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13. Dezember: Lucia


Am 13. Dezember kriegen die meisten Schulen, Büros, Firmen, Krankenhäuser, Altenheime, Geschäfte, Fabriken, Fitnesstudios, Bibliotheken, Kirchen… in Schweden Besuch von einem Luciazug. Die professionellen Luciagruppen sind bereits seit Anfang Dezember im Einsatz und absolvieren teilweise bis zu 15 Auftritte pro Tag.

Gestern abend hatte ich bereits zwei Luciaveranstaltungen mit zwei sechsten Klassen, einmal für die Eltern, einmal für das gesamte nicht-pädagogische Personal der Schule, Hausmeister, Raumpfleger, Küchenpersonal, Bauarbeiter…

Heute früh das gleiche nochmal für die Klassen 0-2 und 3-5 an der Schule, die mich dieses Jahr als erstes angefragt hat. Pianisten sind am 13. Dezember begehrte Rohware in Schweden.

Üblicherweise ist es noch (oder schon wieder) dunkel, wenn die weiß benachthemdeten Gestalten sich mit (meist elektrischen) Kerzen in der Hand aufstellen, alle mit einem blauen Band um die Taille. Angeführt wird der Zug von Lucia, die eine (zu 99% elektrische) Lichterkrone auf dem Kopf und ein rotes Band um die Taille trägt. Lucia ist meist blond und langhaarig und weiß virtuos den Lockenstab zu hantieren. In Schulklassen wird Lucia oft gewählt, und es wird eigentlich immer die das Mädchen mit den meisten BFF* zur Lucia gewählt, selten das Mädchen mit der schönsten Stimme oder dem schönsten Charakter.

*BFF: Best friends forever. Beste-Freundinnen-Freundschaft mit einer Halbwertszeit bis zu den nächsten Ferien.

Ob Jungen Lucia sein dürfen, wird jedes Jahr auf Neue auf allen Nachrichtenkanälen und in sozialen Medien debattiert; ich habe jedenfalls noch nie einen Lucius gesehen. Den Jungen (so sie denn überhaupt dabei sein dürfen) fällt üblicherweise eine der Rollen Stjärngosse (Sternenknabe) mit weißem Nachthemd und Schultüte… äääh… Spitzhut auf dem Kopf, Pepparkaksgubbe (Pfefferkuchenmännchen) in braunem Schlafanzaug oder Jultomte (Weihnachtswichtel) in rot-weißem Schlafanzug mit passender Zipfelmütze zu.

Im ansonsten achsogleichgestellten Schweden ist die jährliche Luciafeier ein echter Anachronismus.

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13. Dezember 2015 – Lucia


Fällt Lucia so wie dieses Jahr auf ein Wochenende, so finden die Luciafeiern an Schulen und Arbeitsplätzen bereits am Freitag statt. Dieses Jahr war ich an einer anderen Schule als die letzten zwei Jahre, denn die andere Schule war schneller und hatte mich bereits Anfang August für ihren Luciazug gebucht. Ich war nicht ganz undankbar dafür, nachdem die eine Schule mich letztes Jahr zwar eingespannt hatte, mit den Kindern die Lucialieder einzustudieren, mir dann am Luciamorgen (nachdem ich alleine Keyboard und Lautsprecher in die Turnhalle geschleppt hatte), aber eröffnete, dass es doch viiiiiel schöner wäre, die 15 Viertklässler unbegleitet singen zu lassen und mich stattdessen beorderte, den Wassereimer zu bewachen, falls mit den Kerzen etwas schiefgehen sollte. So bin ich bislang selten gedemütigt worden und ich hatte mir fest vorgenommen, nie wieder an dieser Schule Lucia zu feiern (Lucia 2013 an jener Schule war ja auch schon doof gewesen) und so sagte ich der anderen Schule gerne bereits im August mein Mitwirken an allen Luciafeierlichkeiten zu.

Wegen Sparmaßnahmen hat diese Schule gerade keinen Musiklehrer und daher die Einstudierung in die Hände der Klassenlehrerinnen der beiden sechsten Klassen gelegt. Die eine der beiden Lehrerinnen kam Anfang November leicht panisch zu mir, weil sie noch nie eine Luciafeier organisieren musste und selbst zugab, keine Ahnung zu haben, wie man aus 32 Sechstklässlern, die keinen Bock haben zu singen, einen Luciachor macht. Eine Frage schien ihr besonderes Kopfzerbrechen zu bereiten:

– „Annika, hier in den Noten aus dem Weihnachtsliederbuch, da stehen doch immer nur der Text und die Melodie. Ich habe früher ja mal Flöte gespielt und kann Noten lesen und ich finde auch alle Töne auf dem Klavier, aber wenn ihr von der Musikschule das spielt, dann klingt das immer nach viel mehr Tönen… wie macht ihr das?“

Ich erkläre ihr kurz das Prinzip „Liedbegleitung nach Akkordsymbolen“ und dass es im Musiklehrerstudium ein Pflichtfach gibt, das „Schulpraktisches Klavierspiel“ heißt. Es scheint sie zu trösten, dass ich noch hinzufüge, dass ich genauso wenig Ahnung hätte, wenn mein Chef mich plötzlich dazu verdonnern würde, Mathe und Chemie zu unterrichten.

– „Letztes Jahr, da hatten wir eine Praktikantin hier und die konnte ein bisschen Keyboard spielen, aber die hat dann gar keine Melodie gespielt und dann wussten die Kinder nie, auf welchem Ton sie anfangen sollten zu singen.“

– „Mhm, vermutlich hat die Praktikantin dann nur die Akkorde gespielt.“

(Ja, wenn man nur Akkorde spielt, womöglich nur in Grundstellung und dann noch möglichst im Bass, dann erschwert das das Singen erheblich, anstatt es zu erleichtern – vor allem, wenn man mit Kindern singt.)

Sie seufzt tief und fragt dann leicht verzweifelt:

„Könntest du denn beides gleichzeitig spielen, Melodie und Akkorde?“

Würde man einen Profifußballer fragen, ob er gleichzeitig rennen und den Ball dribbeln kann, was würde der wohl antworten? Ich bin zwar deutlich schlechter bezahlt als ein Fußballer, aber… nein, Melodie und Akkorde gleichzeitig zu spielen, stellt kein größeres Hindernis für mich dar. Ich kann dabei sogar singen, den Chorkindern Einsätze zunicken, den anderen Kindern strenge Blicke zuwerfern, wenn sie zu laut werden und wenn es sein muss auch noch gleichzeitig meinen Schlüsselbund aus der Hosentasche ziehen, weil jemand ganz dringend den Schlüssel zum Musiksaal braucht.

Ich verkneife mir jedoch ein Lachen oder einen sarkastischen Spruch, weil ich merke, dass sie ernsthaft verzweifelt ist und die Erwartung ihres Schulleiters schwer auf ihren Schultern lastet. Lucia, das ist nicht irgendein Schulfest, da gibt es so viele Erwartungen und Traditionen, so viele „Aber-das-ist-doch-immer-so-gewesen“, so viele Kollegen und Eltern, die am Ende im Zweifelsfall besser wissen wollen, wie alles hätte sein sollen – ich kann gut verstehen, dass man da verzweifelt, wenn dann auch noch die Klasse nicht singen will (oder auch nicht kann, weil sie keine Hilfestellung bekommt). Sechstklässler sind diesbezüglich außerdem deutlich schwieriger zu motivieren als die unteren Klassen. Und der „Oh-was-sind-die-süß-wenn-sie-singen-Faktor“, der auch trotz noch so schiefem Gejaule den Eltern Tränen der Rührung auf die Wangen zaubert, ist auch nicht mehr der gleiche, wenn ein Teil der „süßen Kleinen“ bereits auf dem Weg in den Stimmbruch ist.

Ich beruhige sie also und demonstriere ihr kurz, wie das klingt, wenn ich einen Chor begleite – mit Melodie und Akkorden. Vorspiel und Zwischenspiel zwischen den Strophen gibt es gratis als Sahnehäubchen dazu.

Danach wirkt sie deutlich entspannter und als ich ihr verspreche, vorher mit den Schülern zwei Proben zu machen und dass ich auch das Einsingen vor den drei Aufführungen übernehmen könne ist sie richtig erleichtert.

Die drei halbstündigen Vorstellungen – eine am Vorabend für die Eltern und zwei am Morgen für Schüler und Personal der Schule und Vorschule – liefen letztlich sehr nett ab. Ich war wirklich nur für den musikalischen Teil verantwortlich, die Lehrerinnen kümmerten sich um die weißen Luciagewänder mit den blauen und roten Bändern für die Mädchen, um Spitzhüte und Sternenstäbe für die Jungen, um Kerzen, Wunderkerzen und Batterien für die Luciakrone.

In der abgedunkelten Mensa stand ein ordentliches E-Piano, ich musste keine Lautsprecher spazieren tragen und sogar an eine Pultlampe für mich hatten sie gedacht. Ich wurde selbstverständlich zum Glöggfika hinterher eingeladen, der Schulleiter hat sich bei mir bedankt und ich bekam sogar noch ein Blümchen von den beiden Lehrerinnen.

Der Komiker Robert Gustavsson und die Schlagersängerin Lena Philipsson treffen in ihrer Luciaparodie den Kern einer klassischen Schulluciafeier ziemlich gut: überambitionierte Mädchen, Jungs, die nie genau wissen, wann sie ihr Solo mit dem Staffanslied haben, ein bisschen Rumgeschubse auf der Bühne und heruntergeleierte Gedichte. Aber so herzig…

3. Dezember 2015 – Wie funktioniert ein Kontrabass


Die Sendung mit der Maus muss ich natürlich keinem Deutschen erklären, aber für unsere schwedischen Leser folgt weiter unten noch eine Erklärung.

Bald beginnen die Weihnachtsferien, aber drei Mal muss ich noch Erstklässler im kulår bespaßen. Leider kann ich ihnen dabei nicht den folgenden Film zeigen, aber immerhin habe ich mir den Trick mit der Kerze abgeguckt und führe den jetzt immer live auf, zum Ende der letzten Stunde, bevor ich in die nächste Schule weiterziehe.

Außer natürlich die panische Angst der Schweden vor offenem Feuer macht mir einen Strich durch die Rechnung. Bei Luciafeiern gibt es vielerorts schon keine echten Kerzen mehr – weder als Krone noch in der Hand getragen –, in den Grundschulen gibt es Diskussionen, ob die Schüler Teelichter auf ihren Tischen haben dürfen und wenn man erzählt, das man an seinem Weihnachtsbaum echte Kerzen hat, wird man sowieso für wahnsinnig erklärt. In der Kulturschule wurde im letzen Jahr ein generelles Kerzenverbot verhängt und als ich letztens in einer ersten Klasse war und mein Abschlussexperiment präsentieren wollte, wurde ich von einer Lehrerin darauf hingewiesen, dass dort nicht einmal mehr Lehrer in pädagogischen Zusammenhängen mit Feuer hantieren dürfen. Nach meiner großspurigen Ankündigung („Jetzt wird gezaubert!“) natürlich eine ganz tolle Antiklimax… Wie die Kinder so allerdings einen verantwortungsvollen Umgang mit Feuer lernen sollen, ist mir ein Rätsel.

Och nu en liten förklaring om Programmet med musen: Programmet startade 1971 som konkurrens till amerikanska Sesame Street och har sedan dess gått varje söndag klockan 11.30. Ett typiskt avsnitt består av två roliga och två sakliga historier, som växlas av med små klipp med en stor orange mus och en blå elefant som är lite mindre än musen. Speciellt de sakliga historier har fått ett rykte att förklara även svåra vetenskapliga och sociala ämnen på ett barnvänligt dock inte barnslig sätt. Detta gör att programmet är populärt inte bara bland barn: Tittarnas genomsnittsålder är nästan fyrtio år.

Sedan programmet började är Armin Maiwald dess programmledare som under 80-talet fick förstärkning av Christoph Biemann och hans legendariska gröna tröja. Nuförtiden finns två programmledare till då Christoph och Armin börjar bli gamla, men trots sina 75 respektive 63 år tänker ingen av de två sluta än.

Viktigt är även introt som alltid är tvåspråkigt:

Woran merkt man…


…dass der Winter kommt? Eine kleine Checkliste:

– Die Kollegen bringen pepparkakor zum fika mit. Check!

– Die Reifen vorbeifahrender Autos machen wieder komische Geräusche. Check! (Die Dubbdäcksaison hat begonnen.)

– Die Kirchenmusikerin am Ort sucht einen Klavierbegleiter für die Borås-Lucia und deren Gefolge. Check!

– Die Kollegen an den Schulen diskutieren, wie die schulinterne Luciafeier aussehen soll und welche Musikschüler welche Stücke begleiten können. Check!

– Schüler kommen mit dem Katalog samt Bestellzettel von Jultidningar, Weihnachtszeitungen, ins Lehrerzimmer.
(Der Katalog enthält vor allem Comiczeitschriften, Koch-, Back- und Bastelbücher sowie Kalender. Für jeden Artikel, den jemand aus diesem Katalog bestellt, bekommt das Kind eine Provision vom Verlag sowie je nach Verkaufsgeschick auch Sachgeschenke im Wert zwischen Kinogutschein und Apfelhandy 6. Angeblich hat sich vor zwei Jahren einer unserer Schüler auf diese Weise ein Quad finanziert.) Check!

– Ich desinfiziere mindestens zweimal täglich mein Unterrichtsklavier. Check!

– Ich sehe mein Zuhause unter der Woche nur noch im Dunkeln. Check!

– Meine Schüler antworten auf die Frage: ‚Wie liefs mit dem Üben?‘ mit strahlenden Augen: ‚Toll! Guck mal, was ich mir selbst beigebracht habe: [Es folgen die ersten sechs Töne des Refrains von Bjällerklang.]‘ Check!

Mein Lucia


Heute feiert man in Schweden Lucia, den Höhepunkt der Vorweihnachtszeit. Für mich war es das erste Mal, dass ich selbst in einer solchen Feier involviert war, die letzten zwei Jahre hatte ich Lucia nur als Zuschauer erlebt.

Als ich heute nacht früh zu einer meiner Dorfschulen fuhr, war es extrem neblig, Sichtweite gefühlt 10 m. Leider ist der halbe Meter Schnee, den wir Anfang der Woche noch hatten, inzwischen wieder verschwunden, dem anhaltenden Nieselregen sei „Dank“. Mööörp…

Endlich angekommen, warteten schon 15 Viertklässler mit weißen Nachthemden Luciagewändern vor der Turnhalle auf mich. In einer Mischung aus Schönheitswettbewerb, Song Contest und Klassensprecherwahl war vor einiger Zeit das blondeste Mädchen mit der schönsten Stimme und den meisten besten Freundinnen zur Lucia gewählt worden und durfte heute die batteriebetriebene Lichterkrone und einen knöchellangen roten Gürtel tragen, die anderen Mädchen hatten Lametta im Haar, eine Kerze mit Pappteller in der Hand und einen blauen Gürtel.

Die Jungen trugen als Stjärngossar – Sternknaben – ebenfalls weiße Nachthemden, als Kopfbedeckung weiße Schultüten Spitzhüte mit Sternen, ein paar gingen als Lebkuchen Pepparkaksgubbar, Pfefferkuchenmännchen. Während ein paar Sechstklässler mir halfen, das olle Keyboard, bei dem das eingestrichene d klemmt, Lautsprecher, Verstärker und Kabelkiste vom Musiksaal in die 200m entfernte Turnhalle zu tragen, bestuhlten die Fünftklässler die Turnhalle für die Eltern. Die Viertklässler durftenkonntenwollten nichts tragen, sonst wären die Nachthemden kaum weiß geblieben.

Während ich noch versuchte, Steckdose, Keyboard, Lautsprecher und Verstärker sinnvoll miteinander zu verkabeln, und zweimal zurück in den Musiksaal lief, um nach einem fehlenden Kabel zu suchen, trudelten die ersten Eltern ein, kurz danach kamen auch die anderen Klassen. Alle Lichter wurden ausgeschaltet und ich fummelte im Dunkeln inzwischen leicht gestresst an meinem Kabelsalat herum, als eine Lehrerin vorbeikam:

– Ach herrje, wir haben ganz vergessen, dir zu sagen, dass wir uns die Anlage beim Herbstfest ausgeliehen haben. Dabei war irgendwie ein Kabel in der Tür eingeklemmt und ist kaputtgegangen. Wir wollten eigentlich ein Neues besorgen, aber das haben wir jetzt irgendwie vergessen. Das geht doch bestimmt auch so?

Ähm… Danke dafür. Inzwischen war es dann auch zu spät, noch schnell in die Musikschule zu fahren und ein Ersatzkabel zu holen.

Das olle Keyboard mit dem kaputten d‘ hat zwar eingebaute Lautsprecher, aber jedes Handy klingt nach mehr. Ich stimmte die Viertklässler also darauf ein, dass sie vermutlich nichts vom Keyboard hören würden, was kurzzeitig eine leichte Panik auslöste. Auch mir war nicht richtig wohl bei dem Gedanken, 20 Minuten quasi unbegleiteten Viertklässlergesang zu präsentieren. Ohne Begleitung trauen die sich ja nicht. Aberwaswillstemachendamusstejetztdurch.

Nun ja, die Dunkelheit und das Kerzenlicht, die Nachthemden und quäkende Kleinkinder im Publikum verschleierten so manches und eine sehr engagiert singende Mädchengruppe verhinderte eine größere Peinlichkeit.

Hinterher hörte ich eine Mutter zu einer anderen sagen: „Es ist total egal, wie es klingt, ich muss jedes Jahr heulen, wenn die Kinder mit den Kerzen reinkommen.“ Na danke… (Notiz an mich selbst: nächstes Jahr nicht vier Wochen für Lucia proben, der Gesang interessiert eh keinen.)

Zum heulen war mir allerdings auch, als ich entdeckte, dass die Kolleginnen fix alle ihre Klassen eingesammelt hatten und verschwunden waren und ich allein mit der nutzlosen Musikanlage in der Turnhalle stand. „Kinder beeilt euch, nächsten Freitag ist die große Weihnachtsabschlussfeier und wir müssen noch ganz viel vorbereiten!“

Erwähnte ich schon, dass ich seit Dienstag mit Fieber zuhause lag und mich heute trotz Nasennebenhöhlenentzündung und mit Paracetamol gedopt zu dieser Veranstaltung geschleppt habe, weil natürlich sämtliche Musikkollegen gleichzeitig bei Luciafeiern an anderen Schulen waren und es schlicht keinen anderen Lehrer an dieser Schule gab, der die Kinder am Klavier hätte begleiten können der gerne völlig sinnfrei tonnenweise Lautsprecher, Verstärker, Keyboards und Kabelkisten spazieren trägt?

Kurz hatte ich den Reflex, alles stehen und liegen zu lassen und nach Hause zu fahren, aber für solche Aktionen bin ich zu gewissenhaft und zu harmoniebedürftig. Die Sechser haben sich jedenfalls gefreut, als ich sie aus dem Unterricht holte, um mir beim Tragen zu helfen.

Als ich wieder zuhause war, um den den Rest des Tages schniefend unter einem Bettenberg zu verbringen und mich sinnfrei vom Fernseher berieseln zu lassen, flimmerten weißgekleidete Gestalten mit Kerzen über den Bildschirm und sangen Sankta Lucia

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Für alle, die trotzdem noch mehr Lust auf Lucia haben:

Wissenswertes über Lucia

Rezept für Lussebullar, das traditionelle Luciagebäck
Lied von den Pfefferkuchenmännchen

12. Dezember 2012 – Lussebullar


Hopp, hopp! Teig kneten! Den Ofen anheizen! Morgen ist schon Lucia, und da dürfen doch die traditionellen lussebullar nicht fehlen. Obwohl ich das mit Safran aromatisierte Hefegebäck geschmacklich gar nicht so aufregend finde. Zum Glück gibt es aber eine leckere Variante, bei der man die Teilchen wie kanelbullar (Zimtschnecken) mit Zucker und Butter füllt. Dann ist es mir auch völlig egal, ob ich jetzt lussekatter (Luciakatzen), julgaltar (Weihnachtseber), gullvagnar (Goldwagen) oder liljor (Lilien) vorgesetzt bekomme. Hauptsache, für Annika sind ein paar ohne Rosinen dabei. Deshalb lasse ich sie jetzt gleich weg.

Goldwagen, Weihnachtswagen, zwei Varianten der Luciakatze, Junge, Lilie, Weihnachtseber und Weihnachtsbrot.
Goldwagen, Weihnachtswagen, zwei Varianten der Luciakatze, Junge, Lilie, Weihnachtseber und Weihnachtsbrot.

Zutaten

50 g Hefe (frisch)
100 g Butter
1/2 l Milch
250 g Quark (nicht den ganz mageren nehmen)
2 Döschen Safran (à 0,1 g, glaube ich)
1 1/2 dl Zucker
1/2 Teelöffel Salz
15 dl Weizenmehl

Für die Füllung:
abgeriebene Schale einer Orange
2 Esslöffel Vanillezucker
1/2 dl Puderzucker
100 g weiche Butter

Für die Glasur:
1 Ei
Hagelzucker

  1. Hefe in eine Schüssel bröseln
  2. Die Butter in einem Topf schmelzen. Milch hinzugeben und handwarm werden lassen. Milch-Butter-Gemisch über die Hefe geben und so lange rühren, bis sich die Hefe gelöst hat.
  3. Quark, Safran, Zucker, Salz und einen Großteil des Mehls hinzufügen. Kneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht, der sich von den Rändern der Schüssel löst. Ca. 30 min. gehen lassen.
  4. Den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche nochmals durchkneten und dann in zwei Hälften teilen. Jeweils zu einer ca. 1/2 cm dicken Platte ausrollen.
  5. Die Orangenschale mit dem Vanillezucker und dem Puderzucker vermengen. Die Teigplatten mit jeweils der Hälfte der Butter bestreichen und die Zuckermischung darauf verteilen. Dann die Teigplatte in der Mitte falten und zuklappen.
  6. Aus dem Teig Streifen schneiden und diese nach Lust und Laune wie auf dem Bild in Form brigen (am häufigsten sieht man heute den julgalt). Noch einmal 20–30 min. gehen lassen.
  7. Den Ofen auf 250°C vorheizen. Die lussebullar mit dem gequirlten Ei bepinseln und Hagelzucker darüberstreuen. In der Mitte des Ofens ca. 5–7 min. backen.

Ein Weihnachtskonzert und der erste Schnee


Wenn die Blogkollegen aus Örebro und Skelleftehamn über ihre ersten Schneeflocken schreiben, dann will ich auch…

Jonas hatte gestern Weihnachtskonzert der Kulturschule mit gefühlten 300 Kulturschulkindern (wahrscheinlich waren’s nur 150, aber wenn jedes Kind noch einen Kontrabass oder ein Einrad mit sich rumträgt, ist die Bühne gleich doppelt so voll). Der Saal mit 800 Plätzen war ebenfalls knackevoll.

Nix da popeliges Weihnachtsvorspiel mit 5 Blockflöten… was eine ordentliche Kulturschule ist, da fährt man schon die ganz große Lightshow und einen ganzen LKW für die Soundanlage auf. Im übrigen war das bereits das dritte Weihnachtskonzert in diesem Jahr – alle Bläser, der Großteil der Rockmusikabteilung, die Zeichentrickfilmer sowie die Tänzer waren bereits in den letzten Tagen zugange gewesen, sodass jetzt nur noch vier Streichorchester, 15 Pianisten, die Zirkuskinder, vier Chöre und natürlich die Lucia-Zeremonie ausstanden. Wäre doch gelacht, wenn man das nicht in drei Stunden über die Bühne kriegen würde!

Ich war übrigens nicht nur als Schlachtenbummler dabei, sondern habe auch ehr(enamt)lich gearbeitet und Jonas‘ Streichorchester vom Klavier aus bei der Titelmusik von The Simpsons und We will rock you unterstützt. Bei den zwei Sätzen aus der Peer-Gynt-Suite wollte er mich und das stylische Stagepiano nicht dabei haben – ich weiß auch nicht, wieso.

Als Organisatorin von diversen AStA-Festen graute mir schon vor dem Abbau der ganzen Bühnentechnik, aber meine Befürchtungen erfüllten sich zum Glück nicht: wirklich alle Kollegen, die an diesem Abend beteiligt waren, blieben bis zum Schluss beim Abbau – wer schon mal eine LKW-Ladung Verstärker und Schlagzeug-Equipment quer durch eine Schule zum Parkplatz raus- und hinterher wieder aus dem LKW in eine Musikschule reingeschleppt hat, weiß was ich meine. Mit 15 Leuten war das jedoch in gut 90 Minuten geschafft.

Gegen 11 waren wir dann soweit, dass wir heimfahren konnten. Der Flüssignebel hatte sich inzwischen in dickflüssige Schneetropfen verwandelt, aber wir waren ja noch unten in Borås. Unser Heimweg führt jedoch über zwei Höhenzüge und dafür müssen wir jeweils knapp 200 Höhenmeter überwinden. Und dort oben war dann munteres Schneegestöber angesagt. Unten in Alingsås wieder Regen, oben auf dem Alefjäll wieder Schnee, zuhause wieder Regen. Fünf Klimazonen in sieben schwedischen Meilen, nicht schlecht für einen Abend. Wenigstens musste ich nur 5 Mal wegen Gegenverkehrs abblenden (soll ja Leute geben, die sowas zählen, ne, Olaf?) und den einen statistischen Elch, den wir pro Monat auf der Strecke sehen, hatten wir auch kürzlich schon abgegolten. Trotzdem waren wir froh, als wir um halb eins daheim waren.

Noch 9 Mal die Strecke. Und der gute Vorsatz: Im neuen Jahr verfahren wir keine vier Tankfüllungen pro Monat mehr.