Archiv der Kategorie: Språk

23. Dezember 2015 – Früher war mehr Lametta!


Weihnachten bei Familie Hoppenstedt – war ja irgendwie klar, dass das in unserem diesjährigen Adventskalender noch kommen musste, oder?

Idag bjuder vi på en riktig tysk julklassiker (med engelsk textning): „Jul hos Hoppenstedts„, det är vår motsvarighet till Kalle Anka. Familjen Hoppenstedt är så klyschig tysk att man nästan skäms när man ser sketcherna, ungefär så som när svenskar tittar på Sällskapsresan

Loriot eller Vicco von Bülow (1923-1911) som han hette med borgerligt namn är ett måste när man pratar om tysk humor. Han började sin karriär som tecknare och många av hans tecknade figurer hamnade på tv efter att först har publicerats i tidningar och böcker.

Under 70talet började han som skådespelare och hans sketchshower är än idag källor till många bevingade ord i det tyska språket, som t. ex. „Früher war mehr Lametta“ („Det var mer lametta förr“) uttalad som den tandlöse Farfar Hoppenstedt gör, när man vill uttrycka att allting var bättre förr (vid 0:42 i klippen ovan).

Många barn har också uppväxt med hans legendariska tolkning av Saint-Saëns Djurens karneval där han skrev egna texter mellan stycken medan vuxna barn älskar hans ironiska och poängterade sammanfattningar av Richard Wagners Nibelungens Ring som passar på en CD-skiva.

22. Dezember 2015 – Inte OK! Anleitung zum korrekten Umarmen


Wenn sich jetzt zu Weihnachten alle Welt wieder auf den Weg zur Verwandtschaft macht oder man alte Bekannte wiedertrifft, sollte man ein wichtiges Thema nicht außer Acht lassen: die Begrüßungsumarmung. Das schwedische Fernsehprogramm Inte OK! (Nicht OK!) des Bildungssenders TV3 (hüstl…) erklärt Schritt für Schritt, in welche Fallen und Fettnäpfchen man besser nicht treten sollte:

Wie umarmt man sich?

Wie viele wissen, ist die Umarmung keine ganz unkomplizierte Form der Begrüßung. Es gibt gewisse Verhaltensregeln bei der freundschaftlichen Umarmung:

  • Zum Ersten ist es wichtig, frühzeitig zu signalisieren, dass man eine Umarmung plant. Aber nicht zu früh signalisieren, sonst steht man schnell als leicht geisteskrank da.
  • Nun zur eigentlichen Umarmung: Wenn die Umarmung angekündigt wurde, wird diese in Form der sogenannten Kreuzumarmung durchgeführt – ein Arm oben, ein Arm unten.
  • Der Abstand bei einer freundschaftlichen Umarmung sollte mindestens 10 cm betragen und wird von Unterleib zu Unterleib gemessen.
  • Männer dürfen gerne den doppelten „Kumpelschlag“ ausführen, damit die Umarmung nicht ihre Männlichkeit bedroht.
  • Die Kreuzumarmung wird mit dem rechten Arm oben und dem linken Arm unten ausgeführt. Doch nicht alle Umarmer wissen um diese Regel: In diesem Fall riskiert man, stattdessen in der sogenannten Ober- bzw. Unterumarmung zu landen. Dies ist die sogenannte Partnerumarmung, welche Romantik signalisiert.
  • Die Partnerumarmung ist eindeutig zu erotisch, um als Begrüßungsmodell Verwendung zu finden.

Zusammengefasst gilt bei der freundschaftlichen Umarmung also folgendes:

  • Frühzeitig die Umarmung signalisieren!
  • Die Kreuzumarmung anwenden.
  • Mindestens 10 cm Abstand im Unterleibsbereich halten!

In diesem Sinne also: ab nach Hause und üben!

17. Dezember 2015 – Kaya Yanar in english


Kaya Yanar braucht in Deutschland keine Erklärung, aber in Schweden gibt es weitaus weniger Stand-up-comedians, bisher haben wir eigentlich nur zwei oder drei gefunden, deren Humor über Fäkalwitze hinausgeht. Politische Comedy ist in Schweden ein ganz heißes Eisen, an das sich nur wenige Künstler herantrauen, aber wer bitterschwarze Politcomedy mag und schwedisch kann, wird diesbezüglich bei Magnus Betnér oder Zoran Ismail fündig.

Ståuppkomik med politisk inslag är mycket vanligare i Tyskland än vad det är i Sverige, och vi var mycket glada när vi äntligen hittade Magnus Betnér och Zoran Ismail – vass politisk humor, det gillar vi.
De skarpaste komiker av dess slag finns tyvärr inte på engelska men den som kan lite tyska får gärna leta efter Hagen Rether eller Volker Pispers på Youtube.

Kaya Yanar har under flera år haft sitt eget TV-program (Was guckst du?) där han drev bl.a. med tyskarnas syn på invandrare, ett av hans favoritämnen eftersom han själv är son till turkiska invandrare…

11. Dezember 2015 – Itzhak Skenström, Musikhistoriker


Itzhak Tadeusz Skenström ist eine Kunstfigur aus der schwedischen Sketchserie Hipphipp. Der gebürtige Ungar beschreibt sich selbst als „Musikprofessor, Komponist, Violinist und aller möglicher anderer Scheiß in der klassischen Welt. Meine Schüler betrachten mich als Kulturfaschisten.“

Als exzentrischer Musikkritiker mit kulturpädagogischen Ambitionen platzt er schonmal in eine Probe eines Profiorchesters und erklärt den Schlagwerkern, dass die musikalische Begabung innerhalb eines Orchesters bekanntlich abnimmt, je größer der Abstand zum Dirigenten ist, um dann das ganze Orchester eine Nachricht an die Schlagwerkssektion schicken zu lassen:

„Gebt mir ein A!“ (Orchester spielt ein A.) „Gebt mir ein D!“ (Orchester spielt ein D.) „Gebt mir ein H!“ „Gebt mir ein Es!“ – „ADHS, das komplette Schlagwerk…“ (Zu sehen hier.)

Aber Itzhak Skenström ist auch musikhistorisch interessiert und begeistert sich besonders für Militärmusik. So fährt er also nach Sachsen, um die Rolle der Militärmusik in der Schlacht bei Lützen zu erforschen, in der der schwedische König Gustav II. Adolf 1632 gegen die kaiserlichen Truppen unter Albrecht von Wallenstein in Feld zog und tödlich verwundet wurde.
Leider verwechselt Itzhak augenscheinlich die schematische Zeichnung der Truppenaufstellung mit einem Orchestersitzplan und treibt den gutmütigen Hobbyhistoriker so in die Verzweiflung…

Folgende Vokabeln könnten das Verständnis erleichtern:
trombonister – Posaunisten
tromboner(na) – (die) Posaunen
trummor – Trommeln
hela fyra kilometer bort – ganze vier Kilometer weit weg

 

9. Dezember 2015 – Hans Liberg


In Deutschland dürfte Hans Liberg mit seiner manchmal absurden, häufig überdrehten und immer intelligenten Musikcomedy mittlerweile den meisten bekannt sein. Als Holländer ist er selbstredend auch dort und in Flandern sehr erfolgreich, und er spielt sogar auch auf Englisch. Ideal für unseren halbzweisprachigen Adventskalender.

Hans Liberg är en nederländsk musikkomiker som gör sina ibland absurda, ofta galna och alltid intelligenta program inte bara på nederländska, utan även på tyska, franska och engelska. Idealisk för vår mer eller mindre tvåspråkiga julkalender.

7. Dezember 2015 – Michael Mittermeier in english


Gut drei Jahre ist es jetzt her, dass ich beim Vorstellungsgespräch für meinen jetzigen Job war. Genauer gesagt waren es sogar zwei Vorstellungsgespräche und in der zweiten Runde war auch der Mensch dabei, den ich hier gelegentlich als Lieblingskollegen bezeichne und der zweieinhalb Jahre nach jenem Vorstellungsgespräch Jonas‘ und meine Hochzeit maßgeblich mitgestalten würde.

Der Mensch, der da also auf der anderen Seite des Tisches saß, sagte während des ganzen Vorstellungsgesprächs nichts, während ich mich damals noch recht mühsam auf schwedisch durch das Gespräch kämpfte und die klassischen Fragen eines Vorstellungsgespräches abarbeitete. Als sich das Gespräch dem Ende näherte und ich schon fast begann, mich zu entspannen, schaute er plötzlich von seinen Notizen auf und fragte: „Welches sind die zwei dünnsten Bücher der Welt?“

Nach all den seriösen Fragen während beider Interviews zu Lebenslauf, pädagogischen Konzepten, musikalischen Vorlieben, kam diese Frage… nun ja, unerwartet. Ich dachte nur „Scheiße, der Typ hat die ganze Zeit nichts gesagt und jetzt werd ich am Schluss nochmal richtig gegrillt. Der ist bestimmt nur dabei um hier die Stressfragen zu stellen. Als Grillmaster sozusagen.“

Schlagfertigkeit ist das, was mir auf der Heimfahrt einfällt und in meiner Erinnerung sehe ich mich einfältig und hilflos lächeln, aber ehrlich gesagt habe ich überhaupt keine Erinnerung, was ich darauf geantwortet habe.

Der Typ schob wenig später die Antwort hinterher: „Das zweitdünnste Buch der Welt ist das Buch über norwegische Wissenschaftler. Und das dünnste Buch der Welt, das ist das Buch über deutschen Humor.“

Wie soll man in einem Vorstellungsgespräch auf sowas reagieren? „Haha, lustig! Nen Clown gefrühstückt?“ Vielleicht noch nen netten kleinen Nazi-Witz hinterher, damit wir alle Klischees bedient hätten? (Viel, viel später sollte ich erfahren, dass sie unmittelbar vor meinem Interview tatsächlich gewitzelt hatten „Jetzt kommt die Deutsche, don’t mention the war!„)

Ich habe keinen blassen Schimmer mehr, was ich darauf tatsächlich erwidert habe, vermutlich weil ich mir in dem Moment so viel Mühe gegeben habe, mein Lachen echt klingen zu lassen. Aber irgendwas muss ich wohl richtig gemacht haben, denn ich bekam den Job bekanntlich am Ende.

Aber das Thema Humor ist seither ein ernstes Thema zwischen dem Lieblingskollegen und inzwischen stapeln sich bei uns die Bücher schwedischer Komiker, die man unbedingt kennen muss und es werden jedesmal mehr, wenn der Lieblingskollege mal wieder zuhause ausmistet.

Michael Mittermeier hat sich in seinem Programm beim Fringe Festival in Edinburgh ein paar tiefe Gedanken über deutschen Humor und deutsche Korrektheit gemacht:

Michael Mittermeier är en av Tysklands mest framgångsrika ståuppkomiker. Under de senaste åren började han uppträda i Storbrittannien och USA. Ett av hans kännetecken är hans bayerska dialekt som hörs tydligt även på engelska. Hans första shower kretsade mest kring vardagsbegivenheter men nuförtiden har han blivit vassare och mer politisk.

4. Dezember 2015 – Welcome to Sweden


Bruce ist ein erfolgreicher amerikanischer Steuerberater, der wegen seiner Liebe zu Emma, einer Schwedin, Beruf und bisheriges Leben über Bord wirft, um mit nur einem Koffer mit ihr ein neues Leben in Stockholm zu beginnen. Doch vor den Erfolg haben die Götter die erste Begegnung mit Emmas Eltern gesetzt. Bruce spricht kein Wort Schwedisch, Emmas Eltern sind hingegen mit Sommerhäuschen mit Sauna in den Schären und eigenem Boot mindestens so klischee-schwedisch wie ein Inga-Lindström-Film. Weil Emma ihre Wohnung stockholmtypisch über die Sommermonate vermietet hat, ist er gezwungen, die ersten Wochen mit ihr und ihrer Familie in diesem idyllischen Alptraum aus Sauna, Krebsfest und Schnaps zu verbringen…

Welcome to Sweden ist eine schwedische Comedyserie, die inzwischen in zwei Staffeln ausgestrahlt wurde und hoffentlich auch in Deutschland auf Youtube zu sehen ist. Die meisten Dialoge sind – Bruces mangelnden Schwedischkenntnissen sei Dank – auf englisch, die schwedischen Dialoge haben englische Untertitel. Auch die weiteren Folgen der Staffeln sind auf Youtube verfügbar.

PS: Unter dem Suchbegriff Welcome to Sweden findet man auf Youtube leider auch rechtsextremische Scheiße. Bitte nicht anklicken.

Wie geht’s?


Gestern war ich zusammen mit dem Lieblingskollegen auf einer Fortbildung, eine gute Autostunde von hier entfernt. Auf der Fahrt entwickelte sich unser Gespräch (wie so oft mit jenem Kollegen) in Richtung „Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Schweden“.

Nun sind wir uns einig, dass wir beide vermutlich keine standardtypischen Vertreter unserer jeweiligen Nationen sind (und auch nicht sein wollen) und sich viele unserer Beobachtungen und eigenen Verhaltensmustern nicht auf „typisch deutsch“ bzw. „typisch schwedisch“ herunterbrechen lassen.

Gleichzeitig wohnen Jonas und ich jetzt seit über vier Jahren in Schweden und oft werde ich inzwischen selbst unsicher, wie man bestimmte Situationen in Deutschland hantieren würde und ob meine Erfahrungen, die ich zuletzt im großstädtischen Studenten-und-junge-Akademiker-Milieu gemacht habe, so repräsentativ für „die deutsche Mentalität“ (was auch immer das sein mag) sind.

Gestern landeten der Kollege und ich also bei der Frage, was man bei einer Begrüßung nach dem ersten „Hallo“ oder „Guten Morgen“ sagt und, vor allem, wie man darauf antwortet. Ich erlebe eine schwedische Begrüßung immer als sehr floskelhaft und ritualisiert. Wenn zum Beispiel Person A morgens in den Personalraum kommt und dort sitzt Person B, trinkt Kaffee und blättert gelangweilt in einer Zeitschrift…

[Thema]
A: Hej!
B: Hej!
A: Hur är läget? (Wörtl: Wie ist die Lage?)
B: Bara bra, tack! Själv då? (Wörtl.: Nur gut, danke. Und selbst?)
A: Bra, tack. (Gut, danke.)

An diesem Punkt ist die Konversation entweder beendet, weil A sich ebenfalls mit einem Kaffee und einer Zeitschrift hinsetzt und dann jeder schweigend seinen eigenen Gedanken nachhängt oder einer der beiden führt das Gespräch mit einem belanglosen Thema fort. Mit 98%iger Wahrscheinlichkeit würde es sich dann um die aktuelle Großwetterlage drehen.

Was ich mich jetzt frage: Wie würde sich die gleiche Situation in Deutschland abspielen? A betritt den Raum…

[Variation 1]
A: Hallo!
B: Hallo!
A: Wie geht’s?
B: Gut und selbst?
A: Auch gut, danke.

Hand aufs Herz: Wie oft habt ihr in den letzten 30 Tagen tatsächlich ein solches Gespräch geführt? Und wie oft lief es eher folgendermaßen:

[Variation 2]
A: Hallo!
B: Hallo!
A: Wie geht’s?
B: Och, ich hab ein bisschen Kopfschmerzen und es ist gerade recht viel zu tun. Und heute morgen ist die Spülmaschine kaputt gegangen. Aber sonst ganz gut. Und selbst?
A: So lala… Meine Tochter hat seit gestern Fieber und ausgerechnet heute musste ich morgens das Auto in die Werkstatt bringen, und dann war der Bus auch noch so voll. Und gefrühstückt hab ich auch noch nicht. Aber ansonsten läuft alles.

Dieser Gesprächsverlauf setzt zwei halbwegs kommunikationsfreudige Individuen voraus. Natürlich gibt es auch maulfaule Zeitgenossen:

[Variation 3]
A: Hallo!
B: Hallo!
A: Wie geht’s? (Oder noch kürzer: Und?)
B: Danke. Selbst? (Lies: „Das geht dich gar nichts an.“/ „Ich habe jetzt keine Lust zu reden.“)
A: Auch. (Lies: „Ich habe verstanden, dass du gerade nicht kommunizieren möchtest und respektiere das.“)

Jonas und ich waren uns einig, dass es unter anderem davon abhängt, wie gut man den Gesprächspartner kennt und wie oft man sich trifft, ob das Gespräch eher wie Variation 2 oder eher wie Variation 3 abläuft. Variation 2 spielt sich eher auf der Inhaltsebene ab, Variation 3 eher auf der Beziehungsebene, man ist ein kooperativer Gesprächspartner und passt sich dem Kommunikationsstil des Gegenübers an.

Einig waren wir uns in unserem kleinen Exil-Mikrokosmos aber auch, dass man die Frage „Wie geht’s?“ eigentlich gar nicht unbedingt stellt, wenn man nicht an einer ehrlichen und unter Umständen auch ausführlichen Antwort interessiert ist. Oder?

Zu unterscheiden, ob es sich bei der Frage „Wie geht’s?“ um eine Begrüßungsformel handelt [Variation 3], die ebenso formelhaft weitergeführt wird oder um aufrichtiges Interesse an der Befindlichkeit des Gesprächspartners [Variation 2], dazu gehört schon in vertrauter Umgebung und in der Muttersprache ein gewisses Fingerspitzengefühl.

Eröffnet man ein Gespräch mit einem interesseinduzierten „wie gehts?“ und erhält als Antwort ein knappes „Danke“, dann kann man sich durchaus mal vor den Kopf gestoßen fühlen. Andersherum will man auch nicht immer gleich mit dem gesamten Weltschmerz des Gesprächspartners konfrontiert werden, nur weil man ein flüchtiges „wie geht’s?“ ausgespuckt hat.

Und so vertraut wir inzwischen mit schwedisch als Zweitsprache sind, an solchen Situationen merkt man selbst dann eben doch den Unterschied zur Muttersprache. Gefährlich, denn meistens merken uns die Leute den ausländischen Akzent frühestens nach einigen Sätzen an. Dadurch besteht die Gefahr, wie ein ungehobelter Trampel zu wirken, wenn man die feinen Nuancen der Alltagskommunikation nicht versteht.

Die phrasenhafte Begrüßung, das beherrschen auch schon Kinder. Für gewöhnlich frage ich jeden Schüler zu Beginn einer Unterrichtsstunde, wie „die Lage ist“. Und ich kommuniziere da definitiv auf der Inhaltsebene, denn ich möchte wirklich gerne erfahren, ob der Schüler gerade einen anstrengenden Tag hinter sich hat, ob er die letzten fünf Tage mit Grippe im Bett gelegen hat, oder ob der Hamster gestorben ist, damit ich meine Unterrichtsstunde dementsprechend anpassen kann. Aber meine Schüler beantworten meine Frage zu 99% auf der Beziehungsebene mit „bra, tack“, auch wenn sich dann im Laufe der Stunde herausstellt, dass man sich am Wochenende das Handgelenk verstaucht hat, die Eltern sich gerade scheiden lassen und die letzte Mathearbeit voll in die Hose gegangen ist.

Wenn vom Schüler die Gegenfrage „und selbst?“ kommt, bin ich manchmal versucht, eine Antwort auf der Inhaltsebene zu geben – natürlich auf einem Niveau, das den Schüler nicht überfordert („gut, aber die Heizung in meinem Unterrichtsraum ist heute kaputt, ich friere schon den ganzen Tag“) – einfach um zu signalisieren, dass er mir gegenüber durchaus offen antworten darf. Andererseits frage ich mich, ob das für den Schüler nicht ganz unbehaglich ist, wenn ich aus der ritualisierten Begrüßung ausbreche und ihn mit TMI, too much information konfrontiere. Oder ob das am Ende nicht ganz furchtbar typisch deutsch ist, immer etwas zu meckern zu haben: „Ganz gut, aber…“

Der Lieblingskollege bestand übrigens am Ende unserer metakommunikativen Autofahrt darauf, dass er definitiv eine ehrliche Antwort möchte, wenn er mich morgens fragt, wie’s mir geht. Und ich glaube, das war keine Floskel.


Wie ist das jetzt mit dem „Wie gehts?“ in Deutschland? Je länger ich darüber nachdenke, desto unsicherer werde ich, wie man da in Deutschland kommuniziert. Und ihr, die ihr in Schweden oder auch anderswo im Ausland lebt oder gelebt habt, wie empfindet ihr das? Ich freue mich auf Kommentare!

Skulpturschock


Neulich in einer ersten Klasse. Mein Auftrag dort ist – neben der Vorstellung der Streichinstrumente – auch allgemeiner Natur, die Kulturschule im Bewusstsein der Kinder zu verankern. Anfangs klopfe ich immer etwas ab, wieviel sie schon wissen.

Ich: „Wisst ihr denn, was man an der Kulturschule so alles machen kann?“

Kind: „Jaaaa! Skulpturen und so.“

Ich: „Mhm… du denkst wahrscheinlich an unsere Abteilung „Bild“. Da malt und zeichnet man vor allem.“

Kind (entrüstet): „Aber warum heißt es denn dann Skulpturschule?“

Einwanderer unter sich


Neulich hatte ich ein lustiges Gespräch mit zwei ungefähr zehn Jahre alten Schülerinnen, die eine stammt aus Vietnam, die andere aus dem Iran und beide sprechen völlig akzentfrei Schwedisch.

– Bist du eigentlich Schwede?
– Ne, ich komme aus Deutschland.
– Echt? Das haben wir gar nicht gemerkt. Wie lange wohnst du denn schon in Schweden?
– Seit gut drei Jahren.
– Wie lustig, genau so lange wie wir. Aber sag mal, warum sprichst du denn dann so gut Schwedisch, man hört ja kaum, dass du nicht aus Schweden bist.
– Und euch hört man es überhaupt nicht an…
– Ja, aber…