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Kurztrip: midsommar in Schweden


Der Schlussspurt vor den Sommerferien war dieses Jahr besonders intensiv, weil mein Kollege, der unser Orchester leitet und ich irgendwann letzten Herbst beschlossen hatten, einen Jugendorchesteraustausch mit meiner früheren Musikschule, an der ich selbst Schülerin war, anzuleiern. Es war eine wahnsinnig intensive Woche und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, als Reiseleiterin durch meine neue Heimat zu führen. Meine Mutter hatte sich als Betreuerin unter das deutsche Orchester gemischt und einen Reisebericht auf ihrem Blog veröffentlicht, den ich hier mit freundlicher Genehmigung reblogge. Danke, Mama!

bonjourelfie

Ich war zwar erst eine Woche daheim, aber diese Gelegenheit musste ich nutzen. Das  Jugendblasorchester der Musikschule Heidenheim hatte eine Einladung von der Musikschule Fristad in Schweden und im Bus war noch ein Platz frei für mich.

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Während der 18stündigen Fahrt über weitgehend leere Autobahnen und zwei Fähren wurde es kaum dunkel, bereits um 2:30 Uhr ging die Sonne wieder auf.

P1060934Irgendwann am Vormittag kamen wir endlich an,

P1060937und nachdem die Zimmer verteilt waren, ging es gleich los. Erst einmal zum badplats, das schöne warme Wetter war verlockend,

P1060942und schon hupften die ersten ins Wasser.

P1060940Die nächsten folgten,

P1060941und bald waren fast alle im Wasser.

P1060947Am nächsten Tag stand die Musik im Vordergrund. Auf dem zentralen Platz in Borås vor dem Landgericht wurde zur Mittagszeit aufgebaut

P1060963P1060967und schon legten die Heidenheimer los.

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Viele Passanten blieben stehen, einige ließen sich von der schwungvollen Musik mitreißen

P1070018und auch unser Busfahrer riskierte einen…

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Bombenwetter


Högsommar (Hochsommer) – so lautete die Überschrift für den heutigen Wetterbericht. Und das war definitiv nicht übertrieben bei Temperaturen bis 30°C und Gewitterluft.

„Was ein Bombenwetter“ dachte sich daher wohl ein Spaßvogel mit einem etwas kranken Sinn für Humor, als er gegen neun Uhr per E-Mail eine Bombendrohung an das Boråser Tingsrätt (Gericht) schickte und damit kurzerhand die ganze Innenstadt lahm legte. Die ganze Region schickte Polizisten zur Verstärkung und aus Göteborg kam ein Spezialtrupp, um die Bombe vor der angekündigten Detonation um drei Uhr nachmittags zu finden. Mittlerweile sieht es aber so aus, als ob es nie eine Bombe gegeben hätte, denn weder hat man etwas gefunden, noch gab es eine Explosion. Auch die Hintergründe der Drohung bleiben bisher schleierhaft, da heute noch nicht einmal ein kontroverser Prozess im Gericht stattfinden sollte.

Das Sperrgebiet rund um das Gerichtsgebäude mitten in der Boråser Innenstadt. (Quelle: Borås Tidning)

Seltsam ist auch, wie manche Leute auf so eine Bombendrohung reagieren: In der Musikschule, die nur wenige hundert Meter vom Gericht entfernt liegt, herrschte eine etwas nervöse Anspannung, als es auf drei Uhr zuging, die durch flapsige Bemerkungen („in drei Minuten knallt’s“) verdrängt wurde – das fand ich irgendwie verständlich. Warum man aber unbedingt auf die Straße gehen muss, um auch wirklich hautnah mit dabei zu sein, ist mir ein ziemliches Rätsel.

„Det här är ju det första bombhotet i Borås på säkert 40 år, det vill man ju inte missa så vi bestämde oss för att gå ut på gatan i stället för att sitta inne.“
Das ist ja das erste Mal seit 40 Jahren, dass wir hier in Borås eine Bombendrohung haben. Das will man ja nicht verpassen, deshalb sind wir raus gegangen anstatt drinnen in der Bude zu hocken.
(Quelle: Borås Tidning)

Seit halb fünf ist die Innenstadt wieder freigegeben und Wochenendshopping oder Feierabendbier steht nichts mehr im Wege. Die Polizei hat eine Untersuchungen wegen olagligt hot (illegale Drohung) eingeleitet. Wir hingegen nutzen das Bombenwetter für etwas sinnvolleres: Jetzt wird nämlich die Badesaison eröffnet.

Fotowettbewerb, die zweite


Ich hab es wieder getan: ein Foto im Fotowettbewerb der Schwedenstube ins Rennen geschickt. Die Abstimmung über die drei Bilder, die im Schwedenkalender 2014 die Monate März, April und Mai zieren werden, läuft noch bis nächsten Dienstag. Wer hier regelmäßig mitliest, wird das Bild wiedererkennen…

Und nein – man muss dafür nichts kaufen, nirgendwo Mitglied sein oder Treuepunkte sammeln. Nur eine Email mit den Nummern der Lieblingsbilder schicken. Alle Bilder und die Adresse findet ihr hier: klick. Danke für’s Abstimmen!

Osterferien


Eine gute Woche lang hatten wir jetzt Besuch aus Deutschland, meine Mutter hat unser Gästezimmer eingeweiht. Und leider ist es wie immer – je mehr man erlebt, desto weniger Zeit hat man zum Bloggen. Und nach einer Woche mit ununterbrochen strahlendblauem Himmel (Zitat meiner Mutter: „Euer Wetter ist echt langweilig. Jeden Tag gleich.“) und täglichen Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung sitzt man dann auf rund 1000 Fotos und gefühlt ebensovielen Erlebnissen und weiß überhaupt nicht, wo man anfangen soll zu erzählen und zu bebildern.

Ich könnte zum Beispiel erzählen von Karfreitag, als Jonas und ich in einer wunderschönen blau-weißen Holzkirche unsere erste Mugge als Duo hatten. Ich würde mir den Kommentar erlauben, dass Kontrabass und Klavier die optimale Besetzung für die Umrahmung von Karfreitagsgottesdiensten seien.

Oder ich könnte erzählen vom Samstag, als wir um die Mittagszeit in der Innenstadt eher versehentlich in einen Umzug von kleinen Påskkärringar (Osterhexen), Osterhasen und Osterhühnchen gerieten, die sich anschließend auf dem Marktplatz zum großen Tanz um den Osterbaum versammelten. Die Lieder waren zum Großteil die gleichen wie an Mittsommer (und an Weihnachten) – Hauptsache, in der Mitte steht etwas, um das man tanzen und singen kann…

Ich könnte erzählen von dem kleinen Flugzeug, das am Samstagabend auf unserem zugefrorenen See landete und am Sonntag morgen wieder abhob. In diesem Zusammenhang könnte ich auch noch erzählen, wie ich an die Telefonnummer des gutausehenden Piloten kam.

Die vielen Spaziergänge auf unserem Haussee würde ich vermutlich am Rande erwähnen, aber vor allem würde ich erzählen, wie oft wir mit unseren Kiekern auf dem Vogelturm am See standen und uns über die auf dem Eis rastenden Wildgänse und Singschwäne freuten.

Natürlich würde ich euch ein bisschen neidisch machen wollen mit unserem Besuch in dem kleinen Mühlencafé, in dem es sehr leckere Hausmannskost und süße Leckereien gab und wo wir definitiv nicht das letzte Mal waren. Oder mit dem kleinen lanthandel direkt an der Mühle, in dem es fantastisches Apfelmus, Marmeladen und hantverk gibt. Und ich würde die faszinierenden Eisformationen im Mühlbach erwähnen.

Bestimmt würde ich euch auch vorschwärmen von unseren Wanderungen durch Hochmoore und über vereiste Wege, der fantastischen Aussicht vom Gipfel des Boråser Skiberges und der Tatsache, dass wir jeden Mittag irgendwo in der Sonne rumgelegen haben. Nicht nur auf unseren Wanderungen, sondern auch auf unserem Ausflug nach Ulricehamn, einem Bilderbuchstädtchen etwa 30 km von hier, welches ebenfalls auf unserer „Nicht-zum-letzten-Mal-Liste“ gelandet ist.

Und mit Sicherheit würde ich Unmengen von Fotos posten, die ich an unserem Tag am Hornborgasjö geschossen habe. Ich würde erzählen, dass der Hornborgasjö jedes Jahr fester Rastplatz der aus dem Süden zurückkehrenden Kraniche ist und sich dort bis zu 25 000 Kraniche tummeln und ihre Paarungstänze vollführen. Im gleichen Atemzug würde ich mich darüber beschweren, dass wegen der Kälte in Deutschland die meisten Kraniche noch nicht angekommen waren, aber dass auch gut 1000 Kraniche + Wildgänse + Schwäne schon für ein unglaubliches Gewimmel und noch ohrenbetäubenderes Gekreische sorgen können. Vielleicht würde ich auch noch zwei Links setzen: zur täglich aktualisierten Kranichzählung und zu den Webcams, auf denen man das Vogelgewusel live beobachten kann.

Aber wann soll ich bitte diese ganzen Artikel schreiben – unsere Osterferien gehen doch nur noch bis Sonntag?!

Vårvinter in Borås


Nach einer Woche, in der wir krankheitsbedingt kaum vor die Tür getreten sind, waren wir heute endlich mal wieder länger draußen. Kürzlich hatten wir festgestellt, dass wir noch nie länger in der Innenstadt von Borås waren, sondern immer nur zielgerichtet bestimmte Läden aufgesucht haben. Das haben wir also heute nachgeholt – war auch Zeit, immerhin wohnen wir jetzt schon zweieinhalb Monate hier.

Unsere Runde startete an der Hochschule, die sich bereits mit farbenfrohen Jalousien gegen die Märzsonne zur Wehr setzen muss:

Högskolan i Borås - bunter Sonnenschutz

Wie in vielen schwedischen Städten, so dachten sich auch die Städteplaner von Borås, dass der Grundriss einer Tafel Schokolade mit großem Marktplatz in der Mitte praktisch und gut ist, aber glücklicherweise weist der Fluss Viskan, der quer durch die Stadt fließt, den Quadratismus in die Schranken. Stattdessen gibt es auch einige Häuser, die sich den Flusswindungen anpassen:

Apropos Stadtplanung: Ich weiß ja nicht, welcher Scherzkeks auf die glorreiche Idee kam, den Platz vor dem Finanzamt ausgerechnet Midasterrasse zu nennen…

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Viele Deutsche schimpfen ja immer über das schwedische Brot, das hier oft (aber bei weitem nicht immer) weich und süß, mit deutscher Disziplin gebackenes Knusperbrot dagegen selten und teuer ist. Hier der Dealer für alle Brotjunkies:

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Im Untertitel trägt Borås den Namen Skulpturstaden und tatsächlich stößt man in der Innenstadt auf Schritt und Tritt auf irgendwelche Skulpturen. Nicht nur zu Ostern, sondern ganzjährig steht dieser Geselle mit dem bekloppten Blick im Stadtpark:

"Mate Hunting" von Marianne Lindberg De Geer
Inspirationsquelle war wohl Alice im Wunderland

Das Schwedische kennt ja für die aktuelle Jahreszeit ein eigenes Wort: vårvinter – Frühlingswinter. Im Schatten liegt noch Schnee, nachts ist es noch deutlich unter null Grad (zum Teil zweistellig), aber tagsüber wärmt die Sonne bereits, von den Dächern kommt der Schnee lawinenweise runter und überall tropft und platscht es.

Der Viskan war die letzten Wochen zugefroren, aber die Märzsonne hat bereits ganze Arbeit geleistet. Es reicht aber noch, damit sich die Enten darauf sonnen können. Alle anderen Zweibeiner wählen da doch lieber das Straßencafé direkt am Fluss.

Auch wir konnten uns dem Herdentrieb an diesem sonnigen Vårvintertag nicht entziehen und ergatterten einen der letzten freien Plätze im Café, oder vielmehr: davor. Nichteinmal Heizpilze brauchte es, die Sonne reichte heute vollkommen. Da wir uns die letzten Tage überwiegend von Suppe und Salbeitee ernährt haben, war der erste Straßencafébesuch des Jahres auch aus kulinarischer Sicht eine willkommene Abwechslung und ein gelungener Abschluss unseres Stadtbummels.

Tierisch was los – Eine Fotostory


Mehr Infos gibt’s hier.

Wie geht Wochenende?


Unser Wochenende im Schnelldurchlauf:

Freitag, Mittagspause:
Die Kollegen über die Loipensituation in der näheren Umgebung interviewen und sich von Kollege A davor warnen lassen, dass die Vasa-Loppet-erfahrene Kollegin B eine andere Auffassung von „Anfängerstrecke“ haben könnte als Normalsterbliche/blutige Anfänger/Jonas und ich. Auf Kollegen C vertrauen, der „nur“ Bezirksmeister ist und gegen die Strecke entscheiden, die vor unserer Haustür beginnt.

Freitag, Abend:
Die nagelneuen Langlaufskier mit kaugummiartiger Substanz bekleben und über Nacht trocknen lassen.

Samstag:
Blick aufs Thermometer: -10°C und ordentlich Wind. Preisschilder von Schuhen und Skiern abfummeln, Skier in den Twingo schieben (ich liebe dieses Raumwunder!). 20 Minuten AchterbahnAutofahrt durchs Winterwunderland. Auf die Skier stellen und los. Erste Runde (ca. 3 km) in 45 min (zu Fuß wäre das vermutlich schneller gegangen), die zweite immerhin in 30 min. Wegen des eiskalten Windes auf eine dritte Runde verzichten – ich bin mir sicher, wir hätten sie in 15 min geschafft!
Dem Tipp von Kollegen C folgen und ins örtliche Vereinsheim gehen. Göttliche Waffeln mit hausgemachter Erdbeermarmelade und Schlagsahne genießen.
Auf dem Rückweg fröhlich Umwege durchs Winterwunderland entdecken und eine To-Discover-Liste für die nächsten Wochenenden erstellen: Loppis, Antik, Hofladen (Apfelsaft), Auktionshof, Backstube, Hofladen (Milch), Loppis, Hofladen (Ziegenkäse), Antik.
Zuhause ankommen, Sauna anschmeißen. Saunieren. Barfuß durch den Schnee stapfen. Saunieren. Im Dunkeln sitzen. Sicherungskasten suchen. Sicherungskasten verstehen. Sicherungen wieder reindrehen. Essen. Sofa. Bett.

Sonntag:
Muskelkater. Loppis/Antik. Muskelkater. Nahezu neuwertiges Einrad mit Mountainbikereifen für 100 Kronen erstehen (lange gehegter Traum). Muskelkater.
Nachmittag: Jonas = Mugge. Annika = Sofa. Muskelkater. Inspektor Barnaby. Muskelkater. Bett. Bloggen.

So geht Wochenende!