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Schon Frühling?


Während in Deutschland zum Teil noch tiefster Winter herrscht und die Schneedecke nicht einmal daran denkt zu schmilzen, kann man bei uns schon Frühlingsgefühle bekommen. Überhaupt war es dieses Jahr noch überhaupt nicht richtig kalt und Schnee hatten wir vielleicht zwei Wochen lang. Diese Woche hat mehrfach die Sonne geschienen und gestern war es so warm, dass wir uns einfach auf den Vogelturm stellen und in die Sonne gucken konnten, ohne zu frieren. Dabei sind uns dann auch noch ein paar Vögel und andere schöne Motive vor die Kamera geflogen.

Da es in der Sonne so schön war, entschieden wir uns gegen einen längeren Spaziergang, denn dann geht man hauptsächlich durch schattigen Wald – oder langweilige Wohngebiete. Stattdessen zogen wir nur bis zum Badplatz weiter und setzten uns wieder in die Sonne. Zwischendurch musste ich allerdings doch testen, ob das Eis am Ufer noch trägt.

Jetzt wollen wir mal sehen, was das Wetter die nächsten Tage macht. Eigentlich ist es noch deutlich zu früh für Frühling, aber an einen späten Wintereinbruch glauben wir mittlerweile auch nicht mehr.

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Es weihnachtet sehr


Seit wir Anfang November aus den Herbstferien zurückgekehrt sind, jinglebellt es bei uns in den Musikschulen. Allerheiligen, Buß- und Bettag, Volkstrauertag, Totensonntag – oder wenigstens eine ehrliche weltliche Novemberdepression – all das wird vom fröhlichen Glöckchenklang überdeckt.

Am gestrigen Samstag hatte Jonas das erste Weihnachtskonzert mit den ersten 150 Schülern – wenn über 2000 Kinder an mindestens einem Weihnachtskonzert teilnehmen sollen, dann reichen vier Adventswochenenden eben einfach nicht aus.

Heute – am Totensonntag – hatten wir immerhin einen halben Tag gemeinsam frei… und das auch noch bei Sonnenschein, welch Glück! Zeit für einen kleinen Spaziergang zu „unserem“ Vogelturm, der gerade abgerissen und neu aufgebaut wurde, jetzt gibt es oben sogar eine Bank, die wir bisher immer vermisst haben. Auch der Bohlenweg zum Turm wurde ganz neu angelegt. Das Bild mit Jonas habe ich genau um 13.00 Uhr geschossen, man sieht darauf schön, wie tief die Sonne bereits steht. (Alle Bilder kann man wie immer anklicken und vergrößern.)

Trotz – oder besser: wegen – des Sonnenscheins blieb das Thermometer heute den ganzen Tag unter Null. Wir hoffen sehr auf anhaltende Minusgrade, damit der See bald zufriert. Denn dann können wir endlich wieder in der Sonne spazieren gehen, denn die meisten unserer Spazierwege liegen leider im Wald, außer dem See gibt es wenig offene Flächen zum Wandern.

Um halb zwei ist die Abendstimmung an „unserem“ Badeplatz perfekt, nur ein kleiner Holzarbeiter stört die Abendruhe…

Abends hatten wir dann ein Kirchenkonzert mit unserem Göteborger Chor – wohltuenderweise ein „echtes“ Novemberkonzert zum Ende des Kirchenjahres mit Bachs Motette „Komm Jesu, komm“, Heinrich Schütz‘ „Die mit Thränen säen“ und vier ganz wunderbaren Barockmusikern mit alten Instrumenten. Im allgemeinen Gejinglebelle ein wohltuender Kontrapunkt.

Vom Vorplatz der Kirche hatte man eine schöne Aussicht über das nächtliche Göteborg, dessen Silhouette jetzt wieder von Schwedens größtem Weihnachtsbaum geprägt wird. Dazu wird kurzerhand der Freefalltower des Vergnügungsparkes Liseberg mit 32 Lichterketten behängt:

Am Schluss setzt ein Helicopter in 130m Höhe dem Ganzen die Krone… pardon… den Stern auf:

Und so sah das dann heute Abend aus:

Das erste Bild habe ich vor dem Konzert gegen fünf Uhr geschossen, das andere gegen halb acht. Links im Bild sieht man das alte Riesenrad, das blaue rechts ist das neuere Göteborgshjul (Göteborgsrad), hier im Profil zu sehen.

Leider schaffen wir es wohl dieses Jahr nicht auf den Weihnachtsmarkt in Liseberg. Im Winter sind kaum Fahrgeschäfte geöffnet, dafür gibt es einen hübschen Weihnachtsmarkt und abends eine tolle Eisshow. Wir waren letztes Jahr an einem Mittwoch dort, da war es erfreulich leer. Ob ich mir das an einem Adventswochenende antun möchte… zweifelhaft. Aber die Frage stellt sich dieses Jahr ohnehin nicht, denn mit zwei Musikschulen sind unsere Adventswochenenden bereits gut gefüllt.

Vildmark


»Warum seid ihr denn nach Schweden gezogen? Deutschland ist doch so schön!«

Diese Frage habe ich nicht erst einmal hier in Schweden gehört; beim Nachbarn ist das Gras halt immer grüner. Die Schweden sind fasziniert von den Alpen und vor allem von schönen deutschen Fachwerkstädten und dabei vergessen sie gerne die schwedischen Vorteile, die sie genießen: Platz, Seen, Natur,… Selbst wenn man mitten in Göteborg oder Stockholm wohnt ist es nie weit in die vildmark (= Wildnis). Natürlich hat nicht jeder gleich das norrländische fjäll oder die riesigen Wälder vor der Tür, aber selbst die städtischen Parks und Wäldchen sind hier irgendwie wilder und laden zum Pilze sammeln und Beeren pflücken ein.

Eine solche kleine Vildmark fängt direkt hinter unserem neuen Zuhause an. Zu beiden Seite der Straße nach Borås liegt ein Naturschutzgebiet rund um den Fluss Viskan, der hier in den Öresjön mündet. Direkt nach dem Umzug haben wir schon eine kleinere Erkundungstour des Gebiets unternommen und heute wollte ich mir das ganze noch einmal durch die Kameralinse ansehen, denn es hat gestern und heute ordentlich geschneit und draußen war es den ganzen Tag wunderschön. Auch ohne Sonne.

Keine Nachrichten = gute Nachrichten


Im Jahr 2000 steckte das Internet noch in den Kinderschuhen, Emails waren noch nicht überall eine Selbstverständlichkeit und vieles wurde sogar noch der guten, alten Post anvertraut. In ebendiesem Jahr war ich als Austauschschülerin mehrere Monate in einer Kleinstadt mit einer Million Einwohnern in der tiefsten zentralchinesischen Provinz.
Da ich bei meiner Abreise wenig über meine Gastfamilie und meine Lebensverhältnisse in den kommenden Monaten wusste, aber schon vermutete, dass die Kommunikation schwierig werden könnte, vereinbarte ich mit meiner Mutter: Keine Nachrichten = gute Nachrichten.
Sollte heißen: Wenn ich mit Malaria darniederliegen, mit Blinddarmentzündung nach Hongkong ausgeflogen würde oder mir eine Rikschah den Fuß abgefahren hätte, dann hätte vermutlich jemand meine Mutter informiert. Im Normalfall bedeutete Funkstille aber höchstwahrscheinlich Stromausfall, keine Internet-/Telefon-/Faxverbindung oder schlicht: viele Erlebnisse und keine Zeit für Heimweh.

Die Funkstille, die hier auf Brevlåda in den letzten Wochen herrschte, ist auf letzteres zurückzuführen. Der Sommer, der sich im August letztlich doch noch hergetraut hat, war einfach zu kostbar, um länger als unbedingt notwendig vor dem Rechner zu sitzen. Außerdem waren in der alten Heimat Sommerferien, sodass wir viel Zeit mit urlaubenden Freunden hier in der Gegend verbracht haben. Die Kombination aus: Job mit Möglichkeit zum Homeoffice + Jonas‘ Semesterferien + VW-Bus + in Schweden (fast) überall verfügbares Internet ermöglichte uns drei lange Wochenenden in Folge, nur ab und zu mussten wir uns dann doch mal bei der Arbeit blicken lassen… (Das heißt nicht, dass ich nicht gearbeitet hätte, aber dabei mit Freunden vor deren Ferienhaus zu sitzen und nach der Arbeit noch schnell in den Vänern zu springen, hat schon was.)

Aber warum „wir“ bei der Arbeit – Jonas hat doch noch Semesterferien? Jein. Die Hochschule ruht zwar noch ein paar Tage, aber sein neuer Job als Kontrabass-/Streicherlehrer in einer kommunalen Kulturschule hat bereits begonnen. Aber davon soll er selbst demnächst hier berichten.

Naturgemäß sammelt sich bei so vielen Erlebnissen eine Menge Erzähl- und Fotomaterial an. Und unser Åland-Urlaub wurde hier auch noch nicht in der nötigen Ausführlichkeit bebildert, ebensowenig wie unser Ein-Jahr-in Schweden-Jubiläum gewürdigt wurde… waaaah, Freizeitstress!

Der hat die Ruhe weg.

Für kommendes Wochenende hoffe ich daher mal ganz ketzerisch auf schlechtes Wetter, damit neben meiner (deutschen) Steuererklärung von 2011 auch hier ein paar Zeilen entstehen können. Denn am Wochenende danach sind wir auf einen 40. Geburtstag bei (schwedischen) Freunden eingeladen, anschließend folgen drei Chorwochenenden mit Proben und CD-Aufnahme, dann eine Konzertreise nach Cambridge, dann eine Konzertreise nach Karlsruhe und dann ist Weihnachten. Jedenfalls gefühlt.

Auch wenn es hier gerade etwas ruhiger ist – irgendwann kommen auch wieder lange, dunkle Novemberabende und die eignen sich ja bekanntlich ausgezeichnet dafür, die Fotos des vergangenen Sommers zu sortieren und in den Erinnerungen an endlose Sommernächte zu schwelgen. Aber solange lassen wir euch nicht warten. (Wage ich jetzt mal mutig zu behaupten…) Ansonsten gilt: keine Nachrichten = gute Nachrichten.

Luxus ist auch…


…unser Wohnmobil. Nicht, dass unser Bus als solcher besonders luxuriös wäre. Natürlich ist er bequemer als ein Zelt, und die Toilette hat uns auch schon manchen Gang durch den Regen erspart. Aber klassischer Luxus sieht im Wohnmobil sehr anders aus.

Der eigentliche Luxus mit unserem Bus ist ein ganz anderer: Freiheit. Die Möglichkeit, einfach mal am Wochenende abzuhauen und den Alltag zu Hause zu lassen. Und zwar ohne sich vorher große Gedanken über die Reiseorganisation zu machen. Einfach ein paar Klamotten zusammengepackt, WoMo-taugliches Essen eingekauft und fahren, wohin einen die Straße führt. Oder wo nette Freunde aus Deutschland auf einen warten. Zum Beispiel über die Pfingstferien in Dalsland.

Mein erstes Studienjahr ist schon seit ein paar Tagen vorbei, ich hatte also am Freitag keine Verpflichtungen und konnte schon (fast) alles für die Reise vorbereiten. Ziemlich bald nachdem Annika den Laptop zugeklappt hatte – sie kann freitags mittlerweile von zu Hause aus arbeiten – waren wir auf der Straße nach Norden. Gegen acht hatten wir unser Ziel erreicht und warteten auf unsere Freunde.

Am nächsten Morgen gab es dann Frühstück mit verspätetem Geburtstagskuchen für Annika vorm Ferienhaus und…

Dann ging es weiter zu einem Antiquitätenladen. Zu Mittag aßen wir im Holzofen gebackenes Brot mit Butter und Käse im urgemütlichen Café in Hamrane (dazu an anderer Stelle mehr).

Den Abschluss machten dann ein Spaziergang und ein Eis am Vänerstrand.

Am Sonntag war dann das Wetter leider nicht mehr ganz so schön, was uns aber nicht von einem Besuch der Schleusen in Trollhättan abgehalten hat.

Selbst in den heute stillgelegten Schleusentreppen grünt und blüht es überall.

Und jetzt dürft ihr raten, was Annika außer dem Kuchen noch zum Geburtstag bekommen hat.

Luxusleben


Luxus ist, wenn man auf seinem 70 km langem Weg zur Arbeit an mindestens fünf schönen Badeplätzen vorbeikommt.
Luxus ist, wenn man morgens an die Badesachen gedacht hat und auf dem Heimweg mal eben ins Wasser hüpfen kann.
Luxus ist, wenn man zwar das Wasserthermometer nicht dabei hat, aber ein netter Schwede mit Thermometer vorbeikommt.
Luxus ist, wenn man im Wasser war, bevor der Schwede mit dem Thermometer die Wassertemperatur verkündet.
Luxus ist, wenn man nach dem Bad im 12,5°C warmem Wasser auf dem warmen Holzsteg in der Sonne trocknen kann.

Luxus ist, wenn man am Freitag zuhause arbeiten darf.
Luxus ist, wenn der nächste See nur einen Katzensprung weit weg ist.
Luxus ist, wenn Jonas um 12 das Mittagessen fertig gepackt hat.
Luxus ist, wenn man in der Mittagspause fix zum Haussee fahren, baden und anschließend picknicken kann.
Luxus ist, wenn dieser See, auf dem wir vor drei Monaten noch eislaufen waren, so klein ist, dass er im Mai schon warm genug ist, um es fünf Minuten darin auszuhalten, ohne zu frieren.

Das ist Luxus.

Winterfreuden


Da ich am Freitag leider eine Absage von meinem erhofften neuen Arbeitgeber erhalten hatte, mussten wir dieses Wochenende unbedingt was Schönes machen.
Deshalb haben wir gestern eine befreundete deutsch-schwedische Familie besucht, die hier in der Nähe „im Wald“ wohnt. Eigentlich wollten wir gemeinsam Eisangeln gehen, aber da es doch ziemlich windig, kalt und ungemütlich war, gingen wir direkt wieder ins Haus, nachdem wir das Loch gebohrt hatten.

Wir waren einigermaßen beruhigt, als wir sahen, dass das Eis an die 30cm dick war. Der Jüngste schien trotzdem ziemlich Angst davor zu haben, sich auf dem Eis aufzuhalten, was sein Vater mit den Worten „ist halt ein halber Deutscher“ kommentierte…

Heute, am Sonntag, konnten wir in der Sonne frühstücken, die jetzt bereits wieder zur (Sonntags-)Frühstückszeit in unsere Küche scheint. Das Thermometer auf der Außenfensterbank stieg dann auch rasch auf unrealistische +15° an – die tatsächliche Lufttemperatur dürfte jedoch tatsächlich im Plusbereich gewesen sein.
Bei diesen fantastischen Voraussetzungen mussten wir unbedingt an den Hultasjön, wo wir ja im Sommer immer baden gehen, und wo auch das Ferienhaus liegt, das Jonas Eltern an Weihnachten gemietet haben.

Mit dem Wissen, dass das Eis dick genug ist, noch dazu bei warmer Mittagssonne und Windstille war das heute ein echter Wintertraum – oder doch schon vårvinter (Frühlingswinter), die schwedische fünfte Jahreszeit?
Wir waren bestimmt zwei Stunden auf dem Eis und ich war danach auch ordentlich durchgeschwitzt, obwohl ich meine Winterjacke schon bald ausgezogen hatte. Warum? Seht selbst…

Zugegeben, meine besten Zeiten als Eisprinzessin habe ich wohl hinter mir, aber zu meiner Verteidigung muss ich auch sagen, dass die Schneedecke auf der Eisfläche ganz schön gewöhnungsbedürftig war und das Eis mit schönem Eishalleneis ungefähr so viel gemein hatte, wie eine Schotterstraße mit einer Bowlingbahn…