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Hoj!


Jedes Jahr im Frühjahr stelle ich mir die gleiche Frage: Wäre es nicht ökonomisch, ökologisch und gesundheitlich sinnvoll, statt mit Bus und manchmal Auto mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren? Fürs kulår, wo ich mehrere Kontrabässe brauche, gibt es kommunale Dienstwagen, die man sich an einigen zentralen Sammelstellen leihen kann und alle Schulen, an denen ich regelmäßig unterrichte – im Moment ist das sowieso nur eine –, kann man ohne Probleme auch mit dem Fahrrad oder sogar zu Fuß erreichen. Eigentlich der Umstieg aufs Rad also kein Problem. Wenn nicht:HöhenprofilZwölf Kilometer sind ja eigentlich eine ganz angenehme Distanz mit dem Fahrrad, in einer guten halben Stunde könnte man am Ziel sein. Wenn da nicht diese zwei Steigungen wären. Hundert Höhenmeter sind natürlich zu schaffen, aber die beiden „Berge“ sind ganz schön steil und bringen einen schon ins Schwitzen. Und dann sind da  noch die eigentlich wunderschönen Passagen direkt am See: wenn da der Wind gerade aus der falschen Richtung übers Wasser bläst, macht das radeln überhaupt keine Spaß mehr. Und überhaupt: mimimi. Extra früh aufzustehen, um dann beim Job zu duschen, geht übrigens definitiv zu weit…

Vor einigen Jahren habe ich es dann trotzdem mal probiert, nach den Sommerferien bin ich auf das Fahrrad umgestiegen. Zwei Wochen habe ich durchgehalten, dann kamen die Schüler, der Alltag, der Regen, und das war’s.

Die Lösung: Ein E-Bike. Bisher habe ich mich davor gedrückt. Teuer, brauche ich nicht, zu stolz, nur was für Rentner. Dann doch lieber Bus. Aber den möchte ich zur Zeit gar nicht so gerne nehmen, zu bestimmten Zeiten ist er völlig überfüllt (heißt: man hat keinen Doppelsitz für sich alleine). Abstand halten ist da schwierig, weshalb die hiesigen Verkehrsbetriebe darum bitten, dass nur diejenigen den Bus nehmen, die keine andere Alternative haben. Als sich die Osterferien dem Ende näherten, sind wir dann kurzentschlossen in die Stadt gefahren, haben drei Fahrradläden abgeklappert und seit Ostersonntag (alle Geschäfte auf, auch an Ostern, nix Shutdown…) bin ich nun Besitzer eines Fahrrads mit Hilfsmotor.

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Vor einer Schule, an der ich einmal die Woche Geige unterrichte. Die Schule liegt auch auf einem fiesen Berg.

Zweimal bin ich damit bis jezt zur Kulturschule gefahren und es fühlt sich so an, als ob das mit dem E-Bike-Pendeln ein dauerhaftes Konzept sein kann. Irgendwie habe ich ja auch keine Wahl, denn ansonsten haben wir einen Haufen Geld aus dem Fenster geworfen. Der Härtetest kommt aber natürlich erst, wenn das Wetter nicht mehr so wunderbar frühlingshaft ist – am besten suche ich jetzt schon nach meiner Regenhose.

Ein neues Wort habe ich übrigens auch gelernt. Hoj: heißt: Fahrrad.

Himmelfahrt auf Visingsö


Kurz vor Christi Himmelfahrt, einem unserer wenigen freien Wochenenden in diesem Frühjahr, musste unser VW-Bus in die Werkstatt und der Werkstattmann sagte uns direkt, dass das vor dem langen Wochenende nichts mehr werden würde, weil er ein Ersatzteil bestellen müsse. Wir hätten das Wochenende ja gerne für eine erste Probeausfahrt genutzt, hmpf…

Als wir dann letzte Woche Dienstag auf einem unserer zur Zeit sehr ausgedehnten Abendspaziergänge unangekündigt auf einen Kaffee bei Freunden vorbeischauten, erzählten sie uns freudestrahlend, dass sie gerade ihren Wohnwagen reisefertig gemacht hatten und am nächsten Tag für zwei Nächte nach Gränna am Vättern fahren wollten. Seufzend erzählten wir von unserem Pech mit der Reparatur und ohne zu zögern erwiderten sie sofort: dann fahrt doch mit uns, unser Wohnwagen ist groß genug für vier!

Die Aussicht, mit den beiden nach Gränna und Visingsö zu fahren, erschien uns durchaus verlockend, und der Wohnwagen ist wirklich ziemlich groß, also sagten wir zu.

Was wir mitnehmen sollten – Schlafsack, Bettwäsche? Neenee, sie bereiten alles vor, wir sollen lieber mit kleinem Gepäck kommen, Klamotten und Zahnbürste reichen. Wie im Fünf-Sterne-Hotel lobten wir, doch C. meinte, sie werde uns keine Schokoladentäfelchenaufs Kopfkissen legen. Wir einigten uns also auf nur vier Sterne.

Am Mittwochabend packten wir dann nach dem letzten Schüler fix zwei Taschen, eine mit unseren Klamotten, eine mit Wein und Grillzeug, denn wenigstens für das Abendessen wollten wir sorgen. Die beiden waren schon voraus gefahren und als wir gegen acht in Gränna ankamen, standen Wohnwagen und Vorzelt schon bereit.

Während ich drinnen half, Campingstühle und Tisch zusammenbauen, rief Jonas von draußen „Wo hast du denn die Tasche mit den Klamotten hingetan?“ – „Ich? Wieso ich? Du wolltest doch…“

Da standen wir also nach zwei Stunden Autofahrt, die Sonne wollte gerade fotogen im Vättern untergehen, das Fleisch lag auf dem Grill und der Wein war bereits geköpft und wir hatten keine Klamotten, außer denen die wir anhatten, was in Jonas Fall ein T-Shirt und eine Jeans war. In meiner Jacke hatten wir wenigstens die Weinflaschen transportsicher eingerollt. (Man muss schließlich Prioritäten setzen!)

Im Wunderwohnwagen fanden sich schließlich noch zwei eingeschweißte Zahnbürsten (Upgrade auf fünf Sterne!) und Jacken und Wechselklamotten werden beim Camping ohnehin überbewertet.

Am nächsten Tag verbrachten einen fantastischen Himmelfahrtstag auf Visingsö. Der Raps, der See, der Löwenzahn und die blühenden Obstbäume schienen sich gegenseitig in ihrer Farbenpracht übertrumpfen zu wollen, als wir mit Fahrrädern und Tandem über die Insel juckelten.

Erwähnten wir eigentlich schonmal, dass wir es hier unverschämt gut mit unseren neuen Freunden getroffen haben?

Wochenend und (kein) Sonnenschein


Pünktlich zum Wochenende hat sich der Himmel dann auch wieder zugezogen, nachdem er sich die ganze Woche über wunderbar blau gehalten hatte… na toll! Hoffen wir mal, dass der schwedische Wetterdienst recht hat und dass es morgen wieder aufklart.

Dann nutze ich die Zeit jetzt halt dafür, einige Fotos vom letzten Sonntag online zu stellen, als uns die gefühlt ersten Sonnenstrahlen des Jahres nach draußen lockten. Da haben wir nämlich entdeckt, dass sich unser Vogelturm ganz ausgezeichnet zum Beobachten von Vögeln eignet – welche Überraschung – und um Menschen bei diversen Aktivitäten auf dem Eis zuzuschauen.