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Vier hässliche Lieschen und eine Kopfschmerztablette, bitte!


Schüler, 3. Klasse, erste Klavierstunde nach den Sommerferien:
„Ich hab ein neues Lied gelernt, von meiner Cousine! Es heißt „Lis Fyra“!“*

 

Anderer Tag, andere Schülerin, 7. Klasse. Erste Klavierstunde nach den Sommerferien:
„Ich habe ein neues Lied gelernt, von meiner Freundin! Es heißt „Ful Elise“!“**

 

Gleicher Tag, später am Nachmittag, Schüler, 5. Klasse. Wir machen Fingerübungen zum Aufwärmen und Anknüpfen an früher bereits Gelerntes. Kind spielt D-Fis-A, Daumen, Mittelfinger, kleiner Finger.

Ich: „Wie nennt man denn das, was du da gerade spielst?“
Kind: …?
Ich: „Also wenn man drei Töne spielt, die dann gleichzeitig klingen…“
Kind: …?
Ich: Könnte das vielleicht was mit Drei…. zu tun haben, wenn da drei Töne klingen?
[Auf Schwedisch: …när det klingar tre toner?]
Kind: …?
Ich: „T…“
Kind: „T…“
Ich: „Tr…“
Kind: „Tr…“
Ich: „Treee…“
Kind: „Tre… Tree… Treee…“
Kind (strahlt): „Treo!“***

Treo 500mg/50mg 60st (1/1)


*fyra = vier
** ful = hässlich
*** Treo: Handelsname für Kopfschmerzbrausetabletten mit Acetylsalicylsäure und Koffein. Die richtige Antwort wäre treklang, also Dreiklang gewesen.

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Back to Alltag…


Ein zuverlässiger Indikator für das baldige Ende der dreiwöchigen Weihnachtsferien der Schüler (wir Lehrer hatten am Freitag bereits einen schülerfreien Arbeitstag) ist, wenn man am Samstag morgen um 08:03 folgende SMS bekommt:

Hej Annika!
Lisa Svensson, Bullerbüschule Klasse 2, hat eine Frage zu ihrer Klavierhausaufgabe. Sie weiß nicht mehr, welches Stück sie üben sollte. Kannst du uns helfen? MfG, Lisas Mama

Schülermund


Die erste Woche nach den Weihnachtsferien:

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Markus, 8. Klasse:

– Im April haben wir zwei Wochen Berufspraktikum. Ich mach mein Praktikum an der Kulturschule!

(Recht so. Mal über den Tellerrand gucken, unsere Musikschule kennt er ja seit 8 Jahren.)

— — —

– So Fredrika, mit dem ersten Band deiner Klavierschule sind wir ja vor den Weihnachtsferien fertig geworden. Habt ihr den zweiten Band schon gekauft?

– Njaaa… nicht richtig…

– Was heißt das, „nicht richtig“? Habt ihr den zweiten Band gekauft oder nicht?

– Nee, ich wollte erst fragen, ob du mir nicht dein Klavierbuch schenken könntest, ich habe schließlich kein Weihnachtsgeschenk von Dir bekommen… Und du kannst doch eh alle Stücke daraus auswendig.

(7. Klasse. Ich war sprachlos.)

— — —

– Ich habe mir an Weihnachten von meiner großen Schwester beide Bände mit Beethoven-Sonaten ausgeliehen und will jetzt etwas daraus spielen. Wenn wir jetzt nicht damit anfangen, wird das sonst nichts mehr.

(Ann-Louise wird im Sommer 70.)

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Stefan, 2. Klasse, spielt jetzt im „Miniorchester“ mit (das Orchester ist mit ca. 15 Kindern gar nicht so mini, wohl aber die kurzen Stücke). Weil das Orchester schon seit September besteht und er jetzt Quereinsteiger ist, sitze ich in seiner ersten Orchesterprobe neben ihm am Klavier. Während der Dirigent gerade den Klarinetten einen neuen Griff erklärt, flüstert er mir zu:

– Weißt du was das Gute am Orchesterspielen ist? Ich darf jetzt zweimal die Woche in die Musikschule kommen!

(Da schmilzt das Klavierlehrerherz…)

Fortbildung


Diese Woche sind für unsere Schüler Herbstferien, während für die Lehrer Montag-Mittwoch kompetensutvecklingsdagar oder studiedagar, Fortbildungstage sind. Wir Musikschullehrer sind dabei in jeder Hinsicht den Lehrern an den allgemeinbildenden Schulen gleichstellt.

Übers Schuljahr verteilt haben wir insgesamt 16 solcher Fortbildungstage, an denen unsere Schüler frei haben und wir unsere „Kompetenzen entwickeln“. Kompetenzentwicklung ist dabei ein sehr weit gefasster Begriff, eigentlich fällt darunter alles, was sonst im Alltag zu kurz kommt.

Klassischerweise sind die letzten Tage der Sommerferien solche Tage, da wird die Grobplanung fürs neue Schuljahr festgelegt, neue Kollegen eingearbeitet, fachübergreifende pädagogische Zielsetzungen erarbeitet und natürlich auch die individuelle Unterrichtsvorbereitung begonnen. Auch am Ende des Schuljahres liegen meist ein paar Fortbildungstage, in denen man das Schuljahr in Ruhe abschließen kann oder – wie wir letztes Jahr – Orchesterfahrten unternehmen kann. Die restlichen Tage liegen so wie jetzt in den Ferien oder auch mal mittendrin, die Schüler werden an diesen Tagen im Hort betreut.

Oft verbringt man die Fortbildungstage mit den engsten Kollegen, plant Konzerte und Projektwochen, probt gemeinsam oder macht endlich mal wieder Ordnung im Instrumentenvorrat und in der Notenbibliothek.

An zwei oder drei der Fortbildungstage werden Vorlesungen oder Seminare von externen Dozenten gehalten, in denen es ausschließlich um pädagogische Fragestellungen geht, z.B. den Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern. Sofern die Themen auch für uns Musikschullehrer relevant sind, sind wir bei den Vorlesungen der Grundschulen (Klasse 1-9) dabei.

Regelmäßig finden aber auch Fortbildungen nur für uns Musikschullehrer statt, in denen wir dann Kollegen aus den umliegenden Kommunen treffen, oft gekoppelt mit Vorträgen von Vertretern des schwedischen Musikschulverbandes oder Kulturpolitikern.

Unabhängig von den festgelegten Fortbildungstagen besteht aber auch sonst jederzeit die Möglichkeit, auf Fortbildungen zu fahren. Für Fortbildungen unter der Woche bekommen wir „frei“ und müssen die Stunden auch nicht nachholen, wenn nicht wirklich handfeste Gründe dagegen sprechen. Generell ist da die Haltung unserer Chefs die, dass eine Fortbildung ja keine Vergnügungsreise ist, sondern Arbeitszeit und außerdem eine Investition in die eigene Organisation, die sich langfristig wieder auszahlt in Form von motivierten und kompetenten Mitarbeitern. Erfreulicherweise sehen die Eltern der Schüler das genauso.

So war ich zum Beispiel kürzlich bei einem dreitägigen Kongress des schwedischen Klavierpädagogenverbandes. Die Kongressgebühr übernahm mein Arbeitgeber zur Hälfte, ebenso die Anreise. Als Jonas mit allen seinen Streicherkollegen letztes Jahr beim Kongress der Streicherpädagogen war, wurden sogar alle Kosten, inklusive Unterkunft, übernommen.

Der Klavierpädagogenkongress fand Freitag-Sonntag statt und selbstverständlich habe ich den Samstag und den Sonntag als Überstunden im Computersystem registriert.

Diese Woche ist daher für mich recht entspannt: am Montag haben meine Kollegen und ich die kommenden Wochen bis Weihnachten geplant und am Freitag habe ich zum ersten Mal seit 2009 mal wieder selbst Klavierunterricht – bei einem Hochschuldozenten in Göteborg, den ich beim Kongress kennengelernt habe.

Den Rest der Woche arbeite ich meine Überstunden ab:

Puzzle