Schlagwort-Archive: 2013

Reisetagebuch vs. Blog


„Und was macht ihr im Sommer? Ihr fahrt bestimmt nach Hause nach Deutschland, oder?“ Diese Frage haben wir vor Beginn der Sommerferien öfter gehört und regelmäßig überraschten wir unsere Gesprächspartner mit der Antwort: „Nein, wir fahren in die entgegengesetzte Himmelsrichtung.“

Nun kann man sich fragen, wo man eigentlich Urlaub macht, wenn man dorthin gezogen ist, wo man vorher immer Urlaub gemacht hat, aber sowohl die Vermutung, dass wir jetzt jeden Sommer Flugreisen in südliche Gefilde unternehmen müssen, als auch die Befürchtung, dass wir zu Dauercampern mit Gartenzwergen vor dem unterkellerten Wohnwagen werden, ist unbegründet, solange es nördlich von Borås noch weit über tausend Kilometer Land gibt. (Und da sind Norwegen und Finnland, zwei unserer Da-müssen-wir-unbedingt-mal-hin-Ziele noch nicht mit eingerechnet.)

Da Jonas und ich ja im Alltag so unglaublich durchorganisierte Menschen sind (hüstl), tendierte unsere Vorbereitung für die Urlaubszeit gegen Null. Alles, was wir bei der Abfahrt mit unserem 18 Jahre alten VW-Bus wussten, war, dass unsere erste Anlaufstelle das Festival Musik vid Siljan sein würde. Jonas hatte mir zum Geburtstag Karten für drei der über 60 Konzerte geschenkt, die in der ersten Juliwoche rund um den Siljansee im mittelschwedischen Dalarna stattfanden. Was wir in den vier Wochen sonst noch so erleben würden und wo, überließen wir dem Wetter und dem Zufall.

Wie bereits erwähnt, sind wir – zumindest im Urlaub – kommunikationstechnisch etwa auf dem Stand unseres Busses und haben nur unsere Handys dabei (die ersten Handys kamen doch so Mitte der 90er, oder?), die auch wirklich nichts anderes können als telefonieren und SMS schreiben. Statt eines Blogs führen wir unterwegs immer ein (meist) sehr detailliertes Reisetagebuch, in dem wir täglich Reiseroute, Wetter und natürlich unsere Erlebnisse festhalten.

Reisetagebuch

Mithilfe dieses Tagebuches und der rund 1500 Bilder – ich habe mich dieses Jahr etwas zurückgehalten mit knipsen – werden wir die nächste Zeit hier einige Erlebnisse festhalten. Ein chronologischer Reisebericht würde vermutlich uns überfordern und euch langweilen, daher wählen wir für euch nur die Highlights aus. Die Antwort auf „und was habt ihr sonst so gemacht?“ darf sich der geneigte Leser selbst zusammenreimen.

God fortsättning!


Für lange oder gar sentimentale Jahresrückblicke fehlt uns gerade definitiv die Muße, denn bei uns ist zur Zeit wesentlich mehr neu als nur die letzte Ziffer im Datum.

Unser Umzug ist dank enormer Hilfe von Jonas‘ Eltern und seinem Bruder erfreulich geschmeidig über die Bühne gegangen und zwei Drittel der Kartons sind auch schon wieder ausgepackt.
Silvester fiel dieses Jahr in jeder Hinsicht ins Wasser. Gegen 23 Uhr beschlossen wir, keine neuen Kartons mehr aus dem Keller zu holen und auszupacken, denn unsere Arme hingen inzwischen bis zum Boden. Mindestens.
Als der Blick aus dem Fenster auch nur die Erkenntnis zuließ, dass bei dem Wetter vermutlich kein vernünftiger Mensch eine Rakete abfeuern würde, war die Entscheidung gefallen, dass das Bett trotz der frühen Uhrzeit vermutlich die bessere Wahl war.

Allerdings inspirierten mich die Wassermassen vom Himmel dann doch noch, dieses Silvester ein wenig zu zelebrieren. So hässlich und unmodern unser beige-braunes 70er-Jahre-Bad auch sein mag – es hat eine Badewanne! Und so lag ich dann zum Jahreswechsel in lavendelduftendem Muskelentspannungsbad, das Fenster sperrangelweit offen, und beguckte die fünf Raketen, die trotz Weltuntergangsregen und 4°C aufstiegen.

Morgen früh (viel zu früh) werden wir dann unsere zukünftige ehemalige Pendelstrecke zwar zur gewohnten Uhrzeit, aber in umgekehrter Richtung fahren, denn wir müssen um halb neun in der alten Wohnung sein, wenn sich unser Herr Schiedmayer auf die Reise macht… Haltet uns die Daumen, dass auch dieser letzte Akt noch unfallfrei vonstatten geht.

Wir haben schon mehrere Anfragen nach Bildern vom neuen Heim bekommen, aber im Moment sieht es hier zwischen den Kartons noch geringfügig unattraktiv aus. Gut Ding will Weile haben… Das gilt übrigens auch für unser Internet, zur Zeit haben wir nur einen Internetstick, mit dem das Hochladen der Bilder ohnehin nicht denkbar wäre.

Trotz Umzugsstress möchten wir dann doch noch kurz die Gelegenheit nutzen und uns bei euch, unseren Lesern, bedanken, dass ihr uns auch 2012 die Treue gehalten habt. Unser Leserkreis scheint zu wachsen, wenn wir die Zahl der Besucher und Klicks auf unserem Blog richtig deuten. Dafür spricht auch die wachsende Zahl unserer Stammleser, die unseren Blog abonniert haben (wer das jetzt nachholen will: oben rechts – prenumerera). Vielen Dank für eure Kommentare, Anregungen, Links und Mails, die uns immer wieder erreichen. Es freut und motiviert uns, wenn wir eure Reaktionen auf unsere Artikel lesen und wir hoffen, dass das auch im neuen Jahr so weitergeht. Und in diesem Sinne wünschen wir dann auch euch: God fortsättning!

Geschenktipp…


Schwedenstube: Schwedenkalender 2013

…für alle, die noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für einen Schwedenfan sind: Der Schwedenkalender 2013 von der Schwedenstube. Nur echt mit dem Schreibfehler im Namen der August-Fotografin!

Treue Leser werden sich vielleicht noch an den Fotowettbewerb im Sommer erinnern. Und bevor die Frage kommt: Nein, ich verdiene weder an dem Kalender, noch an der Werbung für denselbigen auch nur einen Cent. Aber ich finde wirklich, es gibt hässlichere, unpraktischere und teurere Schwedenkalender.

(Ich merke gerade beim Durchlesen: Das war ein typisches Annika-Lob.*)
__________

*(Als Jonas sich kürzlich in Deutschland eine neue Brille aussuchte und mir drei Bilder schickte, um meine Meinung einzuholen, antwortete ich, dass er mit keiner der drei Brillen etwas falsch machen würde. Nagut, die genaue Formulierung war glaub ich „Jonas, ich finde, du siehst mit keiner der Brillen sch***e aus.“ Was Jonas‘ Eltern durchaus erheitert und mich zum Grübeln gebracht hat, wie tief sich eigentlich die schwäbische Mentalität – gegen meinen Willen – in mir festgesetzt hat. Schließlich sagt man ja im Ländle „Net g’schimpft isch g’lobt g’nug.“… Ach quatsch, das ist bestimmt nur meine vornehme nordische Zurückhaltung. Glaub ich.)