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Frühlingsgefühle


Pünktlich zur Tag- und Nachtgleiche und damit zum Frühlingsanfang lud das Wetter endlich mal wieder zu einem Spaziergang ein. Weiter als bis zum Vogelturm haben wir es aber nicht geschafft, denn einen Tag zuvor lag ich noch mit Fieber im Bett und Annika war auch nicht ganz fit. Stattdessen haben wir uns im Windschatten in die Sonne gelegt und einfach nur das Licht genossen.

Die Sonne wärmt jetzt schon wieder richtig, es herrscht auch nicht die ganze Zeit Sonnenauf-/-untergangsstimmung und selbst um sieben Uhr abends ist es nicht mehr stockfinster. Der See ist, bis auf in einigen Buchten, wieder komplett offen und überhaupt sieht man Eis und Schnee nur noch selten. In der Stadt hat man sogar schon angefangen, den Split zusammenzukehren.

Seit einigen Wochen hört man immer öfter Gänse, die aus dem Süden heimkehren, am Hornborgasjön haben sich schon wieder mehrere tausend Kraniche versammelt und an den Bäumen fangen die Knospen an, dicker zu werden. Jedes Jahr ist es wieder schön, die Natur beim langsamen Erwachen aus dem Winterschlaf zu beobachten.

Und da die Natur bekanntermaßen gezähmt werden muss, konnten wir es uns dann nicht verkneifen, eine erste Spritztour mit unserem neuesten Gartenspielzeug zu machen, das wir vor ein paar Tagen abgeholt haben. Über den Winter liegengebliebenes Laub kann man ja auch einfach zerhäckseln, statt es einzusammeln…

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Dezembernachmittag


Noch gut eine Woche bis zum kürzesten Tag des Jahres und bis jetzt hat uns der Winter weitgehend in Ruhe gelassen, wenn man von zwei heftigen Stürmen und Unmengen an Regen mal absieht. Unsere Standardroute zum Vogelturm ist ordentlich überschwemmt und wären die Pfeiler, auf denen der Bohlenweg steht, nicht gut anderhalb Meter hoch, wäre der Turm gerade unerreichbar. Wir waren zwischen zwei und drei heute nachmittag draußen, länger darf man auch gerade nicht mehr warten, wenn man ein paar Sonnenstrahlen erwischen möchte.

Mehr Licht!


Wir wohnen in einem wunderschönen Haus mit nach Süden hin offenem Grundstück und nur wenigen Metern bis zum See. Leider heißt das aber nicht, dass wir auf unserem Grundstück bisher besonders viel von See oder Sonne gesehen hätten, denn zwischen uns und dem See liegt ein Wald und am Zaun zu unserem Nachbarn O. ist seit vielen Jahren nicht mehr gemäht worden, so dass eine ungefähr 10 Meter hohe „Hecke“ aus Birken, Kiefern und anderen Bäumen den Blick nach Süden versperrt. Am Seeblick können wir leider nicht viel ändern, denn der Wald ist ein Naturschutzgebiet und wird wohl so schnell nicht gerodet, aber die Hecke wurde nun ordentlich gestutzt. (Annika nennt die „Hecke“ übrigens hartnäckig „Wald“.)

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Die Einfahrt zu unserem Haus im letzten Jahr. Links die etwas überdimensionierte Hecke.

Angefangen hat das ganze vor ein paar Wochen, als wir nach Hause kamen und O.s bislang völlig eingewachsenes Haus auf einmal von der Straße aus sichtbar war. Wir trafen O. in voller Motorsägemontur einige Äste auf ein großes Feuer werfend. Bisher haben wir O. nur selten gesehen und noch weniger mit ihm geredet, die Bäume wirkten irgendwie auch wie eine Kontaktsperre. Nun stellte sich heraus, dass er noch nicht besonders viel länger in seinem Haus wohnt als wir in unserem und dass er es von seinem Großvater geerbt hat. Der hatte sich schon lange nicht mehr um den Garten gekümmert und nun will O. endlich mal wieder aufräumen – was auch die Bäume zwischen unseren Häusern mit einschloss.

Beflügelt von der Aussicht auf mehr Licht habe ich dann am vorletzten Wochenende angefangen, einige kleine Bäume zu fällen und Triebe abzuscheneiden. Da ich weder eine Motorsäge habe noch damit umgehen kann, musste ich alles von Hand machen, so dass die wirklich großen Lichträuber erst noch stehen blieben. Auf das Ergebnis war ich trotzdem ein wenig stolz und Muskelkater hatte ich einige Tage.

Ergebnis eines halben Tags mit Säge und Astschere – Danach hatte ich Muskelkater.
Ergebnis eines halben Tags mit Handsäge und Astschere.

Als wir dann gestern von unserem Ausflug nach Ulricehamn zurückkamen, qualmte es in O.s Garten und einige Bäume waren nicht mehr da. Heute sollte es weitergehen, und so sind wir direkt nach dem Frühstück rausgegangen, um O. zu helfen. Der war aber noch nicht zu sehen und so machten wir uns erst einmal daran, die Böschungen der Einfahrt von Birkentrieben und den Weg vom liegengebliebenen Herbstlaub zu befreien. Irgendwann tauchte er dann auf und jetzt steht auf der Grundstücksgrenze nur noch eine Eiche, die auch bleiben soll, und eine Kiefer, die völlig in den Zaun eingewachsen ist und erst davon befreit werden muss, bevor sie gefällt werden kann.

Auch wenn wir beim Fällen und Entasten nicht so viel machen konnten, war O. sehr froh über die Hilfe beim Aufräumen und Verbrennen der kleineren Äste und wir sind überglücklich, dass wir jetzt viel mehr Sonne kriegen und es hoffentlich spürbar heller im Haus wird.

Das vollbrachte Tagwerk. Gestern morgen standen
Das vollbrachte Tagwerk. Gestern morgen stand rechts im Bild  noch ein halber Wald.

Frei nach Matthias Claudius


Am Sonntag saßen wir etwas antriebslos auf dem Sofa und überlegten, ob man vielleicht mal rausgehen sollte. Aber der graue Himmel konnte uns irgendwie nicht überzeugen und so kamen wir nicht weiter, als über Nachteile der Draußen-Möglichkeiten (Wandern: Vereiste Wege. Langlaufen: Eisige Loipen. Schlittschuhlaufen: Schnee auf dem See.) zu diskutieren…

Bis plötzlich ein kleiner Sonnenstrahl ins Zimmer lugte! Ich glaube, so schnell waren wir diesen Winter selten vor der Tür. Als wir dann gestern vom Chor nach Hause kamen, haben wir uns schnell die Kamera geschnappt und sind zum Vogelturm gelaufen. Eine so helle Nacht habe ich noch nicht oft gesehen, wir konnten einfach ohne jegliches künstliche Licht durch das kleine Wäldchen zum See wandern.

9. Dezember 2011 – Nu tändas tusen juleljus


Nu tändas tusen juleljus – Nun werden tausend Weihnachtslichter entzündet. Schöner kann man die schwedische Vorweihnachtsstimmung wohl kaum beschreiben. Denn wir sind nicht die einzigen, die jetzt zum Advent ein Licht in Fenster gestellt haben. Wo man auch hinsieht, keine Wohnung, in der nicht mindestens ein Fenster durch einen Adventsstake erhellt wird. Aber auch in Schulen, Bibliotheken, Bürogebäuden, Gemeindehäusern, Werkstätten – wo ein Fenster ist, da ist auch ein Licht.

Lisebergstornet im Weihnachtskleid

Natürlich putzen sich auch die Ortschaften entsprechend heraus, mit Lichterschmuck in Form von Sternen, in Lichterketten eingewickelten Bäumen und stilisierten julgranar (Weihnachtsbäume). Sogar vom 116 Meter hohen Aussichtsturm des Vergnügungsparks Liseberg wurden Lichterketten kegelförmig zum Boden gespannt.

Die schwedische Schriftstellerin und Komponistin Emmy Köhler (1858–1925) hat dieses Gefühl von Licht in der dunklen Jahreszeit in ihrem Lied Nu tändas tusen juleljus eingefangen. Die folgende Aufnahme stammt vom Botkyrka motettkör.

Nu tändas tusen juleljus
på jordens mörka rund,
och tusen, tusen stråla ock
på himlens djupblå grund.

Och över stad och land i kväll
går julens glada bud,
att född är Herren Jesus Krist,
vår Frälsare och Gud.

Du stjärna över Betlehem,
o, låt ditt milda ljus
få lysa in med hopp och frid
i varje hem och hus!

I varje hjärta armt och mörkt
sänd du en stråle blid,
en stråle av Guds kärleks ljus
i signad juletid!