Schlagwort-Archive: Erkältung

11. Dezember: Weihnachtskonzert powered by Alvedon


Krank sein passt ja irgendwie nie, aber selten so wenig wie kurz vor Weihnachten. Seit Sonntag huste und schniefe ich und habe Fieber und gehöre eigentlich ins Bett, aber gerade ist jeden Tag irgendwas, warum man es sich gerade nicht leisten kann, zuhause zu bleiben.

Heute z.B. das große Musikschulweihnachtskonzert, wo wir wirklich alles auffahren, was die Musikschule so zu bieten hat (mit Ausnahme des großen Orchesters, die haben soviel Programm, dass die ihr eigenes Konzert machen). Heute also: kleine Orchester, mittelgroße Orchester, Streicher, Bläser, Sänger, Gitarristen, Pianisten, Neuanfänger, Fortgeschrittene, angehende Musikstudenten… 90 Minuten querbeet. Und auch immer nett: der Auftritt unseres Fördervereins mit Umschlagüberreichung. Mich freut das tatsächlich, dass die Vorsitzende vom Elternverein uns jedes Jahr auf die Bühne holt und einmal vor 250 Eltern aufzählt, was wir im vergangenen Jahr alles außerhalb unserer Kernaufgaben auf die Beine gestellt haben.

Im Konzert hatte ich heute vier Pianisten dabei: einmal Solo, einmal vierhändig mit mir, einmal mit Trompete, einmal mit Gesang. Alle vier haben ihre Sache gut gemacht, brauchten aber zum Teil vor dem Konzert nochmal eine Infusion Selbstvertrauen. Das kann man leider nicht mal eben an einen Kollegen übergeben. Und Schubert Militärmarsch spielt auch keiner meiner Kollegen vom Blatt.

Das Stück ist in Schweden ein richtiger Weihnachtsklassiker, weil jedes Jahr an Heiligabend um 15.00 Kalle Ankas Jul, Weihnachten mit Donald Duck, im ersten Programm ausgestrahlt wird (Schubert ab 4:17):

Tagsüber habe ich noch normal unterrichtet, denn wenn gerade kein Konzert ist, dann ist es doch für einige die letzte Unterrichtsstunde vor dem nächsten Auftritt bei einer Schulabschluss- oder Luciafeier, sodass man irgendwie nie krank machen kann, ohne das Gefühl zu haben, jemanden im Stich zu lassen.

So habe ich mich also heute schniefend und hustend durch den Tag geschleppt und fleißig Alvedon (so heißt Paracetamol in Schweden) und Koffeintabletten gegessen. Mittwoch und Donnerstag kommen noch jeweils zwei Luciaauftritte, wo ich Chöre am Klavier begleite – die Grippe muss sich noch bis Donnerstagnachmittag gedulden.

Advertisements

Krankenstube


Seit einer geschlagenen Woche gleicht unser Haus nun einem Krankenhaus: Die Papierkörbe quillen über von Taschentüchern, das Bad müsste endlich mal geputzt werden und die Vorräte gehen langsam zur Neige… für eine Tomatensuppe mit Nudeln hat es heute gerade noch gereicht. Wenigstens ist Annika wieder so gut wie gesund und auch ich habe mich heute zu einem Spaziergang zu unserem Lieblingsvogelturm aufraffen können – es besteht also Hoffnung, dass wir beide nächste Woche wieder arbeiten können.

Für mich ist das das erste Mal, dass ich krank von einer festen Arbeit fernbleibe und irgendwie habe ich schon ein schlechtes Gewissen dabei, denn nächste Woche haben wir ein großes Konzert in der Musikschule und man will ja seine Kollegen vor so einem Event nicht im Stich lassen. Entsprechende Bauchschmerzen hatte ich dann auch, als ich am Donnerstag meine Kollegin anrief, die an diesem Tag gleich zwei Orchesterproben mit mir leiten sollte. Umso überraschter war ich deshalb von ihrer Reaktion: »Ich hatte doch eh nicht mit dir gerechnet, bleib du mal zu hause und werd‘ wieder fit!«

Krank sein ist in Schweden Vertrauenssache. Wacht man morgens mit Fieber auf, ruft man einfach beim Arbeitgeber an und sagt Bescheid, dass man nicht kommen kann. Für diesen ersten Krankheitstag bekommt man allerdings keinen Lohn, ab dem zweiten Tag gibt es dann 80%. Erst nach einer Woche benötigt man eine Krankschreibung vom Arzt. Statt der Angst vor ausfallender Produktivität grassiert nämlich in Schweden etwas ganz anderes: Die Angst vor Ansteckung. Insbesondere bei echter Grippe, grippalen Infekten und Magen-Darm-Grippe – der gefürchteten kräksjuka (=Kotzkrankheit) – gilt: Bleib ja mit deinen Viren und Bakterien zu Hause und komm erst wieder, wenn du keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr bist. Auch beim Arzt ist man nicht gern gesehen, wenn »Abwarten und Tee Trinken« der einzige vernünftige Rat ist, der einem gegeben werden kann. Eine Einstellung, die mir durchaus sympathisch ist und die wohl auch aus medizinischer Sicht durchaus ihre Berechtigung hat.

Meine Kollegin hatte sich übrigens schon vorbereitet und unsere Bratschenlehrerin gebeten, ihr bei den Orchesterproben zu helfen. Diese wird die zusätzlich Arbeitszeit dann einfach als Überstunden aufschreiben und irgendwann später im Jahr abfeiern.