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Schon Frühling?


Während in Deutschland zum Teil noch tiefster Winter herrscht und die Schneedecke nicht einmal daran denkt zu schmilzen, kann man bei uns schon Frühlingsgefühle bekommen. Überhaupt war es dieses Jahr noch überhaupt nicht richtig kalt und Schnee hatten wir vielleicht zwei Wochen lang. Diese Woche hat mehrfach die Sonne geschienen und gestern war es so warm, dass wir uns einfach auf den Vogelturm stellen und in die Sonne gucken konnten, ohne zu frieren. Dabei sind uns dann auch noch ein paar Vögel und andere schöne Motive vor die Kamera geflogen.

Da es in der Sonne so schön war, entschieden wir uns gegen einen längeren Spaziergang, denn dann geht man hauptsächlich durch schattigen Wald – oder langweilige Wohngebiete. Stattdessen zogen wir nur bis zum Badplatz weiter und setzten uns wieder in die Sonne. Zwischendurch musste ich allerdings doch testen, ob das Eis am Ufer noch trägt.

Jetzt wollen wir mal sehen, was das Wetter die nächsten Tage macht. Eigentlich ist es noch deutlich zu früh für Frühling, aber an einen späten Wintereinbruch glauben wir mittlerweile auch nicht mehr.

Vårtecken


Seit gestern hat der Frühling auch im schwedischen Fernsehen offiziell angefangen – der hat hier nämlich eine eigene Fernsehsendung auf SVT. Bei Mitt i naturen: Vår (Mitten in der Natur: Frühling) kann man während der nächsten sechs Wochen verfolgen, wie sich der Frühling langsam über das Land ausbreitet. Fernsehteams berichten über Kraniche am Hornborgasjön und als Zuschauer kann man mitteilen, wie weit der Schnee im Norden schon weggeschmolzen ist oder welche Blumen gerade im Vorgarten blühen. Alle suchen jetzt nach vårtecken (Frühlingszeichen).

Wenn man bedenkt, dass letztes Jahr um diese Zeit noch ein Flugzeug auf unserem vereisten See gelandet ist

Vögel, überall Vögel!


Eines der wichtigsten vårtecken – Frühlingzeichen – ist in Schweden die Ankunft der Kraniche. Besonders viele sammeln sich jedes Jahr am Hornborgasjön, etwa eine Stunde von und entfernt. Der See ist sehr flach und von ausgedehnten Sumpfgebieten umgeben, was ihn zu einem idealen Rast- und Paarungsplatz für die Kraniche macht. Das Balzgehabe, auch „Tanz der Kraniche“ genannt, ist ein beliebtes Fotomotiv, auch und gerade für professionelle Fotografen und so trifft man dort neben Kranichen auch auf jede Menge komische Vögel mit monströsen Fotoausrüstungen.

Die Nacht verbringen die Kraniche weiter draußen im See, geschützt vor Füchsen und Paparazzi, während im Dunkeln am Ufer Futter ausgebracht wird. In der Morgendämmerung kommen dann tausende von Kranichen ans Ufer zurück. Dieser tägliche Umzug ermöglicht es Ornithologen, die Kraniche einzeln zu zählen. Jeden Tag wird die aktuelle Anzahl der Kraniche auf einer Tafel vor Ort und online veröffentlicht.

Wir haben die gute Wetterprognose genutzt und am Wochenende die Wohnmobilsaison eröffnet. Und tatsächlich wurde ich am Samstagmorgen ohne Wecker gegen fünf Uhr wach. Anstatt mich wie sonst nochmal umzudrehen, habe ich mir die Kamera geschnappt und mich neben die Profis gestellt und jede Menge Kraniche bei Sonnenaufgang fotografiert. Und in der Morgen-, Mittags-, Nachmittags- und Abendsonne – beim Fressen, beim Balzen, beim Fliegen, beim Landen, einzeln und in Formation… Über 1500 Bilder sind so an diesem Wochenende entstanden und diesmal ist mir die Auswahl auf ein blogverträgliches Ausmaß wirklich schwer gefallen – erwähnte ich schon, dass ich zu Weihnachten ein neues Teleobjektiv bekommen habe?

Es riecht nach Frühling


…wenn das fritidsfröken (Hortbetreuerin), von dem man sich immer den Musiksaalschlüssel leiht, wieder mit den Kindern rausgeht.

…wenn man seit Wochen endlich wieder mal die Sonne sieht.

…wenn man um halb sechs aus der Kulturschule kommt und es noch nicht stockfinster ist.

…wenn beim Nachbarn aus der Treckerspur vom letzten Jahr ganz frisches Gras sprießt.

Aber eigentlich ist es erst Februar und damit immer noch mitten im Winter. Da der bisher aber dieses Jahr ausgefallen ist, kann der Frühling dann bitte ein wenig früher anfangen?

Es läuten die Osterglocken


So langsam wirds hier was mit dem Frühling. Vor einer Woche entdeckten wir die ersten Blåsippor und Vitsippor (Leberblümchen und Buschwindröschen) und an den Birken deutet ein hellgrüner Schleier an, dass es nicht mehr allzulange dauern kann. Nur in unserem Garten, da ist alles braun, aber das ist eine andere Geschichte.

Leberblümchen und Buschwindröschen

Gestern am Feiertag wollten wir eigentlich einen größeren Ausflug machen, aber sowohl das Wetter als auch eine Spontanoperation am Mittwoch (ein komischer Leberfleck an meiner Fußsohle weilt nun nicht mehr unter mir) sprachen für einen Tag im Bett. Heute dann – für Schulkinder und Lehrer ein klämdag – weckten mich die Dämmerung und die Vögel um halb vier und ich konnte mich nur mit Mühe beherrschen, Jonas nicht sofort aus dem Bett zu schmeißen. Bis halb acht hab ich ihm gnädigerweise gegeben, dann konnte ich nicht mehr länger warten…

Etwa eine Autostunde südlich von hier, an den Grenzen des tiefen småländischen Waldes, wo meinen Kollegen zufolge nur noch Elche und deutsche Touristen leben, eröffnet sich am Ende einer geschotterten Stichstraße das Gehöft Fagerås. 1978 pflanzten die Bewohner hier die ersten Osterglocken und jedes Jahr kamen neue hinzu. Heute sind es etwa eine Million (Osterglocken, nicht Bewohner). Ich habe zwar keine Ahnung, wer das gezählt hat, auf jeden Fall sind es viele. Sehr viele. Da der Wetterbericht für den Nachmittag Wolken und Regen angekündigt hatte, wollten wir möglichst früh da sein und hatten so den Park die erste halbe Stunde fast für uns allein. Doch nach und nach füllte es sich und da wir beide ziemlich langsam unterwegs waren – ich humpelte an Krücken und Jonas robbte sich mit der Kamera vor der Nase bäuchlings durch das Blumenmeer – zog schon bald ein nicht abreißender Strom von Rollstühlen und Rollatoren an uns vorbei. Hätte ich nicht meine Krücken gehabt, wir hätten uns völlig fehl am Platz gefühlt. Das liebliche Zwitschern der Vögel wurde alsbald durch lautes Gackern und Schnattern fröhlicher Senioren übertönt. Trotz Busladungen aus nah und fern gönnten wir uns aber zum Abschluss dennoch ein Fika mit frischen Waffeln in der langsam hinter Wolken verschwindenden Sonne.

Zum Vergrößern die Bilder anklicken.

Fazit: Fagerås zur Osterglockenzeit ist absolut einen Besuch wert und die Waffeln sind köstlich. Man muss nur zur richtigen Tageszeit da sein.

Auf der Weiterfahrt weckte dann ein kleines Schild unsere Aufmerksamkeit…

Weiterlesen: Schotterwege und Begegnungen

Fotowettbewerb gegen Farbmangel


Danke an alle, die beim Fotowettbewerb der Schwedenstube abgestimmt haben! Unser Bild erhielt diesmal sogar die meisten Stimmen und wird damit einen der Frühlingsmonate im Schwedenkalender 2014 zieren. Ostern ist zwar schon eine Weile her, aber aber noch immer leiden wir hier an akutem Farbmangel. Vorgestern haben wir wenigstens mal den allerersten Krokus im Garten gesichtet, aber die Bäume sind immer noch kahl. Daher hier nochmal ein bisschen Farbe, weils so schön war:

Osterbaum in Borås - niedrigere Auflösung

Fotowettbewerb, die zweite


Ich hab es wieder getan: ein Foto im Fotowettbewerb der Schwedenstube ins Rennen geschickt. Die Abstimmung über die drei Bilder, die im Schwedenkalender 2014 die Monate März, April und Mai zieren werden, läuft noch bis nächsten Dienstag. Wer hier regelmäßig mitliest, wird das Bild wiedererkennen…

Und nein – man muss dafür nichts kaufen, nirgendwo Mitglied sein oder Treuepunkte sammeln. Nur eine Email mit den Nummern der Lieblingsbilder schicken. Alle Bilder und die Adresse findet ihr hier: klick. Danke für’s Abstimmen!

Osterferien


Eine gute Woche lang hatten wir jetzt Besuch aus Deutschland, meine Mutter hat unser Gästezimmer eingeweiht. Und leider ist es wie immer – je mehr man erlebt, desto weniger Zeit hat man zum Bloggen. Und nach einer Woche mit ununterbrochen strahlendblauem Himmel (Zitat meiner Mutter: „Euer Wetter ist echt langweilig. Jeden Tag gleich.“) und täglichen Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung sitzt man dann auf rund 1000 Fotos und gefühlt ebensovielen Erlebnissen und weiß überhaupt nicht, wo man anfangen soll zu erzählen und zu bebildern.

Ich könnte zum Beispiel erzählen von Karfreitag, als Jonas und ich in einer wunderschönen blau-weißen Holzkirche unsere erste Mugge als Duo hatten. Ich würde mir den Kommentar erlauben, dass Kontrabass und Klavier die optimale Besetzung für die Umrahmung von Karfreitagsgottesdiensten seien.

Oder ich könnte erzählen vom Samstag, als wir um die Mittagszeit in der Innenstadt eher versehentlich in einen Umzug von kleinen Påskkärringar (Osterhexen), Osterhasen und Osterhühnchen gerieten, die sich anschließend auf dem Marktplatz zum großen Tanz um den Osterbaum versammelten. Die Lieder waren zum Großteil die gleichen wie an Mittsommer (und an Weihnachten) – Hauptsache, in der Mitte steht etwas, um das man tanzen und singen kann…

Ich könnte erzählen von dem kleinen Flugzeug, das am Samstagabend auf unserem zugefrorenen See landete und am Sonntag morgen wieder abhob. In diesem Zusammenhang könnte ich auch noch erzählen, wie ich an die Telefonnummer des gutausehenden Piloten kam.

Die vielen Spaziergänge auf unserem Haussee würde ich vermutlich am Rande erwähnen, aber vor allem würde ich erzählen, wie oft wir mit unseren Kiekern auf dem Vogelturm am See standen und uns über die auf dem Eis rastenden Wildgänse und Singschwäne freuten.

Natürlich würde ich euch ein bisschen neidisch machen wollen mit unserem Besuch in dem kleinen Mühlencafé, in dem es sehr leckere Hausmannskost und süße Leckereien gab und wo wir definitiv nicht das letzte Mal waren. Oder mit dem kleinen lanthandel direkt an der Mühle, in dem es fantastisches Apfelmus, Marmeladen und hantverk gibt. Und ich würde die faszinierenden Eisformationen im Mühlbach erwähnen.

Bestimmt würde ich euch auch vorschwärmen von unseren Wanderungen durch Hochmoore und über vereiste Wege, der fantastischen Aussicht vom Gipfel des Boråser Skiberges und der Tatsache, dass wir jeden Mittag irgendwo in der Sonne rumgelegen haben. Nicht nur auf unseren Wanderungen, sondern auch auf unserem Ausflug nach Ulricehamn, einem Bilderbuchstädtchen etwa 30 km von hier, welches ebenfalls auf unserer „Nicht-zum-letzten-Mal-Liste“ gelandet ist.

Und mit Sicherheit würde ich Unmengen von Fotos posten, die ich an unserem Tag am Hornborgasjö geschossen habe. Ich würde erzählen, dass der Hornborgasjö jedes Jahr fester Rastplatz der aus dem Süden zurückkehrenden Kraniche ist und sich dort bis zu 25 000 Kraniche tummeln und ihre Paarungstänze vollführen. Im gleichen Atemzug würde ich mich darüber beschweren, dass wegen der Kälte in Deutschland die meisten Kraniche noch nicht angekommen waren, aber dass auch gut 1000 Kraniche + Wildgänse + Schwäne schon für ein unglaubliches Gewimmel und noch ohrenbetäubenderes Gekreische sorgen können. Vielleicht würde ich auch noch zwei Links setzen: zur täglich aktualisierten Kranichzählung und zu den Webcams, auf denen man das Vogelgewusel live beobachten kann.

Aber wann soll ich bitte diese ganzen Artikel schreiben – unsere Osterferien gehen doch nur noch bis Sonntag?!

Vårvinter in Borås


Nach einer Woche, in der wir krankheitsbedingt kaum vor die Tür getreten sind, waren wir heute endlich mal wieder länger draußen. Kürzlich hatten wir festgestellt, dass wir noch nie länger in der Innenstadt von Borås waren, sondern immer nur zielgerichtet bestimmte Läden aufgesucht haben. Das haben wir also heute nachgeholt – war auch Zeit, immerhin wohnen wir jetzt schon zweieinhalb Monate hier.

Unsere Runde startete an der Hochschule, die sich bereits mit farbenfrohen Jalousien gegen die Märzsonne zur Wehr setzen muss:

Högskolan i Borås - bunter Sonnenschutz

Wie in vielen schwedischen Städten, so dachten sich auch die Städteplaner von Borås, dass der Grundriss einer Tafel Schokolade mit großem Marktplatz in der Mitte praktisch und gut ist, aber glücklicherweise weist der Fluss Viskan, der quer durch die Stadt fließt, den Quadratismus in die Schranken. Stattdessen gibt es auch einige Häuser, die sich den Flusswindungen anpassen:

Apropos Stadtplanung: Ich weiß ja nicht, welcher Scherzkeks auf die glorreiche Idee kam, den Platz vor dem Finanzamt ausgerechnet Midasterrasse zu nennen…

IMGP7636

Viele Deutsche schimpfen ja immer über das schwedische Brot, das hier oft (aber bei weitem nicht immer) weich und süß, mit deutscher Disziplin gebackenes Knusperbrot dagegen selten und teuer ist. Hier der Dealer für alle Brotjunkies:

IMGP7633

Im Untertitel trägt Borås den Namen Skulpturstaden und tatsächlich stößt man in der Innenstadt auf Schritt und Tritt auf irgendwelche Skulpturen. Nicht nur zu Ostern, sondern ganzjährig steht dieser Geselle mit dem bekloppten Blick im Stadtpark:

"Mate Hunting" von Marianne Lindberg De Geer
Inspirationsquelle war wohl Alice im Wunderland

Das Schwedische kennt ja für die aktuelle Jahreszeit ein eigenes Wort: vårvinter – Frühlingswinter. Im Schatten liegt noch Schnee, nachts ist es noch deutlich unter null Grad (zum Teil zweistellig), aber tagsüber wärmt die Sonne bereits, von den Dächern kommt der Schnee lawinenweise runter und überall tropft und platscht es.

Der Viskan war die letzten Wochen zugefroren, aber die Märzsonne hat bereits ganze Arbeit geleistet. Es reicht aber noch, damit sich die Enten darauf sonnen können. Alle anderen Zweibeiner wählen da doch lieber das Straßencafé direkt am Fluss.

Auch wir konnten uns dem Herdentrieb an diesem sonnigen Vårvintertag nicht entziehen und ergatterten einen der letzten freien Plätze im Café, oder vielmehr: davor. Nichteinmal Heizpilze brauchte es, die Sonne reichte heute vollkommen. Da wir uns die letzten Tage überwiegend von Suppe und Salbeitee ernährt haben, war der erste Straßencafébesuch des Jahres auch aus kulinarischer Sicht eine willkommene Abwechslung und ein gelungener Abschluss unseres Stadtbummels.