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Ein Tag auf Skiern


Bei schönstem Sonnenschein Langlaufen: Dazu hatten wir in unserer Zeit in Schweden leider noch nicht allzuoft Gelegenheit. Entweder lag kein Schnee, oder die Sonne schien nicht, oder es war kein Wochenende und wir hatten keine Zeit. Am letzten Samstag ergab sich endlich einmal die Gelegenheit, die wir für gleich zwei Runden auf unterschiedlichen Loipen nutzten – mit kleinem Zwischenstopp auf unserem Haussee.

In unserer Nähe gibt es diverse Loipen. Neben dem Skistadion von Borås, das auch bei Plusgraden noch künstlich beschneit wird und eher von ambitionierten Läufern genutzt wird, spuren viele Sportvereine kleinere Runden auf Golfplätzen, Feldern, Mooren und durch den Wald. Dort steht dann entweder eine Spardose oder ein Hinweis auf die Swish-Nummer (ein Handy-Bezahldienst) des Vereins, wobei keine Gebühr verlangt, sondern nur um eine Spende gebeten wird.

Die erste Runde drehten wir auf dem Golfplatz von Bredared, danach auf einem nahegelegenen Moor. Hier hatten wir am Abend zuvor noch schnell nach der Arbeit getestet, ob unsere Ausrüstung funktioniert und jetzt wollten wir uns die Strecke noch einmal im Hellen ansehen, und hier durfte auch die Kamera mitfahren.

Die Strecke ging zunächst durch einen lichten Wald, bevor sich die Landschaft auf einem Moor öffnete. Es war, als ob man durch eine Postkarte lief, soooo schöööön! Danach ging es wieder durch den Wald zurück. Kurz bevor man wieder beim Einstiegspunkt war, kam man aber noch an einem kleinen „Erfrischungsstand“ vorbei, an dem Anwohner der Loipe selbstgebackene Kekse, Wasser und „Blåbärssoppa“ (angedickter, warmer Blaubeersaft, der bei keiner Langlauftour fehlen darf) anboten – gegen eine freiwillige Spende via Swish. Dazu hatten sie noch ein Korbsofa aufgestellt und das Futter ihrer Lamas nah an der Loipe ausgelegt.

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Erst das Vergnügen…


8:30 – Blick aufs Thermometer: -14°C

8:50 – Im Auto.

9:00 – In der Loipe. Keine Kamera dabei, nur das Handy. (Kamera wäre schön gewesen, aber dann hätte ich die Skier auch zuhause lassen können. Außerdem wars zu kalt.)

9:05 – Sonnenaufgang.

10:20 – Zurück am Auto.

10:30 – Unter der Dusche.

11:00 – Erste Schülerin.

Sportferien


Diese Woche waren in Borås wie auch in vielen anderen schwedischen Kommunen Sportferien und wer nicht dem olympischen Fieber verfallen ist, fährt in die Berge. Da dieses Jahr bisher schneetechnisch bei uns eher mau aussah, haben wir vor drei Wochen spontan beschlossen, auch wegzufahren.

Die großen schwedischen Skigebiete Sälen, Åre oder Idre waren uns alle zu weit weg, da wir wegen einer Konzertreise Jonas‘ nur fünf Tage hatten. Außerdem wollten wir nur Schnee, Pisten waren uns egal, weil wir keine Alpinfahrer sind. Nach einer Umfrage im Kollegium fiel unsere Entscheidung schließlich aufs Hovfjäll in Värmland, etwa vier Autostunden entfernt.

Wir hatten eine kleine Hütte auf einem Campingplatz am Fuße des Hovfjälls gebucht. Die Hütte hatte ein kleines Badezimmer – den Luxus, morgens nicht erst durch den Schnee stapfen zu müssen um sich die Zähne zu putzen, haben wir uns gegönnt – und war mit einer Küche mit Herd und Backofen und sogar einem Fernseher üppig ausgestattet.

Von der Hütte aus hatten wir eine fantastische Aussicht über den See und das Hovfjäll – oder hätten wir haben können, wenn das Wetter nicht vier Tage lang so ausgesehen hätte:

Blick über den See Brocken aufs Hovfjäll (irgendwo in den Wolken)
Blick über den See Brocken aufs Hovfjäll (irgendwo in den Wolken)

Da oben in der Wolke waren wir also jeden Tag unterwegs. Während im Tal der halbe Meter Schnee bei +1° und Regen beständig in sich zusammensank, herrschten auf rund 550m wenigstens ganz ordentliche Schneeverhältnisse: 70-80 cm Naturschnee und jeden Tag ein paar cm Neuschnee. Die Loipen waren schön gespurt und wurden mehrmals täglich erneuert. Dank des Wetters drängelte man sich auch nicht auf den Loipen, im Gegenteil. Zwei Stunden ohne eine Menschenseele zu treffen, waren keine Seltenheit.

Unsere Hütte auf "Abbas Camping"
Unsere Hütte auf „Abbas Camping“

Da wir beide mehr oder weniger blutige Anfänger auf Langlaufskiern sind, und ohnehin keine tollen Bilder zu erwarten waren, ließen wir die Kamera in der Hütte, um nicht unsere Stürze mit der Kamera abzupolstern.
Beeindruckend war es schon, wenn auf den offenen Strecken der Nebel oder das Schneetreiben plötzlich so dicht wurde, dass Jonas wie ein Gespenst in der weißen Suppe verschwand, wenn er mehr als fünf Meter weit weg war. Verirren konnte man sich ja zum Glück trotz Whiteout nicht, solange man in der Loipe blieb, aber man verlor völlig das Gefühl für Tageszeiten und Entfernungen. Trotzdem schafften wir jeden Tag zwischen 10 und 16 Kilometer. Was bei Olympia eine halbe Stunde dauert, war bei uns eine schöne Tagestour. Dauert halt, wenn man nach jedem Einsatz der „Backenbremse“ erstmal den Schnee wieder aus Klamotten und Rucksack klopfen muss…

Aber immer wieder schön, wenn man auch drei Tage später noch Muskelkater an Stellen hat, an denen man noch nie einen Muskel gespürt hat.

Trotz des Wetters auf jeden Fall wiederholenswert!

Spuren auf Eis und Schnee


Nach einer Woche mit drei Musicalaufführungen, zwei Tagen mit Öppet hus – nur eine offene Tür tuts hier nicht, es ist natürlich das ganze Haus öppet – und meinem XXL-Unterrichtstag, an dem ich netterweise unterrichtet habe, obwohl er uns als Ausgleichstag für die vorangegangen vier Wahnsinnstage freigestellt war, war ich dieses Wochenende einfach. Nur. Platt.

Seit vier Wochen haben wir nahezu ununterbrochen fantastisches Wetter, aber erfreulicherweise noch keine Plusgrade. Ja, erfreulicherweise! Es liegt zwar nur noch sehr wenig Schnee, denn der nimmt tagsüber bei max +2° und Sonne langsam, aber doch beständig ab, dafür sorgen die nächtlichen Minusgrade im zweistelligen Bereich dafür, dass „unser“ See weiterhin zugefroren bleibt. Die Eisangler messen 20-30 cm. Man sagt, ab 4 cm trägt das Eis gerade so, ab 10 cm kann man sich sicher fühlen, wenn man die Zu- und Abflüsse meidet.

Neulich hat es dann doch mal wieder geschneit und man konnte sehen, was sich so alles auf dem Eis rumtreibt:

Falls jemand eine Idee hat, wie die letzten Spuren entstanden sein könnten, freuen wir uns über Hinweise!

Frei nach Matthias Claudius


Am Sonntag saßen wir etwas antriebslos auf dem Sofa und überlegten, ob man vielleicht mal rausgehen sollte. Aber der graue Himmel konnte uns irgendwie nicht überzeugen und so kamen wir nicht weiter, als über Nachteile der Draußen-Möglichkeiten (Wandern: Vereiste Wege. Langlaufen: Eisige Loipen. Schlittschuhlaufen: Schnee auf dem See.) zu diskutieren…

Bis plötzlich ein kleiner Sonnenstrahl ins Zimmer lugte! Ich glaube, so schnell waren wir diesen Winter selten vor der Tür. Als wir dann gestern vom Chor nach Hause kamen, haben wir uns schnell die Kamera geschnappt und sind zum Vogelturm gelaufen. Eine so helle Nacht habe ich noch nicht oft gesehen, wir konnten einfach ohne jegliches künstliche Licht durch das kleine Wäldchen zum See wandern.

Wie geht Wochenende?


Unser Wochenende im Schnelldurchlauf:

Freitag, Mittagspause:
Die Kollegen über die Loipensituation in der näheren Umgebung interviewen und sich von Kollege A davor warnen lassen, dass die Vasa-Loppet-erfahrene Kollegin B eine andere Auffassung von „Anfängerstrecke“ haben könnte als Normalsterbliche/blutige Anfänger/Jonas und ich. Auf Kollegen C vertrauen, der „nur“ Bezirksmeister ist und gegen die Strecke entscheiden, die vor unserer Haustür beginnt.

Freitag, Abend:
Die nagelneuen Langlaufskier mit kaugummiartiger Substanz bekleben und über Nacht trocknen lassen.

Samstag:
Blick aufs Thermometer: -10°C und ordentlich Wind. Preisschilder von Schuhen und Skiern abfummeln, Skier in den Twingo schieben (ich liebe dieses Raumwunder!). 20 Minuten AchterbahnAutofahrt durchs Winterwunderland. Auf die Skier stellen und los. Erste Runde (ca. 3 km) in 45 min (zu Fuß wäre das vermutlich schneller gegangen), die zweite immerhin in 30 min. Wegen des eiskalten Windes auf eine dritte Runde verzichten – ich bin mir sicher, wir hätten sie in 15 min geschafft!
Dem Tipp von Kollegen C folgen und ins örtliche Vereinsheim gehen. Göttliche Waffeln mit hausgemachter Erdbeermarmelade und Schlagsahne genießen.
Auf dem Rückweg fröhlich Umwege durchs Winterwunderland entdecken und eine To-Discover-Liste für die nächsten Wochenenden erstellen: Loppis, Antik, Hofladen (Apfelsaft), Auktionshof, Backstube, Hofladen (Milch), Loppis, Hofladen (Ziegenkäse), Antik.
Zuhause ankommen, Sauna anschmeißen. Saunieren. Barfuß durch den Schnee stapfen. Saunieren. Im Dunkeln sitzen. Sicherungskasten suchen. Sicherungskasten verstehen. Sicherungen wieder reindrehen. Essen. Sofa. Bett.

Sonntag:
Muskelkater. Loppis/Antik. Muskelkater. Nahezu neuwertiges Einrad mit Mountainbikereifen für 100 Kronen erstehen (lange gehegter Traum). Muskelkater.
Nachmittag: Jonas = Mugge. Annika = Sofa. Muskelkater. Inspektor Barnaby. Muskelkater. Bett. Bloggen.

So geht Wochenende!

Gassigehen als Wintersport


Gestern Abend beim Zappen haben wir eine uns unbekannte Sportart entdeckt: Draghundsport. Es gibt keinen deutschen Wikipediaartikel dazu und daher fehlt mir jetzt der entsprechende Fachbegriff. Nennen wir es Hundewintersport. Innerhalb dieser Sportart, in der gerade die schwedischen Meisterschaften ausgetragen werden, gibt es diverse Disziplinen, wobei uns einzig das Hundeschlittenrennen mit einem Hundegespann von vier Hunden bekannt war. Daneben gibt es aber auch den Nordischen Stil in der Kombination Mensch mit Langlaufskiern + Hund an Leine. Also quasi Gassi-Langlauf. Eine weitere Disziplin war Mensch mit Langlaufskiern + Hund an Leine + Pulka, wobei der Hund die Pulka zog und der Mensch hinter der Pulka herstolperte und sich bisweilen daran festhielt. Auch sehr lustig anzusehen…

Wie in ernstzunehmenden Sportarten auch, gibt es in diesem Sport diverse Wettkampfformen wie Massenstart, Verfolgung und Staffel. Außerdem gibt es die Wettkampfform combined, da wird der Schlitten unterwegs in einer Box abgestellt und weiter gehts mit Gassi-Langlauf. All das natürlich in verschiedenen Distanzen und Hunderassenklassen…

Anlässlich der schwedischen Meisterschaften, die diese Woche im mittelschwedischen Falun stattfinden, gibt es auf svtplay.se gerade jede Menge Videos, wenn man nach draghund sucht. Unser Lieblingsvideo ist das, wo der Läufer seinen Hund verliert, oder besser: der Hund seinen Läufer – klick.

Alternativ noch ein Video von der Weltmeisterschaft 2011 in Oslo – die Siegerehrung am Schluss bietet allerdings wenig Überraschendes…