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2. Dezember 2015 – Christmas [Surviving Germany]


Wie feiert man in anderen Ländern Weihnachten? Schon innerhalb eines Landes können die Traditionen erheblich variieren und obwohl eigentlich das gleiche Ereignis gefeiert wird, sieht das Fest von Land zu Land sehr unterschiedlich aus. Umso spannender, einmal einen Blick von außen zu bekommen, von jemandem, der nicht mit den gleichen Bräuchen aufgewachsen ist.

Wir finden zum Beispiel das obligatorische julbord, das traditionelle schwedische Weihnachtsessen bestehend aus einem Buffet mit eingelegtem Hering, Schinken und köttbullar etwas… sagen wir… überbewertet. Zumal das Ganze mit nur leichten Abwandlungen auch an Ostern (mit bunten Eiern) und Midsommar (mit frischen Erdbeeren) serviert wird. Aber es geht hier immerhin um Traditionen, und deshalb reagierte Annikas Lieblingskollege auch ziemlich empört als Annika Janssons frestelse einmal respektlos als Kartoffelauflauf mit Fisch bezeichnete, es ging hier immerhin um Janssons!, den heiligen… äääh… Kartoffelauflauf mit Anchovis, den die Schweden als Pflichtprogramm jedes Weihnachtsbuffets vergöttern. Dafür können die Schweden unsere Begeisterung für Lebkuchen mit Oblaten nicht ganz nachvollziehen…

Auch anderen kulinarischen Genüsse können wir nicht den gleichen Enthusiasmus entgegenbringen wie unsere schwedischen Freunde, zum Beispiel julmust, eine Art zu Limonade verdünntem Malzbier, das den Verkauf von Coca Cola in Schweden jedes Jahr im Dezember um die Hälfte einbrechen lässt, pepparkakor als einzige Form von Weihnachtsplätzchen oder die Angewohnheit, Rosinen und Mandeln in den völlig überzuckerten Glühwein (glögg) zu geben.

Und wie sieht nun deutsches Weihnachten von außen betrachtet aus? Fragen wir doch einmal einen Engländer, der schon eine ganze Zeit in Deutschland lebt:

8. Dezember 2012 – Glögg


Jetzt haben wir schon Musik, eine Geschichte, was in der Glotzekiste, Kurioses vom Polarkreis und was zu Essen. Was fehlt für die Weihnachtsstimmung? Das passende Getränk! Wir hätten anzubieten: Bier, Aquavit, Milch, saft (= Fruchtsirup)… aber das trinkt man ja eigentlich immer. Etwas weihnachtlicher wird’s mit julöl, besonders stark gebrautem Weihnachtsbier. Oder julmust, schwedisches Malzbier. Noch besser ist Mumma, ein Cocktail aus sockerdricka (Limonade mit Ingwer), dem Lieblingsgetränk von Michel aus Lönneberga, julöl und Portwein. Ich will eigentlich gar nicht wissen, wie das schmeckt…

Aber bei der Kälte ist es wohl doch am besten, etwas Warmes zu sich zu nehmen. Brevlåda empfiehlt: Glögg. Schon Gustav Vasa kannte das klassische Rezept aus Rotwein, Honig, Zimt, Ingwer, Kardamom und Nelken. Heute gibt es die verschiedensten Glöggvarianten zu kaufen, im Supermarkt natürlich nur bis zur erlaubten Maximaldrehzahl von 2,25 % Vol., den harten Stoff (Starkvinsglögg) verteilt dann der Staat im Systembolaget. Die Geschmacksrichtungen reichen von Apfel-Zimt über Preiselbeer-Pfefferkuchen und Mandel-Feige bis zu Mocca-Schokolade.

Neben diesen geschmacklich manchmal fragwürdigen Neukreationen unterscheidet sich Glögg vor allem in zwei Punkten von deutschem Glühwein: Man trinkt ihn zum einen aus kleinen Tässchen, in die man zum anderen zuvor noch einige Rosinen und Mandeln gelegt hat. Damit man diese dann auch essen kann hat der ideale Glöggbecher noch einen kleinen Löffelhalter integriert.

Glöggmys
Glöggmys – ein Dankeschön von Göteborgs Vokalensemble für die Organisation der Chorreise

Glögg kann man entweder genauso herstellen wie Glühwein, also indem man den Rotwein zusammen mit den Gewürzen erwärmt und diese dann vor dem Trinken herausfischt. Oder aber man benutzt die althergebrachte Methode aus einem Rezeptbuch aus den 1840ern. Dann wärmt der Glögg dank Branntwein nämlich noch besser:

Zutaten:

1 Flasche Rotwein
1 dl eau de vie (Obschdler)
20 Gewürznelken
5 Zimtstangen, in kleinere Stücke zerbrochen
1 Teelöffel zerstoßener Kardamom
1 Stück Ingwer
Schale einer Pomeranze (alternativ Orange)
2 dl Zucker
1 1/2 Teelöffel Vanillezucker
Geschälte Mandeln und Rosinen

  1. Alle Gewürze in ein Glas geben und mit dem Schnaps übergießen.
  2. Mindestens 24 Stunden warten.
  3. Die Gewürze absieben, dabei den aromatisierten Schnaps auffangen.
  4. Den Wein zusammen mit dem Schnaps vorsichtig erwärmen.
  5. Ein paar Mandeln und Rosinen in einen Becher geben, warmen Glögg darübergießen.
  6. Skål!