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Midsommar auf Schloss Läckö IV


Der eigentliche Mittsommertag fiel dann völlig ins Wasser, fast den ganzen Tag ist in irgendeiner Form Wasser vom Himmel gefallen. Als Nebel, Platzregen, Nieselregen, Sprühregen, Bindfadenregen, Eimerregen, Gieskannenregen, Regenregen… Die wenigen Sonnenminuten haben wir für ein paar Mini-Spaziergänge genutzt, die meiste Zeit saßen wir aber im Bus und haben gelesen. Das war auch mal sehr schön und irgendwie nötig! Einfach mal alles gaaanz langsam tun. Und dem Blumenkranz hat der Regen auch gut getan, denn der war selbst am Sonntag noch ziemlich frisch.

Der Kranz war im Regen noch einmal richtig aufgeblüht.

Am Sonntag hatten wir dann nicht das Bedürfnis, gleich wieder nach Hause zu fahren. Stattdessen sind wir noch einmal zum Schloss gefahren, in dem gerade eine Ausstellung des Fotografen Lennart Nilsson gezeigt wird – der mit den wunderschönen Bildern von Föten und Embryos.

Da wir dann schon einmal den Eintritt fürs Schloss gezahlt hatten – oder besser: Da Annika schon einmal den Eintritt fürs Schloss gezahlt hatte und ich als Kind bis 26 noch völlig kostenlos rein durfte, haben wir uns auch noch den Rest angesehen. Schloss Läckö ist ein insgesamt recht skurriler Bau, denn die spätmittelalterliche Burg wurde in der Renaissance zum Schloss umgebaut und dann im Barock modernisiert. Man läuft also die ganze Zeit durch einen seltsamen Mix aus mittelalterlicher Wehranlage und barockem Prunk. Besonders schön ist aber der Schlossgarten, in dem es von dicken Hummeln nur so wimmelte.

Midsommar auf Schloss Läckö II


Die Wegbeschreibung vom Campingplatzwart klang ganz einfach:
»Hier rechts, da links, dann durch den Wald und dann seid ihr da.«
Und es fing auch sehr gut an: Hier rechts, da links, dann durch den Wald und…
»guck mal, da sieht man schon das Schloss.«
»Oh ja. Dann kommt bestimmt gleich ein Weg.«
»Nee, irgendwie biegt die Straße in die falsche Richtung ab.«
»Haben wir was verpasst? Komm, wir schlagen uns einfach querwaldein, ist ja nicht weit.«

Der Wald war nicht überall so leicht zu durchqueren…

Schlag, schlag, schlag, durch Blaubeeren und Farne hindurch – und auf Mücken drauf. Fünf Minuten später stehen wir an einer Bucht mit Schloss. Nur leider auf der falschen Seite. Das war so nicht geplant.
»Zurück zum Weg oder weiter durchschlagen?«
»Da vorne ist eine Kuhweide, lass uns einfach dahin gehen und dann direkt rüber.«
Gesagt getan. Nach einigen hundert Metern im Wald klettern wir durch den Zaun und machen uns an die Überquerung. Zunächst geht alles gut, die Kühe sind Fressen beschäftigt, die Weide ist riesig und die Kuhfladendichte damit gering und es hat länger nicht geregnet, so dass wir auch ganz gut trockenen Fußes vorankommen. Dann stehen wir aber doch noch vor einem kleinen Sumpf, so dass wir einen weiteren Umweg in Kauf nehmen müssen. Über den Entwässerungsgraben hat der Bauer zum Glück ein stabiles Brett gelegt und so kommen wir wieder auf sicheren Boden und können die letzten paar Meter zur Straße recht problemlos überwinden, die uns dann schnell zum Ziel bringen soll.

»Haaalt! Pass auf!«
»Ja?«
»Da, im Gras! Nicht drauftreten!«
»Was denn?« (panisch)
»Hier ist alles voller smultron!« (Walderdbeeren)
»Zeig mal! Mmmh, lecker!«
So schnell waren wir dann also doch nicht von der Kuhweide zu bekommen, erst mussten wir noch ernten – und fotografieren. Und es hat sich gelohnt! Da waren die Mühen im Wald und das Muhen auf der Weide schnell vergessen und das letzte Stück zum Schloss gleich doppelt so süß.

Midsommar auf Schloss Läckö


Damit wäre ja eigentlich schon alles gesagt, midsommar haben wir auf – oder besser vor – Schloss Läckö verbracht. Aber es gibt natürlich noch ein wenig mehr zu berichten…

Letztes Jahr, nach unseren zwei Wochen Pfingstferien mit Wohnungssuche, ging unsere Rückfähre genau am Mittsommertag, der immer auf den ersten Samstag nach Sommeranfang fällt. Die eigentlichen Feierlichkeiten finden aber am Vortag statt und deshalb konnten wir damals schon unser erstes Mittsommer in Schweden feiern. Die Veranstaltung damals in Skepplanda war ja eher unspektakulär und deshalb wollten wir uns dieses Jahr etwas anderes anschauen.

Auf Göteborg hatten wir keine Lust – das war uns dann doch zu viel, und die Schweden zieht es zu Mittsommer ja sowieso eher aus als in die Stadt. Wir hatten auch keine Einladung für ein Fest erhalten, da alle unsere Freunde auf irgendwelche Schären gefahren sind. Und so fiel die Wahl dann auf Läckö, einem Schloss auf der Insel Kållandsö im Vänern, wo gleichzeitig zum großen Mittsommerfest auch noch ein Mittelaltermarkt stattfinden sollte.

Also habe ich am Donnerstag den Bus gepackt, während Annika ihren letzten Arbeitstag hinter sich brachte; so konnten wir noch am selben Abend losfahren und den ganzen Freitag vor Ort sein. Midsommarafton ist nämlich ein arbeitsfreier Tag und man beginnt schon am frühen Nachmittag mit Picknick, Maibaum aufstellen und Tanzen.

Glücklicher- und überrascherweise hatten wir noch kurz vorher auf einem nahegelegenen Campingplatz einen Stellplatz reservieren können, so dass wir nicht noch nach einer schönen Übernachtungsmöglichkeit suchen mussten. Außerdem konnten wir so den Bus auf dem Campingplatz stehen lassen und zu Fuß zum Fest laufen. Was sich als Fehler herausstellte. Und dann auch wieder nicht…

Kinnekulle


Nach unserer Wanderung auf Hindens Rev ging’s via Lidköping weiter zum Kinnekulle, einem Tafelberg mit sensationellen 306 m. Da das Umland aber überwiegend aus Wasser und Pfannkuchenlandschaft besteht, machen die 306 m überraschend viel her.

An Ostern sind die meisten Campingplätze noch geschlossen, deshalb standen wir auch die zweite Nacht mit unserem Bus in freier Landschaft, was ja in Schweden dank Allemansrätt (Jedermannsrecht) mit gewissen Einschränkungen erlaubt ist. Ohne dass wir danach gesucht hätten, landeten wir abends auf diesem Platz in der Nähe von Hällekis:

Logenplatz

Einfach nur traumhaft… Der Platz war nach drei Himmelsrichtungen offen, und lag ein ganzes Stück oberhalb des Vänern, Schwedens größtem und Europas drittgrößtem See, sodass man eine sagenhafte Aussicht hatte. Schloss Läckö mit seinen schneeweißen Türmen, die Insel Kållandsö mit dem vorgelagerten Schärengarten von Eken und die Värmlandsnäs, aber auch die ganze Westküste zwischen Mellerud und Åmål konnten wir sehen, also über 70 km weit. Lediglich nach Norden war nur der blaue Horizont zu sehen. Zumindest solange, bis vor unserem Panoramahotel die Sonne unterging…


Die gängige schwedische Interpretation eines Osterfeuers scheint ein klassisches Feuerwerk zu sein. Und als es gegen halb 10 dann dunkel wurde, ging es los: Die komplette Küstenlinie war mit bunten Lichtern gesprenkelt und man konnte anhand der Raketen deutlich erkennen, wo Städte, Dörfer oder auch nur einzelne Häuser lagen.
Sogar Karlstad am nördlichen Vänernufer, das bei Tageslicht noch unter dem Horizont versteckt lag, ließ sich auf einmal erahnen, denn die Raketen kamen offensichtlich hoch genug, um die Erdkrümmung zu überwinden. Wenn ich dann mal ganz groß bin, habe ich vielleicht eine Kamera, die auch sowas einfangen kann…

Am Ostersonntag waren wir dann endlich oben auf dem Kinnekulle und haben eine schöne Schneewanderung gemacht. Schade nur, dass der Aussichtsturm noch geschlossen war. Aber das ist nur einer der Gründe, warum wir unbedingt nochmal in diese Ecke müssen.