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Einwanderer unter sich


Neulich hatte ich ein lustiges Gespräch mit zwei ungefähr zehn Jahre alten Schülerinnen, die eine stammt aus Vietnam, die andere aus dem Iran und beide sprechen völlig akzentfrei Schwedisch.

– Bist du eigentlich Schwede?
– Ne, ich komme aus Deutschland.
– Echt? Das haben wir gar nicht gemerkt. Wie lange wohnst du denn schon in Schweden?
– Seit gut drei Jahren.
– Wie lustig, genau so lange wie wir. Aber sag mal, warum sprichst du denn dann so gut Schwedisch, man hört ja kaum, dass du nicht aus Schweden bist.
– Und euch hört man es überhaupt nicht an…
– Ja, aber…

Warum ich so komisch rede


In diesem Schuljahr werde ich einmal die Woche von meiner Musikschule an die Grundschule im zehn Kilometer entfernten Nachbarort – der Einfachheit halber nenne ich ihn jetzt mal „Bullerbü“ – ausgeliehen um dort Musik im Klassenverband zu unterrichten. Die knapp 80 Schüler der Klassenstufen 0 (Vorschule) bis 6 sind zum Teil in Doppeljahrgängen zusammengefasst, weil die Klassen in Bullerbü sonst zu klein wären. In meiner Doppelklasse 2-3 sind 16 Schüler.

Neulich sang ich mit den Kindern ein Hej!-Lied mit Begrüßungen in vielen verschiedenen Sprachen. Bei der anschließenden In-welchen-Sprachen-könnt-ihr-noch-Hej-sagen?-Runde kamen dann noch ein paar schwedische Dialekte zusammen.

– Emil: „Annika, du sprichst doch auch so nen Dialekt, weil… du bist ja nicht aus Bullerbü. Das weiß ich, weil du ja immer mit dem Auto kommst! Wo wohnst du denn?“

– Ich: „Ich wohne in Mariannelund aber mein Dialekt…“

– Emil: „Wo genau da?“

– Madita: „Ich weiß wo sie wohnt, ich hab sie nämlich mal beim Rasenmähen gesehen!“

– Emil (hartnäckig): „Ja und wo ist das jetzt?“

– Madita: „Direkt neben dem Haus von dem Freund von meiner Oma und der heißt Gunnar. Und Gunnar hat einen blauen Oldtimer! Uuuuhund…“

Alle starren gebannt auf Madita, jetzt kommt was ganz Großes…

– Madita: „Und der Freund von meiner Oma, also der Gunnar, der redet genauso komisch wie Annika. Die reden nämlich alle so in Mariannelund!“

Alle Kinder nicken verständnisvoll: die Frage, warum die Musiklehrerin so „komisch“ redet, wäre damit geklärt. Schließlich wohnt sie eine ganze schwedische Meile weit weg. Und Emils Frage „wo genau“ ist jetzt auch treffsicher beantwortet: neben Gunnar mit dem blauen Oldtimer.

(Ja, Gunnar mit dem blauen Oldtimer ist mein Nachbar und nein, Gunnar ist nicht aus Deutschland. Im Gegenteil – Gunnar gehört hier im Ort zum Urgestein und spricht sehr starken lokalen Dialekt. Dass mein Akzent genauso klingen soll wie sein Dialekt, kann ich mir zwar nur schwer vorstellen, aber ich verstehe das jetzt einfach mal als Kompliment.)

[Alle Personen- und Ortsnamen geändert.]