Archiv der Kategorie: Sverige

Nationale Prüfung und Gedanken zum Muttersprachunterricht


Als Anfang September mein Schwedischkurs begann, bin ich ja direkt in den Kurs SAS grund eingestiegen, der kommenden Juni mit der nationalen Prüfung abschließt, die auch schwedische Neuntklässler am Ende ihrer Grundschulzeit ablegen. Sowohl im „normalen“ Schulsystem als auch in der kommunalen Erwachsenenbildung komvux (kommunala vuxenutbildning) wird zwar der Schwedischunterricht für Muttersprachler und Nichtmuttersprachler getrennt durchgeführt, die Prüfung am Schluss ist aber für alle gleich. Als erwachsene Nichtmuttersprachlerin schreibe ich also exakt die gleiche Prüfung mit den gleichen Texten und Aufgaben wie die schwedischen Jugendlichen am Ende ihrer neunjährigen Grundschulzeit.
Die Prüfung SAS grund besteht aus drei Teilen (Leseverständnis, Textproduktion und eine mündliche Prüfung), die an verschiedenen Tagen stattfinden, welche vom Skolverket, der Schulbehörde, festgelegt werden. Aber wer jetzt an den Staatsakt denkt, der z.B. beim Zentralabitur in Baden-Württemberg mit Sicherheitstransportern, versiegelten Umschlägen und anderem Bürokraborium zelebriert wird, der liegt falsch. Irgendwie wird das hier eine Nummer lockerer gehandhabt…

Seit drei Wochen besuche ich parallel den Kurs SAS A – das ist sozusagen eine Klassenstufe höher – weil Anna, meine Lehrerin in SAS grund bald gemerkt hat, dass ich mich etwas langweile. Deswegen hat sie auch beschlossen, dass ich die nationella prov schon jetzt machen könnte. Gestern drückte sie mir zu Beginn der Stunde ein 16seitiges Heft in die Hand, das Pflichtlektüre für die nationale Prüfung ist. Darin waren Sachtexte, Zeitungsartikel, Kurzgeschichten, Gedichte und auch ein paar Bilder. Die Texte sind Grundlage für die Leseverständnisprüfung und eigentlich dazu gedacht, sie im Unterricht mehrere Wochen lang durchzukauen. Nach einer halben Stunde war ich damit durch und hatte nicht das Bedürfnis, mich noch nennenswert länger damit zu beschäftigen. (Endlich zahlt sich mein Germanistikstudium mal aus…!) Ich ging also wieder zu Anna, um sie nochmal genauer zum Aufbau der Prüfung zu befragen, die ich kommenden Montag ablegen sollte. Sie schaute erst etwas ungläubig, ob ich wirklich schon mit dem Heft durch wäre, akzeptierte das dann aber und bot mir an, die Prüfung schon am nächsten Tag zu machen. Und so habe ich heute die erste Teilprüfung abgelegt und ich bereue bislang nicht, mich nicht länger vorbereitet zu haben. Soviel also zum Thema nationale Prüfung…
Spannend finde ich aber, dass ich die offiziellen Prüfungstexte und den offiziellen Prüfungsbogen fürs Schuljahr 2011/12 hatte. Ob die Teenies im Februar dann wirklich die die gleiche Prüfung schreiben wie ich heute…? Irgendwie kann ichs mir ja nicht vorstellen. Aber vielleicht erschließt sich mir da gerade eine ungeahnte Einnahmequelle auf schwedischen Schulhöfen…

Als ich meine Prüfung abgab, meinte Anna dann, dass wir doch auch gleich morgen den mündlichen Teil machen könnten. Klar, warum nicht… Und der dritte Teil kommt dann Anfang November, wenn mein Kurs gerade seine erste Zwischenprüfung schreibt.

Die Prüfung heute war… nun ja… einfach. Einige Multiple-Choice-Fragen, viele Fragen, die sich mit ein paar Worten beantworten ließen und zwei bis drei tiefergehende Fragen nach Text-Bildzusammenhängen. Knietief, nicht schwimmtief. Offentlich scheinen schwedische Kinder in den ersten neun Jahren noch sehr viele andere Dinge im Schwedisch-Unterricht zu lernen die nicht abprüfbar sind, denn ansonsten wäre diese Prüfung – mit Verlaub – ein Witz. Die Texte selbst, allesamt authentisch, waren an sich angemessen was Inhalt und Sprachniveau angeht, aber die Fragen dazu waren teilweise grenzwertig naiv.

So sehr ich mich auch darüber freue, wie unkompliziert das mit Schwedischlernen hier ist, so sehr wundere ich mich aber auch über die Inhalte und das Niveau. Nein, ich kritisiere es nicht, ich wundere mich. Und ich stelle Tag für Tag den Muttersprachunterricht in Deutschland mehr in Frage. Gut, von innen kenne ich nur baden-württembergische Gymnasien und das ist ja auch nur ein Bruchteil der 16 deutschen Schulsysteme. Dafür kenne ich da sowohl die Anforderungen, die an die Schüler, als auch die, die an die Lehrer gestellt werden, aus eigener Erfahrung.

Schwedisches Schulbuch für die 9. Klasse, Schwedisch als Zweitsprache

Ich frage mich, warum sich dort die 15jährigen durch den Kanon der deutschen Klassiker und Barocklyrik durchackern müssen, während hier Jugendliteratur der letzten 15-20 Jahre im Unterricht gelesen wird. Warum dort Reimschemata, Versmaße und verschiedene Strategien der Dramenanalyse und -interpretation gepaukt werden und man hier erklärt, welche Gefühle man bei der Lektüre eine bestimmten Buches hatte und ob einem das Buch gefallen hat. Warum dort ein Autor mindestens tot oder Nobelpreisträger sein muss, bevor man ihn als Schullektüre würdigt und hier Håkan Nesser und Henning Mankell im Unterricht gelesen werden.

Offensichtliches Unterrichtsziel hier scheint die Freude am Lesen und der Abbau eventuell vorhandener Berührungsängste mit Zeitungen zu sein, denn jede Woche schreibe ich mehrere fiktive Zeitungstexte – Leserbriefe, Kommentare, usw. – die vor allem darin bestehen, seine persönliche Meinung zu irgendeinem Thema auszudrücken. (Vielleicht müssen die konsensorientierten Schweden das wirklich üben?)

Die Germanistin und Musikerin in mir erinnert sich natürlich an zahllose Seminare, die der Einübung der Rechtfertigung des eigenen Faches dienten. Warum es so wichtig ist, unsere Kinder an Bach und Kant, Schiller und Mozart, Schönberg und Goethe geistlich und sittlich reifen zu lassen.
Natürlich habe ich das nicht vergessen und die „klassische Bildung“ (was auch immer das letztendlich ist) steckt auch zu tief in meiner Seele als dass ich ihren Nutzen völlig in Frage stellen möchte. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob diese Haltung nicht an der Mehrheit der Schüler vorbeigeht, mögen die Lehrer auch noch so toll ausgebildet und motiviert sein. Und ob der Sache letzten Endes nicht mehr dadurch gedient wäre, wirkliche Begeisterung für Literatur durch spannende Jugendbücher zu wecken als den Götz von Berlichingen mit ach-so-schülerzentrierten Methoden wie Standbildern nachzutanzen oder den  Werther als Foto-Love-Story im Bravo-Stil oder als Manga nachzuerzählen.

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Was die Schweden bewegt: Dubbdäck


Dieses Zeichen gibt es in Schweden gar nicht - warum wohl?

Pünktlich mit den ersten Frostnächten begann hier eine heiße Diskussion in den Medien wie auch in unserem – zugegebenermaßen noch recht kleinen – Bekanntenkreis: Dubbdäck oder nicht? Das Wort Dubbdäck klingt wie ich finde genauso lustig knubbelig wie das, was es bezeichnet: Winterreifen mit Spikes. Hierbei scheint es sich um eine ähnlich grundlegende Frage zu handeln wie die Frage nach Windows oder Mac, Lamy oder Pelikan, HSV oder St. Pauli, Popcorn süß oder salzig.

...Dafür dieses hier...

Nur für wenige Menschen lässt sich diese Frage eindeutig beantworten: Wer in der (Groß)Stadt wohnt und nur dort sein Fahrzeug braucht, sollte tunlichst dubbfritt (knubbelfrei) wählen, denn die Spikes zerstören den Straßenbelag und erhöhen die Feinstaubbelastung, außerdem werden die Straßen ja geräumt und gesalzen.
In Göteborg und inzwischen wohl auch einigen anderen Kommunen gibt es sogar Straßenzüge, wo das Fahren mit Spikes bei Strafe verboten ist.

Wo wird geräumt?

Was ist, wenn das Streusalz ausgeht?...

Wer aber wie zwei Kurskameradinnen aus meinem Schwedischkurs tief im Wald wohnt und auch unter normalen Bedingungen schon 10 km Schotterstraße bis zur nächsten geteerten Straße fahren muss, der darf wohl kaum damit rechnen, im Winter geräumte Straßen vorzufinden und sollte unbedingt vor dem ersten Wintereinbruch Dubbdäck aufziehen.

Brauchen wir Dubbdäck?

...ist das dann eine geeignete Alternative?...

Wenn die Welt doch so einfach wäre! Was aber machen all diejenigen, die weder tief im Wald noch mitten in der Großstadt wohnen, sondern so wie wir irgendwo auf dem Land, wo die Straßen zwar nicht mehr breit, aber immerhin noch geteert sind? Wo man aber trotzdem nicht ausschließen kann, im Winter mal die eine oder andere ungeräumte Straße fahren zu müssen oder zu wollen? Wo man aber trotzdem auch mal in die Göteborger Innenstadt muss?

Leider können wir auch noch überhaupt nicht einschätzen, wie hier in Västra Götaland der Winter und insbesondere die Räumverhältnisse sind. Die Göteborger sagen zwar, ihr Winter sei in erster Linie nasskalt und matschig, aber Göteborg liegt nochmal 40 km südwestlich von uns, ist eine Großstadt und außerdem am Meer gelegen.

... oder doch besser so?...

Unsere Nachbarn hingegen haben erzählt, dass sie im letzten Winter die Fenster im Erdgeschoss nicht mehr öffnen konnten, weil Schnee davor lag (die Fenster öffnen sich nach außen). Manche Straßen hier werden gesalzen, manche aber wohl auch eher planiert und gestreut. Und wenn es da an einem sonnigen Wintertag ein wenig antaut und wieder friert und das möglichst ein paar Tage hintereinander…???

Wenn die Wahl der Winterreifen zur ideologischen Frage wird…

Auf der Suche nach den richtigen Reifen haben wir hier noch keine vernünftige, neutrale Antwort bekommen, weil in der Frage nach Dubbdäck irgendwie jeder sein persönliches Glaubensbekenntnis abgelegt zu haben scheint. Die jeweils „falsche“ Wahl wird dann in Grund und Boden verdammt bzw. die Existensberechtigung der jeweils anderen Reifen lediglich für einen möglichst weit entfernt liegenden Teil Schwedens anerkannt. Demnach kann man also höchstens noch in Malmö ohne Dubbdäck fahren bzw. sind Dubbdäck nur was für die komischen Norrländer.

...sowas brauchen wir hoffentlich nicht!...

Göteborgs Posten, Schwedens zweitgrößte (seriöse) Tageszeitung forderte kürzlich, das Spikeverbot gänzlich aufzuheben: „Warum soll man sein Leben für einen nicht nachweisbaren Umwelteffekt riskieren?“ Puh, da hatte jemand die ganz harte journalistische Keule ausgepackt. Ungedubbte Reifen seien lebensgefährlich, und gerade sei eine neue Studie des staatlichen Weg- und Transportforschungsinstituts (VTI) herausgekommen, die beweise, dass Dubbdäck am sichersten seien. Der Vorwurf der erhöhten Feinstaubbelastung in den Städten sei hingegen nicht nachweisbar. Außerdem – und jetzt wird es kurios – täten die Dubbdäckfahrer den restlichen Verkehrsteilnehmern einen großen Gefallen, da durch die Spikes der Straßenbelag aufgerauht und somit die Rutschgefahr vermindert werde. Damit dieser Effekt eintreten könne, müssten aber mindestens 50% der Fahrzeuge gedubbt sein, sagen jedenfalls norwegische Studien.

Fragt man die Göteborger Verkehrspolizei, so fährt die den ganzen Winter durch mit Dubbdäck. Privat jedoch sind die meisten Polizisten ohne Spikes unterwegs. Abgesehen davon, dass Dubbdäck die Luftverschmutzung begünstigen und die Straßen kaputtmachen, sind sie wohl auch ziemlich laut und auf trockenem Asphalt ist die Haftung auch deutlich geringer gegenüber normalen Winterreifen – irgendwie naheliegend, da die Reibungsfläche ja auch viel kleiner ist.

Ich kann mich nicht entscheiden!

War ich vor ein paar Tagen noch der Meinung, dass wir mit der Kombination neue Winterreifen + Bus/Zug + Schneeketten für den Notfall + Daheim-bleiben-wenn’s-ganz-schlimm-ist gut bedient wären, komme ich jetzt doch wieder ins Wanken, wenn ich mich so im Internet umschaue. Der nächste Schritt wird wohl ein Besuch bei Däck-Lasse („Reifen-Lars“) sein, dem örtlichen Reifenhändler. Mal sehn, was der sagt…

Erster Frost


Bisher ist der Herbst hier in Skepplanda sehr mild verlaufen, anscheinend waren gerade die ersten Oktobertage sogar rekordverdächtig warm. Zwar konnte man nicht im T-Shirt draußen rumlaufen, eine Jacke war aber auch nicht jeden Tag nötig. Und auch wenn es geregnet hat, waren das eher Sommerstürme mit Gewitter, Platzregen und Hagel als Herbstgriesel. Seit vorgestern ist es jetzt aber vorbei mit knapp 20 Grad am Nachmittag, am Mittwoch musste Annika das erste Mal morgens das Auto freikratzen und auch gestern und heute war die Frühstücksaussicht eisig. Dabei ist das Wetter immer noch wunderbar, die Sonne scheint den ganzen Tag vom winterklaren Himmel – was ja auch eigentlich das perfekte Frostwetter ist.

Unsere Frühstücksaussicht
Herbstspaziergang

Unnützes Partywissen über Schweden: Autos


Das Auto der Zukunft?

Schweden ist ein Autoland. Das ist auch verständlich, lebt doch ein großer Teil der Bevölkerung fernab von Straßen, U- und Eisenbahn und häufig kommt auch der Bus nur zweimal am Tag – wenn überhaupt. Die großen Distanzen auf dem Land tun ihr übriges, so dass für viele Schweden das Auto eine schiere Notwendigkeit darstellt.

Die langen Anfahrtswege in Schweden – allein die Grundstückszufahrt kann ja schon mal mehrere Kilometer lang sein – lassen eigentlich erwarten, dass die jährliche Fahrleistung hier besonders hoch ist. Kurioserweise legt ein schwedisches Auto durchschnittlich aber nur 14.500 km im Jahr zurück, während es ein deutsches auf 18.500 km bringt. Und auch innerhalb Schwedens ist eine Tendenz zu erkennen, dass dichte Besiedelung, kurze Distanzen und ein gutes Nahverkehrsangebot nicht zu geringeren Fahrstrecken führen: Die Stockholmer bewegen ihre Autos im Landesvergleich nämlich am meisten (15.960 km), während Norrbotten, wo auf einen Quadratkilometer drei Menschen kommen, mit 13.720 Durchschnittskilometern auf einem der letzten Plätz liegt. Trotz allem bringen es die Schweden damit aber auf eine Gesamtfahrleistung, mit der sie 216 mal zur Sonne und wieder zurück fliegen könnten.

Insgesamt gibt es hier 4,3 Millionen PKW, was bedeutet, dass fast jeder zweite Schwede motorisiert ist. Von diesen PKW sind knapp 32% silber und jeweils 17 % rot oder blau. Bei der Wahl ihrer Autos vertrauen die Schweden natürlich – wie die Deutschen auch – auf heimische Marken: Jeder vierte fährt einen Volvo, zusammen mit Saab machen schwedische Fabrikate ein Drittel des Straßenverkehrs aus (In Deutschland ist der Anteil von VW, BMW, Opel und co. aber sogar zwei Drittel). Die Vorherrschaft von Volvo ist dabei alles andere als gefährdet. 2009 wurden fast doppelt so viele neue Volvos angemeldet wie Volkswagen, die auf Platz zwei der beliebtesten Autos in Schweden stehen. Saab hingegen ist auf dem Rückzug, aber da weiß man ja eh nicht, wie es mit denen weitergeht

Alle Daten stammen von Statistiska centralbyrån.

Einfach so.


Ich glaube, Schweden tun nichts ohne Grund. Dinge einfach so zu tun, scheint hier etwas ganz Verpöntes zu sein. Dass jemand einfach so spazieren geht, d.h. ohne sichtbaren Grund durch den Wald hinter seinem Haus latscht, habe ich noch nie gesehen. Alle Menschen, die ich im Wald treffe, wenn ich dort spazieren gehe, haben einen bestimmten Grund, dort zu sein: einen Hund, einen Pilzkorb, Walkingstöcke, Laufschuhe. Oder wenn wir an den See gehen: die Schweden haben mindestens eine Angel, ein Boot oder ein Kind dabei, das gerade schwimmen lernt. Im Garten: hier sitzt niemand einfach so im Garten, schließlich kann man im Garten Rasen mähen, Unkraut zupfen oder Blumen gießen. Ich glaube, deshalb gibt es hier auch so viele Vereine: man braucht einfach einen Grund, um soziale Kontakte zu pflegen, und geht nicht einfach so jemanden besuchen und quatschen.

Nicht nur, aber auch deshalb, haben wir uns jetzt wieder einen Chor gesucht. Und siehe da: die Chorprobe ist mit knapp drei Stunden deutlich länger als bei den meisten vergleichbaren Chören in Deutschland, dafür ist die halbstündige fikarast fester Bestandteil jeder Probe. Fika ist gesellschaftlich toleriertes Rumsitzen mit gleichzeitigem Konsum koffeinhaltiger Getränke. Da die Chorprobe abends stattfindet, heißt fika hier: jede Woche bringt jemand anderes einen riesigen Korb mit Brot, Aufschnitt, Obst, Gemüse und Süßkram mit und schleicht sich kurz vor der Pause weg, um den Tisch für alle zu decken. Das fördert die Kommunikation im Chor tatsächlich ungemein.

Unser Einstieg in Göteborgs Vokalensemble war ziemlich gut getajmt (wie der Schwede sagt), denn wir konnten gleich mit zum ersten Probenwochenende. In einem B&B auf der Insel Tjörn an der Westküste probten wir von Freitagabend bis Sonntagmittag.

[Lekanders Bär och Boende ist ein ehemaliger Bauernhof, der irgendwann seinen Schweinestall zu Gästezimmern umgebaut hat. Sehr luxuriös für ein B&B, dabei gleichzeitig mit rustikalem Bauernhofcharme mit vielen alten Möbeln, wir können es jedem weiterempfehlen, der mal auf Tjörn Urlaub machen möchte.]

Zwei nichtsingende Ehemänner waren als Köche abgestellt und eigentlich sollte man über das Wochenende eher sagen: Wir haben von Freitag bis Sonntag gegessen und zwischendurch auch ab und zu geprobt. Frühstück – Fika – Mittagessen – Fika – Abendessen – Fika… Höhepunkt war der Samstagabend, als es ein ***Menü gab: Minz-Sternanis-Cider als Aperitiv, Blumenkohlcouscous mit Pastinaken als Vorspeise, gebratenes Fleisch mit selbstgesammelten Pfifferlingen, Backkartoffeln und Bohnensalat als Hauptspeise und American Cheesecake mit gefrorenen Waldbeeren als Dessert. Und Kaffee, natürlich.

Am Sonntagnachmittag hatten wir dann das dringende Bedürfnis nach Bewegung und sind noch ein paar Kilometer weiter ins Küstenstädtchen Skärhamn gefahren. Das Wetter war natürlich so, wie man es im Herbst an der Westküste erwartet: blåsigt. Selbstverständlich hatten wir die Kamera dabei, damit es nicht so aussah, als ob wir einfach so an einem trüben Herbsttag durch die Schären spazierten…

Doch zurück zum Chor: Der Chor ist ähnlich groß und ähnlich gut wie Chorioso, unser Karlsruher Chor. Das aktuelle Programm ist eher kleinteilig angelegt, (Palestrina, Schütz und diverse schwedische Komponisten wie Ninne Olsson, Sten Källman, Ingmar Wilestrand u.a.) – Allerheiligen und Weihnachten nahen… Und zufällig – die Welt ist klein – hat die Chorleiterin ein Jahr in Karlsruhe studiert und ist mit einem Stuttgarter verheiratet.
Vom der ersten Probe an haben wir uns in diesem kleinen, aber feinen Chor wohlgefühlt und wurden von allen sehr herzlich aufgenommen. Einfach so.

Hummerpremiär


Priset sjunker på matkassen (Lebensmittel werden immer günstiger) titelte GP. Aber nur, wenn man den Hummer weglässt (Titelseite Göteborgs Posten vom 27. September 2011).

Der erste Montag nach dem 20. September ist in Schweden ein wichtiger Tag. Ich wusste das bisher auch nicht, aber alle Zeitungen, die Fernsehnachrichten und auch das Radio berichten von einem der wichtigsten Ereignisse im schwedischen kulinarischen Kalender: Der Hummerpremiere. Das strenge schwedische Fischereigesetz erlaubt das Fischen von Hummern nämlich nur zwischen dem ersten Montag nach dem 20. September ab sieben Uhr und dem 30. April. Die einzig erlaubte Fischereimethode ist dabei der Hummerkorb, wobei gewerbliche Fischer 50 davon ausbringen dürfen, Privatpersonen sogar nur 14. Seit Montag wird also dem Hummer aufgelauert, am Dienstag wurde dann der erste Fang eingebracht. Ganze 50 Tiere standen auf der Göteborger Fischauktion zum Kauf bereit und es scheint sehr prestigeträchtig zu sein, diesen ersten Fang in seinen Besitz zu bringen – koste es, was es wolle! Normalerweise liegen schwedische Hummer wohl bei ca. 900 Kronen pro Kilo (ca. 100 Euro); bei der Menge an ungenießbarem Panzer ein ganz schön stolzer Preis, wie ich finde. Beim ersten Hummer geht es aber um mehr als nur den kulinarischen Genuss: Die erste Kiste mit fünf Hummern, die gestern unter den Hammer kam, wurde für 31.600 Kronen (über 3.400 Euro) pro Kilo verkauft. Applaus für den Glücklichen!

Entwicklung der Preise für die ersten Hummer (Göteborgs Posten vom 28. September 2011)

Kommentar des Käufers (Marktchef einer schwedischen Fischgroßhandelskette): „Wir hatten den klaren Auftrag von unseren Kunden, unbedingt die Ersten zu sein. Der Erste ist immer der beste. Man kann darüber streiten, ob die erste Kiste wirklich besser schmeckt, aber es ist einfach wichtig, Erster zu sein.“

Erster Herbst


Nachdem sich der Herbst in Skelleftehamn und auch in Örebro gemeldet hat, ist nun auch bei uns an der Westküste der Sommer endgültig vorbei und die Wildgänse kündigen die dunklere Jahreshälfte an. Die Temparaturen sind aber zum Glück noch nicht im Keller und auch die Sonne lässt sich häufig blicken. Reichlich Gelegenheit für ausgedehnte Herbstspaziergänge also.

Die Wildgänse fliegen in den Süden, der Herbst kommt…
Vorher gibt's aber noch reichlich Beeren – auch wenn Gänse eigentlich was anderes fressen…
Auch die Schnecke verkriecht sich in ihr Haus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Blätter werden (quietsch-)bunt.
Trotzdem gibt es noch ein paar Blumen in unserem Garten.
Weiß jemand, was das hier für Beeren sind? Bitte Kommentar hinterlassen…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pilze gibt es dieses Jahr reichlich, sogar in unserem Garten. Der hier taugt allerdings höchstens als Zahnstocher...
Die letzten Himbeeren wollen gepflückt werden.
Tschüss Sonne, bis morgen...