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Blumenladen


Jonas und ich hatten beide am Freitag unseren letzten Unterrichtstag in diesem Schuljahr. Nächste Woche wäre zwar eigentlich noch normaler Unterricht, aber wir haben uns jetzt beide eine Woche kompledig genommen, will heißen: wir feiern unsere hart erarbeiteten Überstunden ab. Waren ja auch genügend Wochenenden, die wir in den letzten Wochen durchgearbeitet haben.

Für die Schüler beginnen die Sommerferien dieses Jahr am 10. Juni, aber in den letzten 10 Tagen sind noch Projektwochen, Klassenfahrten, Ausflüge etc. sodass der Unterricht an der Musikschule eh nur noch sporadisch stattfinden könnte. Stattdessen bereiten wir in der letzten Woche mit den Orchestern und Ensembles die Schulabschlussfeiern vor, die an den letzten zwei Schultagen stattfinden.

Daher also bereits vorgestern unser letzter regulärer Unterrichtstag und ein paar Schüler kamen tatsächlich mit einem kleinen Dankeschön für das vergangene Schuljahr in die letzte Stunde. Großer Kulturunterschied zu Deutschland: Während ich an meiner Musikschule im Badischen früher immer massenhaft Weinflaschen zum Schuljahresende bekam, sind alkoholische Getränke in diesem Zusammenhang ein absolutes No-Go. Nur Jonas überreichte seiner Gesangslehrerin (, die wir auch privat kennen) eine Flasche Wein, die zwar durchaus erfreut angenommen, aber sofort im Schrank versteckt und weggeschlossen wurde.

Bei uns zuhause könnten wir jetzt aber einen kleinen Blumenladen eröffnen:

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Passend dazu könnte ich hier jetzt Den Blomstertid nu kommer verlinken, aber das hatten wir schonmal – außerdem steht dieses Lied in Band 1 einer der meistgespielten schwedischen Klavierschulen und… naja lassen wir das. Stattdessen gibt es heute En vänlig grönskas rika dräkt, gesungen von der Real Group:

Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen…


… obwohl ich nichts Verbotenes getan habe. Ich habe eigentlich noch nicht einmal etwas Ungewöhnliches getan und ich kann mich an Zeiten erinnern, als ich noch viel weiter gegangen wäre. Aber der schwedische Staat hat es geschafft, dass ich mich schuldig fühle.

Das fing schon an, als ich den Laden betrat, den ich bisher vermieden habe, wie in Karlsruhe die Sex-Shops: Man weiß genau, wo sie liegen, irgendwie ist man ja schon neugierig, wie es drinnen aussieht, aber es ist doch zu verrucht, als dass man hinein gehen würde – es könnte einen ja jemand sehen. Und statt in unauffälligen braunen Tüten müssen die Kunden ihre Waren auch noch in ziemlich auffälligen lila Tüten heraustragen, die förmlich schreien: »Schaut her, ich werde mich gleich dem Exzess hingeben!«

Richtig schlimm wurde es dann, als ich hinter mir eine bekannte Stimme hörte: Oh mein Gott, ein Kollege! Gut, dass ich meine feuerrote Dienstjacke im Auto gelassen hatte: Die Kulturschule darf mit diesem Milieu natürlich unter keinen Umständen in Verbindung gebracht werden!

Als ich dann endlich meine Einkaufsliste abgehakt hatte, wuchs die Scham in mir: Mein putziges Einkaufswägelchen quoll über von der verruchten Ware und ich konnte immer nur kleinste Mengen auf das winzige Förderbandbändchen an der Kasse legen. Die angebotenen Tüten waren ebenfalls lächerlich klein, so dass ich mit gleich drei davon den Laden verlassen musste – wie peinlich. Noch schlimmer war allerdings, dass ich zwei der Produkte offen und für alle sichtbar zum Auto bringen musste, da sie nicht in die Tüten passten.

Und was hatte ich nun erstanden? Zwölf Flaschen Bier, acht Fläschchen Cider und zwei Bag-In-Box-Weine für Annikas Geburtstagsfeier. Wenn ich bedenke, welche Türme von Bierkästen ich schon ohne jegliche Schuldgefühle aus Getränkemärkten herausrangiert habe, finde ich es spannend, wie es der staatliche Alkoholmonopolist Systembolaget schafft, den Kunden Gewissensbisse zu bereiten – während gleichzeitig eine Kaufberatung angeboten wird, die Ihresgleichen sucht. Inklusive der kostenlosen Beratung für Suchtkranke und deren Angehörige.

Alkoholkontrolle(n)


Jetzt bin ich schon seit über einem Monat in meiner ersten festen Anstellung. Insgesamt geht es bisher sehr gut, mit meinen Schülern werde ich langsam warm und die ersten zwei Wochen bestanden sowieso erstmal aus ganz vielen Konferenzen und Verwaltungsaufgaben. Am anstrengendsten waren bisher eigentlich die Autofahrten, denn die 70 Kilometer pro Strecke sind doch ein Stück…

Letzte Woche Montag wurde diese eher eintönige Fahrt, die ich vor allem mit Hörbüchern überstehe, aber unerwartet unterbrochen: Mitten in Alingsås stand plötzlich die Polizei auf der Sraße und winkte alle Autos auf den Seitenstreifen. Alkoholkontrolle war angesagt. Ich durfte in meinem Leben noch nie ins Röhrchen blasen und fand die ganze Sache relativ unterhaltsam – was Neues halt.

Bei der Arbeit angekommen, musste ich dann zum Unterricht in eine der Vorortschulen. Da ich gleich mehrere Geigen und Kontrabässe aus dem Instrumentenvorrat der Musikschule dorthin schaffen musste, nahm ich nicht unseren kleinen Twingo, denn die Stadtverwaltung hat für solche Fälle einen Fahrzeugpool für ihre Angestellten.

Ich ging also los, um den Autoschlüssel abzuholen. Die nette Dame an der Ausgabestelle drückte mir zusätzlich noch ein kleines Plastikding in die Hand: »För alkolåset.« Die Autos der Stadt sind mit einer zusätzlichen elektronischen Alkohol-Wegfahrsperre ausgestattet, die ähnlich wie die Alkoholkontrolle der Polizei funktioniert – bloß ohne Polizisten. Wenn man etwas getrunken hat, startet der Motor einfach nicht. Am Tag meiner ersten Alkoholkontrolle durfte ich daher gleich dreimal pusten…