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Winter? Frühling? Sommer!


Vor zwei Wochen hat es das letzte Mal geschneit, gestern hatten wir bei unserem jährlichem Musikschul-Großkampftag „Musikens Dag“ – Tag der Musik mit 6 Stunden Non-stop Konzert auf der Freilichtbühne – um die 28°C und wir mussten zusehen, dass uns die kleinen Bläser nicht reihenweise in der prallen Mittagssonne umkippten. Als wir abends abbauten, war das E-piano auf der Bühne gelb von Blütenstaub. Und heute entdecken wir, dass der Steg an unserem Hausbadeplatz wieder draußen ist, damit ist jetzt offiziell Sommer!

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Gebadet habe ich noch nicht, dafür war einfach noch keine Zeit. Entweder ist Tag der offenen Tür in der Musikschule oder Jugendmusikfestival in Västerås oder Nationalfeiertag in Norwegen oder Projektwoche oder Konzert hier oder Pipapo dort…

Das Wetter spielt dieses Jahr echt verrückt, erst diese Woche sind die Bäume wirklich grün geworden, sonst passiert das immer um den 1. Mai herum…

Kleine Anekdote am Rande: Erstmalig haben wir dieses Jahr zu unserem jährlichen Engagement zum norwegischen Nationalfeiertag am 17. Mai nicht nur unser Jugendorchester (ab 7. Klasse) mitgenommen, sondern auch noch unser Juniororchester (4.-6. Klasse) mit schwarzer Uniform, grüner Baskenmütze und weißen Handschuhen ausgestattet und nach Norwegen mitgenommen. Für die Kleinen war es das erste Mal, sowohl in Uniform, als auch marschierend aufzutreten. Auf die Packliste hatten wir daher zusätzlich noch geschrieben, dass es sich empfiehlt, unter der Uniform – je nach Wetterlage – lange Funktionsskiunterwäsche zu tragen, weil Marschieren und Musizieren einerseits eine schweißtreibende Sache sein kann und man andererseits beim Absingen der Hymne und Redengeschwinge und Fahnengedöns schon mal eine Weile regungslos in eiskaltem norwegischem Wind rumstehen muss. Und ne dicke Jacke unter der steifen Uniformjacke, das geht auch nicht.. Hat in Norwegen auch alles wunderbar funktioniert, 12-15°C, bewölkt, etwas Wind, da war die leichte Skiunterwäsche unter der Uniform perfekt.

Nun war gestern also unser „Tag der Musik“ und wieder großes Marschorchester und Tamtam und Trara, aber diesmal morgens um 8 schon an die 20°C. Große Parade um 10 Uhr, ca. 15 Minuten Marsch auf Asphalt in der prallen Sonne, anschließend den ganzen Tag Programm auf der Freilichtbühne im Park, kaum Schatten. Und tatsächlich kam eines der Kinder aus dem Juniororchester mit kompletter langer Skiunterwäsche unter der Uniform…

Kann schonmal passieren im schwedischen Winterfrühlingssommer, dass man den Wechsel der Jahreszeiten einfach so… pardon… verschwitzt.

PS: Auf der Facebookseite meiner Musikschule gibt es ein paar Bilder und ein Video aus Norwegen: Klick.

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Hurra, Sommerferien!


Fester Bestandteil und unangefochtener Höhepunkt des schwedischen Schuljahres sind die Abschlussfeiern, mit denen die Schüler in die Sommerferien entlassen werden. Es ist ein bisschen wie eine Kreuzung aus Mittsommerfest, Luciafeier und Nationalfeiertag und mit nichts zu vergleichen, was ich jemals an einer deutschen Schule erlebt habe, weder als Schüler noch als Lehrer.

Die letzten zwei Tage fanden hier an den sechs Schulen, die zum Einzugsgebiet meiner Musikschule gehören, zehn solcher Feiern statt, ich konnte jedoch wegen meiner unterentwickelten Fähigkeit zur Polypräsenz nur die Hälfte davon miterleben.

In den letzten Jahren wurde das schwedische Schulgesetz in manchen Punkten geschärft, unter anderem auch in Sachen Religionsfreiheit. In den Schulen herrscht seither absolute Religionsfreiheit. Und das bedeutet hier nicht Freiheit zur Religion, sondern Freiheit von Religion. Also keine Gottesdienste zu Weihnachten, Schulbeginn oder eben zum Schuljahresabschluss. Besuche in Gotteshäusern jeglicher Art dürfen ausschließlich zu Studienzwecken, nicht jedoch zur Glaubensausübung stattfinden.

Schulgesetz vs. Tradition

Und an diesem Punkt kollidieren Schulgesetz einerseits und Tradition und Praxis andererseits, denn die Abschlussfeiern finden traditionell in der Kirche statt, unter anderem auch deshalb, weil die Kirche meist der einzige Raum am Ort ist, der ansatzweise dem Besucherstrom bei diesen Veranstaltungen gerecht wird. (Man geht hier im Ort von einer Besucherzahl von [Zahl der anwesenden Schüler] x 5 aus, daher werden auch selten mehr als drei Klassenstufen auf einmal verabschiedet.)

Auch gibt es ein paar Sommerchoräle, die den Schweden so lieb und teuer sind, dass sie einfach nicht fehlen dürfen. Der Klassiker schlechthin ist Den Blomstertid nu kommer:

Der deutsche Text der ersten beiden Strophen lautet gemäß Google Translate:

Die blomstertid jetzt
mit großer Freude und Schönheit.
Sie nähern, Süßigkeit, Sommer,
wenn Gras und Getreide keimt.
Mit sanften und lebendige Wärme
an alle, die gestorben sind,
die Sonnenstrahlen Ansatz,
und alles wird neu geboren zu werden.

Die beizulegenden Blumenwiesen
und Ackerland edlen Körner,
die Reichen Kraut Betten
und Hain grünen Bäumen,
Sie werden uns daran erinnern,
Gottes Güte Reichtum,
Wir erwägen die Gnade
das dauert das ganze Jahr.

(Das reicht in etwa für den Inhalt, oder? :-))

Eine Segnung durch den Pfarrer oder gar ein Gebet ist natürlich bei einer solchen Schulveranstaltung ausgeschlossen. All das führt zu einer höchst wackeligen Gratwanderung mit vielen Kompromissen: Kirche – ja, aber ohne Pfarrer, bzw. der Pfarrer nur als Gastgeber, der ein paar wenige – höchst weltliche – Begrüßungsworte sprechen darf. Sommerchoräle – ja, aber nur die Strophen, die von Blümchen und Sonnenschein handeln.

Da die Schulleitungen Anzeigen an die Schulbehörde riskieren, wenn diese Gratwanderung missglückt, gibt man sich oft besonders große Mühe, die weltlichen Aspekte der Veranstaltung zu betonen, indem die schwedische Flagge einen nicht unbedeutenden Raum einnimmt und die Nationalhymne die Choräle ergänzt oder auch ersetzt. (Ich verkneife mir an dieser Stelle einen Kommentar und stelle lediglich völlig wertneutral fest, dass aus musikalischer Sicht Religion ergiebiger ist als Patriotismus.)

Die Musik steht im Mittelpunkt

Dennoch erfreulich ist das Gewicht der musikalischen Beiträge, die sich dann letztlich weltanschaulich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen – Hurra, die Sonne scheint! bzw. Hurra, Sommerferien! Den Löwenanteil der hiesigen Skolavslutningar machen die musikalischen Beiträge aus, die die mal mehr, mal weniger erbaulichen Worte der Schulleiter umrahmen. Diese können von einem kurzen, aber herzlichen Dank an Personal, Schüler- und Elternbeirat bis hin zur viertelstündigen Selbstbeweihräucherung reichen.

In den kleineren Schulen ist es üblich, dass alle Klassen mit ihrem Musiklehrer einen Beitrag vorbereiten, an den größeren Schulen sind es meist nur die Ensembles, ausgewählte Solisten und die jeweilige Abschlussklasse, die sich musikalisch verausgaben dürfen.

Damit es für die Zuhörer nicht langweilig wird, ist auch ein Allsång obligatorischer Bestandteil der Veranstaltung. Neben der Nationalhymne und Den blomstertid nu kommer ist das oft Idas Sommarvisa aus einem der Michel-Filme, die inzwischen als weltlicher Sommerchoral gehandelt wird:

Impressionen

Hier ein paar Impressionen einer Abschlussfeier von Vorschulklasse bis 3. Klasse, bei der ich selbst nicht aktiv war und mich daher auf der Empore drängeln durfte.

Einzug mit Flagge
Die vordere Hälfte des Kirchenschiffes ist für die Schüler und Lehrer reserviert, die mit viel Tamtam – das Orchester sitzt bereits – hinter der Flagge in die Kirche einmarschieren. Die Kirche hat rund 450 Sitzplätze und man tritt sich in den Seitengängen und auf der Empore auf die Füße.
Einzug in die Kirche
Vorschüler und Erstklässler tragen Blumenkränze im Haar, wie an Mittsommer.
Erstklässler und Vorschüler
Das Heer der stolzen Eltern liegt den Kindern zu Füßen, während die Fahnenträger unbeirrt in die Ferne starren.
Ausbeute
Meine Ausbeute am Ende des Tages – deswegen heißt es „Den blomstertid nu kommer“

Dem euphorischen Titel zum Trotz sei übrigens gesagt, dass die Sommerferien für die Lehrer erst in einer Woche beginnen. Bis dahin werden noch alle Spuren des vergangenen Schuljahres beseitigt und konferenzt, was das Zeug hält. Ich kann’s verschmerzen.

Wie ich einmal den norwegischen Nationalfeiertag rettete


Hätte mich vor zwei Jahren, wenige Monate vor unserem Umzug nach Schweden bei der Europa-Arbeitsberatung jemand gefragt, wo ich mich in zwei Jahren sehe, hätte ich wohl eine Sache niemals geantwortet: Ich marschiere in Uniform einer Fahne hinterher und spiele eine Nationalhymne. Doch manchmal geht das Leben eben krumme Wege und dann marschiert man eben auch mal hinterher. Dem Leben. Oder auch einer Flagge.


Die Vorgeschichte

Aber von vorne. Meine Musikschule verfügt über ein gut gebuchtes sinfonisches Blasorchester, das bei Bedarf auch paradiert. Als Klavierlehrer hatte ich bisher mit dem Orchester nur marginal zu tun, aber mein Kollege, der das Orchester leitet, hat mich im Hinblick auf die bevorstehende Deutschlandreise des Orchesters überredet mitzuspielen. Eingeweihte wissen vielleicht, dass ich vor vielen Jahren mal Klarinette gespielt habe, aber leider leidet unser Orchester nicht an Klarinettenmangel, im Gegenteil. Wie also einen Pianisten sinnvoll in ein Blasorchester integrieren? Als Fahnenträger? Notenständer? Nein. Mein Kollege konnte sich jetzt einen langgehegten Wunsch erfüllen: ein Glockenspiel für sein Orchester! Zunächst sollte ich Lyra spielen, aber die 25 Kilo Instrument konnte ich nur entweder tragen oder bespielen, aber nicht beides gleichzeitig. So wurde es also ein Glockenspiel, das ich mit einem Tragegestell wie einen Bauchladen vor mir hertrage.

Szenenwechsel. Das Jugendorchester einer kleinen Kommune in Südnorwegen stellte im Frühjahr dieses Jahres seinen Betrieb wegen Mitgliedermangels ein. Das Festkommittee, das die Feierlichkeiten für den norwegischen Nationalfeiertag plante, stellte daraufhin fest: Nationalfeiertag ohne Musik? Undenkbar! So kam man auf die Idee, ein Orchester von auswärts einzukaufen, aber natürlich waren sämtliche norwegischen Orchester an diesem Tag ausgebucht. Auf verschlungenen Wegen landete die Anfrage vor drei Wochen schließlich bei uns. Als wir alle unsere Jugendlichen für einen Tag vom Unterricht befreit hatten und zusagten, ahnten wir noch nicht, welche Medienresonanz diese Reise mit sich ziehen würde.


Schwedisches und norwegisches Presseecho

Ein schwedisches Orchester marschiert am norwegischen Nationalfeiertag an der Spitze des traditionellen Umzuges? Das war manchen Norwegern nicht geheuer und die norwegische (Klatsch)Presse blies die Sache kräftig auf:

Aftenposten
„Hilfe aus Schweden für die die Nationalhymne am 17. Mai – ‚Ich hoffe, wir werden nicht mit Tomaten beworfen‘ sagt der Dirigent“

Auch schwedische Medien witterten einen Skandal und sparten nicht an Spott:

"Schweden helfen Norwegern beim Feiern"
„Schweden helfen Norwegern beim Feiern“ (Borås Tidning)

Aber eigentlich war es doch eher ein Skandälchen, welches es in Ermangelung noch weltbewegenderer Ereignisse in den Ticker der größten schwedischen Presseagentur TT schaffte und damit auch ins schwedische Pendant zur Bildzeitung:

Norrmännen rasar
„Die Norweger sind wütend: Schwedisches Orchester am Nationaltag. Dirigent: ‚Mal sehen, ob wir es wagen können, dort hochzufahren'“

Das Hickhack, dass daraufhin einsetzte, erreichte schließlich seinen Höhepunkt, als das norwegische Staatsfernsehen NRK letzten Montag  in unserer Orchesterprobe auftauchte, flankiert von diversen schwedischen Reportern, die in erster Linie darüber berichteten, dass das norwegische Staatsfernsehen über ein schwedisches Musikschulorchester berichtete. Metaberichterstattung. Kann ich auch :-)


Im norwegischen Fernsehen

Das nicht mal einminütige Filmchen, das aus 2,5 Stunden Bildmaterial entstanden ist, kann man noch ein paar Tage lang auf nrk.no ansehen. Wir proben hier gerade Norwegens inoffizielle Nationalhymne Norge i rødt, hvitt og blått und unser Dirigent verkündet süffisant grinsend, dass das Stück von einem Schweden geschrieben wurde. Und ja – das Plingpling bin ich und ja, mein Kopf ist die letzten 15 Sekunden im Umfang von einem halben Zentimeter zu sehen.


Der große Tag

Schließlich war der große Tag da: der Syttende Mai. Nach einer kurzen Nacht mit Matratzenlager in einer Grundschule versammelten wir uns um 6.30 zum Morgenappell zur Generalprobe auf dem Schulhof und probten ein letztes Mal unsere Marschaufstellung, das korrekte Anlegen der Waffe des Instruments und natürlich Ja vi elsker dette landet, den Gammel Jegermarsj und ähnlich lyrische Stücke, während der Hausmeister die Flagge hisste. Morgenstimmung in Norwegen hatte ich mir bisher immer ganz anders vorgestellt…

Nach dem Frühstück holte uns dann der Bürgermeister persönlich ab und mit unserem Tourbus ging’s zum ersten der drei Umzüge, die wir anführten. Der Ablauf war im Großen und Ganzen jedes Mal der gleiche: Begrüßung und Nationalhymne an Kirche/Schule/Sportplatz, Abmarsch, Zwischenstopp am lokalen Kriegerdenkmal mit Kranzniederlegung, Schweigeminute und Nationalhymne, danach Weitermarsch zu Schule/Sportplatz/Kirche. Dort Ansprache, Nationalhymne und Blümchenübergabe, ein Stück Torte auf die Faust, zurück in den Bus und weiter zum nächsten Umzug. Ein strammes Programm also und leider hatte ich kaum Zeit zum Fotografieren. Aber natürlich war die Lokalzeitung vor Ort:

Weiter zur Bildergalerie des Tønstads Blad
Quelle: Tønstads Blad, Fotograf: Peder Gjersøe (Aufs Bild klicken um weitere Bilder anzusehen.)

Nicht nur der Zeitmangel verhinderte das Fotografieren, auch die Uniformetikette verbietet das Tragen uniformfremder Gegenstände am Körper. Aber ich oller Rebell und Fotonarr konnte es mir nicht verkneifen und hatte trotzdem meine kleine Kamera unter der Uniform versteckt:

Aller negativen Berichterstattung zum Trotz wurden wir sehr freundlich empfangen und zwischen den allgegenwärtigen Norge, hurra!-Rufen hörte man sogar hier und dort ein Heja Sverige! und viele Menschen bedankten sich auch hinterher noch persönlich bei uns, dass wir die lange Reise auf uns genommen hätten, um ihren Nationalfeiertag zu retten.


Als Deutsche in schwedischer Uniform in Norwegen

Und wie fühlt man sich so, als Deutsche, in schwedischer Uniform hinter einer norwegischen Flagge marschierend? Selbst wenn man mal von dem ganzen militärischen Klimbim absieht und ignoriert, dass Märsche, aus denen der Nationalstolz quillt wie Mayonnaise aus schwedischen Krabbenbrötchen, es wohl nicht mehr in meine persönliche Hitliste schaffen werden und wenn man weiterhin darüber hinwegsieht, dass ich im Geschichtsunterricht soviele Guido-Knopp-Dokus sehen musste, dass der Klang marschierender Schuhe in meinem Gehirn unweigerlich mit wackeligen Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Nürnberger Parteitage verknüpft ist, dann kann ich sagen, dass aus mir kein ordentlicher Patriot mehr werden wird, egal in welchem Land ich lebe.

Ich fühlte mich nämlich gestern vor allem als – Europäer. Und das norwegische Triumphgemüse in rødt, hvitt og blått macht sich ganz ausgezeichnet auf unserem Frühstückstisch.

Norwegischer Blumenstrauß

Nachtrag: Hier noch eine englischsprachige Quelle aus Norwegen: Sweden ‘saves’ Norway 17 May following local row

Ein Tag für die Einwanderer


Fast alle Länder der Welt haben einen Nationalfeiertag. Meistens wird die Staatsgründung oder Unabhängigkeit des Landes gefeiert, manchmal auch das Ende eines Krieges oder andere besondere Ereignisse. Auch Schweden hat so einen Tag, den 6. Juni. Im Jahr 1523 wurde Gustav Vasa an diesem Tag zum schwedischen König gewählt. Dies beendete die Kalmarer Union, die Vereinigung Schwedens, Norwegens und Dänemarks und seither ist Schweden ein eigenständiger Staat.

Obwohl das gefeierte Ereignis schon weit zurück liegt, gibt es den Nationalfeiertag noch nicht sehr lange. Seit 1916 wird der 6. Juni als Tag der schwedischen Flagge gefeiert, an dem aber nicht nicht viel mehr passierte, als dass die Flagge gehisst wurde. 1983 wurde er dann zum nationaldag erklärt, was aber an der Wahrnehmung nicht viel änderte – außer dem Namen war nämlich alles beim Alten geblieben. Erst 2005 wurde der nationaldag auch ein röd dag, also ein freier Tag, und seitdem wird er auch wirklich gefeiert. Zum Beispiel in Kungälv, wo wir bei Wind und Sonne der Parade und dem Hissen der Flagge zugesehen, die Nationalhymne mitgesungen und dem Kinderchor bei Idas Sommerlied zugehört haben.

Übrigens waren es vor allem Einwanderer, die sich darüber wunderten, dass der schwedische Nationalfeiertag gar nicht gefeiert wurde. Und so ist dieser Tag jetzt auch ein Tag der Einwanderer geworden, denn jeder neu eingebürgerte Schwede wird zu den Feierlichkeiten eingeladen und offiziell als Schwede willkommen geheißen.

Da wir schon einmal in Kungälv waren, haben wir auch gleich das schöne Wetter für einen Besuch in der Festung genutzt, die zwar häufig ihren Besitzer gewechselt hat, aber niemals durch Eroberung. Das sie heute eine Ruine ist, liegt nicht etwa an einem Krieg. Nachdem der Göta Älv kein Grenzfluss mehr war, wurde sie einfach nicht mehr benötigt und dem Verfall überlassen.