Sommer – Ferien – Chaos…


Seit Mittwoch sind Sommerferien, wobei weder von Sommer noch von Ferien bei uns ernsthaft die Rede sein kann. Während jedoch ganz Deutschland über das Wetter der letzten Wochen jammert, sind wir einfach nur froh, dass die große Hitzewelle bislang ausgeblieben ist. So kann es bitte auch noch zwei Wochen bleiben, bis wir unseren Umzug über die Bühne gebracht haben.

Inzwischen ist hier nämlich das große Chaos ausgebrochen. Wir sind seit zwei Tagen dabei, unseren Gruscht und Krempel auszumisten, wegzuwerfen, einzupacken, zu verschenken, zu inserieren und in Second-Hand-Läden zu tragen. Irgendwie macht das ja auch Spaß und ich frage mich dauernd, warum ich irgendwelche Dinge eigentlich noch besitze und nicht schon längst entsorgt habe, z.B. einen 30 cm hohen Filzpilz oder das Vorlesungsverzeichnis vom Wintersemester 2003/04. Anderes war längst verschollen geglaubt und taucht jetzt unverhofft wieder auf, wie z.B. mein Steuerbescheid von 2009. Manche Dinge überraschen mich selbst, z.B. was für Sachen ich 2006 alles in einer Klausur über Syntax und Logik gewusst zu haben scheine.

Im Moment versinkt die Wohnung und wir mit ihr in Dingen, Sachen und Zeugs, weil wir irgendwie an allen Ecken gleichzeitig packen. Wir hatten uns vorgenommen, erst mal die Schreibtische und alles drumherum einzupacken – wir brauchen aber noch ein paar Ordner draußen, falls noch was an Papierkram ansteht. Dann also erst die Bücher und CDs – die brauchen allerdings im Regal am wenigsten Platz, stehen dann im Weg rum und sind eigentlich schnell gepackt, also noch stehen lassen. Starten wir eben mit der Küche – ach nein, wir müssen ja noch zwei Wochen lang irgendwie essen. Ok, fangen wir halt im Badezimmer an – aber nur das, was wir jetzt schon nicht mehr brauchen… Und wenn jetzt noch eine fiese Sommergrippe kommt und das Grippostad ist schon in einer Kiste verschwunden…? Nun gut, dann also der Keller. Sperrmüll ist aber erst in zwei Wochen, lustigerweise gerade an unserem Auszugstag – hoffentlich verwechseln die Sperrmüll- und die Umzugsmänner da nichts… AAAAAAAHHHH!!! Also doch erst die Aktenordner…

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Geschafft!


Endlich ist es geschafft. Am Mittwoch hatte ich tatsächlich meine letzte und abschließende mündliche Prüfung an der Musikhochschule. Danach habe ich erst einmal ausgiebig ausgeschlafen und an diesem Tag gar nichts mehr gemacht, seit gestern bin ich aber wieder unter den Lebenden. Jetzt muss ich nur noch auf die Noten für meine schriftliche Abschlussprüfung und meine Bachelor-Arbeit warten, dann darf ich mich Bachelor of Arts nennen. Zum einen heißt das natürlich, dass ich endgültig meine alte Hochschule hinter mir gelassen habe und nun nichts mehr zwischen mir und meinem Studium in Göteborg steht. Ganz aktuell kann ich mich nun aber auch ganz und gar unserem Umzug widmen, worauf ich mich schon seit Wochen freue – obwohl ich zugeben muss, dass ich das Kisten einpacken nicht so attraktiv finde wie das Einräumen unserer schwedischen Möbel-Neuerwerbungen; oder noch besser das Suchen dieser neuen Möbel auf vielen, vielen loppisar (Flohmärkte).

Landesteile, Läns und Landschaften


So wie manche Menschen sich stundenlang Bildbände mit italienischen Malern anschauen oder sich in einen Krimi vertiefen können, so kann ich mir Landkarten angucken. Ich finde es spannend, Städte, Flussläufe und Gebirge auf topografischen Karten zu entdecken und mir fiktive Wanderrouten zurechtzulegen, aus thematischen Karten Bevölkerungsdichte und Bodenschätze herauszulesen oder anhand historischer Karten Veränderungen von Landesgrenzen und Küstenlinien nachzuvollziehen. Deshalb habe ich seit gestern eine neue Lieblingswebsite: Sveriges Nationalatlas. Dort gibt es gut 4800 verschiedene thematische Karten von ganz Schweden sowie einzelnen Regionen. Natürlich finden sich hier Klassiker wie Wahlergebnisse nach Regionen oder Arbeitslosigkeitsverteilung, aber auch die Dichte von Amateurorchestern oder die Verteilung finnischer Touristen im Jahr 1990 kann man sich hier anzeigen lassen.

Nutzen wir also die Gelegenheit, um uns Schweden mal etwas genauer anzuschauen: Von der Südspitze Schwedens, Smygehuk, bis zum nördlichsten Punkt, dem Dreiländereck Schweden/Norwegen/Finnland (Treriksröset)  sind es rund 1570 km. Damit würde Schweden, klappte man es an der Südspitze um, nicht wie häufig kolportiert, bis Sizilien reichen, sondern nur bis knapp hinter Rom. (Dieser Irrtum resultiert aus der Mercatorprojektion, auf die viele von uns während langweiliger Erkundestunden gestarrt haben und die die Flächen zu den Polen hin vergrößert. Aber genug kluggesch…).

Wenn man Schweden ganz grob unterteilen möchte, so gibt es drei Landesteile (landsdelar): Norrland, Svealand und Götaland. Diese Unterteilung hat keinerlei politische Bedeutung, auffällig ist jedoch, dass weit mehr als die Hälfte der Fläche Schwedens Norrland zugerechnet wird. Gleichzeitig wohnt hier nur rund ein neuntel aller Schweden. Damit hat Norrland eine Bevölkerungsdichte von rund 4,5 Einwohnern pro km². Das ist jedoch nur ein Durchschnittswert, denn natürlich konzentriert sich die Bevölkerung an der Küste und den wenigen größeren Städten. Je weiter man nach Süden und/oder an die Küsten kommt, desto dichter besiedelt ist Schweden; allerdings ist es mit einer Einwohnerdichte von ca 21 Einw./km² auf ganz Schweden gerechnet immer noch ein relativ leeres Land (vgl. Deutschland: 229/km²).

Die nächstkleinere Gliederungsebene Schwedens sind die Läns, ein Begriff der mit dem deutschen Wort Lehen verwandt ist. Die 21 Läns sind politisch relevant und ansatzweise vergleichbar mit den deutschen Bundesländern.

Nicht zu verwechseln mit den Läns sind die Landschaften (landskap), die zwar keine politische Relevanz (mehr) haben, die einem aber häufig im Alltag begegnen. Vielleicht hat sich ja beim Betrachten der zweiten Karte schon der eine oder andere gefragt, wo denn die bei vielen Deutschen so bekannten und beliebten Regionen wie Småland, Bohuslän, Dalsland oder Lappland liegen.

Die heutigen Läns sind in Namen und Grenzen den 25 historischen Provinzen zwar nicht unähnlich, aber etwas prosaischer, zumindest was die Namen angeht. Kein Kleines Land mehr (Småland), kein Land der Täler (Dalsland) und kein Land der Lappen (die korrekterweise Sami heißen). Stattdessen flächendeckender Nordboden (Norrbotten). Südlich davon liegt der Westboden Västerbotten, dessen östlicher Bruder Österbotten in seiner historischen Ausdehnung große Teile des heutigen Finnlands umfasste. Die heutige Verwaltungseinheit in Finnland (ja, wirklich: lääni) gleichen Namens ist weitaus kleiner. Aber ich schweife ab. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass jede Landskap jeweils ein eigenes Landschaftstier, einen Landschaftsfisch (jaja, die Schweden sind ein Volk von Anglern), einen Landschaftsvogel und eine Landschaftspflanze hat. Außerdem ein Landschaftsgericht, -insekt, – moos, -pilz, -sternbild, -gestein, -chemisches Element und einen Landschaftsapfel.

In unserem Fall Västergötland wären dies:

Landschaftstier: Kranich
Landschaftsfisch: Quappe (hat nichts mit Fröschen zu tun)
Landschaftsvogel: Kranich (sehr ökonomisch: Tier = Vogel)
Landschaftspflanze: Besenheide
Landschaftsgericht: Schweinefilet mit Pfifferling- und Kohlrabisauce (alternativ auch: Grynkorv, eine Art Kartoffelwurst oder Elchfilet mit Zimt und schwarzer Johannisbeersauce)
Landschaftsinsekt: Lungenenzian-Ameisenbläuling
Landschaftsmoos: Abietinella abietina (übrigens auch Moos des Jahres 2011! oha…)
Landschaftspilz: Granatroter Saftling
Landschaftssternbild: Schlangenträger
Landschaftsgestein: Plateaudiabas (den gibt’s übrigens auch bei Jonas im Sauerland)
Landschaftselement: Uran
Landschaftsapfel: Kavlås (benannt nach dem Herrenhaus Kavlås).

(Quelle: Wikipedia… was auch sonst)

Puh…! Was das alles miteinander zu tun hat? Keine Ahnung. Aber vielleicht weiß es ja eine/r unserer Leser(innen)… Wir können ja ein Preisausschreiben daraus machen: Wer aus dieser Liste eine spannende oder lustige Geschichte bastelt und sie uns schickt, dessen Œuvre wird hier veröffentlicht. Wir sind gespannt! (Einsendeschluss ist, wenn unser Countdown auf Null steht.)

Umzugstermin steht!


Ein neues Juhu! Ein neues Endlich!

Wir haben soeben ein Umzugsunternehmen und einen Termin klargemacht. Und wir bleiben tatsächlich unter 2000 € inklusive Flügel. Juhujuhujuhu!

Seit zwei Wochen haben wir alle möglichen Umzugsspeditionen antelefoniert und angemailt und dabei spannende Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel, dass man für unseren Umzug mit 15-20 m3 mit Flügel auch (Zitat) 8000-10000 € ausgeben kann. Auf ein schriftliches Angebot von dieser Firma haben wir dankend verzichtet. Oder dass es Firmen gibt, die pro Kubikmeter, der nicht angemeldet war, 120 € zusätzlich berechnen, was ja nachvollziehbar ist. Aber jene Firma wollte auch 120 € für jeden Kubikmeter, den man weniger als verabredet in ihren LKW lädt. Wer mir das erklären kann, kriegt ein Gummibärchen… Auch dass schwedische Umzugsspeditionen im Schnitt deutlich teurer sind als deutsche, durften wir lernen.

Erfolgreich waren wir schließlich über die Plattform umzugsauktion.de, wo wir unseren Umzugsauftrag meistniedrigstbietend versteigert haben. Als die Auktion zu Ende war und wir mit der günstigsten Firma Kontakt aufnahmen, stellte sich jedoch erstmal heraus, dass sie unser Inserat nicht richtig gelesen und den Flügel übersehen hatten, welchen sie nicht transportieren können. Zum Glück war das nächstteuere Gebot nur 25 € drüber. Und – upps – gleiches Problem, auch dort hatte man das Angebot ohne den Flügel gemacht. Schade aber auch. Wir sahen uns bereits mehrere Tausender mehr für den Umzug ausgeben, da kam von Nr. 1 eine Email, dass er den Transport doch durchführen werde, um den Flügeltransport von unserem 3. Stock zum Auto werde er sich auf eigene Rechnung kümmern, der Preis bleibe für uns jedoch der gleiche. Das nenn ich Service. Das anschließende Telefonat war sehr freundlich, kompetent und verbindlich. Wenn es in der Durchführung auch so wird, dann wirds gut.

Umzugstermin ist jetzt definitiv der 15. August, wir haben also nach Ferienbeginn noch zweieinhalb Wochen, um hier die letzten Dinge zu klären und in Ruhe zu packen und wiederum zwei Wochen zum Ankommen und Einrichten, bevor Jonas‘ Semester in Schweden losgeht. Also alles wunderbar, wir freun uns so!

Midsommar


Seit ich denken kann, lagen die Sommerferien in den süddeutschen Bundesländern bzw. später die Semesterferien immer so spät, dass ein Besuch des Mittsommerfestes in Schweden unmöglich war. Durch die extrem späten Pfingstferien in BaWü ging jedoch dieses Jahr ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung: Mein erstes schwedisches Mittsommerfest!

Wir haben lange überlegt, wo wir feiern sollen. Mein schwedischer Sprachtandempartner, den ich aus Karlsruhe kannte und der inzwischen in Göteborg wohnt, war mittsommermüde und fiel daher als Option aus. In den Tagen vor Mittsommer waren wir noch in an der Küste in Bohuslän, waren aber von dem riesigen Mittsommer- und Tourismusrummel dort abgeschreckt. Also beschlossen wir, das eigentlich naheliegenste zu tun und in Skepplanda zu feiern.

Das schwedische Mittsommerfest beginnt immer am Freitag nach dem kalendarischen Sommeranfang. Der Freitag heißt midsommarafton, ist also der Abend vor Mittsommer, der eigentliche midsommardag ist dann der Samstag. Allerdings findet der „offizielle“ Teil mit Aufstellen des Mittsommerbaumes und der Tanz um diese majstång bereits am Freitagnachmittag statt, während der Freitagabend und Samstag eher mit Familie und Freunden begangen werden.
Wir kamen also Freitagmittag pünktlich zum Aufstellen zum Skepplanda hembygdsgård, dem örtlichen Heimatmuseum. Das Wetter war, wie man uns versicherte, „richtiges Mittsommerwetter“, nämlich kühl mit Schauern.
Groß war die ganze Veranstaltung nicht – was ist in Skepplanda schon groß, außer den vier Fußballplätzen – aber dafür absolut untouristisch und umso familiärer. (Zum Vergrößern Bilder anklicken.)

Den gemütlichen Teil mit dem großen Fest(fr)essen am Freitagabend haben wir dann nicht mehr in Skepplanda verbracht, weil wir abends noch nach Trelleborg fahren wollten, denn wir hatten am Samstag die Rückfähre. Nächstes Jahr dann…

Skepplanda und Umgebung


Die letzten Monate hatte ich zu viel Zeit zum Schreiben, aber es hat sich viel zu wenig ereignet, was bloggenswert gewesen wäre. Die vergangenen zwei Wochen war es gerade umgekehrt, eigentlich hätten wir jeden Tag einen Artikel loswerden können, hatten aber meistens kein Internet oder saßen dann doch lieber in der endlosen Abendsonne. Jetzt sind wir aber wieder in Karlsruhe und ich versuche mal, ein wenig aufzuarbeiten.

Chronologisch am Anfang unserer Reise stand ja unsere Wohnungssuche, die erfreulich kurz und unkompliziert verlief. Doch wo werden wir wir jetzt eigentlich genau wohnen?

Skepplanda

Skepplanda ist ein Dorf mit knapp 2000 Einwohnern und liegt in der Gemeinde Ale (Ale kommun), die wiederum zu großen Teilen im Tal des Göta älv liegt. Der Göta älv fließt vom südlichsten Zipfel des Vänerns Richtung Göteborg und zählt zu den wichtigsten Wasserstraßen Schwedens.
Der erste Laut in Skepplanda klingt, als würde man mit einer heißen Kartoffel im Mund geräuschintensiv ausatmen, den Rest kann man getrost deutsch aussprechen: Chepplanda. Skepp heißt übrigens Schiff, ein Hinweis auf frühere Einnahmequellen der Bewohner.

Skepplanda kyrka, um 1700 erbaut

In Skepplanda gibt es einen kleinen Supermarkt, eine Bibliothek, ein Schwimmbad, einen Kindergarten, ein Ärztehaus, einen Frisör, eine Pizzeria, eine Grundschule bis zur 6. Klasse (die schwedische Grundschule geht bis zur 9. Klasse, danach folgt ein dreijähriges Gymnasium, aber das ist ein anderes Thema), einen Tischtennisklub, der auch Fußball, Gymnastik und Handball anbietet, 4 (!) Fußballplätze, ein Gasthaus, ein Heimatmuseum (dazu bei Gelegenheit mehr) und eine Kirche.

Verkehr

Von Skepplanda aus sind es nur etwa fünf Kilometer nach Älvängen. Älvängen ist nicht schön, aber praktisch. Dort gibt es alles, was man so im Alltag braucht: einen Baumarkt, einen größeren Supermarkt, einen Optiker, einen Second-Hand-Laden, ein Seilereimuseum (für die Schiffe!) usw. Und einen Bahnhof, der an der großen Bahnlinie Göteborg – Trollhättan liegt, die gerade zweispurig ausgebaut wird und ab September freigegeben werden soll. Von dort ist man mit der Bahn in jeweils 23 Minuten entweder in Göteborg oder in Trollhättan. Außerdem liegt Älvängen an der E45, der Autobahn Göteborg-Trollhättan, die aber im Moment zumindest in Richtung Göteborg eine einzige Baustelle ist. Wenn die irgendwann fertig ist, sind es mit dem Auto rund 40 Minuten bis GTBG Zentrum.
Für uns heißt das, dass wir verkehrstechnisch zwar prima angebunden sind, aber trotzdem nicht direkt an der Autobahn und der großen Bahnlinie wohnen, sondern ziemlich ruhig in unserem „Käffchen“. Im Übrigen erschließt sich mir dadurch nahezu der komplette Arbeitsmarkt zwischen Göteborg und Trollhättan.

Auf dem Weg nach Göteborg passiert man den Doppelort Nödinge-Nol, mit rund 8000 Menschen der Hauptort der Kommune Ale, denn einen Ort Ale gibt es nicht. Dort gibt es dann ein riesiges Einkaufszentrum auf der grünen Wiese, ein Gymnasium mit Musikprofil (was in Schweden wohl eher selten ist), eine Musikschule, eine Volkshochschule, ein Wikingermuseum (Abnehmer der Schiffe und Seile) und bestimmt noch mehr, von dem wir später mal berichten werden.

Freizeit

Nur 10 Autominuten von unserem Haus entfernt ist der nächste See. Muss ich noch genauer werden…?

Was man sonst noch wissen sollte

– Berühmte Personen aus Skepplanda sind laut der schwedischen Wiki ein Fußball- und ein Handballspieler. Naja, bei vier Fußballplätzen…
– Alexander Samuelson
, der Mann, der der Coca-Cola-Flasche ihre Form gab, erlernte sein Handwerk in der Glasfabrik in Surte, das ebenfalls zur Ale kommun zählt.
– Das Gymnasium Ale war eine Zeitlang überregional dafür bekannt, dass es einen Schulvorstand mit Schülermehrheit (Lokal styrelse med elevmajoritet) hatte. 2007 setzte die bürgerliche Regierung das Projekt aber ab.

Mammas Mat


Beharrlich hält sich unter vielen Deutschen das Gerücht, man könne in Schweden nicht gut essen gehen. Entweder viiiiel zu teuer oder aber nur Billig-Pizza, Hotdog oder Burger. Diese Behauptung möchten wir heute widerlegen. Man muss nur seine deutschen Ausgeh-Gewohnheiten etwas anpassen. Ja, ein À la Carte-Menü am Abend reißt tatsächlich ein Loch in den Geldbeutel. (Wenn man kein Convenience-Food haben will, tut es das in Deutschland aber auch.) Wenn man jedoch zur Mittagszeit mit einer kleinen, aber oftmals feinen Auswahl an Gerichten Vorlieb nimmt, und sich nicht zu schade dafür ist, sein Essen selbst vom Buffet zu holen, kann man oftmals sogar günstiger und besser wegkommen als in Deutschland. Dagens Lunch bieten die meisten Restaurants für Preise zwischen sechs und zwölf Euro an. Wasser, Kaffee und Gebäck zum Nachtisch sind dann auch schon inklusive.

Mammas Mat

Sicherlich nicht verallgemeinerbar, weil nämlich herausragend lecker – und Anlass für diesen Artikel – ist Mammas Mat in der Nähe von Mellerud. Von unserem zukünftigen Zuhause etwa anderthalb Autostunden entfernt, bietet Agneta zwei- bis dreimal die Woche hemlagat mat med kärlek och omsorg (Hausgemachtes mit Liebe und Fürsorge). Für gerade einmal 100 Kronen (ca. 11 Euro) bekommt man ein reichhaltiges Buffet mit Suppe, mehreren Hauptgerichten, exquisiten Saucen und Nachtisch zum Sich-Reinlegen. Als wir dort waren, gab es z.B. Lachs-Lauch-Suppe, Schweineragout, Brokkoligratin, diverse Salate, Chutney, „irgendwas Leckeres aus sauren Gurken“ und als Krönung die unanständigste Erdbeer-Sahne-Biskuittorte der Welt. Es gibt keine feste Karte und es jeden Tag etwas Anderes.

Mammas Haus

Doch nicht nur das Essen ist einmalig, auch die „Location“ lässt keine Wünsche mehr offen. Stilecht speist man entweder im kleinen Bauernhaus – eingerichtet mit einem Sammelsurium an antiken Möbeln und Geschirr – oder im Vorgarten auf der Wiese. Gerade wird auch noch ein Wintergarten angebaut, um auch bei Kälte sonnig sitzen zu können.

Mammas Mat ist tatsächlich so hausgemacht, dass es nicht im Internet zu finden ist. Das Restaurant gehört zwar der Vereinigung Dalslandsmat an, ein Zusammenschluss von Produzenten und Restaurants, die lokale Spezialitäten anbieten, aber deren Homepage scheint zuletzt 2006 aktualisiert worden zu sein. Mammas Mat gibt es jedoch erst seit zwei Jahren.

Mammas Erdbeertorte

Wir finden aber, Agneta hat ein wenig mehr Werbung verdient, daher hier die Adresse: Tillhagen 6, Mellerud. Wir mussten auch ziemlich lange danach suchen, weil unser Navi die Adresse nicht kannte. Gelohnt hat es sich aber unbedingt. Google Earth ist glücklicherweise schlauer und kennt die Adresse.

Wir sind schon auf das nächste Mal gespannt, es gibt dort nämlich auch julbord

Post aus Schweden