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Nationalfeiertag 2019 – mit Diplom


Schon vor einigen Wochen hatten wir im Briefkasten eine offizielle Einladung der Kommune zu den Nationaltagsfeierlichkeiten am 6. Juni. Am Tag der Schwedischen Flagge (Svenska flaggans dag) heißt das Land seine neuen Staatsbürger*innen willkommen. Unsere schwedische bzw. doppelte Staatsbürgerschaft und unsere Pässe haben wir seit Oktober letzten Jahres.

Im Stadtpark war ein große Bühne aufgebaut, sowie ein eigenes Zelt just für sogenannte „Neuschwed*innen“ wie uns. Dort erwarteten uns einige Lokalpolitiker*innen mit Kaffee und Sahnetörtchen und jede*r Neuschwed*in bekam ein Stofftüte mit Borås-Devotionalien (Werbebroschüren, Schlüsselband, etc.), sowie einen Anstecker. Auch die obligatorische Urkunde (schwed.: Diplom) durfte natürlich nicht fehlen.

Am Nachmittag marschierte dann die Boråser Hemvärnet, der schwedische Reservistenverbund in Flecktarn bzw. das Blasorchester in Gardeuniform ein.
Kann man mögen. (Muss man aber nicht.)

Auf der großen Bühne im Stadtpark war dann eine gute Stunde Festakt mit Kinderchor, Militärorchester, Gesangssolist, und Festrede. Letztere wurde gehalten von der Vorsitzenden des regionalen Feuerwehr- und Rettungsverbundes und handelte von Präventivmaßnahmen bei Brand und anderen Unglücksereignissen und endete mit der Ermahnung, dass man die 112 nicht zum Spaß anrufen solle. Eine sehr festliche Themenwahl… Oder so.

Die letzten Jahre hatte ich jedes Jahr am Nationalfeiertag einen Gig in der Nachbarstadt Ulricehamn und bin froh, dass der Tag nicht überall so militärisch begangen wird wie in Borås, sondern der Aspekt der Integration in anderen Kommunen weitaus mehr betont wird.

Wie auch immer, es ist der Gedanke, der zählt. Für uns ist das Kapitel Einbürgerung damit jedenfalls endgültig abgeschlossen, zumindest formal.

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Doppelter Doppelpass


Donnerstag: Einbürgerungsurkunde im Briefkasten.

Freitag: Online einen Termin bei der Passstelle der Polizei gebucht.

Montag: Mit dem Chef zur Passstelle gegangen, der dort eine eidesstattliche Erklärung ausfüllen musste, die unsere Identität bestätigt, und einen schwedischen Personalausweis („nationellt ID-kort“) beantragt.

Mittwoch: SMS bekommen, dass der Ausweis zur Abholung bereit liege.

Damit ist das Thema Einbürgerung gut sieben Jahre nach unserem Umzug nach Schweden jetzt endgültig abgeschlossen. Wir haben jetzt beide die doppelte Staatsbürgerschaft.

 

Svenskifiering


Ganz unspektakulär ist unser 5. Jahrestag in Schweden Mitte August an uns vorbeigezogen, denn er fiel gerade in die Woche vor dem Schulanfang, die bei uns traditionell mit Konferenzen und einem ersten Auftaktorchesterlager gefüllt ist. Nach viel zu vielen Telefonaten mit Schülern und Eltern stehen unsere Stundenpläne inzwischen zu 99%  (die alte 80:20-Regel hat sich auch dieses Jahr wieder bewahrheitet) und es ist schon fast wieder Alltag eingekehrt.
(Und irgendwann erzähl ich dann auch noch ein bisschen von unserem Sommer. Vielleicht.)

Aber zurück zu unserem 5. Jahrestag in Schweden: Dieser ist insofern besonders, als da man nach fünf Jahren die Mindestaufenthaltsdauer für die schwedische Staatsbürgerschaft erreicht hat. Weitere Voraussetzung für eine Einbürgerung ist „tadelloses Benehmen“ (skötsamhet), mit anderen Worten: keine Strafverfahren oder Schuldverfahren, auch diese Bedingung erfüllen wir. Da wir uns außerdem als EU-Bürger ausweisen können, steht einem Antrag auf Einbürgerung also nichts mehr im Wege.

Die vielen informellen Voraussetzungen, die an die Svenskifiering, Schwedifizierung, geknüpft sind, wie z.B. ein Mittsommerfest ausrichten, im Advent Lichterbögen ins Fenster stellen, in den Sommerferien am Haus renovieren oder Sonntags Rasen mähen, Bäume fällen und Terrasse kärchern, haben der Lieblingskollege und andere schwedische Freunde die letzten Jahre gut abgeprüft. Nur einen Volvo haben wir immer noch nicht…

Dass wir hier in Sachen Bürokratie echt verwöhnt sind, merkten wir heute an der Tatsache, dass wir nach dreieinhalb Jahren an unserem jetzigen Wohnort noch keinen neuen Briefkopf mit der aktuellen Adresse erstellt hatten…

Das Antragsformular für die schwedische Staatsbürgerschaft war dann auch eher easy auszufüllen (online natürlich) und die Anlagen hielten sich in überschaubaren Grenzen: Beschäftigungsnachweise für die letzten 5 Jahre (Jonas: 1 Zettel, Annika: 3 Zettel) und unsere deutschen Pässe.
Ganz billig war der Spaß übrigens nicht, 1500 Kronen Bearbeitungsgebühr nimmt die Einwanderungsbehörde migrationsverket für einen Einbürgerungsantrag, egal ob dieser am Ende positiv oder negativ ausfällt.

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Jetzt hoffen wir einfach mal, dass wir alles wirklich vollständig ausgefüllt und eingeschickt haben, dann sind wir laut aktuellen Angaben des migrationsverket in 2-6 Monaten schwedische Staatsbürger. Ansonsten kann es über ein Jahr dauern, wenn sie weitere Auskünfte von uns brauchen, das hoffen wir aber nicht.

Und wieder sind wir froh über die EU, denn wir werden dann die doppelte Staatsbürgerschaft haben, was – allen aktuellen Diskussionen zum Trotz – ein Privileg von EU-Bürgern ist, egal, was AfD, CSU und Konsorten dazu sagen.

Wenn es nach uns ginge, würden wir ohnehin am liebsten nur einen einzigen Pass haben: nämlich einen, der uns als EU-Bürger ausweist.