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Maestro – Schweden sucht den Superdirigenten


Vor ein paar Tagen haben wir mal spaßeshalber unseren Fernseher in die vorhandenen Steckdosen eingestöpselt, uns aber eigentlich nicht viel davon versprochen. Doch siehe da, wir haben tatsächlich ein paar Programme, welche die Telia, das schwedische Pendant zur Telekom, uns anscheinend kostenlos zur Verfügung stellt. Dazu zählen SVT 1 und SVT 2, die als staatliche Sender vom Status her vergleichbar sind mit ARD und ZDF. Außerdem gibt es einen Sender, der den ganzen Tag ausschließlich Opern- und Konzertmitschnitte zeigt, einen Kinderkanal und zwei oder drei weitere Sender, deren Programmschwerpunkte sich uns noch nicht vollständig offenbart haben, weil jeder einzelne sich irgendwo zwischen Pro 7, Discovery Channel und arte bewegt. Ach ja, und wir haben Eurosport. Danke dafür…

Die Öffentlich-Rechtlichen: Nachrichten und Dokus

Auffällig ist, dass es auf allen diesen Sendern kaum Spielfilme gibt, weder schwedische noch internationale, die scheinen auf anderen Programmen zu laufen. Dafür gibt es gefühlt 30 Minuten pro Stunde irgendwelche Nachrichten: lokale, regionale, nationale, Wetter-, Sport-, Promi- und Kulturnachrichten. Wenig Börse, wenig Internationales. Auch amerikanische Serien, Seifenopern, oder Talkshows (sowohl „Anne Will“ als auch Krawalltalk) muss man auf unseren Sendern lange suchen. Dafür gibt es „Wer weiß am meisten?“, das Sendungskonzept wird im Untertitel mit frågesport umschrieben.
(Klammer auf: Bevor hier ein falscher Verdacht aufkommt: nein, wir sitzen nicht den ganzen Tag vor der Kiste, sondern ich beziehe mein wohlrecherchiertes Halbwissen gerade überwiegend aus dem Studium der Homepage von SVT :-) Klammer zu.)

Und es gibt Unmengen von schwedischen, englischen und amerikanischen Reportagen über menschliche Einzelschicksale, schwedische Geschichte, fremde Landschaften, Länder, Kulturen und Tierwelten sowie massenweise Magazine zu den Themen Gartenpflege, Inneneinrichtung und Essenszubereitung. Und: Maestro.

Chorleitungsunterricht als Bildungsfernsehen für die breite Masse

Maestro ist irgendwas zwischen „Deutschland sucht den Superstar“ für Promis und meinen ersten Semestern Dirigierunterricht. Das Konzept ist schlicht: sechs schwedische Prominente – eine Comedienne, eine Popsängerin, eine Kinderbuchautorin, ein Nachrichtensprecher vom Typ „Ulrich Wickert“, ein Kampfsportler und ein Schauspieler (ich kannte sie allesamt nicht) – werden innerhalb von sechs Wochen zu Dirigenten „ausgebildet“ und am Ende jeder Woche schickt eine Jury den oder die Schlechteste nach Hause. Vom ersten Teil haben wir nur die letzten Minuten gesehen, aber uns schon köstlich amüsiert. Heute war Teil 2: Chorleitung. Die komplette Folge kann man sich auf SVT.se drei Wochen lang online anschauen (ist auch ohne Schwedischkenntnisse über weite Strecken unterhaltsam).

Zu Beginn der Woche erhielt jeder Kandidat ein anspruchsvolles Chorstück, welches am Ende der Woche mit dem Schwedischen Rundfunkchor aufgeführt werden sollte. Dazu der Moderator: „Ich will euch nicht nervös machen, aber das ist der beste Chor der Welt.“ (Das ist tatsächlich keine Übertreibung, der Chor wurde über 30 Jahre lang von Eric Ericson, dem Chorleiter schlechthin geleitet.) Die Kamera begleitete die Kandidaten dann die Woche über, wie sie Unterricht in Schlagtechnik, Stimmbildung, Körperschulung und Rhythmik bei Professoren an der Königlichen Musikhochschule in Stockholm erhielten. Und ich war ernsthaft überrascht, wieviele Elemente daraus ich in meinem Studium tatsächlich auch so erlebt habe. Zum Beispiel im Wasser zu dirigieren, um das „Wedeln“ zu verlieren und ein Gefühl für Klanggewicht zu bekommen. (Auch wenn ich manchmal dachte „gut, dass jetzt kein Außenstehender zuschaut“, wenn ich in chorischer Stimmbildung mit der Zunge am linken oberen Backenzahn auf einem Bein stehend mit den Armen fuchtelnd Vibratoübungen gemacht habe). Als „Probenopfer“ wurden Schul- und Kirchenchöre herangezogen, die die Stücke ohne störenden Möchtegern-Dirigenten wahrscheinlich genauso oder besser gesungen hätten. Aber egal. Großartig war dann die zweite Hälfte dieser Doku (ab Min. 34:30), als schließlich der Rundfunkchor dirigiert wurde. Gnadenlos ehrlich hat dieser Chor jeden Wedler der Kandidaten 1:1 umgesetzt, einschließlich unfreiwilliger Crescendi, Tempo- und Taktwechsel. So gelacht haben wir selten.

In der Jury saßen eine Chorleitungsprofessorin, der königliche Hoforganist sowie ein weiterer Chorleiter. Die Beurteilungen fielen – wie nicht anders zu erwarten – bei allen Kandidaten freundlich und zurückhaltend aus: „Ich glaube, sie hatte ein wenig Schwierigkeiten, das Tempo zu halten“, so eine Sängerin über die Kandidatin ab 37:15. Und den Profis hat man den Drang, während des Stücks zu lachen, wirklich fast nicht angesehen.

Singender Thaiboxer mit Fremdschämfaktor – aber kein Dieter Bohlen

Insgesamt fand ich diese Sendung jedoch trotz des hochtrabenden Titels erfreulich realitätsnah. Man hätte auch ein „Best of“ der peinlichsten Augenblicke der Woche daraus machen können (z.B. den singenden Thaiboxer in Endlosschleife) und eine misanthropische Jury hinsetzen können, die sich am liebsten selbst im Mittelpunkt sieht. Aber gar nicht. Vielmehr hat das schwedische Fernsehen hier auf eine unterhaltsame Weise gezeigt, wie an Musikhochschulen tatsächlich unterrichtet wird – zumindest manchmal. Auch wenn es natürlich lächerlich ist, dass in der Mensa eine Orgel steht, bzw. im Orgelsaal das Mittagessen serviert wird (ca. Min. 13:00). Das gibts noch nicht mal in Schweden…

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Der hellerleuchtete Bürger


Mein Elternhaus steht in einem kleinen Dorf in Bayerisch-Schwaben. Meine Eltern, beide von der „Waterkant“ „Roig’schmeggde“ oder „Zuag’roisde“ (Reingeschmeckte oder Hinzugereiste) hatten – im Gegensatz zu unserer Nachbarschaft – nicht die Angewohnheit, abends nach Einbruch der Dunkelheit sofort die Jalousien zuzuziehen. In unserem Vierpersonenhaushalt führte das manchmal dazu, dass vier unserer Zimmer, die alle zur Straße hin ausgerichtet waren, gleichzeitig beleuchtet waren. Einmal kam abends Besuch, der im Dorf nach dem Weg fragte. Die Antwort lautete: „den Berg rauf, dann das hellerleuchtete Haus, können Sie gar nicht übersehen.“ Dazu muss man sagen, dass die Beschreibung „den Berg rauf“ auf mindestens 50 Häuser zutraf.

Geht man abends im Dunkeln durch unser Viertel hier, so gibt es eigentlich nur zwei Gründe, warum ein Fenster nicht erleuchtet ist: 1. dahinter ist die Waschküche und der Raum damit völlig uninteressant, weil die Einrichtung der Vermietungsfirma ohnehin überall die gleiche ist oder 2. es ist keiner zuhause – wobei letzteres nicht zwingend zu einem dunklen Fenster führt. Und Gardinen gibt es wenige, jedenfalls nicht vor, sondern allenfalls zur Deko neben den Fenstern. Im Gegenteil, man unterstützt den Einblick in Küche, Wohn- oder Schlafzimmer noch dadurch, dass man kleine Lampen ins Fenster stellt oder hängt, was von außen unglaublich gemütlich aussieht. Im Winter wird das bestimmt noch viel wichtiger sein, wenn es lange dunkel ist. Viele scheinen für die Fensterlampen sogar Zeitschaltuhren zu haben, denn auch, wenn die normale Zimmerbeleuchtung aus und niemand im Raum ist, brennt oft noch das Fensterlicht. Es scheint da in der schwedischen Lampenindustrie einen Zweig zu geben, der zumindest in Süddeutschland schnell pleite gehen würde. Auch in unserer Wohnung haben wir an jedem Fenster eine extra Lampensteckdose und seit vorgestern auch beleuchtete Fenster, wir haben extra ein paar Lampen im Second-Hand-Shop erstanden.

Billy oder Ivar? Kartoffeln oder Nudeln?

Dahinter steht wohl eine – uns sehr sympathische – „Wir-haben-nichts-zu-verbergen-Mentalität“. Ob ich abends fernsehe oder am Computer sitze, was es zum Abendessen gibt und ob ich im Wohnzimmer lieber Eichen- oder Kiefernmöbel habe, ist schließlich nichts, was mein Nachbar nicht wissen dürfte. Gleichzeitig gibt man sich größte Mühe, die eigene Neugier auf fremde Wohnzimmer nicht allzu deutlich zur Schau zu stellen. Einen offensichtlichen Blick in ein fremdes Haus zu werfen, den Kopf zu drehen oder gar stehenzubleiben, ist undenkbar, aber verschämt linsen, das geht schon, auch wenn jemand im Zimmer ist. Und bestimmt gucken die Schweden auch mal länger in Zimmer, die gerade leer sind. Ist ja auch nicht schlimm, man hat schließlich nichts zu verbergen.

Offentlighetsprincipen

Was im Kleinen richtig ist, kann im Großen nicht falsch sein: die schwedische Politik und Verwaltung funktionieren seit 1766 (!) nach dem Öffentlichkeitsprinzip, einem der Grundpfeiler des schwedischen Demokratieverständnisses. Prinzipiell stehen alle Akten und Verwaltungsdokumente jedem Bürger zur Einsicht bereit, ohne dass dafür ein besonderes Interesse daran nachgewiesen werden muss.  Zu diesen Dokumenten gehört natürlich auch das Melderegister. Und damit sind wir bei der großen Nachricht des Tages: Wir haben jetzt eine Personennummer und sind dadurch folkbokförd, also „volksbuchgeführt“. Obwohl es bei Antragstellung letzte Woche noch hieß, es würde mehrere Wochen dauern, bis wir die Nummer bekämen, ging es jetzt doch erstaunlich schnell. Damit können wir jetzt ein Konto eröffnen, Handy-/Internet-/Telefonverträge abschließen, kostenlos Schwedischkurse besuchen, ein Nutzerkonto bei der Bibliothek einrichten, eine schwedische ID-Karte (sowas Ähnliches wie ein Ausweis, aber das würde jetzt zu weit führen) beantragen, Noten im Internet bestellen, eine Steuererklärung machen, zum Arzt gehen, sich sozialversichern, und viele praktische und/oder lebensnotwendige Dinge mehr tun.

Die Nummer besteht aus dem Geburtsdatum und einer dreistelligen persönlichen Kennzahl (davon ist die letzte Ziffer für Frauen gerade und für Männer ungerade) und einer Prüfziffer, die sich höchst kompliziert aus den vorhergehenden Ziffern berechnet. Man muss sich also nur eine vierstellige Zahl merken.

Wer bin ich und wer sind meine Nachbarn?

Mein Alter und mein Geschlecht sind also in Zukunft kein Geheimnis mehr, wenn ich irgendwo meine Nummer angeben muss. Als ob ich jemals daraus ein Geheimnis gemacht hätte, aber egal. Spannend ist jedoch, was man mit der Nummer noch so machen kann. Auf der Seite www.ratsit.se kann man mit der Personennummer auch die Adresse der jeweiligen Person herausfinden. Oder umgekehrt. Ich kann die Adresse unserer Nachbarn eingeben und schauen, wie sie heißen (Monika und Per), wie alt sie sind (63 und 77) oder ob sie verheiratet sind (sind sie). Ich kann suchen, wieviele Menschen es in Schweden gibt, die den gleichen Nachnamen haben wie ich (es gibt noch einen in Stockholm) oder den gleichen Vornamen (38 602 in der gleichen Schreibweise, mit den Annicas, Anicas, etc. sind es 47 323). Ich kann rausfinden, wie alt die älteste Frau in Skepplanda ist (102) und dass sie an einem Freitag geboren wurde. Ich kann suchen, wieviele Schweden am selben Tag wie ich geboren sind (305) und kann feststellen, dass die meisten von ihnen noch nicht verheiratet sind. Und das sind nur die kostenlosen Funktionen dieser Website.

Das Leben der anderen

Wenn man bereit ist, dafür ein wenig zu zahlen, bekommt man auch eine Art Schufa-Auskunft, ein Kreditrating, Informationen zu Grundbesitz, das zu versteuernde Jahreseinkommen, und ein Lohnrating, mit dessen Hilfe man feststellen kann, ob andere Schweden im gleichen Alter/im gleichen Ort/der gleichen Kommune/der gleichen Län/in ganz Schweden durchschnittlich mehr oder weniger verdienen. Und das natürlich nicht nur für sich selbst, sondern für jeden, der eine schwedische Personennummer hat. Immerhin wird man wohl benachrichtigt, wenn jemand die kostenpflichtigen Daten über einen selbst abfragt. Verhindern kann man es jedoch nicht.

Ohne es genau zu wissen, vermute ich, dass es sich mit diesen Auskünften ähnlich verhält wie mit der Neugier auf fremde Wohnzimmer. Man gibt es nicht zu, aber man linst schon mal gerne ins Leben der anderen, wenn man sich unbemerkt glaubt.

Ich muss zugeben, dass sich das ein wenig komisch anfühlt, aber es gehört eben genauso zu Schweden wie rote Holzhäuschen und kanelbulle (Zimtschnecken). Deutschen Datenschützern dürfte sich hierbei wohl der Magen umdrehen. Aber ähnlich wie die Lichter in den Fenstern macht es mir Schweden irgendwie sympathisch, dass dieses Land und seine Einwohner nichts zu verbergen haben. Und schließlich habe ich meine ersten 19 Jahre in einem hellerleuchteten Haus gelebt.

Die erste Woche


Nun sind wir schon fast eine Woche hier, aber mir kommt es schon wie eine Ewigkeit vor, weil bis jetzt jeder Tag so proppevoll mit Eindrücken und Erlebnissen war. Bis heute morgen waren ja auch noch Jonas‘ Bruder und dessen Freundin hier und heute ist der erste Abend, an dem wir hier alleine sind. Aber der Reihe nach.

Montag – der Auszug

Deutschland verabschiedet sich mit einem grandiosen Sonnenuntergang

Dank vieler helfender Hände – nochmal ein dickes DANKE an euch!!! – ging das Kistenschleppen erfreulich fix und selbst beim Wohnungsputz hatten wir noch Helfer. Der Umzugs-LKW war dann auch um 11:30 schon wieder weg, während wir noch die Wohnung übergaben. Für den Flügel hatten wir eine eigene Firma engagiert, die unseren Herrn Schiedmayer aus dem 3. Stock runtertragen und den Transportschlitten und Rollwagen an die beiden Männer vom Umzugsunternehmen übergeben sollten. Der Flügel war auch fix im LKW verschwunden, nur haben sie aus unerfindlichen Gründen Schlitten und Rollwagen mitgenommen. Böser Fehler…
Gegen eins konnten wir dann auch aufbrechen. Jonas und Bruder im VW-Bus, meine „Schwippschwägerin“ und ich im Twingo. Die Fahrt nach Travemünde bei Lübeck war soweit ereignislos und glücklicherweise haben sogar beide Autos noch einen Platz auf der Fähre um 22:00 nach Malmö gekriegt, während unser LKW die kürzere Fähre nach Trelleborg nehmen musste und damit am nächsten Morgen zwei Stunden vor uns in Schweden ankommen sollte.

Dienstag – der Einzug

Gegen 7 Uhr kamen wir in Malmö an und starteten direkt durch nach Skepplanda, schließlich hatte der LKW schon einigen Vorsprung (dachten wir zumindest). Nach etwa dreieinhalb Stunden kamen wir an und Per, der Platzverwalter der Wohnungsgesellschaft, mähte gerade vor unserer Wohnung den Rasen. Die Wohnung war blitzblank geputzt, das hatte offensichtlich eine Reinigungsfirma gemacht, so sauber kann eine Küche eigentlich nur sein, wenn sie gerade neu eingebaut ist (ich weiß, wovon ich rede, ich hatte in Karlsruhe gerade noch einen ganzen Tag lang unsere Küche geputzt!).

Unser Haus wird gerade noch frisch gestrichen - der Giebel wird auch noch rot

Alle Elektrogeräte, d.h. Kühlschrank, Waschmaschine, Trockenschrank und – endlich! – Spülmaschine sahen ebenfalls aus wie frisch ausgepackt und sind von einer namhaften deutschen Weißwarenfirma.

Unser LKW war noch nicht da, also hatten wir noch Zeit für einen Gang zu unserem Minisupermarkt im Ort. Am fortgeschrittenen Nachmittag – wir fragten uns allmählich, ob sie nicht doch die Fähre nach Litauen genommen hatten und dort gerade unseren kompletten Hausstand vertickten – kam dann endlich auch der LKW. Sie hatten in Trelleborg eine falsche Adresse ins Navi eingegeben und waren direkt zu ihrem nächsten Kunden in der Nähe von Växjö gefahren. Da wir ja jetzt ebenerdig wohnen, waren die Kartons und die Möbel zügig ausgeladen – und dann kam der Flügel. Ohne Schlitten, ohne Rollwagen.

Erstes Abendessen auf unserer Veranda

Zuerst versuchten wir eine Schiebelösung mit massenhaft Wolldecken. Unmöglich. Dann konstruierten wir eine Gurttragevorrichtung (Auf der Gurtverpackung stand: „ACHTUNG! Nur zum Verzurren, nicht zum Transport schwerer Gegenstände!“), die uns – oder vielmehr: den Flügel – aber auch nicht nennenswert weiterbrachte. Schließlich fuhr Jonas mit einem der Umzugsmänner in den nächsten Baumarkt, um einen Rollwagen zu kaufen. Fehlanzeige. Ziemlich frustiert saßen wir sechs dann da und wussten nicht richtig weiter.

Ziemlich hoffnungslos fragte Jonas schließlich Milan, den Maler, der gerade unsere Dachbalken rot anmalte, ob er nicht eine Idee habe. Und siehe da: aus seinem Werkzeugschuppen holte Milan einen hydraulischen Hebewagen, der unser Problem in kürzester Zeit löste. 20 Minuten später stand der Flügel unversehrt und spielbereit im Wohnzimmer. Milan ist übrigens nach eigenen Angaben Jugoslawe und hat 8 Jahre in Mainz gelebt und freute sich riesig mal wieder deutsch sprechen zu können – was er gleich dazu nutzte, mich zu fragen, ob ich nicht seiner immer noch in Deutschland lebenden Frau eine Arbeitserlaubnis z.B. als Putzhilfe verschaffen könnte.

Mittwoch – Kisten auspacken

Was soll ich viel schreiben, außer auspacken haben wir an diesem Tag nicht viel gemacht.

Donnerstag – erster Kontakt mit schwedischen Behörden und IKEA

In Schweden gibt es kein Einwohnermeldeamt, denn die Anmeldeformalitäten übernimmt das skatteverket (Finanzamt), dann kennt zumindest die wichtigste schwedische Behörde schonmal die neue Adresse… Bevor wir uns dort aber anmelden und damit eine Personennummer beantragen konnten, mussten wir zunächst unser Aufenthaltsrecht als EU-Bürger beim migrationsverket registrieren. Das hatten wir schon zwei Wochen zuvor von Deutschland aus online gemacht und uns auf eine Wartezeit von 3 Monaten eingestellt. Aber siehe da: Als wir einzogen, lag der wichtige Brief vom Migrationsverk bereits seit 10 Tagen in unserem neuen Briefkasten. Also konnten wir damit direkt zum Skatteverk gehen und die Personennummer beantragen. Das war ein unkomplizierter Gang mit einem zweiseitigen Formular ohne irgendwelche Wartezeiten. Jetzt heißt es 4-6 Wochen auf die Personennummer warten.

Sommerdiamanten!

Das Skatteverk liegt auf dem Weg zu unserem nächsten IKEA, der etwa 30 km entfernt ist. Auch dazu muss ich nicht viel sagen, es gibt dort Billy, Benno und Köttbullar. Und das Regal, dessentwegen man dorthin gefahren ist, ist gerade nicht mehr im Lager. Also alles genauso wie in einem deutschen IKEA.

Abends lockt ein Sprung in „unseren“ See, nur 8 km entfernt. Inzwischen hüpfe ich rein, ohne mich vorher abzukühlen. Wir haben noch nicht gemessen, aber er hat wohl so um die 20 Grad. Und wenn man abends hingeht, hat man den See auch ganz für sich alleine.

Freitag – Ausflug nach Trollhättan

Die Vattenfall-Wasserfälle

Jonas zweiter Bruder ist gerade in Oslo und kam übers Wochenende. Da die Bahnstrecke vor unserem Dorf noch die nächsten zwei Wochen umgebaut wird, konnte er nur bis Trollhättan fahren, was wir dazu nutzten, uns die Stadt anzuschauen. In Trollhättan sitzen Saab und Volvo Aero, außerdem ist es die Geburtsstadt von Vattenfall, denn dort steht das „Ur-Wasserkraftwerk“ an einem Wasserfall, der heute noch zu touristischen Zwecken im Sommer eine Viertelstunde am Tag geöffnet wird. Als wir dort waren, fiel tatsächlich jede Menge Wasser, sodass wir uns schnell in das absolut empfehlenswerte Technik- und Naturwissenschaftsmuseum Innovatum verkrochen.

Leuchtturm auf Marstrand, im Hintergrund eine Regatta

Samstag – Ausflug ans Meer

Mit nun drei Feriengästen und bestem Sommerwetter bot sich ein Ausflug in die Schären geradezu an.

In den Schären bei Marstrand

Marstrand liegt auf einer Schäre desselben Namens etwa eine Autostunde von uns entfernt. Man kann mit dem Auto bis auf die vorletzte Insel fahren, dann geht es mit einer kleinen Fähre hinüber nach Marstrand. Dort machen viele Schweden Urlaub, aber auch superreiche Russen mit ihren schicken Yachten kann man dort sehen. Oder man macht sich zu Fuß auf den Weg in den westlichen Teil der Insel und kann sich ganz schnell wie der einzige Insulaner fühlen.

Sonntag – Ausflug in Königs Elchjagdrevier

Nahe Trollhättan gibt es zwei Tafelberge direkt am Vänern – Halle- und Hunneberg -, wo die Königsfamilie wohl regelmäßig auf Elchjagd geht, was die Wahrscheinlichkeit, dort einen Elch zu sehen, zumindest außerhalb der Jagdsaison deutlich erhöht. Uns reizte jedoch mehr die Vorstellung, von einer  50 m hohen Steilklippe aus über den Vänern zu schauen und eine schöne Wanderung zu unternehmen, daher haben wir auch das Elchmuseum links liegen gelassen. Abends wartete dann in Trollhättan der Zug nach Oslo auf Jonas Bruder.

Montag – Alltag kehrt ein

Nachdem vormittags auch unsere beiden geduldigen Umzugshelfer abgereist sind, war das heute unser erster Tag allein in unserem neuen Heim. Inzwischen haben wir zumindest einen Internetstick, mit dem sich das Surfen ein bisschen anfühlt wie in den späten 90ern, so langsam ist es. Daher können wir leider noch nicht skypen, aber wir sind an einer besseren Internetverbindung dran. Immerhin habe ich heute ernsthaft mit der Jobsuche beginnen können und meine Daten in verschiedenen Jobbörsen hinterlegt.

Der Urwald vor der Haustür

Zum ersten Mal haben wir heute einen längeren Spaziergang von unserem Haus aus unternommen. Nur 100m von hier beginnt ein Urwald, wo man hinter jedem Baum Ronja Räubertochter erwarten könnte und der noch viele Möglichkeiten für unterschiedliche Runden über Stock und Stein bereithält. Und für den Winter gibt es eine beleuchtete Loipenrunde durch den Wald. Das ist doch was anderes als unsere Standardrunde durch die Karlsruher Schrebergärten.

Viel los also in den letzten Tagen und jeden Tag so viel Neues. Die nächsten Tage werden wir hier noch weiter rumräumen und ein Besuch bei IKEA steht auch noch an, bevor für Jonas nächsten Montag das Semester startet. Bis dahin genießen wir hier den Spätsommer, der uns mit viel Sonne und Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad beglückt. So solls sein!

Gedanken am Umzugsmorgen


Es ist halb sieben. Neben mir liegt Jonas und schläft selig. Noch eine halbe Stunde, dann klingelt der Wecker. Ich habe wenig geschlafen, zu viel ging mir durch den Kopf. Vor allem der Dauerregen heute Nacht machte mir Sorgen. Wie kommt der Flügel trocken in den LKW? Halten die Kartons noch, wenn wir sie 10 Meter durch Platzregen tragen? Draußen Lärm. Ich stehe auf und öffne das Wohnzimmerfenster. Gerade kommen die Sperrmüllautos. Das erste sammelt Teppiche und alles, was weich ist, ein. Das zweite kriegt alles aus Holz, die Sachen werden direkt zerkleinert, das ist ganz schön laut. Gut, dass wir meinen schönen Computertisch, der nicht in die neue Wohnung passt, gestern abend noch an die chinesische Studentin aus der WG über uns verschenken konnten, sie hat sich so gefreut.
Der Regen hat aufgehört, Richtung Westen sieht man ein paar blaue Ecken am Himmel. Draußen riecht es schön frisch und kühl, perfektes Wetter zum umziehen. Die Straßenbahnen rattern unentwegt an unserm Haus vorbei, neuerdings liegen wir baustellenumleitungsbedingt ja an der Hauptstrecke, die von Osten in die Stadt kommt.Das wird in Schweden bestimmt ruhiger sein…

Viertel vor sieben. Ich gehe wieder ins Bett, Jonas nuschelt verschlafen „blogstduschonwieda?“. Schlaf weiter, hast noch ne Viertelstunde. Gleich gehen wir zu unserem Bäcker um die Ecke frühstücken, ist ja schon alles eingepackt. Frau A., die nette Verkäuferin, die uns immer was extra schenkt, müsste heute aus Ihrem Urlaub zurück sein, vielleicht können wir uns noch verabschieden.

Jetzt klingelt der Wecker. Es geht los. Ich freue mich!

Der letzte Abend in Karlsruhe


Die Sonne scheint, leise plätschert das Wasser ans Ufer, eine gelbe Fähre tuckert durchs Bild… es ist Sonntagabend und Inga-Lindström-Zeit! Und – ja, wir haben tatsächlich Zeit, mit einem Auge diese Schmonzette zu schauen. (Natürlich nur wegen der Landschaftsaufnahmen, denn nach den ersten fünf Minuten war ja eh klar, wie’s ausgeht ;-)) Alle Kisten sind gepackt, die Wohnung geputzt, der Sperrmüll entsorgt. Wir sind bereit für den Umzugs-LKW, der morgen früh um neun anrollt.

Die zahlreichen ungeplanten Vorfälle der letzten Tage haben sich zum Teil noch gelöst. Jonas hat seine Pässe wieder und ist krankenversichert und das neue Schloss am Auto ist nach viel Gerenne und einem Kniefall vor dem Werkstattmitarbeiter tatsächlich noch eingebaut worden. Der kurzfristige Rückzug unserer „Beinahe-Nachmieterin“ wird uns jetzt voraussichtlich eine weitere Monatsmiete kosten, aber es gibt bereits wieder einige Interessenten für unsere Wohnung. Vielleicht klappt es ja doch noch rechtzeitig, aber die Chance darauf ist realistisch betrachtet doch eher gering.

Viele Abschiede haben wir in den letzten Tagen hinter uns gebracht und mit jedem wurde ich ein wenig sentimentaler, auch wenn die Umzugsaufregung, die Vorfreude und die Neugier auf unser neues Zuhause überwiegen. Habe ich schon erwähnt, dass wir in der neuen Wohnung eine Spülmaschine haben? Wenn das kein Grund ist, sich zu freuen…

Der große Tag

Morgen, am Tag 0, auf den unser Zähler seit 158 Tagen hinzählt, haben sich für halb neun einige von Jonas‘ Kollegen aus dem Max-Reger-Institut zum Kartons tragen angemeldet. Wahrscheinlich gab es in der Musikgeschichte wenig Umzüge, bei denen der prozentuale Anteil an promovierten Musikwissenschaftlern unter den Umzugshelfern größer war :-) Wir danken Euch jetzt schon dafür!
Um neun will das Umzugsunternehmen kommen und erst mal den Flügel in den LKW packen, dann der Rest hinterher. Auch Jonas‘ Bruder und dessen Freundin werden morgen vormittag in Karlsruhe eintreffen und mit nach Schweden kommen. Der LKW sollte dann gegen 12 abfahren, denn der muss die Nachtfähre um 22.00 ab Travemünde nach Malmö kriegen. Wir saugen nochmal die Wohnung und übergeben dann (hoffentlich komplikationsfrei – haltet uns die Daumen!) unsere Wohnungsschlüssel an den Hausmeister. Mit zwei Autos folgen wir vier dann dem LKW. Mit viel Glück schaffen wir auch die Nachtfähre und gönnen uns acht Stunden Pause, ansonsten gehts via Vogelfluglinie auf dem Landweg durch Dänemark durch bis nach Skepplanda. Finanziell macht das fast wie keinen Unterschied, schlaftechnisch natürlich schon. Aber wir müssen ja irgendwie vor dem LKW in Skepplanda sein, damit wir dort die Wohnung und die Schlüssel in Empfang nehmen können. Man erwartet uns dort schon und das letzte Telefonat am Freitag mit dem dortigen Hausverwalter war sehr nett.

Soweit jedenfalls der Plan, mal sehen, ob wir das alles so einhalten werden oder ob noch wieder neue Katastrophen eintreten. Ich weiß noch nicht, wie schnell wir in Schweden wieder Internet haben, wahrscheinlich werden wir uns übergangsweise erstmal mit einem Internet-Stick behelfen.

Die blonde Frau im Fernsehen hat sich inzwischen – völlig unerwartet natürlich – dafür entschieden, nicht nach Amerika auszuwandern, sondern ihr Leben in einer beschaulichen schwedischen Kleinstadt an der Seite eines Arztes zu verbringen. Ob Jonas nicht doch noch Arzt werden will? Ich frag ihn mal…

Landesteile, Läns und Landschaften


So wie manche Menschen sich stundenlang Bildbände mit italienischen Malern anschauen oder sich in einen Krimi vertiefen können, so kann ich mir Landkarten angucken. Ich finde es spannend, Städte, Flussläufe und Gebirge auf topografischen Karten zu entdecken und mir fiktive Wanderrouten zurechtzulegen, aus thematischen Karten Bevölkerungsdichte und Bodenschätze herauszulesen oder anhand historischer Karten Veränderungen von Landesgrenzen und Küstenlinien nachzuvollziehen. Deshalb habe ich seit gestern eine neue Lieblingswebsite: Sveriges Nationalatlas. Dort gibt es gut 4800 verschiedene thematische Karten von ganz Schweden sowie einzelnen Regionen. Natürlich finden sich hier Klassiker wie Wahlergebnisse nach Regionen oder Arbeitslosigkeitsverteilung, aber auch die Dichte von Amateurorchestern oder die Verteilung finnischer Touristen im Jahr 1990 kann man sich hier anzeigen lassen.

Nutzen wir also die Gelegenheit, um uns Schweden mal etwas genauer anzuschauen: Von der Südspitze Schwedens, Smygehuk, bis zum nördlichsten Punkt, dem Dreiländereck Schweden/Norwegen/Finnland (Treriksröset)  sind es rund 1570 km. Damit würde Schweden, klappte man es an der Südspitze um, nicht wie häufig kolportiert, bis Sizilien reichen, sondern nur bis knapp hinter Rom. (Dieser Irrtum resultiert aus der Mercatorprojektion, auf die viele von uns während langweiliger Erkundestunden gestarrt haben und die die Flächen zu den Polen hin vergrößert. Aber genug kluggesch…).

Wenn man Schweden ganz grob unterteilen möchte, so gibt es drei Landesteile (landsdelar): Norrland, Svealand und Götaland. Diese Unterteilung hat keinerlei politische Bedeutung, auffällig ist jedoch, dass weit mehr als die Hälfte der Fläche Schwedens Norrland zugerechnet wird. Gleichzeitig wohnt hier nur rund ein neuntel aller Schweden. Damit hat Norrland eine Bevölkerungsdichte von rund 4,5 Einwohnern pro km². Das ist jedoch nur ein Durchschnittswert, denn natürlich konzentriert sich die Bevölkerung an der Küste und den wenigen größeren Städten. Je weiter man nach Süden und/oder an die Küsten kommt, desto dichter besiedelt ist Schweden; allerdings ist es mit einer Einwohnerdichte von ca 21 Einw./km² auf ganz Schweden gerechnet immer noch ein relativ leeres Land (vgl. Deutschland: 229/km²).

Die nächstkleinere Gliederungsebene Schwedens sind die Läns, ein Begriff der mit dem deutschen Wort Lehen verwandt ist. Die 21 Läns sind politisch relevant und ansatzweise vergleichbar mit den deutschen Bundesländern.

Nicht zu verwechseln mit den Läns sind die Landschaften (landskap), die zwar keine politische Relevanz (mehr) haben, die einem aber häufig im Alltag begegnen. Vielleicht hat sich ja beim Betrachten der zweiten Karte schon der eine oder andere gefragt, wo denn die bei vielen Deutschen so bekannten und beliebten Regionen wie Småland, Bohuslän, Dalsland oder Lappland liegen.

Die heutigen Läns sind in Namen und Grenzen den 25 historischen Provinzen zwar nicht unähnlich, aber etwas prosaischer, zumindest was die Namen angeht. Kein Kleines Land mehr (Småland), kein Land der Täler (Dalsland) und kein Land der Lappen (die korrekterweise Sami heißen). Stattdessen flächendeckender Nordboden (Norrbotten). Südlich davon liegt der Westboden Västerbotten, dessen östlicher Bruder Österbotten in seiner historischen Ausdehnung große Teile des heutigen Finnlands umfasste. Die heutige Verwaltungseinheit in Finnland (ja, wirklich: lääni) gleichen Namens ist weitaus kleiner. Aber ich schweife ab. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass jede Landskap jeweils ein eigenes Landschaftstier, einen Landschaftsfisch (jaja, die Schweden sind ein Volk von Anglern), einen Landschaftsvogel und eine Landschaftspflanze hat. Außerdem ein Landschaftsgericht, -insekt, – moos, -pilz, -sternbild, -gestein, -chemisches Element und einen Landschaftsapfel.

In unserem Fall Västergötland wären dies:

Landschaftstier: Kranich
Landschaftsfisch: Quappe (hat nichts mit Fröschen zu tun)
Landschaftsvogel: Kranich (sehr ökonomisch: Tier = Vogel)
Landschaftspflanze: Besenheide
Landschaftsgericht: Schweinefilet mit Pfifferling- und Kohlrabisauce (alternativ auch: Grynkorv, eine Art Kartoffelwurst oder Elchfilet mit Zimt und schwarzer Johannisbeersauce)
Landschaftsinsekt: Lungenenzian-Ameisenbläuling
Landschaftsmoos: Abietinella abietina (übrigens auch Moos des Jahres 2011! oha…)
Landschaftspilz: Granatroter Saftling
Landschaftssternbild: Schlangenträger
Landschaftsgestein: Plateaudiabas (den gibt’s übrigens auch bei Jonas im Sauerland)
Landschaftselement: Uran
Landschaftsapfel: Kavlås (benannt nach dem Herrenhaus Kavlås).

(Quelle: Wikipedia… was auch sonst)

Puh…! Was das alles miteinander zu tun hat? Keine Ahnung. Aber vielleicht weiß es ja eine/r unserer Leser(innen)… Wir können ja ein Preisausschreiben daraus machen: Wer aus dieser Liste eine spannende oder lustige Geschichte bastelt und sie uns schickt, dessen Œuvre wird hier veröffentlicht. Wir sind gespannt! (Einsendeschluss ist, wenn unser Countdown auf Null steht.)

Ich bin Master…


Zu erklären, was ich wie, mit welchen Zusatzprüfungen, Schwerpunkten und Ergänzungsqualifikationen studiert habe, fällt mir ja schon in Deutschland nicht immer leicht – zumindest wenn ich es jemandem erklären soll, der nicht etwas Ähnliches studiert hat.

Im August letzten Jahres habe ich versucht, meine Studienzeit in ein Formular des schwedischen Högskoleverkets („Hochschulwerk“) zu pressen, das für die Anerkennung ausländischer Studienabschlüsse zuständig ist. Vier Monate später, so um die Jahreswende, erhielt ich dann ein ziemlich edel aussehendes Stück Papier mit Prägedruck und allem Drum und Dran, das auch fast alle meine Abschlüsse auf schwedisch auflistete und erklärte, welche schwedischen Studienabschlüsse dazu äquivalent sind. Leider fehlte ein Teilstudium völlig und so habe ich das Högskoleverk gebeten, das Anerkennungsschreiben nochmal zu überarbeiten.

Nach weiteren drei Monaten erhielt ich jetzt ein neues „Utlåtande“, das viel ausführlicher als die erste Version meine Studiengänge auflistet und zudem meinen Studienabschluss (Staatsexamen) nicht mehr als schwedisches Magisterexamen (vierjährig) sondern als schwedisches Masterexamen (fünfjährig) anerkennt. Kurioserweise fehlt dafür jetzt in der Überschrift mein zweites Hauptfach, obwohl es im „Kleingedruckten“ korrekt genannt und beschrieben ist. Ich weiß noch nicht, ob ich jetzt nochmal reklamiere oder es so hinnehme wie es ist; es würde wohl auf jeden Fall wieder weitere 3-4 Monate dauern, wenn es nochmal überarbeitet wird und dann sind wir ja schon vielleicht schon in Schweden…

Sinn dieses Anerkennungsverfahrens ist es, schwedischen Arbeitgebern bei einer Bewerbung etwas in die Hand geben zu können, das von glaubwürdiger Seite bestätigt, dass man ein abgeschlossenes Studium hat und welchem schwedischen Abschluss dieses entspricht. Da ja jetzt der ganz komfortable Einstieg in den schwedischen Arbeitsmarkt über den DAAD voraussichtlich nicht klappt, habe ich mich umso mehr gefreut, dass mein Abschluss jetzt gegenüber der ersten Version „upgegradet“ wurde.