Mammas Mat in der Nähe von Mellerud. Von unserem zukünftigen Zuhause etwa anderthalb Autostunden entfernt, bietet Agneta zwei- bis dreimal die Woche hemlagat mat med kärlek och omsorg (Hausgemachtes mit Liebe und Fürsorge). Für gerade einmal 100 Kronen (ca. 11 Euro) bekommt man ein reichhaltiges Buffet mit Suppe, mehreren Hauptgerichten, exquisiten Saucen und Nachtisch zum Sich-Reinlegen. Als wir dort waren, gab es z.B. Lachs-Lauch-Suppe, Schweineragout, Brokkoligratin, diverse Salate, Chutney, „irgendwas Leckeres aus sauren Gurken“ und als Krönung die unanständigste Erdbeer-Sahne-Biskuittorte der Welt. Es gibt keine feste Karte und es jeden Tag etwas Anderes.

Mammas Haus

Doch nicht nur das Essen ist einmalig, auch die „Location“ lässt keine Wünsche mehr offen. Stilecht speist man entweder im kleinen Bauernhaus – eingerichtet mit einem Sammelsurium an antiken Möbeln und Geschirr – oder im Vorgarten auf der Wiese. Gerade wird auch noch ein Wintergarten angebaut, um auch bei Kälte sonnig sitzen zu können.

Mammas Mat ist tatsächlich so hausgemacht, dass es nicht im Internet zu finden ist. Das Restaurant gehört zwar der Vereinigung Dalslandsmat an, ein Zusammenschluss von Produzenten und Restaurants, die lokale Spezialitäten anbieten, aber deren Homepage scheint zuletzt 2006 aktualisiert worden zu sein. Mammas Mat gibt es jedoch erst seit zwei Jahren.

Mammas Erdbeertorte

Wir finden aber, Agneta hat ein wenig mehr Werbung verdient, daher hier die Adresse: Tillhagen 6, Mellerud. Wir mussten auch ziemlich lange danach suchen, weil unser Navi die Adresse nicht kannte. Gelohnt hat es sich aber unbedingt. Google Earth ist glücklicherweise schlauer und kennt die Adresse.

Wir sind schon auf das nächste Mal gespannt, es gibt dort nämlich auch julbord

Noch 99 Tage…


Seit Tagen (Wochen) habe ich mich darauf gefreut, ja, regelrecht darauf hingefiebert, den „Kistenpacken-minus-100-Tage-Artikel“ zu schreiben. Der wäre am gestrigen Karfreitag fällig gewesen. Durch netten Familienbesuch hatten wir aber tatsächlich gestern Besseres zu tun als hier zu posten und ärgerten uns stattdessen, dass wir bei sommerlichen 27° C (hallo?! Am 22. April?!) am vollen Baggersee keine Badesachen dabei hatten. Wird Zeit, dass wir nach Schweden kommen – wenn ich dran denke, dass wir (immer)noch 99 Tage lang dieses schwülwarme und stickige Karlsruher Klima ertragen müssen, nehme ich gerne in Kauf, dass wir uns nächstes Jahr um diese Zeit gerade erst darüber freuen werden, dass die Schneedecke langsam abtaut und die Flüsse nicht mehr begehbar sind (zumindest wenn es mit Piteå klappt).

Wir versüßen uns das Warten

Meine Runde durch die Blogs von Gleichgesinnten hat uns heute dazu inspiriert, dammsugare (Staubsauger) zu „backen“. Das Rezept dazu kam von Lussekatts Blogg. Backen ist allerdings das falsche Wort, da das wichtigste Utensil während der Zubereitung der Kühlschrank bzw. das Eisfach ist, weil sonst grün gefärbte Marzipanmasse und unappetitlich-appetitlich braune Schoko-Keks-Pampe schwer zu verarbeiten sind. Nichtsdestotrotz hatten wir unglaublich viel Spaß bei der Sache… :-)

Hier ein paar Impressionen:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Da wir schon während der ganzen Aktion immer wieder genascht haben unsere Finger von Marzipan und Schokopampe befreit haben, war uns am Schluss leider nicht mehr danach, auch nur eines der appetitlichen Dinger am Stück zu essen. Aber morgen dann, am Ostersonntag…

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Nachtrag:

Der Ostersonntagsfrühstückstest: lecker!