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Sfi – Svenska för invandrare


Als Einwanderer in Deutschland kann man ziemlich viel Geld für Sprachkurse lassen, wenn man ihn bei einer privaten Sprachschule macht. (Das meiste Geld dabei verdient die Sprachschule, nicht der Sprachlehrer, denn der wird üblicherweise nur auf Honorarbasis bezahlt und das Einstiegsniveau liegt bei 11-12€/45 min für jemanden der sein Fach studiert hat und frisch von der Uni kommt.) Wenn man nicht gerade mit einem dicken Geldbeutel gesegnet ist und sich Einzel- oder Kleingruppenunterricht leisten kann, sitzen in diesem Sprachkurs Menschen mit riesigen Bildungsunterschieden nebeneinander. Die iranische Ärztin neben dem kasachischen Gebrauchtwagenhändler, der chinesische Ingenieur neben der chilenischen Reinigungskraft, der Arabisch-Englisch-Dolmetscher neben dem Flüchtling aus Somalia, der gerade den Alfabetisierungskurs abgeschlossen hat. Die Aufzählung mag klischeehaft klingen, habe ich aber tatsächlich mal so in einem Sprachkurs gehabt. Und weitere 19 Schüler.

Sfi-Schema (Quelle: skolverket.se)

Der schwedische Staat verpflichtet seine Kommunen, jedem Einwanderer kostenlosen Sprachunterricht, sogenannte Sfi-Kurse zu gewähren. Dabei gibt es drei Schienen (Sfi 1/2/3), die das Lernvermögen nach Grad des Schulabschlusses der Schüler berücksichtigen. Sfi 1 ist für Menschen mit wenig bis gar keiner Schulbildung und Analphabeten, Sfi 3 für Menschen mit 12 oder mehr Jahren Schulbildung. Jede Kursschiene ist wiederum in zwei Teilkurse aufgeteilt, jeweils in einen Anfänger- und einen Fortgeschrittenenkurs. Aber auch, wenn man als Analphabet mit Kurs A anfängt, darf man bis Kurs D weiterlernen, dauert dann eben länger, aber das ist den Schweden egal.

Für Sfi kann man sich anmelden, sobald man eine Personnummer hat. Also war ich gleich noch letzten Freitag bei Komvux, so heißt hier in Ale die kommunale Einrichtung für Erwachsenenbildung. Weil gerade Semesterstart ist, war am Montag direkt die Info-Veranstaltung dazu. Zusammen mit etwa 25 anderen Menschen, die überwiegend aus Asien und arabischen Ländern stammten, soweit ich das von Aussehen und Namen her beurteilen konnte, ließ ich mich also von Anna, der Schwedischlehrerin belehren, dass ich Wörterbuch, Stift und Papier im Kurs brauche und erhielt mein Kursbuch. Die letzte Lektion darin behandelte die Wochentage. Ich sah mich schon im falschen Film, weil ich doch schon eine Weile über dieses Stadium raus bin, da beendete Anna die Veranstaltung auch schon wieder, bat aber mich und fünf andere, noch zu bleiben. Bei uns war sie sich nicht sicher, ob wir in diesem Kurs richtig seien. Sie fragte dann jeden von uns, ob und wo wir schon Schwedisch gelernt hatten und nachdem ich dann meine Schwedischbiografie aufgesagt hatte, schaute sie mich bestürzt an und meinte, ich dürfe gar nicht an Sfi teilnehmen. Mir sank das Herz in die Hose – kein Schwedischkurs? Dann bat sie mich, mich etwas abseits zu setzen und einen ausformulierten Lebenslauf zu schreiben, während sie die anderen Fälle durchging. Als die anderen dann alle schon weg waren, las sie sich mein Geschreibsel durch und schüttelte den Kopf: „Kein Sfi… du gehst direkt in Schwedisch als Zweitsprache.“

Svenska som andraspråk – Schwedisch als Zweitsprache

Svenska som andraspråk (SAS) besteht aus drei Stufen (Grund, A und B) und soll drei Jahre dauern, wobei eine bestandene Prüfung in SAS Grund dem schwedischen Grundschulabschluss nach der 9. Klasse entspricht und SAS B gleichbedeutend mit der schwedischen Abiturprüfung oder TISUS ist. Grund und B werden jeweils mit einer nationalen Zentralprüfung abgeschlossen. Ich war ein bisschen stolz, direkt so hoch eingestuft zu werden, gleichzeitig heißt es aber auch, dass ich weniger Unterricht bekomme und mehr zuhause machen muss. Wie es aussieht, habe ich zweimal die Woche 100 Minuten Unterricht und es werden zusätzlich 2-3 Stunden tägliches Selbststudium vorausgesetzt. Und wenn man ganz besonders fleißig ist, darf man die Prüfung für Grund auch schon nach einem halben Jahr machen, also im Februar. Dann muss man sich allerdings die Inhalte des zweiten Halbjahres selbstständig aneignen. Ist ja klar, was jetzt mein Ziel ist…

Ein schönes Fleckchen zum Lesen...
Ein schönes Fleckchen zum Lesen...

Im Kurs arbeiten wir natürlich an Grammatik und Wortschatz, aber wir werden auch mehrere Bücher lesen und vorstellen, die wir aus einer Liste auswählen dürfen. Ich war gestern gleich in der Bibliothek und habe meinen ersten schwedischen Henning Mankell auch schon halb durch. Wenn Annas Unterricht so ist, wie ihre Erwartungen, die sie uns schriftlich mitgegeben hat, dann wird das nächste halbe Jahr super. Und super anstrengend. Wir sollen natürlich ganz viel lesen, aber auch viel fernsehen und Radio hören. Damit kann ich leben… Deswegen habe ich auch den gestrigen Nachmittag in der Sonne am Göta Älv gesessen und – gelesen.

Mein gestriger Besuch bei der Arbeitsvermittlung war auch ganz erfreulich. Noch kein Job, aber Perspektiven. Zumindest  war der Arbeitsvermittler einigermaßen entsetzt, als ich gesagt habe, zur Not würde ich auch Burger bei McDoof einpacken oder Briefe austragen. „Aber warum denn, du hast doch studiert! Da nimmst du doch anderen den Job weg, die wirklich nichts anderes machen können.“ Das find ich gut, das seh ich nämlich eigentlich auch so.

Zum Schluss: das Wetter.

...und ein anderes zum Reinspringen!

Als Einwanderer in Schweden hat man aber nicht nur Anrecht auf Sprachkurse, sondern auch die Möglichkeit, abends in einen schönen See zu springen. Auch wenn sich die Anzeichen des nahenden Herbstes langsam nicht mehr ignorieren lassen, machen wir davon nach wie vor Gebrauch. Tagsüber ist es zwar noch wunderbar warm, aber nachts wird es doch empfindlich kalt, deshalb ist unser See inzwischen auf 16°C abgekühlt. Egal, damit war er gestern Abend immer noch vier Grad wärmer als die Luft… :-)

Doch lieber nach Tschechien? Oder in die Slowakei?


Meine Bewerbung beim DAAD hat doch noch Früchte getragen: Über das Nachrückverfahren wurden mir jetzt zwei Stellen als Sprachassistentin angeboten. Und zwar entweder in České Budějovice (Budweis in Südtschechien) oder in Košice (Kaschau, Ostslowakei). Klingt beides spannend, aber – mann, bin ich unflexibel – liegt leider in der falschen Himmelsrichtung. Und ach leider, mein Tschechisch ist ziemlich eingerostet und Slowakisch war in der Schule nie meine Stärke…

Spannenderweise ist das Sprechen der jeweiligen Landessprache für die Sprachassistenzen tatsächlich keine formale Voraussetzung, sondern allenfalls „vorteilhaft“, so der Ausschreibungstext des DAAD. Vor Ort arbeitet man ja hauptsächlich mit Studierenden, die deutsche Sprach-, Literatur- oder Kulturwissenschaft studieren. Aber trotzdem möchte ich nicht in einem Land leben, dessen Sprache ich so überhaupt nicht beherrsche, auch wenn ich dort einen Job hätte.

Apropos Job: kürzlich bekam ich eine positive Antwort auf eine Bewerbung, die ich im September an eine Schule in Luleå (etwa eine Dreiviertelstunde von Piteå) geschickt hatte. Damals wurde die Stelle zwar anderweitig vergeben, aber jetzt ist an dieser Schule wieder eine Stelle frei. Ironie des Schicksals: diese Mail kam just einen Tag, nachdem Jonas die Absagen aus Piteå und Stockholm bekommen hatte und Göteborg als Ziel endlich feststand. Nichtsdestotrotz ermutigt mich eine solche Zusage, selbst wenn sie buchstäblich „zur falschen Zeit am falschen Ort“ kam.

Wir haben ein Gästezimmer


Letzte Woche haben wir im Uni-Schwedischkurs, den wir parallel zum Konversationskurs an der VHS machen, eine neue Vokabel gelernt: svårt. Auf den ersten Blick bedeutet diese Vokabel „schwierig, schwer“, aber unsere Schwedischlehrerin machte uns auf einen typisch schwedisch-deutschen Mentalitätsunterschied aufmerksam. Wenn „der Schwede an sich“ sagt: „Det ska bli svårt“ dann meint er damit nicht: „Das wird schwierig (…aber irgendwie bekomme ich das schon hin)“ sondern „Das ist unmöglich (…aber ich sage trotzdem, es sei nur „schwierig“, um mein Gegenüber nicht zu verärgern oder zu entmutigen)“.

Da unsere Schwedischlehrerin aus Göteborg stammt, haben wir sie neulich nach der Stunde gefragt, wie und wo man in Göteborg am besten nach einer Wohnung sucht, vielleicht weiß sie da mehr als wir mit unserer Netzrecherche rausfinden können oder vielleicht kennt sie ja jemanden, der jemanden kennt… Nun ja, ihre Antwort lautete: „En lägenhet i Göteborg? Det ska bli svårt.“

Deshalb werden wir wohl unsere Wohnungssuche weit über die Stadtgrenzen hinaus ausdehnen (müssen) – was uns vom Prinzip her aber gar nicht so unsympathisch ist, weil wir zwei Landeier nach sechs bzw. acht Jahren in Karlsruhe gerne auch wieder etwas außerhalb wohnen würden. Das ist allerdings auch eine Frage der Definition von „außerhalb“, denn in den Orten, die gut mit dem ÖPNV an Göteborg angeschlossen, sieht es auch ziemlich „svårt“ aus, was den Wohnungsmarkt angeht und so werden wir vermutlich ein zweites Auto brauchen. Nun wäre es ja aber geradezu eine Verschwendung, sich ein zweites Auto anzuschaffen, mit dem man nur rumfahren könnte und so haben wir uns gedacht, dass ein Auto, das auch noch andere Zwecke als nur „rumfahren“ erfüllen könnte, keine schlechte Idee wäre. Tja, was soll ich lange reden, hier ist das Ergebnis:

Nach zweimaliger Besichtigung, genauem Rechnen und langem Abwägen der Vor- und Nachteile haben wir gestern den Kaufvertrag für diesen knuffigen Carthago Malibu von 1995 unterschrieben.

Wer mich etwas länger kennt, wird über diesen Schritt wahrscheinlich wenig überrascht sein, schließlich habe ich essen, sitzen, laufen und Kissenschlachten mit meinem Bruder im Wohnmobil gelernt und die ersten 17 Jahre meines Lebens ungefähr… jede Ferien im Wohnmobil verbracht.

Nun haben wir zwar noch keine Wohnung in Göteborg, aber immerhin schon mal ein Gästezimmer – und das ganz mietfrei, weil Eigentum! Noch steht es zwar nicht vor unserer Karlsruher Haustür, weil wir erst noch Anmeldung etc. erledigen müssen, aber in den Pfingstferien wird es bei der Wohnungssuche in und um Göteborg eingeweiht werden.

Und irgendwie bin ich auch ein bisschen stolz auf uns: obwohl wir ja bekanntermaßen ziemlich entscheidungsunlustig sind, war die Suche nach und Entscheidung für dieses Prachtstück ganz und gar nicht svårt, sondern allenfalls „klurig“ – knifflig, aber nicht unmöglich.

Sprich mal Schwedisch!


Immer wieder werden wir von schwedenbegeisterten oder -interessierten Freunden gefragt, ob wir nicht eine Empfehlung für einen Sprachkurs hätten.* Neben den Heimkursen der großen Verlage, die jeder für sich selbst ergoogeln oder in der örtlichen Stadtbücherei ausleihen mag und die ich nicht fundiert beurteilen kann, weil ich sie zuwenig kenne, kann ich eine Website besonders empfehlen: Sprich mal schwedisch. Hier findet sich ein kostenloser Anfängersprachkurs zum Anhören und runterladen als Podcast, der regelmäßig um weitere Lektionen erweitert wird und sowohl Grammatik und Aussprache als auch Landeskunde berücksichtigt. Zu jeder Lektion gibt es außerdem ein kurzes PDF-Skript sowie Übungsmaterial. Besonderen Charme verbreitet dieser unkommerzielle und unkonventionelle Sprachkurs durch seinen in Berlin lebenden schwedischen Moderator Joakim und dessen besondere Affinität zu den „bööööööööösen unregelmäßigen Verben“.

Dieser Sprachkurs eignet sich sowohl für Schweden-Neulinge, die bei Schweden noch vor allem an Elche, Knäckebrot und Möbelhäuser denken, als auch für eingefleischte „Schwedonisten“, denn der Kurs ist jenseits seines Lehrwerts durchaus auch sehr unterhaltsam.

*Gruß nach Schnaitheim! :-)

Schwedischkurs


Nachdem ich bedingt durch Studienabschluss und Berufseinstieg etwa ein Jahr lang keinen Schwedischkurs mehr besucht habe – nichtsdestotrotz habe ich zuhause weiter Vokabeln gelernt – war ich letzten Dienstag endlich mal wieder in einem Kurs (ohne Jonas, der war ja in Stockholm). Auf den Konversationskurs der Volkshochschule wurden wir bei einem Konzert des schwedischen Folk-Ensembles Triakel im Tollhaus Karlsruhe aufmerksam, als wir in der Pause zufällig mit der Kursleiterin ins Gespräch kamen. Da wir uns mit ihr direkt auf schwedisch unterhalten konnten, lud sie uns zu ihrem Konversationskurs ein.

Es war die zweite Stunde in diesem Semester, ich habe also nur einen Termin verpasst. Im Kurs waren nur sechs Teilnehmer und das Thema diese Woche  – Überraschung – die Situation in Japan. Ausgehend davon standen dann aber auch Wortschatzarbeit in Sachen Energie, Wahlkampf und eine Diskussion über Mentalitätsunterschiede auf dem Programm. Es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht. Nächste Woche kommt Jonas dann auch mit in den Kurs…

Was bisher geschah…


Da wir auf unserem Weg nach Schweden ja schon Stück zurückgelegt haben, bevor die Idee zu diesem Blog entstand, hier ein kurzer Rückblick:

Vor 2008: Wir träumen beide davon, irgendwann mal eine längere Zeit im Ausland zu verbringen.

08/2008: Jonas betritt zum ersten Mal schwedischen Boden. Aus „Ausland“ wird „Schweden“. Als frühestmöglichen realistischen Termin für einen Umzug sehen wir Jonas‘ Bachelorabschluss, also Sommer 2011.

10/2008: Wir belegen Schwedisch I an der Uni.

04/2009: Schwedisch II

08/2009: Rundreise durch Südschweden

10/2009: Schwedisch III

Jonas beginnt, Universitäten für seinen Master zu suchen. Die Hochschulen in Stockholm, Göteborg und Piteå klingen spannend und bieten passende Studiengänge in Komposition an.

09/2010: Erste Vorstellungsgespräche bei den Profs in Schweden und jeweils einwöchiger Aufenthalt in den drei Städten. Außerdem Besuch bei verschiedenen EURES-Beratern. Besonders Piteå (A) überzeugt uns in Sachen Studien- und Wohnqualität.

10/2010: Ich schicke dem DAAD meine Bewerbung für eine Stelle als Sprachassistentin ab Herbst 2011.

12/2010: Der DAAD antwortet mit einer Einladung zum Bewerbungsgespräch.

01/2011: Jonas schickt seine Bewerbungsunterlagen an die Hochschulen und studera.nu, die zentrale Seite für alle schwedischen Hochschulen, Studiengänge und Gasthörerkurse. (Wenn ich daran denke, dass die Uni Karlsruhe seinerzeit bis zu drei verschiedene Plattformen unterhalten hat, auf denen man sich zu den Seminaren anmelden musste…)

02/2011: Ich fahre zum Vorstellungsgespräch beim DAAD in Bonn. Für die drei Stellen in Schweden (Stockholm, Göteborg, Uppsala) gibt es noch 9 weitere Bewerber.

03/2011: Post vom DAAD: Ich habe zwar keine Stelle bekommen, bin aber auch noch nicht aus dem Rennen. Es gibt nämlich mehr geeignete Bewerber als Stellen. Das Warten geht also weiter…