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oh, oh-oh, oh-oh-oh


Gerade sind wir aus Helsingborg zurück gekommen. Annika war auf einer Klavierlehrerkonferenz und da im Wohnmobil noch ein Gratis-Bett frei war, bin ich kurzerhand mitgefahren.

Der Campingplatz von Helsingborg liegt nur wenige Kilometer südlich des Stadtzentrums in der Nähe des Fischerdorfes Råå (sprich Roh) – mit zwei å. Das ist selten. Ich kenne sowieso nur ein einziges Wort im schwedischen, dass einen Doppelvokal enthält, nämlich friidrott (Leichtathletik, von fri=frei und idrott=Sport). Vielleicht gibt es auch noch andere zusammengesetzte Wörter, bei denen Vokal auf Vokal trifft, aber innerhalb eines eigenständigen Wortes kennt das Schwedische eigentlich keine Vokalverdopplung. Außerdem stand å ursprünglich für aa, als es diese Buchstabenkombination noch gab – der Kreis über dem a deutet ein weiteres a an. Damit würde aus Råå Raaaa

In Råå mündet ein Fluss in den Öresund, der Råå-Fluss. Fluss heißt auf Schwedisch å und dieser Fluss somit Rååån (sprich Roh-ohn – das n am Schluss kennzeichnet den bestimmten Artikel, der darf bei keinem schwedischen Flussnamen fehlen).

Früher gab es auch reichlich Aal im Rååån – oder besser: ål. Also: råååål (Roh-oh-ohl); das einzige Wort der schwedischen Sprache mit gleich vier å am Stück! Oder doch gleich raaaaaaaal?

Der Rååån in Råå in dem ich leider keinen råååål entdeckt habe
Der Rååå in Råå in dem ich leider keinen råååål entdeckt habe – wie auch, bei so vielen Schiffen?

Leider fand Språkrådet, so etwas wie der schwedische Duden, diese Schreibweise zu kompliziert und verkürzte den Flussnamen offiziell zu Råån und den Aal damit zum rååål. Warum man dieser Vereinfachung aber nicht folgen sollte, kann man hier nachlesen.

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Eine kleine Rekapitulation, bevor wir mit unserem Urlaubsbericht weitermachen – was bisher geschah: Nach unserem Aufbruch an Annikas letztem Arbeitstag hatten wir zwei Tage Luftholpause am Vänern eingelegt. Danach waren wir mit Zwischenstopp in Örebro auf einen Campingplatz bei Västerås gefahren. Der Montag brachte uns dann über Uppsala an die Ostküste, wo wir unsere Fähre auf die Ålands genommen hatten. Dort stießen wir auf Annikas Mutter und ihren Lebensgefährten.

Nach so vielen Kilometern war es erst mal wieder Zeit für einen Pausentag mit Spazieren gehen, Sauna und viel Faulenzen – nicht viel zu berichten also. Am Mittwoch wandten wir uns dann Mariehamn zu, der Hauptstadt der Ålands – auf der Karte mit dem lustigen finnischen Namen Maarianhamina eingetragen. Unterwegs schauten wir noch in einem Second-Hand-Laden mit einer riesigen Teekesselsammlung und einem wuseligen Garten vorbei.

Mariehamn ist keine große Stadt – aber mit ihren 11.000 Einwohnern ist sie die einzige Stadt und gefühlt auch der einzige nennenswerte Ort der Inselgruppe überhaupt. Und das merkt man, denn hier sammelt sich die gesamte Infrastruktur der Region: Geschäfte, Krankenhaus, Flughafen, Banken – außerhalb Mariehamns an Bargeld (Euro!) zu kommen ist gar nicht einfach! – Kneipen, Regierungssitz, Schwimmbad und Fähranleger für die riesigen Schiffe, die auf ihrem Weg von Finnland nach Schweden hier Halt machen. All das sorgt dafür, dass die Stadt belebter ist, als man zunächst erwarten könnte – trotzdem ist es dort sehr überschaubar und beschaulich.

Eigentlich war uns aber gar nicht nach Stadt, wir wollten raus in die Natur. Deshalb packten wir die Campingstühle schon am nächsten Morgen wieder ein und machten uns auf die Weiterfahrt; zunächst für einen kleinen Abstecher in Richtung Süden, wo wir ein wunderschönes Café fanden, dann soweit nach Osten, wie es Straßen und Fähren kostenlos zulassen – auf die Insel Vårdö. Auf dem Weg dorthin lag ein Aussichtsturm, der einzige Tunnel Ålands, eine Fähre und zwei Festungsruinen – letzteren statteten wir aber erst auf dem Rückweg einen Besuch ab.

Auf Vårdö gefiel es uns sehr gut. So gut sogar, dass wir so lange blieben, bis wir alle unsere Vorräte aufgegessen und schon einmal auf das Campingplatz-Café zurückgegriffen hatten. In der Zwischenzeit fand eine Fahrradtour mit ausgiebigem Walderdbeerenpflücken und -essen sowie ein Grillfest statt. Ansonsten hatten wir viel Zeit, um ausgiebig zu lesen.

Den Rückweg Richtung Eckerö traten wir am Montag an, denn für Dienstag war die Fähre gebucht. Dieses Mal hielten wir nicht nur an den bereits erwähnten Ruinen und an einem Freilichtmuseum, wir machten auch einen großen Umweg auf den höchsten Berg Ålands im Norden der Hauptinsel.

Die letzte Nacht auf Åland verbrachten wir auf dem Campingplatz, auf dem auch schon unser Inselurlaub begonnen hatte. Früh am Morgen mussten wir dann den Weg zur Fähre antreten, die uns wieder nach Schweden brachte.