Schlagwort-Archive: Adventskalender 2012

24. Dezember 2012 – Der Wichtel im Schaufenster (6)


Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5

Kapitel 6

… doch schließlich konnte Nusse ihn mit vielen guten Worten doch zum Bleiben zu überreden. Sie vereinbarten, dass sie sich in genau vier Tagen wieder hier am Schornstein treffen würden.

Als Nusse vom Dach hinabgestiegen war, erzählte er Svante zum ersten Mal die ganze Geschichte, wie er in den Spielzeugladen in der Stadt gekommen war. Doch als er davon sprach, dass er wieder nach Hause zurückkehren wolle, wurde Svante so traurig, dass der Wichtel nicht länger davon sprach. Stattdessen schmiedete er einen Plan…

Nusse wusste, dass im ersten Stock des Hauses eine Familie mit drei Kindern wohnte. Zwei der Kinder waren schon groß und gingen zur Schule, aber der jüngste Knabe, Olle, spielte den ganzen Tag allein. Olle hatte mehr Spielsachen, als er sich wünschen konnte: Züge, die auf Schienen fuhren, Autos und alles, was man sich nur vorstellen kann. Doch er hatte keine Freude an seinen vielen Spielsachen, denn ihm fehlte ein Spielkamerad.

In der darauffolgenden Nacht, als Olle schlief, schlich sich Nusse in sein Zimmer, setzte sich auf seine Bettkante und flüsterte in sein Ohr: »Du wirst darum bitten, mit Svante aus der Dachwohnung spielen zu dürfen. Vergiss das nicht!«

Am nächsten Morgen sagte Olle, dass er mit Svante aus der Dachwohnung spielen wolle, aber niemand schenkte seinen Worten Gehör. Doch in der nächsten Nacht flüsterte Nusse erneut in Olles Ohr und zur Sicherheit flüsterte er auch in das Ohr von Olles Mutter. Und am Tag darauf redete Olle ohne Unterlass von Svante. Und seine Mutter ging zur Frau des Hauswarts und fragte sie, ob Svante aus der Dachwohnung ein ordentlicher Junge sei. Und die Hauswartsfrau sagte, dass es keinen ordentlicheren Jungen als Svante gebe.

So wurde Svante zu Olle eingeladen und durfte mit dessen Zügen und Autos spielen und die beiden Knaben waren so vergnügt miteinander, dass Svante fast seine Wichtelpuppe vergaß.

Und so trafen sich Nusse und die Krähe zur verabredeten Zeit oben am Schornstein. Nusse hatte auf dem Dachboden einen dicken Fäustling gefunden, den er über seine dünnen Puppenkleider zog, als er sich auf dem Rücken der Krähe auf den Weg machte.

Ihr könnt wohl glauben, wie groß die Freude der Krähenfamilie und der Wichtelfamilie war, als sie endlich nach Hause kamen. Die Wichtelmutter weinte vor Glück, Nisse war ganz außer sich vor Freude und der Wichtelvater vergaß völlig, dass er Nusse eigentlich eine Tracht Prügel versetzen wollte für all den Unfug, den er angestellt hatte. Wieder und wieder musste Nusse von seinen Abenteuern im Haus in der großen Stadt erzählen und der Wichtelvater fand, dass Nusse sich in der ganzen Situation wie ein richtiger Wichtel verhalten hatte.

Auch die beiden Damen waren glücklich, denn sie hatten vom Spielwarenladen in der Stadt einen dicken Brief mit viel Geld bekommen. Noch nie hatten sie zu einem Weihnachtsfest so viele Puppen verkauft. Doch sie würden nie erfahren, dass sie dies dem Umstand zu verdanken hatten, dass sie zusammen mit ihren Puppen einen lebendigen Wichtel in die Stadt geschickt hatten!

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Übersetzung von Brevlåda nach Elsa Beskows Erzählung Tomten i leksaksfönstret, die unseres Wissens bisher nicht auf Deutsch veröffentlicht wurde.

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23. Dezember 2012 – Die Weihnachtsgeschichte auf älvdalisch


„Alle wissen ja, wie die Geschichte geht, mit Maria und Bethlehem und so und dass sie schwanger war und so weiter. Und dann hört man diese Worte und man versteht sie, obwohl man sie nicht wortwörtlich versteht. Das ist ein ziemlich krasses Gefühl.“

So beschreibt Lena Willemark die Reaktionen ihrer Zuhörer, wenn sie das Lukasevangelium auf älvdalisch liest, eine Sprache, die heute nur noch von etwa 3000 Menschen in Älvdalen in Norddalarna an der Grenze zu Norwegen gesprochen wird. Die meisten Linguisten sind sich inzwischen einig, dass diese Sprache mehr ist als ein unverständlicher schwedischer Bauerndialekt. Vielmehr vermutet man, dass sich diese Sprache parallel zu den Vorgängersprachen von Schwedisch und Norwegisch als eigenständiger Sprachzweig aus dem Altnordischen entwickelt hat, der sich aus nicht genau bekannten Gründen bis heute erhalten hat.

Dass Älvdalska mehr als ein Dialekt des Schwedischen ist, zeigt sich zum Beispiel in der Grammatik: schwedisch hat heute nur noch zwei Kasus, älvdalska hingegen vier: wargen (der Wolf) / wardjin (den Wolf) / wardjem (dem Wolf) / wardjemes (des Wolfes). (Hobbylinguisten dürfen sich jetzt über die mit dem deutschen verwandten Kasusendungen freuen.)

Auch in Sachen Aussprache hat Älvdalska einiges zu bieten: nasale Vokale, den ð-Laut (wie in engl. father), den ja auch das Isländische heute noch benutzt, und Triphtonge. Das ist sowas wie ein Diphthong, nur mit drei Buchstaben, z.B. uoev – Huf.

Obwohl die Sprache so alt ist, geht sie doch mit der Zeit und „verälvdalt“ neue Wörter wie z.B. webbsaiður oder tanjentbuärd (Tastatur, von schwed. tangentbord). Wer sich weiterbilden möchte, dem empfehle ich Skrievum dalska, eine zweisprachige Seite (älvdalisch/schwedisch) eines Hobbysprachforschers, die man sich auch komplett anhören kann.

Doch zurück zu Lena Willemark von Jul i folkton und dem Lukasevangelium. Ihr wisst ja, wie die Geschichte geht, mit Maria und Bethlehem und so…

22. Dezember 2012 – Hugo Alfvéns Julsång


Eigentlich hätte Hugo Alfvéns Julsång schon in unserem letzten Adventskalender stehen sollen, nachdem wir ihn bei Göteborgs Vokalensemble kennengelernt hatten. Leider gab es aber keine einzige ansprechende Aufnahme auf Youtube zu finden. Nach der letzten Weihnachtskonzertesaison haben aber mittlerweile – zu unserem Glück – mehrere gute Chöre das Stück hochgeladen. Wir haben uns für die Aufnahme mit den Stockholm Singers unter Bo Aurehl entschieden und können Euch so endlich einen der schönsten schwedischen Chorsätze vorstellen.

Se, julens stjärna strålar klar
i tysta vinterkvällen;
vår ungdoms fröjd du ständigt var,
när du från himlapellen
ditt sken spred över land och stad
att göra mänskan god och glad.
Lys, stjärna, lys och bringa fröjd
till jordens barn från himlens höjd!
Lys, stjärna lys!

I ålderdomens sena höst,
när livets timmar dala,
du julens stjärna, ger oss tröst,
du kan om lyckan tala.
Ack skänk oss jordefrid och ro,
lär oss på evigheten tro!
Lys, stjärna, lys och bringa fröjd
till jordens barn från himlens höjd!
Lys, stjärna, lys!

21. Dezember 2012 – Der Wichtel im Schaufenster (5)


Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4

Kapitel 5

Da hörte man ein Plumpsen hinter ihr. Der große Teddybär war zu Boden gefallen und als sie ihn wieder ins Regal stellen wollte, fand sie dort eine Wichtelpuppe. »Oh, hier ist ja noch eine Wichtelpuppe! Das muss die Puppe gewesen sein, die aus dem Schaufenster verschwunden ist. Die kann ich Ihnen günstig anbieten, denn seine Kleider sehen schon etwas schmuddelig aus.« Und so wurde Nusse erneut in eine Schachtel gelegt und als Paket verschnürt. Doch dieses Mal wollte er es selbst so. Er hatte den Teddybären absichtlich vom Regal geschubst, weil er gerne das Weihnachtsgeschenk für Svante werden wollte.

Als Svantes Mutter nach oben in die Stube kam, legte sie gleich ihrem Knaben das Päckchen aufs Bett. Svante riss eilig das Papier mit seinen fieberheißen Händen ab. Als er die Wichtelpuppe in der Hand hielt und sie ihm zuzwinkerte und lachte, war er so glücklich, dass auch er in Gelächter ausbrach. Seine Mutter war überglücklich. Eine ganze Woche lang hatte sie ihren kleinen Jungen nur wimmern und gar nicht mehr lachen gehört. »Jetzt wird Svante sicher wieder gesund«, dachte sie und entzündete alle Kerzen an dem kleinen Weihnachtsbaum auf dem Tisch und es wurde ein richtiger Heiliger Abend.

Mit jedem Tag ging es Svante besser. Als seine Mutter nach den Feiertagen wieder arbeiten musste, hatte Svante Nusse als Spielkameraden, der sich immer wieder neue Späße einfallen ließ.

Aber jeden Morgen, wenn Svante noch im Bett lag und schlief, kletterte Nusse hoch aufs Dach, setzte sich auf die Schornsteinkante und blickte über die Stadt in die Richtung, in der seine Heimat lag. Sein Heimweh wuchs mit jedem Tag.

Eines Morgens, als er so da saß, sah er eine große Krähe, die in der Nähe kreiste, als ob sie etwas suchte. Er stieß einen Pfiff aus und die Krähe kam sofort zu ihm geflogen. Als er erkannte, dass es eine der Krähen von zu Hause war, wurde er sofort etwas fröhlicher. Der Krähenvater erzählte, dass ihn der Wichtelvater in die Stadt geschickt hatte, um nach Nusse zu suchen und jetzt sollte Nusse sich sofort auf den Rücken der Krähe setzen und nach Hause kommen, denn der Krähenvater halte es nicht länger aus, von der seiner Frau und den Jungen getrennt zu sein. Doch Nusse wollte nicht sofort nach Hause, denn er wollte erst noch von Svante Abschied nehmen und dafür sorgen, dass Svante einen anderen Spielkameraden an seiner Stelle bekam…

»Du musst vier Tage warten«, sagte Nusse zu der Krähe. Da wurde der Krähenvater böse und wollte nach Hause fliegen, …

Kapitel 6

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Übersetzung von Brevlåda nach Elsa Beskows Erzählung Tomten i leksaksfönstret, die unseres Wissens bisher nicht auf Deutsch veröffentlicht wurde.

20. Dezember 2012 – Weihnachten mit Piff und Puff


So amerikanisch und doch so schwedisch: Weihnachten mit Donald Duck Kalle Anka. Ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest in bester Disney-Manier. A-Hörnchen und B-Hörnchen alias Chip und Chap heißen in Schweden übrigen Piff und Puff, was für diesen Clip definitiv besser passt:

Der Hauptgrund, warum wir gerade dieses Video noch in unseren Adventskalender mit aufgenommen haben, ist übrigens bei 00:00:46 zu hören – die Hörnchen wissen eben, was sich gehört…

19. Dezember 2012 – Chorfantasie über »O Tannenbaum, du trägst ein‘ grünen Zweig«


Eines der wenigen deutschen Weihnachtslieder, das ich mir auch heute noch gerne anhöre, ist O Tannenbaum, du trägst ein‘ grünen Zweig. Wahrscheinlich liegt das vor allem daran, dass sich dieses Lied mit seinem eher nachdenklichen Tonfall nicht besonders gut als Kaufhausbeschallung eignet. Hinzu kommt, dass ich es mit einem der besten und prägendsten Lehrer in Verbindung bringe, dich ich während meines Studiums hatte: Peter-Michael Riehm. O Tannenbaum, du trägst ein‘ grünen Zweig war eines seiner Lieblingsbeispiele, um uns Studenten den Unterschied zwischen schlecht komponierten pseudo-Volksliedern wie O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter – schneidiger Kommentar eines Kommilitonen: »Das ist halt eine gerrrade, prrreußische Tanne!« – und echter Volksmusik (im besten Sinne!) aufzuzeigen.

Kurz bevor ich dann bei diesem Lehrer mein Hauptfachstudium in Musiktheorie beginnen wollte, verstarb er ganz plötzlich. Nachdem wir dann letztes Jahr in Schweden angekommen waren und mit Göteborgs Vokalensemble ein Weihnachtskonzert vorbereiteten, schrieb ich folgende Chorfantasie in Gedenken an Peter-Michael Riehm.

O Tannenbaum, o Tannenbaum
du trägst ein‘ grünen Zweig.
Den Sommer, den Winter,
das dau’rt die liebe Zeit.

Warum sollt‘ ich nicht grünen,
da ich noch grünen kann.
Ich hab nicht Mutter noch Vater,
die mich versorgen kann.

Doch der mich kann versorgen,
das ist der liebe Gott,
der lässt mich wachsen, grünen,
drum bin ich stark und groß.

18. Dezember 2012 – Der Wichtel im Schaufenster (4)


Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3

Kapitel 4

Ins Schaufenster wollte er nicht zurück, doch er ging hinunter und versteckte sich hinter einem großen Teddybären auf einem der Regale im Spielzeugladen und dort lag er auch noch am nächsten Morgen und lauschte, was der Mann und die Frau im Geschäft redeten. Er dachte, dass sie vielleicht ein paar leere Schachteln zurück zu den beiden Damen schicken würden, in denen er nach Hause reisen könnte.

Er hörte, wie der Mann und die Frau die Wichtelpuppe im Fenster vermissten und überall nach ihr suchten. Schließlich setzten sie eine andere Wichtelpuppe ins Fenster. Nach und nach kamen die ersten Menschen ins Geschäft und fast alle wollten einen solchen Wichtel kaufen, wie er am Vortag im Schaufenster gestanden hatte; so einen, der nicken und blinzeln konnte, denn ihre Kinder wünschten sich genau so einen zu Weihnachten. Doch obwohl der Mann und die Frau, denen der Laden gehörte, erklärten, dass es sich hierbei um einen Irrtum handeln musste, denn sie hatten keine beweglichen Puppen, so hatten sie doch nach einer Weile alle Wichtelpuppen verkauft. Sofort schickten sie ein Telegramm an Fräulein Therèse und baten dringend um mehrere Dutzend weiterer Wichtelpuppen, und das so schnell wie möglich. Auch ein paar Kinder kamen in den Laden und baten darum, dass der Wichtel, der da im Fenster stand, doch wieder aufgezogen werden möge, damit er wie gestern nicken und zwinkern und lachen konnte. Doch das war unmöglich, denn jenen Wichtel konnte man nicht aufziehen.

Unser Wichtel lag in seinem Regal und lauschte und lachte in sich hinein, denn ihm kam das Ganze so wunderbar komisch vor. Schließlich kroch er ins Stroh einer Geschenkkiste und schlief ein.

Die Tage vergingen, ohne dass sich eine Möglichkeit für Nusses Heimreise ergeben hätte und irgendwann war dann der Morgen des Heiligen Abends gekommen. Nusses Heimweh zu Vater, Mutter, Nisse und der gemütlichen Wichtelstube unter dem Küchenfußboden war größer denn je.

Er kannte sich in dem großen Stadthaus inzwischen zwar ganz gut aus, aber als Wichtel vom Land würde er sich in einem Stadthaus niemals wohlfühlen können! Am besten gefiel es ihm oben unter dem Dach, vor dem Zimmer von Svante und dessen Mutter. Svante, das war der kleine Junge, der am ersten Tag so lange vor dem Schaufenster gestanden hatte, doch jetzt hatte der Wichtel Svante schon lange nicht mehr gesehen.

Nusse saß an seinem angestammten Platz im Spielzeugregal hinter dem Teddybären, als Svantes Mutter ins Geschäft kam und fragte, was die Wichtelpuppe, die tanzen und Purzelbäume schlagen konnte, kosten solle. Da wurde der Mann im Geschäft beinahe ärgerlich. »Wir haben keine beweglichen Wichtel und haben auch niemals einen gehabt«, grummelte er.

Doch die Mutter bat und bettelte, dass er doch bitte, bitte noch einmal nach der Wichtelpuppe suchen sollte, die sich ihr kleiner Junge so sehr wünschte. Er hatte sich erkältet und lag nun krank im Bett, weil er den ganzen Tag im kalten Winterwetter vor dem Schaufenster gestanden hatte, während sie bei der Arbeit gewesen war. Nun fantasiere er im Fieber die ganze Zeit von dieser Wichtelpuppe, die er sich zu Weihnachten wünschte. Wenn er diese Puppe bekäme, sagte die Mutter, würde er vielleicht vor Freude wieder gesund werden; dann weinte sie, denn sie hatte Angst, ihren kleinen Jungen zu verlieren. »Wir haben leider keine einzige Wichtelpuppe mehr, die sind alle ausverkauft«, sagte die Frau im Geschäft…

Kapitel 5

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Übersetzung von Brevlåda nach Elsa Beskows Erzählung Tomten i leksaksfönstret, die unseres Wissens bisher nicht auf Deutsch veröffentlicht wurde.