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Noch mehr lustige Hüte…


Hab ich gerade noch gefunden: ein paar Bilder von Teilnehmern mit lustigen Hüten:

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Weltcup im Winterschwimmen, Teil 2


Olaf, unser Gastgeber hier in Skelleftehamn war als offizieller Veranstaltungsfotograf des Winterschwimmweltcups am Samstag morgen schon recht früh gefahren, um die Morgenstimmung vor dem Event einzufangen.

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Die Ruhe vor dem Wettkampf… Bild: Olaf Schneider

Jonas, Annika und ich (bevor Nachfragen kommen: ja, wir sind hier gerade zwei Annikas) kamen etwas später nach, denn meine Startzeit war erst auf 11:30 angesetzt. Für mich war es das erste Mal, dass ich bei einem so großen Sportevent dabei war und einfach alles war neu und aufregend.

Die Umkleideräume waren im Rathaus, ungefähr 150 m vom Eisbecken entfernt, was eine gewisse logistische Herausforderung darstellte, denn irgendwie muss man ja in Schwimmkleidung von der Umkleide zum Becken und zurück kommen – bei zweistelligen Minusgraden. Und das möglichst, ohne bereits auf dem Hinweg zu Eiszapfen zu gefrieren. Ich wählte daher eine stylische Kombi aus Bademantel, Annikas Daunenjacke, Handtuch um die Hüften und Gummilatschen. Die Kopfbedeckung war natürlich essentiell – erstens verlangen die Wettkampfregeln beim Winterschwimmen eine Kopfbedeckung und zweitens fand zeitgleich auch der Wettbewerb um den lustigsten Hut statt. Mit lustigem Hut zu schwimmen war erlaubt, aber nicht vorgeschrieben.

Oben im Rathaus wurde man aufgerufen, wenn man sich zum Becken begeben sollte, um die Wartezeit in der Kälte zu begrenzen. Trotzdem stand ich noch drei oder vier Minuten am Beckenrand, bevor es endlich losging. Gestartet wurde flussaufwärts und man tut gut daran, beim ersten Kommando so schnell wie möglich ins Wasser zu steigen, damit man den ersten Kälteschock schon weggeatmet hat, bevor man losschwimmt. Erfahrenere Schwimmer als ich schwimmen auch direkt beim Startsignal los und gucken nicht erstmal in der Gegend rum, was denn da so trötet… Die ersten 20m liefen ganz gut, dann wurden mir die Arme lahm, und die letzten Meter vor der Wende musste ich richtig kämpfen. Auf Brustschwimmen umzusteigen, um die Atmung in den Griff zu kriegen, war übrigens in dem Moment eine ganz dumme Idee, denn bei der recht starken Strömung war ich im Brustschwimmen exakt so schnell, dass ich nicht zurück getrieben wurde, aber auch keinen Zentimeter vorwärts kam. Irgendwie kam ich aber doch ans andere Ende und nach der Wende war der Rest – dank Strömung – fast kein Problem mehr. Allerdings tat mir das Gesicht vom kalten Wasser so weh, dass ich kurzzeitig auf Rückenschwimmen umsteigen musste. Aber deshalb hieß das ganze ja auch Freistil ;-). Nur auf Schmetterling habe ich verzichtet, das mache ich dann nächstes Mal…

Als ich aus dem Becken stieg, erwartete mich ein Helfer mit Handtuch, der mir auch beim Anziehen half, denn Hände und Füße waren so taub, dass ich dazu kaum selbst imstande war. Das war auch der große Unterschied zu meiner Vorbereitung, da bin ich immer hinterher gleich in die Sauna gegangen. Allerdings: kalt war mir gestern nicht. Die Sonne schien und es war windstill und man ist so voller Endorphine, dass ich es auf dem Rückweg zum Stadthaus deutlich weniger eilig hatte als auf dem Hinweg.

Aber ich war doch sehr froh, meinen Coach Annika hinterher bei mir zu haben, die mir in der Umkleide assistierte und warmen Tee in mich reinschüttete, denn es brauchte eine ganze Weile, bis ich meine Gliedmaßen wieder spürte. Aber wenn man dann erstmal wieder angezogen ist, dann findet man alles nur noch toll.

Annika und ich waren dann rechtzeitig zum Staffelwettbewerb wieder am Becken. Stimmungstechnisch war das der Höhepunkt des Tages, weil die Teams sich sehr viel Mühe mit ihren Hüten gegeben hatten und viele Teams mit eigenem Fanclub angereist waren, die den Schwimmern ordentlich einheizten.

Das konnte dann auch der wegen der starken Strömung von 200m auf 100m verkürzte Langstreckenwettbewerb und der geglückte Weltrekordversuch über 200m Rücken im Eiswasser kaum noch toppen.

Sportlich gesehen habe ich meine Ziele „durchhalten“ und „nicht Letzte werden“ erreicht und war (und bin) mit meiner Platzierung voll zufrieden. In meiner kleinen Hobbysportlerwelt wusste ich anfangs noch nicht, dass die Medaillen nach Altersklassen vergeben werden und da meine Altersklasse recht sparsam besetzt war, ging ich am Ende des Tages sogar noch – absolut unerwartet – mit einer Bronzemedaille nach Hause.

Aber viel wichtiger war ohnehin die grandiose Stimmung bei diesem vergleichsweise kleinen Wettbewerb, bei dem die meisten Teilnehmer – so wie ich – nicht wegen Zeiten und Platzierungen teilnahmen, sondern aus Spaß an der Freude und am Winterbaden. Nächstes Jahr gerne wieder, vielleicht mit Annika im Staffelwettbewerb? Wir suchen noch zwei weitere Annikas für unser Team…

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Mehr Bilder und Eindrücke:
– wie immer fantastische Bilder auf Olafs Blog: Winter Swimming World Cup
– der anderen Annika ihr seine Eindrücke: Winterschwimmen 2017
– ein Videoklipp der Lokalzeitung Norran: Vintersim: Kolla in höjdpunkterna från folkfesten i Skellefteå;
– erwähnenswert auch das Video, in dem ein französischer Fernsehreporter beinahe während des Weltrekordversuchs ins Wasser plumpst

Und zu guter Letzt noch ein Video eines Teilnehmers, das gegen Ende ganz schön zeigt, wie manche im 50m-Wettbewerb (so wie ich) mit der Gegenströmung zu kämpfen hatten:

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Nachtrag: Das Computersystem hat nachträglich nochmal die Ergebnisse korrigiert und mich sogar noch auf einen zweiten Platz (von zwei, höhö…) in meiner Altersklasse upgegradet.