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3. Dezember: Anfang vom Ende


Ok, das klingt jetzt furchbar fatalistisch. Aber heute Abend war meine erste julavslutning. Egal was man in Schweden macht, sei es arbeiten, zur Schule gehen, die Kulturschule besuchen, Fußball spielen oder Bienen züchten: Zweimal im Jahr, nämlich zu Weihnachten und vor der Sommerpause, muss man diese Aktivität mit irgendeiner Veranstaltung beenden – mit einer avslutning. Avslutning heißt Abschluss, julavslutning also Weihnachtsabschluss. Das kann in Form einer großen Weihnachtsfeier mit julbord (Weihnachtsbuffet) sein, ein Konzert oder auch nur ein letztes Treffen mit extra viel Fika. Aber eine julavslutning pro sozialer Aktivität muss sein.

Heute haben wir also schon einmal achtzig Schüler in die Ferien geschickt – obwohl viele von ihnen noch weiterhin Unterricht haben werden. Aber die Ensembles hören diese Woche auf und viel Unterricht fällt in den letzten Wochen vor Weihnachten wegen anderer Aktivitäteten aus. Zum einen müssen wir Lehrer nämlich noch bei anderen julavslutningar mitmachen, zum anderen beenden auch die vielen anderen Aktivitäten unserer Schüler dieses Halbjahr, was dann häufig zu terminlichen Konflikten mit dem Unterricht führt.

Heute versammelten wir sechs Lehrer also alle Streicherschüler bis zur sechsten Klasse inklusive deren Eltern in unserer neuen Kulturschule zu einem gelungenen Konzert. Mit dabei übrigens neun Kontrabassisten! Meine Klasse wächst langsam und stetig. Für den festlichen Teil sorgte der Elternverein, der Glögg und Pepparkakor verkaufte. Und nach dem Konzert, zufrieden und völlig fertig, konnte ich eine deutliche Vorfreude auf die Weihnachtsferien spüren, die jetzt gar nicht mehr weit sind.

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Endlich hip!


Seit heute morgen bin ich endlich auch ein hipper Social-Media-Junkie. Auf dem Weg zur Arbeit habe ich mir Instagram heruntergeladen und jetzt können alle meinem Alltag folgen. Zum Glück aber nur auf Zeit, denn ich instagramme nicht privat, sondern für meinen Job. Folgen kann man mir unter boras_kulturskola und #boraskulturskola.

Wen’s interessiert…

Skulpturschock


Neulich in einer ersten Klasse. Mein Auftrag dort ist – neben der Vorstellung der Streichinstrumente – auch allgemeiner Natur, die Kulturschule im Bewusstsein der Kinder zu verankern. Anfangs klopfe ich immer etwas ab, wieviel sie schon wissen.

Ich: „Wisst ihr denn, was man an der Kulturschule so alles machen kann?“

Kind: „Jaaaa! Skulpturen und so.“

Ich: „Mhm… du denkst wahrscheinlich an unsere Abteilung „Bild“. Da malt und zeichnet man vor allem.“

Kind (entrüstet): „Aber warum heißt es denn dann Skulpturschule?“

När det lider mot jul


När det lider mot jul – wenn man sich auf Weihnachten zuquält – ist eines der beliebtsten Adventslieder in Schweden. Der Titel beschreibt ziemlich gut meinen aktuellen Gemütszustand: Seit den Herbstferien hieß es: raus mit den Weihnachtsliedern und mit den Kindern üben, üben, üben, denn das erste große Weihnachtskonzert stand schon am 23. November an.

Neben sechs großen Weihnachtskonzerten mit Musikschule, Kulturschule und Chören stehen noch diverse andere Auftritte in unserem Kalender: eine Feier zum ersten Advent, zwei Luciafeiern, drei Schulabschlussfeiern, die musikalische Umrahmung eines Weihnachtsmarktes, das erste Anknipsen der Lichterkette an Fristads Weihnachtsbaum, die Weihnachtsshow eines Boråser Eiskunstlaufvereins und außerdem fünf Gigs mit Borås Vokalensemble im First Grand Hotel für die Gäste des julbords (ein großes Weihnachtsbuffet, zu dem viele Firmen ihre Angestellten einladen).

Irgendwas habe ich bestimmt noch vergessen, aber auf jeden Fall bleibt da wenig Zeit für Ruhe und Besinnung. Manchmal haben die vielen Aktivitäten haben aber auch ihre Vorteile. So konnten wir beispielsweise bei dem Weihnachtsmarktgig kostenlos einen Weihnachtsbaum abstauben, weil der Baumhändler seine letzten Tannen und Fichten loswerden werden wollte, anstatt sie wieder mit nach Hause nehmen.

Obwohl ich Jingle Bells schon lange nicht mehr hören kann und mir Nu tändas tusen juleljus mittlerweile ziemlich auf den Wecker geht, kommt mit WeihnachtsAdventsbaum und neuem Ljusstake, den ich spontan gekauft habe, als ein Schüler nicht kam und ich eine ungeplante Pause hatte, trotzdem ein wenig Weihnachtsvorfreude auf.

Dementsprechend gilt für uns natürlich auch der eigentliche Sinn des Liedes När det lider mot jul: Att lida heißt nämlich nicht nur leiden, in diesem Fall bedeutet es ungefähr verfließen von Zeit. Die Übersetzung muss daher eher Wenn es auf Weihnachten zugeht lauten. Es handelt ja auch nicht von gestressten Musiklehrern, sondern von der sich langsam aufbauenden Vorfreude, wenn die Nächte lang und kalt sind, der erste Schnee fällt und die Sterne besonders hell leuchten. Zum Glück ist das Lied etwas zu schwer für meine Kontrabassschüler und daher höre ich es immer noch gerne:

TV-Tipp: Molanders


Nachdem unser Fernsehtipp mit dem Adventskalender ja bei vielen unserer Leser ziemlich gut ankam, können wir euch jetzt einen neuen TV-Tipp liefern: Molanders.

Die Molanders sind eine vierköpfige, vielbeschäftige Familie aus Stockholm. Papa Olof ist Konzertpianist und viel unterwegs, Mama Fanny erfolgreiche Kardiologin und der Stundenplan der musizierenden Kinder ist ebenfalls gut gefüllt. Als die Mutter einen Burnout erleidet und der Vater ein Jobangebot als Leiter einer Kulturschule erhält, beschließt man, in die tiefste Provinz zu ziehen – nach Alingsås (nur eine halbe Stunde von uns entfernt :-)).

Ab sofort ist das gemeinsame Abendessen heilig und „man braucht schon mindestens ein Attest vom Arzt, um der gemeinsamen Familienzeit fernzubleiben“ – so umschreibt es der 18jährige Linus. Auch Schwester Alva (13) fällt die Umstellung aufs Landleben nicht ganz leicht: „Hier leben 95% Dorftrottel und 5% Idioten“ schreibt sie der Freundin in Stockholm.

Dass Olofs Eltern nunmehr in der Nähe wohnen und sich auf gemeinsame Angelausflüge und Sonntagsbraten freuen, macht die Situation nicht einfacher – insbesondere nicht für Fanny, die nach ihrem Nervenzusammenbruch erst mal anderes im Kopf hat, als frische Handtücher im Gästeklo aufzuhängen. Der Schwiegermutter missfällt das.

Großartig fanden wir die Szenen, die in der Kulturschule spielen. Olof möchte eigentlich gleich ein großes Projekt (kABBAré, höhö) auf die Beine stellen, muss sich aber stattdessen erstmal mit der russischstämmigen Geigenlehrerin rumschlagen, die nicht im Raum neben dem gepiercten, angeblich schwerhörigen E-Gitarrenlehrer unterrichten will. Natürlich völlig realitetsfern, sowas…

Molanders ist eine in sich abgeschlossene Serie mit zwölf Folgen à 45 Minuten, die jeweils montags ausgestrahlt werden. Laut SVT sind die Folgen weltweit online abrufbar. Ein Klick aufs Bild bringt euch zur ersten Folge (neues Fenster), Untertitel kann man sich dazuklicken (das „T“ unten in der Leiste).

Molanders - Quelle: SVT
Molanders – Quelle: SVT