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Winter? Frühling? Sommer!


Vor zwei Wochen hat es das letzte Mal geschneit, gestern hatten wir bei unserem jährlichem Musikschul-Großkampftag „Musikens Dag“ – Tag der Musik mit 6 Stunden Non-stop Konzert auf der Freilichtbühne – um die 28°C und wir mussten zusehen, dass uns die kleinen Bläser nicht reihenweise in der prallen Mittagssonne umkippten. Als wir abends abbauten, war das E-piano auf der Bühne gelb von Blütenstaub. Und heute entdecken wir, dass der Steg an unserem Hausbadeplatz wieder draußen ist, damit ist jetzt offiziell Sommer!

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Gebadet habe ich noch nicht, dafür war einfach noch keine Zeit. Entweder ist Tag der offenen Tür in der Musikschule oder Jugendmusikfestival in Västerås oder Nationalfeiertag in Norwegen oder Projektwoche oder Konzert hier oder Pipapo dort…

Das Wetter spielt dieses Jahr echt verrückt, erst diese Woche sind die Bäume wirklich grün geworden, sonst passiert das immer um den 1. Mai herum…

Kleine Anekdote am Rande: Erstmalig haben wir dieses Jahr zu unserem jährlichen Engagement zum norwegischen Nationalfeiertag am 17. Mai nicht nur unser Jugendorchester (ab 7. Klasse) mitgenommen, sondern auch noch unser Juniororchester (4.-6. Klasse) mit schwarzer Uniform, grüner Baskenmütze und weißen Handschuhen ausgestattet und nach Norwegen mitgenommen. Für die Kleinen war es das erste Mal, sowohl in Uniform, als auch marschierend aufzutreten. Auf die Packliste hatten wir daher zusätzlich noch geschrieben, dass es sich empfiehlt, unter der Uniform – je nach Wetterlage – lange Funktionsskiunterwäsche zu tragen, weil Marschieren und Musizieren einerseits eine schweißtreibende Sache sein kann und man andererseits beim Absingen der Hymne und Redengeschwinge und Fahnengedöns schon mal eine Weile regungslos in eiskaltem norwegischem Wind rumstehen muss. Und ne dicke Jacke unter der steifen Uniformjacke, das geht auch nicht.. Hat in Norwegen auch alles wunderbar funktioniert, 12-15°C, bewölkt, etwas Wind, da war die leichte Skiunterwäsche unter der Uniform perfekt.

Nun war gestern also unser „Tag der Musik“ und wieder großes Marschorchester und Tamtam und Trara, aber diesmal morgens um 8 schon an die 20°C. Große Parade um 10 Uhr, ca. 15 Minuten Marsch auf Asphalt in der prallen Sonne, anschließend den ganzen Tag Programm auf der Freilichtbühne im Park, kaum Schatten. Und tatsächlich kam eines der Kinder aus dem Juniororchester mit kompletter langer Skiunterwäsche unter der Uniform…

Kann schonmal passieren im schwedischen Winterfrühlingssommer, dass man den Wechsel der Jahreszeiten einfach so… pardon… verschwitzt.

PS: Auf der Facebookseite meiner Musikschule gibt es ein paar Bilder und ein Video aus Norwegen: Klick.

När det lider mot jul


När det lider mot jul – wenn man sich auf Weihnachten zuquält – ist eines der beliebtsten Adventslieder in Schweden. Der Titel beschreibt ziemlich gut meinen aktuellen Gemütszustand: Seit den Herbstferien hieß es: raus mit den Weihnachtsliedern und mit den Kindern üben, üben, üben, denn das erste große Weihnachtskonzert stand schon am 23. November an.

Neben sechs großen Weihnachtskonzerten mit Musikschule, Kulturschule und Chören stehen noch diverse andere Auftritte in unserem Kalender: eine Feier zum ersten Advent, zwei Luciafeiern, drei Schulabschlussfeiern, die musikalische Umrahmung eines Weihnachtsmarktes, das erste Anknipsen der Lichterkette an Fristads Weihnachtsbaum, die Weihnachtsshow eines Boråser Eiskunstlaufvereins und außerdem fünf Gigs mit Borås Vokalensemble im First Grand Hotel für die Gäste des julbords (ein großes Weihnachtsbuffet, zu dem viele Firmen ihre Angestellten einladen).

Irgendwas habe ich bestimmt noch vergessen, aber auf jeden Fall bleibt da wenig Zeit für Ruhe und Besinnung. Manchmal haben die vielen Aktivitäten haben aber auch ihre Vorteile. So konnten wir beispielsweise bei dem Weihnachtsmarktgig kostenlos einen Weihnachtsbaum abstauben, weil der Baumhändler seine letzten Tannen und Fichten loswerden werden wollte, anstatt sie wieder mit nach Hause nehmen.

Obwohl ich Jingle Bells schon lange nicht mehr hören kann und mir Nu tändas tusen juleljus mittlerweile ziemlich auf den Wecker geht, kommt mit WeihnachtsAdventsbaum und neuem Ljusstake, den ich spontan gekauft habe, als ein Schüler nicht kam und ich eine ungeplante Pause hatte, trotzdem ein wenig Weihnachtsvorfreude auf.

Dementsprechend gilt für uns natürlich auch der eigentliche Sinn des Liedes När det lider mot jul: Att lida heißt nämlich nicht nur leiden, in diesem Fall bedeutet es ungefähr verfließen von Zeit. Die Übersetzung muss daher eher Wenn es auf Weihnachten zugeht lauten. Es handelt ja auch nicht von gestressten Musiklehrern, sondern von der sich langsam aufbauenden Vorfreude, wenn die Nächte lang und kalt sind, der erste Schnee fällt und die Sterne besonders hell leuchten. Zum Glück ist das Lied etwas zu schwer für meine Kontrabassschüler und daher höre ich es immer noch gerne:

Es gibt so Tage…


…da reicht es, wenn man sie einmal erlebt und dann ist’s gut. Bei mir war der Dienstag so ein Tag. Und der Mittwoch. Aber eigentlich fing alles schon am Montagabend an. Nämlich mit Zahnschmerzen.

Vor ein paar Wochen hatte ich eine neue Füllung in einem Backenzahn bekommen, die sich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder gemeldet hat. Da ich wusste, dass mir eine längere Wurzelbehandlung bevorstünde, wenn diese Füllung nicht hielt, was sie versprach, hatte ich die Zahnschmerzen immer gepflegt verdrängt – in der Hoffnung, dass sie irgendwann von alleine verschwinden oder wenigstens nicht schlimmer würden. Zumindest hoffte ich, einen erneuten Zahnarztbesuch bis nach unserem größten Event in diesen Herbst, unserem Lehrerkonzert, rauszögern zu können.

Dieses Lehrerkonzert war ein Projekt, das größtenteils in meinen Händen lag, sowohl in der Organisation als auch in der Durchführung. Denn auch wenn – bzw. gerade weil – der Sinn des Konzertes hauptsächlich darin lag, dass wir Musiklehrer uns als Solisten präsentieren, so bedeutete das, dass überdurchschnittlich viel Arbeit für den Pianisten ansteht, weil ja ein Solist meistens einen Begleiter braucht – und das ist (wenn gerade kein Orchester zur Hand ist) eben der Pianist.

Und ich bin leider nicht die abgeklärte Pianistin, die Begleitungen einfach so locker aus dem Ärmel schüttelt, und sich darauf verlässt, dass der Solist des Ding schon reißen wird – jedenfalls nicht, wenn das ganze auch noch öffentlich stattfinden soll. Aber ich wollte es ja nicht anders und wusste seit Mai, was da auf mich zukommt und ich habe mich wissentlich und mit großer Vorfreude auf dieses Projekt eingelassen.

Doch dann schlug Murphys Law („Whatever can go wrong will go wrong“) gnadenlos zu.

Der Presslufthammer im Kopf

Zahnschmerzen also am Montagabend – 48 Stunden vor dem Konzert – und zwar in der Preisklasse „Presslufthammer zwischen Schädeldecke und Kinn.“ Der gefühlte Presslufthammer fand seine physische Entsprechung in Form einer Großbaustelle in unserem Garten, genauer gesagt: an der Bahnlinie, die 50 m hinter unserem Schlafzimmer verläuft. Und wann sonst könnte man dort unter einer eigens angekarrten Flutlichtanlage besser Bäume fällen, Schwellen austauschen und die Schienen mit Eisenhämmern zurechtbiegen als zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens? Eben. Aber war ja auch schon egal, denn mein Backenzahn verhinderte ohnehin jede Form von Schlaf.

Nach einer durchwachten Nacht rief ich gleich morgens um sieben beim Zahnarzt an und bekam erfreulicherweise noch vor der Mittagspause einen Akuttermin, allerdings nicht bei „meiner“ Zahnärztin, sondern bei einer Kollegin in der gleichen Praxis. Luxusproblem, in meiner Situation, 32 Stunden vor unserem Lehrerkonzert.

Unter lokaler Betäubung wurde dann rasch die schmerzende Füllung entfernt und der Zahn provisorisch wieder verschlossen. Als wir gerade einen Folgetermin für den ersten Teil der Wurzelbehandlung vereinbaren wollten, merkte ich plötzlich, wie mir schwindlig wurde. Zunächst dachte die Zahnärztin an leichte Kreislaufprobleme wegen eventueller Wurzelbehandlungsangst, außerdem hatte ich ja gerade eine halbe Stunde gelegen, da kann einem beim Aufstehen schonmal das Blut in den Beinen versacken. Ich legte mich also wieder auf den Behandlungsstuhl und wartete, dass mein Kreislauf wieder in Gang käme. Aber Pustekuchen! Stattdessen merkte ich, wie plötzlich innerhalb kürzesterer Zeit meine Zunge und mein Hals anschwollen und ich kaum noch Luft bekam.

Ab diesem Augenblick habe ich für eine Weile nur noch schemenhafte Erinnerungen. Ich weiß noch, dass plötzlich sehr viele Leute im Raum herumwuselten, darunter auch mein Hausarzt, der im selben Gebäude praktiziert, und dass die vielen Leute sehr viele verschiedene Dinge gleichzeitig taten. Ich erinnere mich an einen Arm, der ausholt und mir mit voller Wucht eine Spritze durch die Jeans in den Oberschenkel rammt. Ich erinnere mich, dass da auf einmal ein Schlauch in meinem Arm war und ich erinnere mich auch noch, wie mein Hausarzt mit dem Notruf telefonierte und die Worte fielen: „das ist eine Prio 1“ und ich noch dachte „ah super, die Skala geht ja bestimmt von 1-10 und 1 ist dann die niedrigste Prioritätsstufe, also alles halb so schlimm.“ Ab da hab ich einen Filmriss.

Vom Zahnarzt direkt in die Notaufnahme

Kurz vor der Ankunft im Krankenhaus geht mein Film weiter: Auf meiner Nase sitzt eine Maske mit fürchterlichem Gestank, und ich liege rückwärts fahrend im Krankenwagen – dabei wird mir doch schon auf dem Beifahrersitz bei vorsichtiger Fahrweise schlecht. Jetzt also hinten, liegend, rückwärtsfahrend, mit Stinkemaske im Gesicht.

„Hallo Annika, ich bin Martin, wir fahren dich gerade ins Krankenhaus, du hattest einen anaphylaktischen Schock, vermutlich wegen der Betäubungsspritze, die du beim Zahnarzt bekommen hast“ fasst der Mann im grün-gelben Norwegerpulli neben mir die Situation zusammen. „Wie geht’s dir? Kannst du mir Deine Personennummer sagen?“

Schock hin oder her, aber bei dieser Fahrweise kann einem ja nur übel werden. Leider ist Sprechen gerade etwas, was mein geschwollener Hals und meine taube Zunge nur rudimentär mitmachen, im übrigen fühlt sich mein Gehirn an wie Wackelpudding. Und jetzt soll ich also erklären, dass der Mensch am Steuer gefälligst nicht so rasen soll und auch noch meine Personennummer auf schwedisch aufsagen? Ganz selten gibt es ja doch so Momente, wo mein Sprachzentrum im Hirn lieber muttersprachlich kommuniziert als in einer fremden Sprache, auch wenn die Sprache hier schon lange kein Problem mehr für mich ist. Irgendwie versteht der grüne Mann aber doch, dass die Maske mit dem eklig stinkenden Gas jetzt ganz fix durch eine ordinäre Kotztüte ersetzt werden sollte.

Bevor diese jedoch zur Anwendung kommt, erreichen wir glücklicherweise das Krankenhaus. Martin kontrolliert ein letztes Mal Atmung, Puls, Sauerstoffsättigung und den Schlauch in meinem Arm. Anscheinend ist er mit allem zufrieden und zieht mich aus dem Rettungswagen. Kaum sind wir durch die Krankenhaustür, bekomme ich ein Armbändchen mit meiner Personennummer und – einem Strichcode. „Cool, die haben schon auf mich gewartet, ziehen die mich jetzt gleich durch eine Scannerkasse?“ (Das war tatsächlich der erste Gedanke, der mir durch mein Wackelpuddinghirn schoss.)

Statt durch die Scannerkasse gezogen wurde ich jedoch erstmal rundum verkabelt und verschlaucht und dann in Sichtweite der Rezeption abgestellt. Ein Arzt erklärte mir, dass ich jetzt eine ganze Weile hier liegen würde, ich sei kein akuter Fall mehr, jetzt sollten Adrenalin, Cortison, Antihistaminika und eine Tüte Kochsalzlösung erstmal ihren Job in meinem Körper verrichten.

Die folgenden Stunden zur Untätigkeit verdammt, hätte ich ja sinnvollerweise dazu nützen können, ein wenig meines fehlenden Nachtschlafes nachzuholen, aber das verhinderte das Adrenalin, das mir als Sofortmaßnahme gegen den allergischen Schock in den Oberschenkel gerammt und in die Nase geblasen worden war, zuverlässig. Nach zwei Stunden fühlte ich mich zum Bäume ausreißen fit, nach weiteren zwei Stunden Adrenalininfusion durfte ich nach Hause gehen. Statt nach Hause habe ich mich jedoch von Jonas mit einem Mietauto von der Stadt direkt zu unserer Generalprobe fahren lassen, unser Auto stand ja noch beim Zahnarzt.

Noch 25 Stunden bis zum Konzert.

Meine Kollegen, die ich vom Krankenhaus aus angerufen hatte, um mein unerwartetes Ausbleiben am Nachmittag zu erklären (schließlich hätte ich nachmittags einen Haufen Klavierschüler gehabt), staunten nicht schlecht, als ich auf einmal leicht aufgekratzt, aber pünktlich zur Generalprobe auf der Matte stand um das Ding jetzt durchzuziehen. Man war gerade am Überlegen über welche Kanäle man das Konzert alles absagen müsse. Ich sah das ganze eher sportlich, „Training unter verschärften Bedingungen“ sozusagen, höher als jetzt konnte mein Adrenalinpegel konzertbedingt kaum mehr ansteigen.

Nach der Generalprobe, die weder besonders gut noch besonders schlecht, sondern einfach normal war (das war auch das einzige Normale an diesem Tag) fuhr ich nach Hause, um dort vor verschlossener Tür festzustellen, dass ich am morgen im Presslufthammerzahnschmerzdelirium den falschen Schlüssel eingesteckt hatte und nicht ins Haus kam. Unser Vermieternachbar mit Ersatzschlüssel war weder zuhause noch erreichbar, die anderen Nachbarn ebenfalls nicht und Jonas noch zwei Stunden bei einer Chorprobe. Draußen waren 8°C und Nieselregen und ich hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Definitiv der Tiefpunkt des Tages.

Noch 22 Stunden bis zum Konzert.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als nochmal in die Stadt zu fahren – inklusive Vollbremsung wegen zweier Rehe (nein, das  denke ich mir jetzt nicht wegen der Dramaturgie aus, die waren da tatsächlich!)  – um Jonas samt Hausschlüssel aus der Chorprobe zu holen. Sinnigerweise fuhr Jonas dann gleich mit nach Hause, er traute meinem Geisteszustand wohl nicht mehr viel zu.

Im Adrenalinrausch

Eine durchwachte Nacht und ein solcher Tag hätten ja theoretisch beste Voraussetzungen für eine ordentliche Portion Schlaf sein können, aber… denkste! Zwar schlief ich zwischen Stunde 21 und Stunde 19 vor Konzertbeginn tatsächlich ein wenig, aber dann war Schluss. Mein Adrenalinrausch vereitelte jeden weiteren Schlaf und ich lag bis zum Weckerklingeln (11 Stunden vor Konzertbeginn) ununterbrochen wach.

Nach inzwischen schon zwei durchwachten Nächten am Stück und neu hinzugekommenem Herzrasen am Morgen, war der erste Weg daher der zum Telefon, um meinen Unterricht abzusagen und einen Termin beim Hausarzt zu machen. Der bestätigte meine Vermutung, dass das eben die Nebenwirkung des Adrenalins seien, aber da das EKG soweit unauffällig war, schickte er mich mit einer Schachtel Beruhigungspillen wieder nach Hause.

Nun habe ich aber noch nie Beruhigungsmittel genommen und hatte Angst, dass ich am Ende im Konzert wegdösen würde (nur noch 7 Stunden!), daher verzichtete ich darauf, meinen Kreislauf nach dem Adrenalinrausch jetzt mit Gewalt wieder runterzufahren und beschloss stattdessen, am Nachmittag etwas Sinnvolles zu tun: nämlich meinen Job. Nach sechs Klavierschülern auf Autopilot galt meine größte Sorge drei Stunden vor Konzertbeginn vor allem der Frage, ob mein Adrenalinpegel mich auch noch so zuverlässig durchs Konzert bringen würde oder ob mein Brennstoff kurz vor der Ziellinie ausgehen würde.

Ich funktioniere, aber der Kopierer streikt

Meine zweitgrößte Sorge galt den 100 Programmheften, die ich noch ausdrucken und falten musste. Als nach 40 Programmheften unser Kopierer hartnäckig piepte und nach einem Tonerwechsel verlangte, hätte ein weniger perfektionistisch veranlagter Mensch als ich vermutlich mit den Schultern gezuckt und gesagt „egal, besser als gar nichts, schaun die Leute halt zu zweit ins Programm“, aber ich in meinem Adrenalinrausch wollte jetzt meine 60 fehlenden Programme haben, basta!

Also die Datei an Jonas geschickt, der noch in seiner Musikschule war und ihn beordert, die restlichen Programme ausdrucken und falten zu lassen (die haben den Edelkopierer, der selbst falten kann).

Power-Entspannung unter Hochdruck

Zwei Stunden vor Konzertbeginn fuhr ich nach Hause und schaffte es tatsächlich, noch 45 Minuten autogenes Training einzuschieben, was auch nur zweimal von Jonas‘ Anrufen unterbrochen wurden (Telefonat Nr. 1: „Die eine Farbpatrone ist leer, das sieht jetzt voll Sch* aus, was soll ich machen?“ – „Nimm farbiges Papier und druck schwarz-weiß!“ Nr. 2: „Ich hab jetzt 40 Programme und der schwarze Toner ist leer.“ – „Ist jetzt egal! Du, ich muss mich jetzt noch ganz schnell fertig entspannen!“)

Planmäßig machte ich mich 45 Minuten vor Konzertbeginn auf den Weg. Die vornehme Blässe nach zwei durchwachten Nächten war unter einer kosmetischen Farbschicht verschwunden. Ich, die ich mich quasi nie schminke, hatte an diesem Abend das dringende Bedürfnis, dass nicht jeder Konzertbesucher meine derzeitige Verfassung an meiner Hautfarbe ablesen konnte.

Als Jonas 10 Minuten vor Konzertbeginn mit seinen 40 Programmen auftauchte, überkam mich zum ersten Mal an diesem Abend das Gefühl, dass dieses Konzert vielleicht doch keine Katastrophe werden könnte. Der Saal war voll, der Steinway frisch gestimmt, mein Schüler, der mir an diesem Abend die Seiten umdrehen würde, zuverlässig und die Stücke gut geprobt.

Das Konzert

Das erste Stück, eine filigrane Flötensonate von Francis Poulenc war vielleicht nicht die beste Wahl, um zittrige Finger zu Konzertbeginn einzuspielen, dachte ich nach der ersten Seite, aber nachdem ich das heikle Zwischenspiel mit den 32teln in Des-dur unfallfrei überlebt hatte, fing es langsam an Spaß zu machen.

Das zweite Stück des Abends bestritt der Klarinettenkollege ohne mich, danach kam mein Solostück. Ich war in der Auswahl auf Nummer sicher gegangen und spielte die Toccata von Aram Chatchaturian – ein Stück, das mich seit meiner Abi-Zeit begleitet, das ich aber tatsächlich noch nie öffentlich gespielt habe. Die großgriffigen Akkorde und ein zugegebenermaßen sehr großzügiger Pedaleinsatz verschleierten zuverlässig jede Restnervosität, und endlich stellte sich dieser Konzertflow ein, bei dem einfach alles passt. Das heißt nicht, das alles fehlerfrei klappte, aber es fühlte sich alles im Augenblick furchtbar richtig an.

Danach folgte ein Angeberstück für Trompete von Joseph Guy-Ropartz (dem Großen…), auch hier liefen die kitzligen Zwischenspiele, vor denen ich am meisten Bammel hatte, wie am Schnürchen. Die letzten zwei Seiten „Schlussgeklingel“ oder „Applausbegleitung“, wie mein Theorielehrer an der Hochschule hochtrabende Schlüsse immer etwas abfällig bezeichnete, waren einfach nur – pardon – geil. So richtig drauflosrotzen und in ständigen C-Dur- und Cis-Dur-Akkorden die Klaviatur rauf- und und runterdonnern. Ob das jetzt musikalisch besonders wertvoll war, dazu mag ich nichts sagen, das Publikum war jedenfalls begeistert.

Mein letzter ernstzunehmender Einsatz an diesem Abend war dann das Virtuosenstück für Geige, der Czárdás von Vittorio Monti. Vom Klaviersatz her nicht besonders schwer, dafür anspruchsvoll im Zusammenspiel, wegen einiger Tempowechsel. Mit dem Wissen, dass die großen Brocken des Abends bereits abgearbeitet waren, konnte ich mich jetzt mental zurücklehnen und es einfach laufen lassen. Und es lief!

Anschließend übernahm der Kollege von der Populärkultur die Bühne und erst zum großen Finale war ich wieder gefragt. Dass ich da dann ein paar Wiederholungen verpennt habe, und zwischendurch nicht mehr wusste, ob das aktuelle Stück eigentlich gerade in B-Dur oder F-Dur steht, ist wahrscheinlich nur mir aufgefallen.

Der gute alte Murphy hatte sich wohl in den letzten 48 Stunden zu sehr an mir abgearbeitet, als dass er jetzt noch gegen meinen Adrenalin-Cocktail angekommen wäre. Ich möchte behaupten, noch nie hat mir ein Konzert, bei dem ich am Klavier saß (Chorkonzerte sind was ganz anderes), so unglaublich viel Spaß gemacht. Während des Konzertes, wohlgemerkt. (Hinterher kann man ja immer sagen, dass es doch irgendwie ganz nett war.)

Einen solchen Vorspann zu einem Konzert – mit Zahnschmerzen, zwei durchwachten Nächten, einem allergischen Schock, zwei Rehen, zwei kaputten Kopierern und einem Adrenalinrausch, der heute, am Freitag, immer noch anhält – brauche ich aber so schnell nicht wieder. Ich mach dann jetzt mal Wochenende…

Krankenstube


Seit einer geschlagenen Woche gleicht unser Haus nun einem Krankenhaus: Die Papierkörbe quillen über von Taschentüchern, das Bad müsste endlich mal geputzt werden und die Vorräte gehen langsam zur Neige… für eine Tomatensuppe mit Nudeln hat es heute gerade noch gereicht. Wenigstens ist Annika wieder so gut wie gesund und auch ich habe mich heute zu einem Spaziergang zu unserem Lieblingsvogelturm aufraffen können – es besteht also Hoffnung, dass wir beide nächste Woche wieder arbeiten können.

Für mich ist das das erste Mal, dass ich krank von einer festen Arbeit fernbleibe und irgendwie habe ich schon ein schlechtes Gewissen dabei, denn nächste Woche haben wir ein großes Konzert in der Musikschule und man will ja seine Kollegen vor so einem Event nicht im Stich lassen. Entsprechende Bauchschmerzen hatte ich dann auch, als ich am Donnerstag meine Kollegin anrief, die an diesem Tag gleich zwei Orchesterproben mit mir leiten sollte. Umso überraschter war ich deshalb von ihrer Reaktion: »Ich hatte doch eh nicht mit dir gerechnet, bleib du mal zu hause und werd‘ wieder fit!«

Krank sein ist in Schweden Vertrauenssache. Wacht man morgens mit Fieber auf, ruft man einfach beim Arbeitgeber an und sagt Bescheid, dass man nicht kommen kann. Für diesen ersten Krankheitstag bekommt man allerdings keinen Lohn, ab dem zweiten Tag gibt es dann 80%. Erst nach einer Woche benötigt man eine Krankschreibung vom Arzt. Statt der Angst vor ausfallender Produktivität grassiert nämlich in Schweden etwas ganz anderes: Die Angst vor Ansteckung. Insbesondere bei echter Grippe, grippalen Infekten und Magen-Darm-Grippe – der gefürchteten kräksjuka (=Kotzkrankheit) – gilt: Bleib ja mit deinen Viren und Bakterien zu Hause und komm erst wieder, wenn du keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr bist. Auch beim Arzt ist man nicht gern gesehen, wenn »Abwarten und Tee Trinken« der einzige vernünftige Rat ist, der einem gegeben werden kann. Eine Einstellung, die mir durchaus sympathisch ist und die wohl auch aus medizinischer Sicht durchaus ihre Berechtigung hat.

Meine Kollegin hatte sich übrigens schon vorbereitet und unsere Bratschenlehrerin gebeten, ihr bei den Orchesterproben zu helfen. Diese wird die zusätzlich Arbeitszeit dann einfach als Überstunden aufschreiben und irgendwann später im Jahr abfeiern.

Nachholbedarf I: Zwei Schlangen in Mauritzberg


Eigentlich war ja gerade Mittsommer und wir haben einiges über unseren kleinen Ausflug nach Schloss Läckö zu schreiben. Seit unserem letzten Artikel ist aber zwischenzeitlich noch mehr passiert, weshalb es heute erst einmal etwas anderes gibt:

Schon lange, noch bevor wir in Schweden ankamen, hat sich bei uns ein Spinnerei eingenistet: Irgendwann, wenn wir gaaaanz viel Geld haben und wir beide von meinen Tantiemen aus der GEMA leben können – hust hust –, wollen wir uns irgendwo an einem See ein schönes Haus kaufen. Aber nicht nur eins, sondern gleich ein ganzes Gehöft oder torp, mit Haupthaus, Gesindehaus, Werkstatt, Scheune und mehr. So etwas wie bei Michel aus Lönneberga, nur bitte direkt am Wasser. Im Haus würden wir dann wohnen, im Gesindehaus unsere Gäste und in der beheizten und klimatisierten Scheune: Unser Flügel. Denn dort würden wir einen Konzertsaal einrichten, in dem wir mit feinen Kammerkonzerten Kultur aufs Land holen würden.

So weit unser Plan. Vor einiger Zeit mussten wir nun entdecken, dass wir nicht die ersten sind, die auf diese Idee gekommen sind. Gerade einmal zwölf Kilometer von uns, schnurstracks in Richtung Pampas, liegt ein alter Gutshof mit wechselvoller Geschichte, von Pension über Dorfladen bis Telegrafenamt hat er viel gesehen. Heute wohnen eine Cellolehrerin und ein Flötenbauer in Mauritzberg. Im Haus, also eigentlich ihrem Wohnzimmer, und in der dazugehörigen Wassermühle organisieren die beiden zusammen mit ihren Kindern, einem eigens gegründeten Verein sowie Fördergelden aus allen möglichen Quellen regelmäßig Konzerte. Dabei wird ein breites Spektrum von Jazz über klassische bis hin zu neuer Musik geboten.

Vorne die Mühle mit Mühlteich, hinten das Haupthaus

Am vorletzten Wochenende lud die Familie zum Sommerfestival ein, dem alljährlichen Höhepunkt der Saison. Ein ganzes Wochenende lang gab es Konzerte: geboten wurden Jazz und Pop, Kammermusik und Barock, ein Kindermusical und sogar eine Oper, die Zauberflöte. Wie man sich sicher vorstellen kann, bietet eine Mühle nicht gerade Platz für eine große Operninszenierung und die finanziellen Mittel eines kleinen Vereins reichen auch nicht, um 18 Solisten zu bezahlen. Daher gab es eine extrem komprimierte, aber sehr stimmige 90-Minuten-Version der Oper, die mit lediglich drei Hauptrollen (Pamina, Tamino und Papageno) auskam. Hinzu kam ein von Tamino aus dem Off gesungener Monostatos und eine gesprochene Papagena; per Videokonferenz wurden die Königin der Nacht und Sarastro zugeschaltet. Dies führte zu recht spannenden Änderungen in der Handlung: So waren die Königin der Nacht und Sarastro ein und dieselbe Person und die erste Dame war in Wirklichkeit Pamina, die Pamino also auf sich selbst ansetzte. Das Orchester war auf ungefähr 15 Musiker reduziert und das Nya MotettEnsemble – also wir – stellten mit  zehn Sängern den Opernchor.

Obwohl die Probenarbeit etwas chaotisch war, wir die Noten erst wenige Wochen vor der Aufführung bekamen und fast keine Proben vorher organisieren konnten, wurde das Ganze am Schluss sehr schön und stimmig – woran mit Sicherheit auch die vielen Helfer und das leckere Essen ihren Anteil hatten. Und natürlich die wunderschöne Kulisse. Und ich meine jetzt nicht die auf der Bühne, sondern die um die Mühle herum; die, in der Annika gerade noch eine Ringelnatter fotografieren konnte, bevor sich die Schlange den alten Mühlgraben herunterstürzte – zu Hülfe, zu Hülfe!

Kurz vor dem Sprung in…
…den Abgrund.

Von der anderen Schlange des Wochenendes – nämlich der aus der Zauberflöte – gibt es leider kein Beweisfoto. Ich kann aber versichern, dass die lange Wurst aus aneinandergeknoteten Müllsäcken einen hohen Unterhaltungswert hatte.

Die erste Woche zum Zweiten


Nun ist meine erste Woche an der Högskola för scen och musik (wörtlich: Hochschule für Bühne und Musik) vorbei. Zeit also für einen kleinen Rückblick:

Der eigentliche Semesterbeginn war zwar erst am 1. September, also am Donnerstag, für uns Neuankömmlinge waren jedoch die Tage von Montag bis Mittwoch für allgemeine Einführungsveranstaltungen vorgesehen. Also nahm ich früh am Montag den Bus nach Göteborg, um als allererstes alle wichtigen Personen – also vor allem die Verwaltung und die Leiter der einzelnen Studiengänge – kennen zu lernen und um einen Ausblick auf die kommenden Tage zu bekommen. Außerdem wurde uns eröffnet, dass alle „Erstis“ bei der offiziellen Semestereröffnung an einer Massenimprovisation teilnehmen sollten – was anscheinend eine gewisse Tradition in Göteborg hat. Für diese Improvisation wurde dann auch gleich geprobt, danach war der Montag für mich vorbei.

Der erste Kompositionsauftrag

Ming Tsao, mein hiesiger Hauptfachlehrer, hatte bereits einige Tage zuvor mit mir Kontakt aufgenommen, um für Dienstag einen Termin für einen ersten Einzelunterricht auszumachen. Nun wurde es also gleich ernst, der Ausgang dieser ersten Stunde war jedoch mehr als unerwartet: SNOA, die schwedische Orchesterakademie, in der sehr fortgeschrittene Studenten speziell auf das Orchesterspiel vorbereitet werden, führt einmal im Jahr ein Stück der Kompositionsklasse auf, und der Auftrag, dieses Stück zu schreiben, fällt auf mich! Was für ein Sprung ins kalte Wasser. Aber natürlich freue ich mich sehr über diese Gelegenheit für eine große Besetzung zu schreiben, in der Gewissheit, dass das Stück auch wirklich aufgeführt wird.

Semestereröffnung in familiärem Rahmen

Der Mittwoch war wiederum mehr der generellen Einführung gewidmet, neben einer Einführung in das lokale Computersystem und einer Rundwanderung durch das Gebäude stand nun auch die offizielle Semestereröffnung auf dem Programm, zu der vor allem zu sagen ist, dass ich noch nie eine so kurzweilige Semestereröffnung erlebt habe: mit Weltmusik und Jazz, halb improvisiertem Theater, einer spontanen Chorprobe und zirkusreifen Schlagzeugdarbietungen. Außerdem mit einem Rektor in Jeans und Hochschul-Poloshirt, der keine Reden hielt, sondern vor allem Spontaninterviews mit den einzelnen Abteilungen führte (Klassische Musik, SNOA (s.o.), Jazz, Schauspiel, Musical, Kirchenmusik, Oper, Komposition und Pädagogik). Und last but not least: die Hochschule leistete sich eine Simultanübersetzung ins Englische für alle internationalen Studenten (und das waren weitaus weniger als an meiner früheren Hochschule)!

Am Donnerstag und Freitag gab’s dann speziellere Informationen für die (insgesamt 29) Masterstudenten aller musikalischen Fächer der Hochschule, ein Begleitseminar zu unseren Masterprojekten, einen Film für die Komponistenklasse und – als speziellen Service für die gesamte Universität – Sprachcoaching für unsere Masterarbeit und auch für andere Texte auf Englisch und Schwedisch. Insgesamt also eine äußerst ereignisreiche Woche, aus der ich ein bisher äußerst positives Fazit über die Hochschule ziehen kann: Die Ausbildung ist sehr klar strukturiert, ohne einengend zu sein. Die Ausstattung der Hochschule ist fantastisch, insbesondere dann, wenn man sich nicht nur dafür interessiert, ob auch in jedem Zimmer ein Flügel steht – denn das ist nicht unbedingt der Fall. Die Atmosphäre ist sehr angenehm und der Unterricht, den ich bisher hatte, war sehr gut.

Initiationsritus für Erstsemester und meine erste schwedische Sprechrolle auf der Bühne

Abschließend muss hier aber auch noch über den nicht-fachlichen Teil gesprochen werden: Am Freitagabend war nämlich Insparksfesten, die Semestereröffnung des Studentkår (AStA). Eine schwedische Tradition verlangt es, dass sich sämtliche Neuankömmlinge an der Hochschule einem Initiationsritus unterziehen müssen, der wohl je nach Fachbereich äußerst unterschiedlich ausfallen kann. Bei uns bot sich dafür natürlich eine Mischung aus Schauspiel und Musik an, so dass wir in kleine Gruppen eingeteilt wurden, um eine Szene einzustudieren. Alle Gruppen sollten einen schwedischen Schlager, der am Melodifestival (Eurovision Song Contest, einem der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse hier in Schweden) teilgenommen hat, im Stile eines Disney-Films interpretieren. In unserem Fall mussten wir also Arielle, die Meerjungfrau und den Grand-Prix-Gewinner von 1984 Diggi Loo Diggi Ley miteinander verbinden, was mir direkt meine erste schwedische Sprechrolle als Triton sowie den ersten Wettbewerbsgewinn in Schweden einbrachte!

Ein Wochenende – drei Konzerte


Es gibt Wochenenden, an deren Ende man reif fürs Wochenende ist. So eines liegt gerade hinter uns. Freitagabend Schulkonzert, Samstag und Sonntag Uraufführungen von Jonas mit Chorioso. Alles drei waren tolle Konzerte, aber kräftemäßig doch… puuh… Daher haben wir uns in der letzten Zeit wenig um unseren Umzug nach Schweden kümmern können. Letzten Freitag hatte Jonas auch schon seine erste von fünf Bachelorprüfungen (Klavier), die in den nächsten Wochen noch anstehen. Wenn die anderen Prüfungen ähnlich gut laufen, kann er zufrieden sein.

Damit können wir wieder hinter drei Großprojekte einen Haken setzen, denn nervlich war für Jonas die Klavierprüfung sicherlich die anspruchsvollste, obwohl – oder gerade weil – Klavier ja nicht sein Hauptfach ist. Für mich steht jetzt eigentlich „nur“ noch ein Berg von 10 Klassenarbeiten und ein Schuljubiläum an, auf das ich meine Musik-AGs vorbereiten muss.

Ulkigerweise haben wir gerade ein total unterschiedliches Zeitempfinden, was die Zeit bis zum Umzug angeht. Während ich das Gefühl habe, dass die 69 Tage, die unser Countdown heute anzeigt, gleichbedeutend mit einer Ewigkeit sind, weil jetzt keine herausragenden Highlights mehr, aber dafür umso mehr Alltagseinerlei in meinem Terminkalender stehen und die Motivation in der Schule in Sachen „normaler“ Unterricht nach der letzten Klassenarbeit vor den Sommerferien erfahrungsgemäß eher ab- als zunimmt.
Jonas hingegen fragt sich, wie er alles, was er sich noch vorgenommen hat, in diesen unglaublich kurzen Zeitraum von gerade einmal 2 Monaten und 9 Tagen unterbringen soll, zumal wir ja im Juni auch noch zwei Wochen auf Wohnungs- und Jobsuche in und um Göteborg sind.

Nach wie vor wächst mit jedem Tag unsere Vorfreude auf Schweden, auch wenn im Kopf längst die Zeit der „letzten Dinge“ begonnen hat. Letztes großes Konzert mit Chorioso. Letzter Klavierunterricht. Der letzte Ausflug in den Schwarzwald. Das letzte Mal beim (deutschen) Zahnarzt. Und soviel Neues, das auf uns wartet. Wenn es doch nur schon soweit wäre… Diese Woche will ich mal ein paar Kündigungen schreiben. Handy, Telefon, Internet, Gas, Strom, Wohnung. Zum Glück habe ich heute fast frei. Und kann ein wenig Wochenende nachholen.